Tafel XIV: Der Auslöser

Pluto: KI-Augen

Pluto: KI-Augen

28.2.2026

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Lou Hackl studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist der Beitrag.

Wenn wir darüber spekulieren, ob das Generieren von Bildern zur Fotografie gehört, scheint die Autor*innenschaft an das Verfassen der Prompts gebunden zu sein. Dies ist der Teil des Prozesses, in dem Künstler:innen die Richtung angeben. Darüber hinaus eröffnen sich Möglichkeiten, weitere fotografische Momente in den Arbeitsprozess einzubauen; nicht mit dem Ziel, Objekte oder die Realität abzubilden, sondern zur Aneignung eines unwahrscheinlichen Moments, und damit hypothetisch einer mehrschichtigen Autor:innenschaft.

In seiner Arbeit »KI-Augen« findet der Künstler Pluto einen Weg, den Auslöser zurück in den Prozess zu integrieren. Er wählt gezielt den Moment, in dem er den generativen Algorithmus unterbricht. Seine Entscheidungskraft im Prozess bekommt zur inhaltlichen Ebene eine zeitliche Komponente. Innerhalb des Systems entsteht eine neue Form des Eingriffs und der Kontrolle. Mir scheint, als würde hierdurch die Autor:innenschaft gestärkt. Vor allem kehrt aber die essenzielle, haptische und suchende Erfahrung des Auslösens zurück in den Prozess.

Vilém Flusser vergleicht die Geste des Fotografierens mit altsteinzeitlichem Jagdverhalten, was sich mit dem Fotoapparat ins Dickicht der Kulturobjekte überträgt. Im Moment des Auslösens kulminiert diese Jagd des Unwahrscheinlichen und wird zu Bildmaterial. Pluto erkennt im Prozess die Möglichkeiten des Apparats und überträgt diese Jagd durch die bewusste Unterbrechung des Prozesses auf bildgenerative KI. Er »löst aus«, bevor der Algorithmus sein vorgesehenes Ergebnis in seiner stochastisch bereits vorbestimmten Berechnung erreicht. Es entsteht eine Spannung zwischen Maschine und menschlicher Intervention, zwischen Zufall und bewusster Entscheidung, die eine gewisse Macht in sich hält. Diese Macht ähnelt der Macht, die wir mit einem Fotoapparat und dem Finger auf dem Auslöser innehaben.

Es ist ein Spielfeld, in dem Pluto das Unvorhersehbare fixiert, so wie Fotograf:innen auf ein entscheidendes Motiv lauern. Die Maschine produziert unendliche, im Rahmen der Nutzer:innenoberfläche unvorhersehbare Möglichkeiten, aber eine menschliche Hand entscheidet, welcher Zwischenstand in diesem Prozess eingefroren wird – eine Überraschung, vielleicht in diesem Rahmen »unwahrscheinlicher« als alle Endprodukte, die der Algorithmus von selbst hervorgebracht hätte.