Folkwang Photo Talk mit Christian Joschke

14.7.2026

Wir freuen uns sehr, zum Abschluss dieses Sommersemesters mit Christian Joschke einen ganz besonderen Gast an der Folkwang Universität der Künste zu begrüßen. Am 14. Juli 2026 wird er im Rahmen der Folkwang Photo Talks sprechen über

Von der Materiellen Geschichte der Fotografie zur Medienarchäologie

In den letzten zehn Jahren hat sich das Feld der Fotogeschichte erweitert und verschoben. Nachdem Bildgeschichte und Visual Studies die Forschung für die Wissenschaftsgeschichte sensibilisiert und damit den Weg zu Bildern, die nicht dem Begriff Kunst entsprachen, noch einmal neu geöffnet haben, wurde immer mehr die Materialität der Quellen in Frage gestellt. Sehr viel intensiver werden nun auch Technik, Medium und Träger berücksichtigt, denn das Materielle gibt ganz eigenen Aufschluss über Fragen von Provenienz, Autorschaft, Nutzung, Zirkulation – sie alle sind wichtig für eine gründliche Kontextualisierung der Bilder. Aus dieser Sicht entwickelte sich eine neu gefasste historische und anthropologische Herangehensweise an die Bilder.

Zum anderen fügt sich die Fotogeschichte in einem neuen Rahmen ein, in welchem auch andere Medien – etwa Fernsehen oder Internet – im Fokus stehen. Sobald man vom künstlerischen Horizont wegschaut, ist Fotografie als »operatives Bild« mit einem weiten Feld der Kulturtechnik der Moderne vernetzt, und dient anderen Funktionen wie etwa dem Versenden von Nachrichten, der sozialen Kontrolle oder forensische Ermittlungsverfahren. Beide Methoden – Materielle Geschichte und Medien-Archäologie – kommen dennoch aus zwei sehr verschiedenen intellektuellen Richtungen. Der Vortrag fragt: In welchem Verhältnis zueinander stehen sie?

Christian Joschke unterrichtet als Professor für Kunstgeschichte an der Beaux-Arts in Paris. Er gehört zu den wichtigsten Fotohistorikern Frankreichs. Als Mitbegründer und Mitherausgeber des Jahrbuchs Transbordeur engagiert er sich inzwischen seit über einem Jahrzehnt für die publizistische Präsenz der fotohistorischen Forschung. Zu seinen Monografien zählen Les yeux de la nation. Photographie amateur dans l‘Allemagne de Guillaume II, Dijon 2012, sowie La Révolution suspendue. Photographie et presse communiste dans l'Allemagne de Weimar (1918–1933), das 2025 bei Macula in Paris erschienen ist. Im Jahr 2023 war er Rudolf Arnheim-Gastprofessor an der Humboldt Universität zu Berlin.

14. Juli 2026, 18 Uhr, Quartier Nord, Raum 2.13 – und online unter diesem Zoom-Link.