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Stopover 2023

Foto: Volker Crone

Am kommenden Donnerstag, den 19. Januar 2023, eröffnen wir die nächste Ausgabe unserer jährlichen Master-Ausstellung STOPOVER in den Räumen des Museum Folkwang.

Bis zum 11. Juni werden sieben Studierenden des 3. Semesters im M.A. Photography Studies and Practice ihre Arbeiten ausstellen: Volker Crone, Mara Fischer, Marie Lansing, Philipp Niemeyer, Martin Ruckert, Gloria Ruiz Melendez und Julia Unkel.

Außerdem veranstalten sechs Studierende im M.A. Photography Studies and Research – Dortje Fink, Tabea Funke, Sarah Gramotke, Deborah Herber, Malte Radtki und Meike Reiners – am 27. Januar 2023 im Museum Folkwang einen eintägigen Workshop »Mit Fotografien umgehen: analysieren. archivieren. historisieren. konstruieren. schießen. schulden«. Zu Gast sein werden an diesem Tag auch Prof. Dr. Burcu Dogramaci aus München und die Berliner Künstlerin Viktoria Binschtok.

Wir freuen uns auf euch!

Jetzt bewerben!

Dich fasziniert die Auseinandersetzung mit einem Bildmedium, das wie kein zweites unseren Alltag prägt? Wir teilen diese Leidenschaft und freuen uns über deine Bewerbung!

Die Folkwang Universität der Künste in Essen ist die einzige Hochschule im deutschsprachigen Raum, an der die künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit der Fotografie in eigenen Studiengängen unterrichtet wird.

Die Studienplätze in den drei Studiengängen Fotografie (Bachelor of Arts), Photography Studies and Practice (Master of Arts) und Photography Studies and Research (Master of Arts) werden einmal jährlich ausgeschrieben und durch ein Aufnahmeverfahren vergeben, die stets im Frühjahr stattfinden. Die Bewerbungsfrist für die beiden künstlerischen Studiengänge (BA und MA) ist Mitte März, für den wissenschaftlichen Studiengang Ende Mai. Studienbeginn ist das kommende Wintersemester.

Vor einer Bewerbung empfehlen wir, für eine allgemeine Studienberatung und eine Mappenberatung zu den Lehrenden der Fachgruppe Kontakt aufzunehmen. Gerne beantworten wir alle Fragen! Ein Besuch auf der Zeche Zollverein im Quartier Nord ist jederzeit möglich!

Ganz besonders lohnt sich ein Besuch während des Studieninfo-Tags (Mitte Januar), während unseres Rundgangs (Ende Juni) und während der großen Absolventenausstellung »Finale« (Ende September).

Alle Informationen zu den Anforderungen in den Bewerbungsverfahren und ihrem Verlauf, zu den Prüfungsordnungen und Modulhandbüchern sowie zu den genauen Terminen finden sich hier zusammengefasst.

Was kommt?

Charlotte Chapuis: So bin ich, 2019 (Aufnahme), 2021 (Neuinterpretation).

Jetzt für unsere Master-Programme bewerben!

Plakatgestaltung: Daniel Kobert und Viktor Lentzen, unter Verwendung eines Motivs von Tabea Borchardt.

Einmal im Jahr schreiben wir unsere beiden Masterprogramme zur Künstlerischen Fotografie und zu Theorie und Geschichte der Fotografie aus. Wir freuen uns auf Bewerbungen von allen, die wie wir vom Reichtum dieses Mediums fasziniert sind, die gemeinsam mit uns über Geschichte und Gegenwart der Fotografie nachdenken und ihre Zukunft gestalten wollen.

Der Bewerbungsschluss für den M.A. Photography Studies and Practice ist der 15. März 2023, für den M.A. Photography Studies and Research ist es der 31. Mai 2023. Die Mitglieder unseres Teams freuen sich über Rückfragen und geben gerne Auskunft!

Luke Gartlan at Folkwang University of the Arts

On Wednesday, February 1st, 2023 (6 pm CET), the department of photography at Folkwang University of the Arts will have the pleasure to welcome Luke Gartlan from the University St. Andrews in Essen. Luke will give the sixth Folkwang Photo Talk, speaking about »The Duration of Imperial Portrait Photography«. (See abstract below.)

The talk will take place at Quartier Nord and will also be streamed online. For a Zoom link, please email us. We welcome all friends of photography to join us.

Luke Gartlan’s talk will also open the research colloquium for the Theory and History of Photography, which will take place on February 2 and 3, 2023, and is aimed at master’s candidates and doctoral students both inside and outside Folkwang University of the Arts.

Luke Gartlan is one of the most internationally renowned photo historians. For a long time now, the focus of his work has been on the transcultural interweaving history of the photographic. In 2016, his monograph »A Career of Japan: Baron Raimund von Stillfried and Early Yokohama Photography« was published and awarded the Josef Kreiner Prize for International Japanese Studies. He is also co-editor of »Photography’s Orientalism: New Essays on Colonial Representation« (2013) and »Portraiture and Early Studio Photography in China and Japan« (2017). From 2013 to 2018, he was the editor of the journal History of Photography.

Abstract: Irrespective of their differences, theoretical approaches to the portrait photograph have often emphasized the encounter or the event between the photographer and sitter. Colonialist visual culture, however, is less concerned with the contingent or the temporary than the persistent repetition and maintenance of the status quo over generations. In this paper, I intend to address the imperial portrait photograph in its durational modes, extended both in the codes and practices of the sitter’s inherited privilege and networks and in the material object’s afterlives into the present. The Victorian portrait photograph operates not in isolation as a statement of individual subjecthood so much as within exclusionary networks of family, empire, nation, and community that are already presupposed in the portrait session. This paper builds on research into five families in nineteenth-century St Andrews and their parallel pursuit of early photography and colonial »enterprise«. I will address two case studies: firstly, a collage group assembly of the Playfair family and, secondly, the photographic portraits of General James Hope Grant produced in St Andrews, India, and China. In bringing these materials and histories together, I aim to question frameworks of ‘provincial’ portrait photography that have divested the rural and small-town family album of its colonialist engagements, presumptions, and durational archival functions.

Mit Fotografien umgehen

Mit Fotografien umgehen
analysieren.archivieren.historisieren.konstruieren.schießen.schulden

Öffentlicher Workshop, organisiert von Student*innen des wissenschaftlichen Master-Studiengangs Photography Studies and Research zur Theorie und Geschichte der Fotografie
27. Januar 2023, 11–18 Uhr Museum Folkwang, Gartensaal, Museumsplatz 1, 45128 Essen

Fotografische Bilder umgeben uns. Wir alle leben und handeln täglich mit ihnen, ob bewusst und intentional oder nicht. Beständig entwickeln sich neue Handlungs- und Gebrauchsweisen. Gleichermaßen ändern sich die Werte und Bedeutungen, die Fotografien beigemessen werden, wenn sie in neue Kontexte überführt werden. Für eine Verortung des Fotografischen scheint es also vielversprechend, die damit verbundenen Verben genauer in den Blick zu nehmen. Ob analysieren, archivieren, historisieren, konstruieren, schießen oder schulden: In einem eintägigen wissenschaftlichen Workshop wird Fotografie – verstanden als ein Set von Praktiken – aus ganz unterschiedlichen Perspektiven befragt. In sechs interaktiven Kurzvorträgen werden aktuelle studentische Forschungsprojekte präsentiert und zur Diskussion gestellt.

Darüber hinaus sind die in Berlin lebende Künstlerin Viktoria Binschtok und Prof. Dr. Burcu Dogramaci, Professorin für Kunstgeschichte an der LMU München, zu einem Gespräch eingeladen. Viktoria Binschtok verhandelt in ihren Arbeiten Bildquellen und - ökonomien, wenn sie beispielsweise in ihrer Werkreihe »Cluster« die algorithmisch bestimmten Assoziationen digitaler Bildersuchmaschinen aus dem virtuellen in den physischen Raum überträgt. Burcu Dogramaci kartiert im von ihr geleiteten Forschungsprojekt METROMOD die Netzwerke von Exilierung betroffener Künstler:innen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dabei stehen unter anderem Bild- und Ausstellungspraktiken im Fokus, die sich aus diesen Erfahrungen entwickelt haben.

Der Workshop wird konzipiert und realisiert von Dortje Fink, Tabea Funke, Sarah Gramotke, Deborah Herber, Malte Radtki und Meike Reiners.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Workshop wird nicht gestreamt werden.

 

Das detaillierte Programm:

11:00 Deborah Herber und Steffen Siegel: Willkommen und Einführung
11:15 Meike Reiners: Fotoforensik. Methoden zur Befragung von Fotografien
11:45 Malte Radtki: Erinnere mich – zu meinen Bedingungen! Nachlassbewusstsein im privaten Fotoalbum

12:30 Sarah Gramotke: Joachim Schmids »Archiv«: Gefundene Sichtbarkeiten
13:00 Tabea Funke: Fotografische Schuldeingeständnisse

15:00 Viktoria Binschtok und Burcu Dogramaci im Gespräch mit Studierenden

17:00 Deborah Herber: Wer schießt, nimmt teil. Ethische und moralische Verantwortung im Fotojournalismus
17:30 Dortje Fink: Im Westen was Neues - periphere Fotografiegeschichten rücken ins Zentrum

18.00 Abschluss und anschließende Führung durch die Ausstellung Stopover 2023 – M.A. Photography Studies im UG des Museum Folkwang. Die Künstler*innen werden anwesend sein.

Studieninfo-Tag am 20. Januar 2023

Save the date! Am Freitag, den 20. Januar 2023 veranstaltet die Fachgruppe Fotografie gemeinsam mit dem gesamten Fachbereich Gestaltung einen Studieninfo-Tag für alle, die sich für ein Studium bei uns interessieren. Digital wie auch vor Ort im Quartier Nord werden wir über alle unsere Studienangebote informieren. Zum einen über die beiden Lehrangebote zur künstlerischen fotografischen Praxis im B.A. Fotografie und im M.A. Photography Studies and Practice; und zum anderen über unseren M.A. Photography Studies and Research, der sich einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Theorie und Geschichte der Fotografie widmet.

Das Programm für den Studieninfo-Tag findet sich in Kürze hier auf dieser Seite.

Der Stichtag für Bewerbungen zum Wintersemester 2023/2024 ist für die beiden praktischen Studiengänge der 15. März 2023, für den wissenschaftlichen Studiengang der 31. Mai 2023. Alle Informationen zu den Anforderungen in den Bewerbungsverfahren und ihrem Verlauf, zu den Prüfungsordnungen und Modulhandbüchern sowie zu den genauen Terminen finden sich hier zusammengefasst.

Zwei neue Podcasts

Das neue Jahr beginnt mit sogleich zwei neuen Podcasts zur Fotogeschichte. Steffen Siegel, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste, spricht mit Alexander Hamann von Die Motive über das Essener Studienprogramm – in Theorie wie Praxis, über die Bedeutung fotografischer Bilder in unserer eigenen Gegenwart, aber auch über ganz persönliche Vorlieben im Feld des Fotografischen. Christoph Wieland Blaas, Doktorand für Theorie und Geschichte der Fotografie, stellt in der 15. Ausgabe des DFA-Podcast seine Dissertation zu Horst H. Baumann vor und spricht dabei nicht zuletzt über seine Erfahrungen in der Archivarbeit und die Vorbereitungen einer Ausstellung, die sehr bald in Mannheim eröffnen wird.

Am besten gleich reinhören!

Was ist erschienen?

An dieser Stelle informieren wir fortlaufend über neueste Publikationen unserer Team-Mitarbeiter:innen, der Doktorand:innen sowie von Studierenden der Fachgruppe Fotografie. Ausführlichere Informationen zu unseren Monografien und Katalogen finden sich hier.

2022
● Clara Mühle: Eine Kamera und ein Bier. »Innenansicht« aus dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR. In: Rundbrief Fotografie 29.3–4 (2022), S. 4–7.
● »Nicht Grenzen setzen, sondern ermöglichen«. Ute Eskildsen im Gespräch mit Steffen Siegel. In: Fotogeschichte 42 (2022), Heft 166, S. 12–22.
● The Work of Critique. Abigail Solomon-Godeau in Conversation with Steffen Siegel. In: Fotogeschichte 42 (2022), Heft 166, S. 5–11.
● Fotogeschichte 42 (2022), Heft 166: Schreiben über Fotografie II, hg. von Steffen Siegel und Bernd Stiegler.
● Steffen Siegel: Bausteine für eine künstlerische Theorie der Fotografie. Building Blocks for an Artistic Theory of Photography. In: Camera Austria International Nr. 160 (2022), S. 9–18.
● Judith Riemer: »Beste«, »mittlere« und »schlechte Fotos«. Kurt Schwitters als fotografierender Typograf. In: Fotogeschichte 42 (2022), Heft 165, S. 16–25.
● Samuel Solazzo: Zweite Sonne. Bilder verstrahlter Gestade. In: Rundbrief Fotografie 29.2 (2022), S. 4–7.
● Lily von Wild: Die reisende Bergemann vor 1989. In: Thomas Köhler, Katia Reich (Hg.): Sibylle Bergemann. Stadt Land Hund. Fotografien 1966–2010, Berlin 2022, S. 193–203.
● Ardelle SchneiderButterflies and Caterpillars, Dortmund 2022.
● Martina Padberg, Elke Seeger, Steffen Siegel (Hg.): On Display. Der Körper der Fotografie, Essen 2022.
● Wolfram HahnBurgbergstraße, Zürich 2022.
● Jakob Schnetz: Kacheln, Mosaike, Raster. Kalkulierte Natürlichkeit in der digitalen Farbfotografie. In: Rundbrief Fotografie 29.1 (2022), S. 7–20.
● Paul Werling: Das Aussterben anderer betrachten. Zur letzten Sichtung des Kaua’i ‘O-‘o. In: Rundbrief Fotografie 29.1 (2022), S. 4–6.
● Christina Leber (Hg.): Passagen, Frankfurt am Main 2022.
● Michael Romstöck (Red.): FOTO – TEXT – TEXT – FOTO, Essen 2022.
● Paul Werling: Verpixeltes Korn. In: Photonews 34.5 (2022), S. 31.
● Steffen Siegel: Farbfotografie und farbige Fotografie. In: Fotogeschichte 42 (2022), Heft 163, S. 9–18.
● Matthias Gründig, Elke Seeger (Hg.): A List of Distractions, Essen 2022.
● Sophia Greiff: Zwischen Fakt und Erfahrbarkeit – Erzählen an den kreativen Rändern des Fotojournalismus. In: Elke Grittmann, Felix Koltermann (Hg.): Fotojournalismus im Umbruch. Hybrid, multimedial, prekär, Köln 2022, S. 405–431.
● Steffen Siegel: »Alle anderen Bilder sind echt«. Fotografische Aprilscherze in der »Berliner Illustrirten Zeitung«. In: Zeitschrift für Ideengeschichte 16.1 (2022), S. 83–100.

2021
● Matthias Gründig: Ten Dollar Faces: On Photographic Portraiture and Paper Money in the 1860s. In: History of Photography 45 (2021), S. 5–19.
● History of Photography 45.1 (2021): Circulating Photographs, hg. von Maria Antonella Pelizzari, Steffen Siegel.
● Hannes Wietschel: Der Cotopaxi im fotografischen Nebel: Hans Meyers Blick auf widerständige Fotografien. In: Tatjana Bartsch, Ralf Bockmann, Paul Pasieka, Johannes Röll (Hg.): Faktizität und Gebrauch früher Fotografie. Factuality and Utilization of Early Photography, Wiesbaden 2021, S. 139–149.
● Steffen Siegel: Was sich sehen lässt: Zur vergangenen Zukunft des Fotografischen. In: Tatjana Bartsch, Ralf Bockmann, Paul Pasieka, Johannes Röll (Hg.): Faktizität und Gebrauch früher Fotografie. Factuality and Utilization of Early Photography, Wiesbaden 2022, S. 31–45.
● Steffen Siegel: Ein Bild von einem Bild? Über fotowissenschaftliche Reproduktionsstile. In: Rundbrief Fotografie 28.4 (2021), S. 7–16.
● Steffen Siegel: Nicéphore Niépce and the Industry of Photographic Replication. In: The Burlington Magazine 163 (2021), Nr. 1425, S. 1112–1119.
● Fotostadt Essen, Ausgabe 2 (November 2021), hg. vom Zentrum für Fotografie in Essen.
● Hannes Wietschel: Fotografien in der geographischen Bildkritik / Photos in the Context of Geographical Image Criticism. In: Gisela Parak, Elke Bauer (Hg.): Die Empirik des Blicks. Bedeutungszuweisungen wissenschaftlicher Expeditionsfotografie / The Empirical Gaze. Interpretations of Scientific Expedition Photography, Halle an der Saale 2021, S. 52–73.
● Steffen Siegel: Bilder gebrauchen. Fotografien zwischen Kunst, Theorie und Politik / Using Pictures: Photographs Between Art, Theory and Politics. In: Stefan Gronert (Hg.): True Pictures? Zeitgenössische Fotografie aus Kanada und den USA / True Pictures? True Pictures? Contemporary Photography from Canada and the USA, Köln 2021, S. 130–136.
● Steffen Siegel: Wo anfangen? Über die vielfältigen Ursprünge der Fotografie / Where to Begin? On the Multiple Origins of Photography. In: Neue Wahrheit? Kleine Wunder! Die frühen Jahre der Fotografie / New Truth? Small Miracles! The Early Years of Photography, Köln 2021, S. 18–31.
● Judith Riemer: Möglichkeitsraum Fotoalbum. Gestalterische Strategien von Künstler*innen in den 1920er und 1930er Jahren. In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 161, S. 64–67.
● Steffen Siegel: Die Perücke des Patriarchen. Private und öffentliche Blicke im Fotoalbum. In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 161, S. 25–34.
● Fotostadt Essen, Ausgabe 1 (September 2021), hg. vom Zentrum für Fotografie in Essen.
● Matthias Pfaller: Two Photographic Albums at the Getty and Their Relation to the Stock-Photography Market in 1860s Chile. In: Getty Research Journal Nr. 14 (2021), S. 81–102.
● Michael Ponstingl: Wien-imaginaire. Straßenfotografie im 19. Jahrhundert. In: Anton Holzer, Frauke Kreutler (Hg.): Augenblick! Straßenfotografie in Wien, Heidelberg 2021, S. 74–79.
● Steffen Siegel: Über Propagandafotografie / Propaganda Photography. In: Kristina Lemke (Hg.): Neu sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre / New Ways of Seeing. The Photography of the 1920s and 1930s, Bielefeld 2021, S. 168–187, 238–241.
● Elisabeth NeudörflOut in the Streets, Berlin (Hatje Cantz Verlag) Berlin 2021.
● Maxie Fischer, Erdmut Wizisla: »Wir müssen imaginieren«. Ein Gespräch über Bertolt Brecht, Michael Schmidt und die Arbeit mit Archivmaterialien. In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 159, S. 49–55.
● Steffen Siegel: Was ist kein Fotobuch? In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 159, S. 43–48.
● Elisabeth Neudörfl: Das Foto-Fotobuch. In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 159, S. 29–34.
● Sophia Greiff: Artefakte der Recherche. Text, Dokument und Found Footage als narrative Elemente im Fotobuch. In: Fotogeschichte 41 (2021), Heft 159, S. 21–28.
● Fotogeschichte 41 (2021), Heft 159: Weiterblättern! Neue Perspektiven der Fotobuchforschung, hg. von Anja Schürmann und Steffen Siegel.
● Matthias Pfaller: In Kontakt mit dem Medium. Die chilenische Krise im Livestream der Galería CIMA. In: Rundbrief Fotografie 28.2 (2021), S. 7–15.
● Anne Breimaier, Matthias Gründig (Hg.): Hollis Frampton: ADSVMVS ABSVMVS, in memory of Hollis William Frampton, Sr., 1913–1980, abest, Essen (Folkwang Universität der Künste) 2021.
● Steffen Siegel: Wie wird man Fotograf? Timm Rauterts Jahre an der Folkwangschule Essen. In: Timm Rautert und die Leben der Fotografie, Göttingen 2021, S. 18–24.
● Elisabeth Neudörfl: Photographer's Dilemma: »Good« Photography vs. »Good« Architecture. In: Candide. Journal for Architectural Knowledge Nr. 12 (2021), S. 173–190.
● Matthias Gründig: Das Atelier als Goldmühle. Zur Porträt-Photographie des 19. Jahrhunderts als Dispositiv. In: Eckhard Leuschner (Hg.): Der Photopionier Carl Albert Dauthendey. Zur Frühzeit der Photographie in Deutschland und Russland, Petersberg 2021, S. 39–48.
● Steffen Siegel: Der Photograph. Ursprünge eines Berufsbilds um 1840. In: Eckhard Leuschner (Hg.): Der Photopionier Carl Albert Dauthendey. Zur Frühzeit der Photographie in Deutschland und Russland, Petersberg 2021, S. 28–37.


 

Nächster Folkwang Photo Talk mit Jens Schröter

Die Fachgruppe Fotografie freut sich, zum zweiten Folkwang Photo Talk in diesem Wintersemester am 8. Dezember Prof. Dr. Jens Schröter zu begrüßen. Unser Gast ist in Essen alles andere als ein Unbekannter: Vor seiner Tätigkeit als Professor für Medienwissenschaft an der Universität Siegen und, seit 2015, in Bonn war Jens Schröter wissenschaftlicher Mitarbeiter für Theorie und Geschichte der Fotografie in Essen. Sprechen wird er über ein ganzes neues Forschungsprojekt: die UFO-Fotografie.

Ein skurriles und zugleich sehr populäres Genre der Fotografie ist die Erfassung unbekannter Flugobjekte, UFOs. Auch wenn die ersten Bilder dieser Art im späten 19. Jahrhundert auftauchen, beginnt ihre Verbreitung und Diskussion in größerem Maßstab erst nach 1945. Die Fragwürdigkeit des UFO-Phänomens lässt eine seriöse Beschäftigung damit kaum möglich erscheinen, dennoch kann man sich mit den medialen Praktiken und Diskursen beschäftigen, die mit ihm einhergehen – zumal sich die große Popularität nicht leugnen lässt. Erst unlängst gab es, angestoßen durch die Veröffentlichung kontroverser Videos des US-Militärs und zumindest interpretierbarer Äußerungen von Ex-Präsident Obama, eine erneute Popularitätswelle. Aber warum? Welche Arten von fotografischen (oder zumindest fotografisch erscheinenden) Bildern werden produziert? Welche Diskurse und Praktiken sind mit diesen Bildern verbunden? Diesen Fragen soll nachgegangen werden.

Wie immer findet der Vortrag statt im Raum 2.13 des Quartier Nord und beginnt um 18 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Folkwang Photo Talk by Verena Kick

Our »Folkwang Photo Talks« series continues on November 17, 2022, with Verena Kick from Georgetown University in Washington, D.C. Currently, Verena is a research fellow at the KWI in Essen, thus it is a welcome opportunity to invite her to our university. She will speak about

Stop writing! Curate! Digital Curation and Photobook Research

When defining Digital Humanities, it is often about how a research question can be approached with digital methods or tools. When thinking of digital curation (a part of Digital Humanities), at first the curation of exhibitions online may come to mind, which was a necessary step once the Covid-19 pandemic started to spread globally in 2020, and museums and other cultural institutions had to close to the public. My contribution to the Photo Talk series is about a different kind of curation: neither museum curators nor archivists are the curators in this case, but scholars who curate their research in a digital way. In their act of digital curation, it is not only their primary work—in my case the photobook—that is curated online, but also their related research and argumentation. 
Digital curation enables researchers to move away from presenting their research in a primarily written way. They may, for instance, choose a mainly visual way, which, in turn, allows experiencing the primary work differently, possibly gaining new perspectives and insights. In this talk, I will present my digital project on a Weimar Germany photobook as an example of digital curation. On the one hand, I showcase how to possibly curate a photobook online, and on the other, I want to demonstrate how this approach can change the way the photobook is seen and experienced, possibly also opening up different and new ways of understanding it.

The talk will take place on November 17, 2022, at the Quartier Nord, room 2.13. Registration is not required. All friends of photography, and of the photobook in particular, are welcome!

 

Rebecca Racine Ramershoven erhält das Förderstipendium »Zeitgenössische deutsche Fotografie«

Foto: Majid Moussavi

Rebecca Racine Ramershoven, Studentin im M.A. Photography Studies and Practice, wurde von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung mit dem renommierten Stipendium für Zeitgenössische deutsche Fotografie ausgezeichnet! Das zweite Stipendium wurde an Lotte Reimann verliehen. Die Fachgruppe Fotografie gratuliert beiden Preisträgerinnen sehr herzlich!

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung vergibt in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang stets zwei Stipendien für Zeitgenössische deutsche Fotografie. Eine international besetzte Jury entschied sich aus 314 Bewerbungen für den Projektvorschläge von Rebecca Racine Ramershoven und Lotte Reimann. Beide erhalten je 10.000 Euro, um die eingereichten Projekte umzusetzen. Ein Verzeichnis der bisherigen Stipendiat:innen findet sich hier.

Im Zentrum von Rebecca Ramershovens Werk stehen People of Color, die im Laufe ihres Lebens vor Herausforderungen gestellt und für einen Großteil der Mehrheits­gesellschaft nicht existent sind. In »Black is Blue is Gold« wird die Künstlerin mittels Fotografie die Repräsentation und Sichtbarkeit schwarzer Menschen herstellen, um den »white gaze« kritisch zu befragen. In Form von Gesten, Ausdruck, Codes, Styles und Haltung strebt die Künstlerin Inszenierungen an, die sich authentisch an ihren Protagonist*innen orientieren. Die so geschaffenen Porträts werden installativ durch Materialien wie Stoffe und Figuren erweitert und lehnen sich in ihrer Form an traditionelle Altarbilder an.

Franz Göttfried Portraits

Nach längerer, pandemiebedingter Pause wird in diesem Wintersemester die Galerie 52 wiedereröffnet. Den Auftakt macht eine besondere Ausstellung: »Archiv Franz Göttfried« spiegelt die Auseinandersetzung von Simon Baptist, Student im B.A. Fotografie, mit den von ihm entdeckten Glasplatten des Bauern und Fotografen Franz Göttfried. Entstanden sind die Bilder in den 1920er bis 1940er Jahren im Ort St. Lambrecht in Österreich.

Franz Göttfried (1903–1980) porträtierte Menschen aus seinem persönlichen Umfeld. Die hierbei entstandenen Bilder geben einen Einblick in das bäuerliche Leben der Zwischenkriegszeit. Sie zeigen die Menschen von St. Lambrecht an Feiertagen, bei ihrer täglichen Arbeit, oder anderen Zusammenkünften. Nach einem schweren Schicksalsschlag in den frühen 1970er Jahren hat Göttfried einen Großteil seiner Fotografien zerstört. Etwa 500 Glasnegative im Format 9 × 12 cm haben aber in seinem Heimathaus überlebt. Diese Glasplatten befanden sich in den ursprünglichen Verpackungen der Hersteller. Auf der Innenseite der Deckel dieser Schachteln hat er Bildtitel und die Namen der fotografierten Personen notiert.

Inzwischen wurden die gefundenen Glasnegativen sorgfältig digitalisiert. In Form hochwertiger Prints werden sie in der Ausstellung zu sehen sein. Auf Basis der Recherchen über den Fotografen und ausführlichen Gesprächen und Interviews mit Zeitzeug:innen entstand im Jahr 2021 in Zusammenarbeit mit Pia Jakober und Motahar Amiri eine 5-Kanal Videoinstallation (33:33min, loop) die neben Modern Prints des Archivs Franz Göttfried in der Ausstellung zu sehen ist.

Simon Baptist studiert seit 2017 Fotografie an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er hat sich auf dem ehemaligen Hof Franz Göttfrieds ein Atelier eingerichtet und begann sich in der Folge für diese Negative zu interessieren. Hier begannt er auch mit der Aufarbeitung des Archivs, die seit 2020 in enger Kooperation mit dem FOTOHOF archiv in Salzburg geschieht.

Geöffnet ist die Ausstellung vom 28. Oktober bis 30. November 2022 im Quartier Nord der Folkwang Universität der Künste. Der Eintritt in die Galerie 52 ist frei. Die Öffnungszeiten entsprechen denen des Quartier Nord.

Folkwang Photo Talks im Wintersemester 2022/2023

Mit drei weiteren Gästen gehen die Folkwang Photo Talks in diesem Wintersemester in die zweite Runde. Wir freuen uns auf renommierte Gäste:

Am 17. November 2022 wird Dr. Verena Kick von der Georgetown University, Washington, D.C. zu Gast sein. Ihr folgt am 8. Dezember 2022 Prof. Dr. Jens Schröter von der Universität Bonn. Und schließlich wird am 1. Februar 2023, am Vorabend des 15. Forschungskolloquiums für Theorie und Geschichte der Fotografie, Prof. Dr. Luke Gartlan von University of St. Andrews zu Gast in Essen sein.

Alle Vortragsthemen und -termine werden in den kommenden Wochen noch gesondert angekündigt. Stets finden Sie ab 18 Uhr im Quartier Nord statt und richten sich an alle Interessierten innerhalb wie außerhalb der Hochschule. Der Eintritt ist wie immer frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Archival Absences

For the second time, the Bibliotheca Hertziana, the Max Planck Institute for Art History in Rome, and Folkwang University of the Arts, Essen, invite emerging doctoral and post-doctoral scholars, working in the interdisciplinary field of theory and history of photography, to participate in and contribute to a photo-historical seminar. Next year’s topic is

Archival Absences
An Incomplete History of Photography


It will be organized and led by Tatjana Bartsch (Bibliotheca Hertziana), Elizabeth Otto (University at Buffalo), Johannes Röll (Bibliotheca Hertziana), and Steffen Siegel (Folkwang University of the Arts, Essen) and is supported by the Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, Essen.

Rome, Bibliotheca Hertziana, Max Planck Institute for Art History
March 20–24, 2023

Deadline for applications: October 20, 2022
Here is a PDF of this call.

Photo-historical research engages a vast array of materials. Scholars working in this field grapple with photographic images of all kinds—from Nicéphore Niépce’s heliographs to the most recent digital imagery. They are attentive to technologies of photographic production and reproduction as well as to the discourses and practices that frame the images. In manifold ways, photo historians can feel lured by the richness of relevant production and tradition. In other words, photography as a medium is not only easily accessed by countless users for many purposes; from a scholarly point of view, it is also a medium that encompasses a mass of researchable resources, a sheer abundance of personal collections and institutional holdings so vast it might even threaten to overwhelm the scholar.

Despite the massive accumulations of diverse material that potentially fall within the purview of histories of photography, such histories can never be considered »completed.« Instead, they are always partial, shaped by researchers’ interests and questions, conscious and unconscious decisions they make and the materials they are able to access. Like the production of photographs themselves, scholars’ work is framed by what Laura Wexler has called a »set of choices« akin to the crops and omissions that delineate the limits of photography’s purported offer of a window into the past. Paradoxically, the most comprehensive photographic collections and archives most clearly reveal not just the excellence of their own holdings, but also the lapses, gaps, exclusions, and oversights within those holdings. Our written approaches to the histories of photography replicate these relationships between what is present and absent, visible and invisible, available and inaccessible, preserved and lost.

These observations are our point of departure for the research seminar titled »Archival Absences: An Incomplete History of Photography.« Following on the Bibliotheca Hertziana in Rome and the Folkwang University of the Arts in Essen’s initiative for interdisciplinary seminars on the theory and history of photography—founded with the first seminar in 2019 and, beginning this year, supported by the Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung—we are pleased to announce the second such program that invites advanced Ph.D. students and recent post-doctoral scholars to present and discuss their research. With the seminar, we aim to2 develop a focused, multi-disciplinary analysis of the material, institutional, and even personal conditions that shape photo-historical practices of researching, writing, and publishing.

We seek to explore diverse means of knowledge production and methods for probing, mitigating, or bridging archival absences of many kinds. For as much as it is true that photo-historical research can claim an overwhelming opulence of sources, the opposite is always also true: in some cases, the archives’ silences are deafening. We want to delve into the significance of what we do not see, read, and experience, what we do not address, question, and investigate—and the reasons for these absences. We want to query the forces that control the possibility of becoming, being, and remaining present—and, as a corresponding other half of a pendant pair—the power of absence.

Over the past decades, research, especially from feminist and post-colonial perspectives, has offered substantial questions, arguments, and methods for identifying and confronting absences. This research shows the importance of addressing two interrelated lines of questioning: what is missing from the archives, and what is missing in our critical discourses? Drawing on both aspects, we invite applications from emerging scholars who will present new scholarship and, in the context of a week-long seminar, discuss a set of questions that relate to materials and institutions, methods and research fields, canons and historiographies. Among the relevant questions that applicants may wish to consider and that will shape the seminar are:

— What views have photographers captured? What have they missed, and why?
— What logics determine the creation and evolution of archives, analog and digital? How are archives shaped by the epistemic moments of their making, and how do they serve certain histories while betraying others? To what extent do photographers, archivists, or curators rely upon trends, past and present, to shape their photographic inquiries?
— What impacts do disciplinary frames have when it comes to archival care for photo-historical materials and also to scholarly interest? Should we valorize the diverse institutional cultures of presence and absence that prevail in various archives, libraries, and museums?
— How and why do archives select particular materials to collect and thus foster their privileged roles in creating visual histories? How and why do institutions exclude, neglect, or deaccession other materials? What is the impact of objects’ existence in analog or digital formats upon their perceived relevance for scholarly scrutiny?
— Which methods do we pursue when we search the content of an archive? How can we detect, distinguish, and address different types of absences, archival holdings as well as strands of research interests? How do we address the myriad negative spaces that constitute an archive as much as its accessible contents do?
— How do we address the photographic objects, traditions, and indeed entire histories that have been forgotten, damaged, destroyed, suppressed, censored, excluded, vanished, disappeared, or simply lost?
— How do we treat visual objects that, for religious, cultural, or personal reasons, were never intended to be collected or viewed publicly?
— How do we mark the incompleteness of our historiographic work? What theoretical ideas, such as »critical fabulation,« enable us to redress these absences? Can research on archival absences constitute another kind of presence?
— Can photo-historical research practices that address questions of being present or absent serve as role models for other disciplines? Relatedly, how can photo scholars learn from other disciplines grappling with a comparable set of problems?

We welcome proposals from Ph.D. students already in the dissertation phase and recent post-doctoral scholars (maximum of three years since degree) in art history and related disciplines with a strong photo-historical component. The seminar language will be English. All participants will present some aspect of their current research projects, which must relate to the program’s subject matter. Visits to several photographic archives in Rome will be an integral part of the seminar.

The Bibliotheca Hertziana will provide lodging in double rooms and reimburse the incurred expenses for traveling economy class up to 500 euros. In addition, participants will receive a modest daily allowance.

Please upload the following application materials as PDF documents by October 20, 2022, on the platform Selectus
— Title and a 500-word abstract of the proposed topic (all participants will give a 30-minute formal presentation)
— Brief CV (Maximum 3 pages)
— Brief summary of your dissertation or postdoctoral project
— Names and contact details of two references

Questions and queries may be sent to: fototeca@biblhertz.it 

The first seminar was followed by the publication of Circulating Photographs, a special issue of »History of Photography«, vol. 45, issue 1, 2021, co-edited by Antonella Pelizzari and Steffen Siegel. The organizers anticipate selecting a limited number of the 2023 seminar’s final papers for publication in a similar volume.

Finale 2022

Gestaltung: Viktor Lentzen & Daniel Kobert

Wie in jedem Jahr bedeutet der Beginn des Herbstes für uns einen Endspurt: Im großen Folkwang Finale präsentieren 79 Absolvent*innen der letzten beiden Semester ihre Abschlussarbeiten (Bachelor und Master) und geben Einblicke in die aktuellen Fragen der Bereiche Fotografie, Industrial Design und Kommunikationsdesign. Die Ausstellung findet im SANAA-Gebäude am Folkwang Campus Welterbe Zollverein statt.

Die Bandbreite der Arbeiten reicht von Fotografien, Videos, Zeichnungen, Objekten und Installationen bis hin zu grafischen Positionen, Renderings und Simulationen. Mit dabei sind unter anderem eine Lötrauchabsaugung, die Arbeitsschutz demokratisieren soll, eine Fotoserie, die Veränderungen in bewohnten Zimmern darstellt, sowie eine spekulative Arbeit, die Rituale und Artefakte hinterfragt, die den Tod oft verhüllen und distanzieren.

Die Eröffnung des Folkwang Finales 2022 findet am Donnerstag, den 29. September, um 19.00 Uhr im SANAA-Gebäude, Gelsenkirchener Str. 209, statt. Anschließend ist die Ausstellung von Freitag, 30. September, bis Sonntag, 09. Oktober, täglich von 12.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Grundlagen der Fotografie

Die Folkwang Universität der Künste ist die zentrale künstlerische Ausbildungsstätte für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft in Nordrhein-Westfalen mit Campus und Veranstaltungsorten in Essen, Duisburg, Bochum und Dortmund.

Die Folkwang Universität der Künste besetzt zum 01.10.2023 eine

W2 Professur für das Fach Grundlagen der Fotografie

Fotografie wird an der Folkwang Universität der Künste in seiner gesamten Breite als ein interdisziplinärer Gegenstand zwischen Kunst, Gestaltung und Wissenschaft gelehrt. Der Bachelor-Studiengang Fotografie vermittelt auf umfassende Weise die Grundlagen des vielfältigen Mediums. Er zielt darauf, im Verlauf von acht Semestern die Entwicklung einer eigenständigen bildnerischen Position zu ermöglichen.

Wir suchen eine herausragende Künstler*innenpersönlichkeit mit ausgewiesenen profunden Kenntnissen und Erfahrungen im Bereich Fotografie. Im Fokus der ausgeschriebenen Stelle steht die Vermittlung fotografisch-künstlerischer Grundlagen in ihrer ganzen Breite. In der Bewerbung sollen die Vorstellungen der Bewerber*innen zur Grundlagenlehre auch in Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der Fotografie ausführlich dargelegt werden. Darüber hinaus soll im Werk ein eigenständiger Schwerpunkt erkennbar sein, der die bestehenden Lehrgebiete ergänzt und in den weiteren Verlauf des Bachelor-Programms integriert werden kann.

Wir wünschen uns Bewerber*innen mit einem großen Interesse für die fotografischen Anliegen der Studierenden. Sie sollen die Anforderungen an den Unterricht in den Grundlagen im fotografischen Feld, das permanenter Wandlung unterworfen ist, mit großer Neugier reflektieren und im Team mit den weiteren Lehrenden weiterentwickeln. Wir setzen ein ausgeprägtes gesellschaftliches und künstlerisches Bewusstsein voraus. Ziel der Lehre ist die Ausbildung eigenständiger, forschender und kritischer Künstler*innenpersönlichkeiten mit einem hohen Grad an Verantwortung für das fotografisch-künstlerische Handeln.

Erwartet wird ein abgeschlossenes einschlägiges Hochschulstudium, eine mindestens fünfjährige erfolgreiche künstlerische Praxis sowie eine mindestens zweijährige Erfahrung in der Hochschullehre. Erwartet wird die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Lehrenden und Studierenden im Studiengang Fotografie und im Fachbereich Gestaltung, sowie darüber hinaus im weiteren Umfeld der Folkwang Universität der Künste mit den Fächern Tanz, Theater, Musik und Wissenschaften. Erwünscht ist das Engagement bei der Einwerbung von Forschungs- und Drittmitteln.

Im Übrigen sind die Einstellungsvoraussetzungen in § 29 Gesetz über die Kunsthochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen (Kunsthochschulgesetz – KunstHG NRW) geregelt. Neben der Lehrtätigkeit wird eine engagierte interdisziplinäre Zusammenarbeit mit potenziell allen Studiengängen der Hochschule erwartet; in diesem Kontext ist neben dem Konzept für die Lehrtätigkeit im Grundlagenunterricht und im Bachelorstudiengang Fotografie zusätzlich ein Exposé für ein interdisziplinäres Unterrichtskonzept an der Folkwang Universität der Künste vorzulegen. Hinweise zu den Anforderungen des Faches finden sich in den entsprechenden Modulhandbüchern, die auf der Homepage der Hochschule veröffentlicht sind.

Die Mitarbeit an der hochschuldidaktischen Weiterentwicklung und in Gremien der akademischen Selbstverwaltung der Folkwang Universität der Künste sowie der Weiterentwicklung der Studienprogramme der Hochschule ist obligatorisch.

Einstellung
Die Stellenbesetzung erfolgt in der Regel unbefristet – je nach vorliegenden Voraussetzungen – im Rahmen eines Beamt*innenverhältnis oder im Angestelltenverhältnis mit Privatdienstvertrag. Soweit die pädagogische Eignung noch festzustellen ist, erfolgt die Beschäftigung zunächst befristet. Die Besoldung/Vergütung richtet sich nach der Besoldungsgruppe W2 der Landesbesoldungsordnung W (LBesO NRW) i.V.m. dem Besoldungsgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen (LBesG NRW). Die Lehrverpflichtung beträgt z. Zt. 13 Semesterwochenstunden.

Allgemeine Hinweise zum Bewerbungsverfahren
Die Folkwang Universität der Künste strebt bei weiblicher Unterrepräsentanz eine Erhöhung des Anteils an Frauen an und fordert deshalb einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Frauen werden nach Maßgabe des Landesgleichstellungsgesetzes bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung bevorzugt berücksichtigt, sofern nicht Gründe überwiegen, die in der Person eines Mitbewerbers liegen.

Die Bewerbungen von Menschen mit Behinderung bzw. diesen Gleichgestellten im Sinne des § 2 SGB IX sind erwünscht, sie werden bei entsprechender Eignung bevorzugt eingestellt.

Die Folkwang Universität der Künste versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert Maßnahmen zur besseren Vereinbarung von Arbeit und Leben

Hinweis zum gendersensiblen Formulieren 
Die Folkwang Universität der Künste nutzt den Gender-Stern und genderneutrale Formulierungen, um verschiedene Identitäten sprachlich einzuschließen.

Hinweis zum Datenschutz
Mit Ihrer Bewerbung erklären Sie sich einverstanden, dass Ihre personenbezogenen Daten vorübergehend gespeichert und zur Abwicklung des Bewerbungs- und ggf. eines Einstellungsverfahrens gespeichert werden. Wir behandeln diese Daten mit größter Sorgfalt nach den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz.

Bewerbung 
Bitte richten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einer einzigen PDF-Datei (ohne Bewerbungsfoto) und ein Portfolio in einer zweiten PDF-Datei bis zum 30.09.2022 an den Rektor der Folkwang Universität der Künste und nutzen Sie hierzu das untere Online-Bewerbungsportal der Hochschule.

Bitte senden Sie Ihre Arbeitsproben zusätzlich per Post mit der gleichen Frist an:
Rektor der Folkwang Universität der Künste
Campus Welterbe Zollverein | Quartier Nord
Martin-Kremmer-Straße 21
45327 Essen

Das Vorstellungsverfahren findet voraussichtlich im späten Herbst 2022 statt.

Bei inhaltlichen Fragen zur Stelle wenden Sie sich bitte an Professorin Elisabeth Neudörfl.
Bei Rückfragen zum Exposé für ein interdisziplinäres Unterrichtskonzept können Sie sich an die Prorektorin für Studium und Lehre, Professorin Elke Seeger, wenden.
Bei allgemeinen personalrechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte die Abteilung Personal.
Bei Fragen zur Gleichstellung der Geschlechter wenden Sie sich bitte an die zentrale Gleichstellungsbeauftragte Nina Kaiser.

Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung fördert Tagungsserie

Was vor drei Jahren seinen Auftakt erlebte, wird bis 2027 dreimal seine Fortsetzung finden: Im März 2019 veranstaltete die Bibliotheca Hertziana, das Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom, gemeinsam mit der Folkwang Universität der Künste in Essen einen einwöchigen Studienkurs, der sich an Doktorand:innen richtete, die zur Theorie und Geschichte der Fotografie forschen.

Fotoforscher:innen aus insgesamt acht Ländern haben in Rom ihre Projekte zum Thema »Circulating Photographs: Materials, Practices, Institutions« vorgestellt und diskutiert. Darüber hinaus standen vier »field trips« zu renommierten Fotoarchiven und -sammlungen auf dem Programm. Die Ergebnisse dieser Tagung sind 2021 als ein Themenheft der Zeitschrift History of Photography erschienen.

Hieran wollen Johannes Röll und Tatjana Bartsch von der Fototeca der Bibliotheca Hertziana und Steffen Siegel von der Folkwang Universität anknüpfen. Mit großzügiger Förderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung werden sie auch in den Jahren 2023, 2025 und 2027 internationale Studienkurse zur Fotogeschichte ausrichten. 2019 konnte Antonella Pelizzari vom Hunter College in New York als Kooperationspartnerin gewonnen werden, 2023 wird Elizabeth Otto von der University at Buffalo die Mitveranstalterin sein.

Der nächste Studienkurs wird sich vom 20. bis 24. März 2023 dem Thema »Archival Absences: An Incomplete History of Photography« widmen. Ausgeschrieben wird er Ende August dieses Jahres.

Nächster Folkwang Photo Talk mit Olga Moskatova

Am 30. Juni findet der dritte und für dieses Sommersemester letzte Vortrag im Rahmen der Folkwang Photo Talks statt. Wir freuen uns sehr, dass wir Olga Moskatova bei uns im Quartier Nord zu Gast haben werden! Sprechen wird sie über »Smart Images. Bildplattformen als Medien der Klassifikation«.

Olga Moskatova ist Juniorprofessorin für Medientheorie mit dem Schwerpunkt Visualität und Bildkulturen an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. An der Universität der Künste in Berlin und an der Université Stendhal 3 Grenoble studierte sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation. In ihrer Dissertation mit dem Titel »Male am Zelluloid. Zum relationalen Materialismus im kameralosen Film« beschäftigte sie sich mit Filmen der Avantgarde und ihrer Materialität.

Bildplattformen sind mediale Umgebungen, in denen zentrale Aspekte und Mechanismen der zeitgenössischen digitalen Foto-Kulturen zusammenkommen. Digitale Fotografien sind heute vor allem vernetzte Bilder, die über Social Media konsumiert, distribuiert und geteilt werden. Dabei ist der Begriff »Plattform« bzw. »Plattformisierung« keineswegs neutral, sondern steht für die Transformation des offenen Internets hin zu einer Kultur der Konnektivität, die den Wunsch nach Partizipation und vernetzter Sozialität in ökonomisch verwertbare Strukturen gegossen hat. Statt neutrale Räume phatischer visueller Kommunikation zur Verfügung zu stellen, sind digitale Plattformen mit Machtstrukturen durchsetzt. In meinem Vortrag möchte ich Klassifikation als eine Form der Plattformmacht herausgreifen und diskutieren, wie Bilder auf Plattformen sowohl Gegenstand der Klassifikation sind, als auch selbst klassifikatorisch wirken und so als »Smart Images« fungieren.

Der Talk findet am 30. Juni um 18 Uhr im Raum 2.11 im Quartier Nord der Folkwang Universität der Künste statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Kritik

Gloria Ruiz Melendez on the Exhibition »On Display«

»On Display«, exhibition view at Kunstmuseum Ahlen, 2022. Photo: Samuel Solazzo.

The Unattainable Border
By Gloria Ruiz Melendez

»A wormhole«, I wrote in my note app as the first impression of the double feature in the Ahlen Kunstmuseum: »Neue Wahrheit? Kleine Wunder! Die frühen Jahre der Fotografie« and »On Display: Der Körper der Fotografie«. A feeling of symmetry, of a mirrored image, of a question as old as the technology of Photography: Where do the possibilities end? Is there more? Questions asked in the 19th century with a resonance in today’s contemporary Art and Photography theorization and practice world, not only in this specific set of expositions but also in others that aim to reflect on the very nature of the limits of the medium, in a time when photography has become absolutely immersive in our everyday life, integrated into our routine as something that it’s »there« and we seldom think about. Photography has become the way we see and not the other way around, a mass of data that flows with a life of its own, like a river.

In »On Display: Der Körper der Fotografie«, more than an exploration body, it’s the attempt of digging it to its bones, confronting the audience with the notion that we’re watching, confronting us with our expectations around photography in our private and public life, something mundane but also intimate. Joan Fontcuberta explains in »Photography, Crisis in History«: In Photography two facets have necessarily coexisted: (1) the image as visual information (2) the physical support of a medium, objectual dimension. In the daguerreotype, the plate embodies an image. In the archive, the information aspect prevails. In a museum, it’s the objectual aspect. On Display takes on the specific task to scratch, taking techniques and methods of the past into a contemporary while »Neue Wahrheit? Kleine Wunder! with their stereographs, which have been the basis of the very contemporary world of Augmented Reality and Virtual Reality, reminds us that this urge to grasp reality in new and more encompassing ways has been a part of the very nature of Photography since it’s conception.

The rules about photography keep changing and getting looser, as nowadays we’re able to create images that don’t really exist, and Artificial Intelligence can combine, merge and interpret images in a way that sounded like science fiction only mere decades ago. The urge to adopt and reject technology, the urge to keep photography in »its body«, like a reversed exorcism, when Photography seems to start losing its materiality and becoming pure data. Photography is about control, but also about leaving room for coincidence and exploration while finding a lot of the same urges in the neighbor Exposition: »to have been there«, memories, events, the word Truth.

Where does the border lie? For Photography, it feels like the Borgean »Book of Sand«: never-ending, shapeshifting, always bringing a new page into a seemingly never-ending book.

Gloria Ruiz Melendez has been a DAAD student at Folkwang University of the Arts since 2021.

On Display: Sarah Gramotke über die Fotogramme von Eleonora Arnold und Simon Ringelhan

Eleonora Arnold: Frames: Silber, Herz, Schnee, 2022. Installationsansicht Kunstmuseum Ahlen. Fotografie: Samuel Solazzo.

»On Display. Die Körper der Fotografie« heißt eine Ausstellung von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai 2022 im Kunstmuseum Ahlen zu sehen ist. Zu den dort ausgestellten achtzehn Werken treten achtzehn Texte, die gleichfalls von Studierenden der Folkwang Universität der Künste geschrieben worden sind. Im Frühjahr 2022 werden Bilder wie Texte in einem Katalog erscheinen, herausgegeben von Elke Seeger und Steffen Siegel, die gemeinsam mit Martina Padberg vom Kunstmuseum Ahlen das Projekt »On Display« geleitet haben.


Selbstbewusste Objekte? Blick auf Dinge durch das Fotogramm
Von Sarah Gramotke

Die fotografischen Bilder von Eleonora Arnold sind ohne Kamera entstanden. Es handelt sich vielmehr um Fotogramme, eine Spielart des Fotografischen, die in der Ausstellung außerdem durch Simon Ringelhan vertreten ist. Objekte werden wie bei einem Röntgenvorgang auf einer fotosensitiven Oberfläche dem Licht ausgesetzt. Wo kein Licht hinfällt, wird das Papier folglich nicht schwarz, sondern bleibt weiß. Das Licht erhellt nicht, sondern verdunkelt. Eleonora Arnold zeigt transluzide Rahmen mit in Flüssigkeit schwimmenden Herzen, silbrigen Glitzerpartikeln und Schnee, keine auf klassische oder gar normative Kunst verweisende Goldrahmen.  Der ebenfalls gezeigte barocke LED-Rahmen kommt ganz ohne Glanz daher. Sechs Lämpchen schlagen sich in rot-orangenen bis gelben Rahmeninhalt, innen wird ein sich hell abgesetzter Rahmen aufgeworfen. Dabei entfaltet er eine ganz eigene Aura. So werden die sich in ihrer Bedeutung aufspaltenden fotografischen Objekte vor Augen geführt, wie das Meer, das Simon Ringelhan mit Blitzlicht erst auf Fotopapier und dann in eine Holzkiste gebannt hat.

Welche Rolle kommt den fotografischen Objekten der Fotogramme Arnolds und Ringelhans zu? Der Fotopionier William Henry Fox Talbot war überzeugt davon, dass fotografische Objekte wie Gebäude von sich selbst mit Licht ein eigenes Bild malen. Wenn auch Menschen mit Bakterien einen sich ändernden Teil nichtmenschlicher Zellen beherbergen, warum sollte den Dingen dann ein Eigenleben abgesprochen werden? Solche, die den Fotogrammen das Element des Unvorhersehbaren hinzufügen?

Es fällt aufgrund Arnolds spielerischer Herangehensweise leicht, bei ihren Werken über die Art der Repräsentationen, den direkten Zugang zur physischen Welt, nachzudenken. Auch wenn das als erste erhaltene Fotografie bezeichnete Bild einen Ausblick aus dem Fenster zeigt, war die Realität schon immer zu komplex, um von Fotografien in einen Rahmen gefasst zu werden. So gesehen lässt sich von wortwörtlichen Rahmen auf metaphorische Rahmungen schließen, seien es Museen oder Diskursräume, in denen Auswahlprozesse wie Bilderrahmen oft unbemerkt bleiben. Was werden wir in Zukunft als »einrahmenswürdig« empfinden? Was macht uns Menschen aus und wie produzieren wir kulturelle Rahmungen, auch durch Fotografien?

Angesichts der aktuell gegenläufigen Entwicklung analoger Wiederkehr und digitaler Fotografie lässt sich Arnolds Arbeit als eine Hommage an die Fotogeschichte lesen, die zugleich in die Zukunft weist: Durch künstliche Intelligenz benötigt es zur Bildschaffung bald wohl keine Kameras oder andere Apparate mehr, kein die Fotografie definierendes Licht, keine Farbe oder Materialität, da aus einem großen KI-Archiv genau maßgeschneiderte Fotos geschöpft werden können. Selbst porträtieren kann sich eine KI jedoch nicht, da sich das Menschliche unwiderruflich eingeschrieben hat, wie auch in die Bilderrahmen. Fotogramme sind genauso auf Menschen angewiesen wie Algorithmen. So stellt sich die Frage, ob es nichtmenschliche Fotografie überhaupt geben kann, ebenso wie menschliche Fotografie.

Sarah Gramotke studiert seit 2021 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

On Display: Annekathrin Müller über Larissa Zausers »Cumulus (Haufenwolken)«

Larissa Zauser: Cumulus (Haufenwolken), 2022. Installationsansicht im Kunstmuseum Ahlen. Fotografie: Samuel Solazzo.

»On Display. Die Körper der Fotografie« heißt eine Ausstellung von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai 2022 im Kunstmuseum Ahlen zu sehen ist. Zu den dort ausgestellten achtzehn Werken treten achtzehn Texte, die gleichfalls von Studierenden der Folkwang Universität der Künste geschrieben worden sind. Im Frühjahr 2022 werden Bilder wie Texte in einem Katalog erscheinen, herausgegeben von Elke Seeger und Steffen Siegel, die gemeinsam mit Martina Padberg vom Kunstmuseum Ahlen das Projekt »On Display« geleitet haben.


Cumulus – diesseits und jenseits des latenten Bildes
Von Annekathrin Müller

Die Erfindung fotografischer Verfahren war eng mit dem Wunsch verbunden, mit Hilfe des Lichtes erzeugte Bilder haltbar zu machen und sie damit länger als für einen Augenblick sichtbar werden zu lassen. Lange bevor Louis Jacques Mandé Daguerre in Frankreich und William Henry Fox Talbot in England mit ihren 1839 veröffentlichten Methoden das Lichtbild zu fixieren wussten, spielten Bildprojektionen eine wichtige Rolle. Als Apparate hierfür kamen zum Beispiel die Camera Obscura und später die Laterna Magica zum Einsatz. Mit der Camera Obscura konnten die Bilder jedoch nur in dem technischen Körper, in dem sie erzeugt wurden, betrachtet werden. Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts fanden beständige Lichtbilder große Verbreitung. Nachdem die ersten Schritte getan waren, bannte man sie fortan auf Trägermaterialien sehr unterschiedlicher Art.

Die Anordnung der Apparaturen in Larissa Zausers Arbeit »Cumulus (Haufenwolken)«, 2022, vereint Mechanismen der Projektion mit denen des Fixierens. In einer begehbaren Lochkamera wird über einen Spiegel jenes Bewegtbild umgeleitet, das außen vor der Kamera auf einem Flachbildschirm erscheint. Es trifft auf lichtempfindliches Papier eines leeren Buches, das im Inneren der Camera Obscura zur Belichtung ausgelegt ist. Im Anschluss an die Ausstellungslaufzeit wird Zauser die Buchseiten im Labor entwickeln – die entstandenen Belichtungen zeugen damit von dem Zeitraum, den wir gerade erleben. Auf diese Weise verwandelt sich ein bereits festgehaltenes Bild wieder in ein latentes, um schließlich erneut zu einer permanenten Erscheinungsform zu finden. 

Zugleich umfasst die Arbeit mehrere, für uns heute geläufige Möglichkeiten zur Betrachtung von Fotografie: Neben die Wiedergabe digitaler Bilddateien auf einem Monitor sowie die Projektion tritt der klassische analoge Abzug auf Fotopapier, der zusätzlich in das Gewand des Fotobuchs gekleidet ist. Dass die auf dem Flachbildschirm wie Wolken vorüberziehenden Bewegtbilder von EarthTV.com stammen und – minimale Verzögerungen eingerechnet – den aktuellen Wetter-Status verschiedener Städte rund um den Globus in Echtzeit in den Ausstellungsraum streamen, ergänzt das ohnehin komplexe Verhältnis zwischen apparativ aufgezeichneter Realität und Zeit um weitere Ebenen.

Jean Baudrillard stellte fest, dass Digital- und Videobilder, die in Echtzeit ablaufen, nicht den diskreten Charme eines früheren Lebens hätten. Eigentlich sei es aber diese leichte Zeitverschiebung, die es dem Bild möglich mache, als solches zu existieren, als die von der realen Welt verschiedene Illusion. Larissa Zauser hat diese Modi in ihrer Komposition miteinander verwoben. Im Hinblick auf die Zukunft und neue technische Möglichkeiten ergeben sich in Anlehnung daran weitere Spekulationen zum Illusionscharakter apparativ generierter Bilder. Ich frage mich, ob sich auch imaginäre Bilder eines Tages projizieren lassen?

Annekathrin Müller studiert seit 2020 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

On Display: Hao Wen über Anna Traskalikovás »Bildermaschine«

Anna Traskaliková: Bildermaschine (Detail), 2022. Installationsansicht im Kunstmuseum Ahlen. Fotografie: Samuel Solazzo.

»On Display. Die Körper der Fotografie« heißt eine Ausstellung von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai 2022 im Kunstmuseum Ahlen zu sehen ist. Zu den dort ausgestellten achtzehn Werken treten achtzehn Texte, die gleichfalls von Studierenden der Folkwang Universität der Künste geschrieben worden sind. Im Frühjahr 2022 werden Bilder wie Texte in einem Katalog erscheinen, herausgegeben von Elke Seeger und Steffen Siegel, die gemeinsam mit Martina Padberg vom Kunstmuseum Ahlen das Projekt »On Display« geleitet haben.


Das fotografische Objekt und die Arbeit von Anna Traskaliková
Von Hao Wen

Als ich 10 Jahre alt war, zeigte mir mein Großvater ein Familienfotoalbum. Er erzählte mir, wer, wann, wo und was geschehen war. Dies ist die früheste Erinnerung, die ich an ein fotografisches Objekt habe, das eine Realität in mein Leben brachte, die ich nie zuvor erlebt hatte, und mir das echte Gefühl gab, in der Zeit zu reisen und dabei zu sein. Was ist aber heute ein fotografisches Objekt? Wenn ich über diese Frage nachdenke, versuche ich zunächst, das Element der Fotografie zu entfernen und zu überlegen, was ist ein Objekt? Ungeachtet der rasanten Entwicklung von Technik und Materialien ist das Erkennen der ursprünglichen Bedeutung und des Zwecks eines Objekts von Anfang an eine Voraussetzung dafür, ein Objekt im Kontext der Fotografie oder der Kunst zu verstehen.

In der Ausstellung nutzt die Künstlerin Anna Traskaliková Computertechnologie und eine einzigartige Art der Präsentation, um unsere Wahrnehmung der Dinge zu verändern. So erklärt sie ihre Arbeit: »Es ist nicht das Bild oder das Material, es ist das dazwischen, der Referenzraum, der eine Bild trägt. Elektrisierte Bilder werden zudem von einem Strom aus Licht, Wärme und völliger Dunkelheit und der Interferenzen dieser getragen.« Als ich ihre Arbeit sah, hatte ich ein wunderbares Gefühl – wie damals, als ich als Kind das erste Mal das Familienalbum sah. Also habe ich Anna ein paar Fragen gestellt.

H: Ich finde deine Arbeit ist wie ein fotografisches Objekt, besonders die fotografische Installation, die von dir selbst aufgebaut ist. Wie wichtig ist es, dass diese Installation von dir selbst aufgebaut wird?

A: Ich bin sicher, dass auch dann, wenn ich jemandem genau sagen würde, wie er die Installation aufbauen soll oder die Fotos »filtern« soll, andere Ergebnisse entstehen würden. Es ist mir sehr wichtig, dass ich die Bilder selbst konstruiere und bestimme, wie sie gezeigt werden, sonst wäre sie nicht mehr meine Arbeit. Mir ist es sehr wichtig, authentisch in der Arbeit zu sein.

H: Mit der Entwicklung der Technik und der Änderung des Verwendungszweckes ist es heute schwierig zu definieren, was ein fotografisches Objekt ist. Die Varianten der Fotografie erfordern auch, dass wir ein fotografisches Werk nicht nur in Bezug auf das verstehen, was in einem Bild enthalten ist. Sie bietet dem Künstler auch einen völlig anderen Weg, der nicht nur in der Produktion von fotografischen Inhalten besteht. Worin besteht für dich der Unterschied zwischen einer fotografischen Installation und 
einem fotografischen Bild?

A: Ich nehme Bilder oft nicht statisch wahr, da ich meistens am Display arbeite, durch das immer die Elektronik »fließt«. Auf jedem Display sieht ein Bild etwas anders aus, wenn ich das Display reproduziere, habe ich wieder ein neues Original usw. Für mich »fließen« Bilder oder sind oft gerade »auf dem Sprung«. Auch wichtig ist der räumliche Abstand zum Bild. Geräte berechnen jedes Foto neu und skalieren die Pixel. Der Bildeindruck von ein und demselben Bild kann sich stark verändern – je nachdem wie es berechnet wird. Somit sind die Installation und das Bild eng miteinander verknüpft, um dieses Verhältnis digitaler Bilder zu ihren Geräten die sie anzeigen darzustellen.

Hao Wen studiert an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Practice.

On Display: Clara Mühle über Damian Rosellens »Research Based«

Damian Rosellen: Research Based, 2022. Ausstellungsansicht im Kunstmuseum Ahlen. Fotografie: Samuel Solazzo.

»On Display. Die Körper der Fotografie« heißt eine Ausstellung von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai 2022 im Kunstmuseum Ahlen zu sehen ist. Zu den dort ausgestellten achtzehn Werken treten achtzehn Texte, die gleichfalls von Studierenden der Folkwang Universität der Künste geschrieben worden sind. Im Frühjahr 2022 werden Bilder wie Texte in einem Katalog erscheinen, herausgegeben von Elke Seeger und Steffen Siegel, die gemeinsam mit Martina Padberg vom Kunstmuseum Ahlen das Projekt »On Display« geleitet haben.


Vom Rangeln, Preisgeben und Imaginieren
Von Clara Mühle

Rückblicke in die Fotogeschichte zeigen, dass fotografische Objekthaftigkeit und die mediale Verkörperung von Bildern vielfältig sein können. Eine Daguerreotypie – die eingeschlossen in einem Kästchen als eine Art Talisman wahrhaftig als Objekt diente – Alben, Leuchtkästen oder Abzüge: Sie alle leihen fotografischen Bildern ihre haptischen, dreidimensionalen Körper. Fotografien zu greifen und als Objekt erfahrbar zu machen, erwies sich als deutlich einfacher, als das Medium noch auf seine analogen Schöpfungsweisen beschränkt war. Doch mit der Digitalisierung und, damit verbunden, der Dematerialisierung verschob sich die Erfahrung fotografischer Körper.

Damian Rosellens Arbeit »Research Based« nimmt sich diesem Umstand auf eine vielschichtige Weise an und umkreist Themen wie gemeinschaftliche Seherfahrungen und Sinnbildungsprozesse rund um die Fotografie. Das simultane Zeigen seiner Arbeit als Fotobuch – einem der durchaus klassischen fotografischen Objekte – und einer digitalen Version, die als Feed potenziell von unendlich vielen Betrachter:innen gleichzeitig angeschaut, aber dennoch nur gleichgeschaltet gesteuert werden kann, wirft vielschichtige Fragestellungen auf. Dabei kann die Wirkung des technischen Manövers sehr unterschiedlich sein. Während der einen Betrachter:in womöglich gar nicht auffällt, dass das digitale Fotobuch potenziell von mehreren Akteur:innen gleichzeitig betrachtet und auch gesteuert werden kann, muss eine andere vielleicht nur wenige Minuten später um Geschwindigkeiten und Verweildauern rangeln, und damit teilweise sogar etwas sehr Intimes preisgeben – die eigene Art zu betrachten.

In einer Zeit, in der wir es gewohnt sind, dass fotografische Bilder über Streams und Feeds verbreitet werden und sich in unendlichen Varianten zu individuellen Seherfahrungen zusammenschließen, die aus einem Zusammenspiel von algorithmischen Berechnungen, User:innenverhalten und monetären Verwertungslogiken gesteuert werden, bedeutet die zentrale Bedienung des Bilder-Feeds eine Art Rückbesinnung. Trotz seiner immateriellen Struktur wird der Feed als fotografisches Objekt greifbar und die imaginierte Anwesenheit der anderen präsent. Die vermeintlich individuelle Erfahrung weicht einer nun gemeinschaftlichen. Ähnlich wie es der Politikwissenschaftler Benedict Anderson in seinem berühmten Buch »Die Erfindung der Nation« schon am Beispiel des Buchdrucks und des daraus resultierenden Zeitungslesens deutlich gemacht hat, kann das Wissen um eine gleichzeitig wahrnehmende und erfahrende Gemeinschaft mächtig sein.

Doch nicht nur das individuelle und kollektive Betrachten wird in »Research Based« auf den Prüfstand gestellt. Gleich der Tradition des Fotosharings – dem Teilen und Verteilen von Knipsereien und Erinnerungsfotos als Habitus eines meist privaten Kontexts – aus der sich das Teilen fotografischer Bilder im digitalen Raum ableitete, werden in der Arbeit Kategorien überwunden, die vormals als wichtig erschienen. Durch die Bildauswahl verlieren Unterscheidungen wie etwa zwischen Profi und Amateur oder digitalem und analogem Foto an Gewicht und treten hinter dem kuratierten Feed und der Seherfahrung zurück. Der Mix aus schnappschusshaften, stark referenziellen und kontextarmen Fotografien führt uns gleichzeitig das eigene Sehen und die Suche nach Sinn vor Augen. Wir versuchen zu ergründen – und sind damit niemals allein.

Clara Mühle studiert seit 2020 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

On Display: Max Beck über Marie Laforges »Stadtlichter«

Marie Laforge: Stadtlichter, 2022. Installationsansicht aus dem Kunstmuseum Ahlen. Fotografie: Samuel Solazzo.

»On Display. Die Körper der Fotografie« heißt eine Ausstellung von Studierenden der Folkwang Universität der Künste, die vom 6. Februar bis zum 29. Mai 2022 im Kunstmuseum Ahlen zu sehen ist. Zu den dort ausgestellten achtzehn Werken treten achtzehn Texte, die gleichfalls von Studierenden der Folkwang Universität der Künste geschrieben worden sind. Im Frühjahr 2022 werden Bilder wie Texte in einem Katalog erscheinen, herausgegeben von Elke Seeger und Steffen Siegel, die gemeinsam mit Martina Padberg vom Kunstmuseum Ahlen das Projekt »On Display« geleitet haben.


Befreite Farben
Zu Marie Laforges »Stadtlichter« (2022)
Von Max Beck

Wie eine Schneise durchzieht die Kalker Hauptstraße die anliegenden Wohngebiete. Hier befindet sich eine solche Fülle an Geschäften, dass man ihrem Sog kaum entkommen kann. Nicht selten stellt sie mich auf eine harte Probe in Geduld und Empathie, verlangt stetige Verbesserung im Ausweichen und Überholen und bewirkt durch die Überflutung an Reizen eine enorme Erschöpfung, wenn ich endlich in meiner Wohnung angekommen bin. Auch ich sehe die vielen farbigen Lichter, die als Ladenschild, Reklame, Ampel oder Dekoration die Straße bunt erhellen. Aber stehen zu bleiben und deren sinnliche Qualitäten zu beobachten, ähnelt der Vorstellung, auf der Autobahn rechts heran zu fahren, um die Bäume am Straßenrand näher zu betrachten.

Marie Laforge hat das für ihre Arbeit »Stadtlichter« getan. Sie spazierte bei Dunkelheit mit einer Lochkamera ausgestattet auf der Kalker Hauptstraße und nahm aus kurzer Distanz verschiedene Lichtquellen auf. Die belichteten Dia-Positive sind als Tableau angeordnet und jeweils von hinten beleuchtet. In jedem Einzelbild ist ein leuchtender Punkt in der Mitte des Rechteckes zu sehen, der sich mit weicher Kante in der schwarzen Umgebung auflöst. Die ruhige Erscheinung dieser streng geordneten, sanft farbig leuchtenden Punkte steht in einem deutlichen Kontrast zu ihrem hektischen und rauen Ursprungsort. Rein formal betrachtet, veranlasst das Tableau zu einer Auseinandersetzung mit der eigenen sinnlichen Wahrnehmung von Licht und Farbe, und der Beobachtung, wie diese auf uns wirkt.

Dass fotografische Technik angewendet wurde, um die Bilder zu erzeugen, öffnet jedoch viel erweiterte Interpretationsräume. Auf pointierte Weise wird dabei gezeigt, wie verflochten die Beziehung von Fotografie und Konzeption ist. Nur durch den Hinweis im Begleittext ist es möglich, sich die Handlungen und Vorgänge vorzustellen, die den Bildern vorausgesetzt sind. Der Leuchtpunkt erfährt eine Umdeutung zu einem indexikalischen Zeichen und steht damit unweigerlich in einer Beziehung zu der Realität seines Referenten. Die Erfahrung vor dem Tableau steht also der Vorstellung von Erfahrungen auf großstädtischen Einkaufsstraßen bei Dunkelheit gegenüber.

Die Symbolik von beleuchteten Dingen im Stadtraum ist vielfältig. Ladenbeschriftungen leuchten, um mich anzuziehen, Ampeln, um mich zu lenken, Autos, um mich zu warnen. Das Entziffern dieser symbolischen Botschaften nimmt so viel geistigen Raum in Anspruch, dass eine losgelöste Betrachtung der Farben kaum möglich ist. Die leuchtenden Farbkreise, die wie entlastet von jeglicher Symbolik erscheinen, ermöglichen mir eine Auseinandersetzung mit einer vorgestellten Wahrnehmung, die sich zwar unterscheidet von dem Realitätsempfinden des Alltags, aber dennoch in diesem enthalten ist. Durch die reduzierte Nutzung von essentiellen fotografischen Praktiken – dem Herauslösen und Verweisen – werden die Qualitäten des Mediums akzentuiert und gleichzeitig eine erweiterte Wahrnehmung einer konkreten Situation angeboten: das hastige Durchschlängeln auf der Kalker Hauptstraße, um ein paar Baklava bei Nimet zu kaufen.

Max Beck studiert seit 2020 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research

Folkwang Spricht! Von der Welt entkoppelt – KI generierte Porträts

Direkt zum Podcast!

Das fotografische Porträt eines Menschen, der nie existiert hat? Was zunächst widersprüchlich erscheint, ist durch ein neues technisches Bildgebungsverfahren möglich. Die künstliche Intelligenz StyleGAN2 ist in der Lage, überzeugende menschliche Gesichter zu errechnen. Wie werden sie produziert und wie können sie mit dem Fotografischen in Beziehung gesetzt werden?

Mit dieser Frage beschäftigen sich die Master-Studierenden Paul Werling (Photography Studies and Research), Yannick Ebling und Elena Kruglova (Photography Studies and Practice) in diesem Hörbeitrag aus der Reihe »Folkwang Spricht!«. Dafür interviewten sie die Wissenschaftler:innen Franziska Barth, Roland Meyer und Steffen Siegel.

Roland Meyer: Gesichtserkennung

Besprochen von Paul Werling

Seit Jahren tobt ein Kampf um Daten und Bilder, die Nutzer:innen den Providern der Social-Media-Plattformen anvertrauen. Obgleich diese Vertrauensbeziehung lange schon erschüttert ist – zahlreiche Skandale um unsere Datensicherheit belegen dies –, hat sich eine Kultur etabliert, die die Datensätze stetig wachsen lässt. Eine neue Eskalation des Datenmissbrauchs wurde im Frühjahr 2020 öffentlich, als die »New York Times« über das US-amerikanische Unternehmen »Clearview AI« umfassend berichtete. Das Unternehmen hatte eine drei Milliarden Bilder umfassende Datenbank erstellt, die sich aus Bildern der gängigen Social-Media-Plattformen speist – ungefragt wohlgemerkt. Jedoch ist nicht die Datenbank an sich das Produkt der Firma, sondern eine an der Datenbank trainierte Software zur Gesichtserkennung. Zahlreiche Unternehmen und Sicherheitsbehörden nutzten die Software zur Identifizierung von Verdächtigen, wenn auch nicht immer treffsicher. Dieser immense Eingriff in die Privatsphären der Nutzer:innen wurde nicht zu unrecht als Ende der Privatsphäre betitelt.

Mit diesem Skandal findet Roland Meyer den Ausgangspunkt für seinen Essay »Gesichtserkennung«, der jüngst in der Buchreihe »Digitale Bildkulturen« erschienen ist. Meyer setzt sich darin zeitaktuell mit den Entwicklungen im Bereich Gesichtserkennung auseinander. Konsequent legt er dabei offen, wie das Versprechen von objektiv operierenden Identifizierungs-Werkzeugen scheitert und sich ein gesellschaftlicher Bias in diesen Technologien offenbart und reproduziert. In seiner 2019 erschienenen Monografie »Operative Portäts. Eine Bildgeschichte der Identifizierbarkeit von Lavatar bis Facebook« untersuchte Meyer die historischen Versuche, Fotografie zur Identifikation nutzbar zu machen und endet zeitlich, wie der Titel schon anspricht, mit der Gesichtsdatenbank Facebook. Die neue Veröffentlichung »Gesichtserkennung« setzt nahtlos daran an und dokumentiert, welche Entwicklungen die digitalen Bildersammlungen ermöglicht haben.

Um eine technische Identifizierbarkeit möglich zu machen, müssen künstliche neuronale Netzwerke mit großen Bilddatenbanken trainiert werden. Unfreiwillig wurden diese von den Milliarden Nutzer:innen im Internet zur Verfügung gestellt. Falsch wäre es jedoch anzunehmen, dass diese globale Datenbank eine von Ethnie und Geschlecht unabhängige Identifizierbarkeit gewährleistet. Anhand mehrerer Beispiele zeigt Meyer auf, dass sich gesellschaftliche Diskriminierungsstrukturen in den Technologien reproduzieren. Dies schlägt sich in realen Konsequenzen für marginalisierte Gruppen nieder. Auch hat die technische Entwicklung zu einem erneuten Erstarken physiognomischer Ideen geführt. Verschiedene Forscher:innen versuchten anhand von Bilddatensätzen und Deep Learning menschliche Wesenseigenschaften aus fotografierten Gesichtern abzuleiten. Die dabei erkannten Muster interpretierten die Forscher:innen als Beleg ihrer Theorien. Alle diese Ansätze zeigten sich bei der Prüfung durch unabhängige Forscher:innen jedoch – wenig überraschend – als nicht haltbar: Die Algorithmen hatten lediglich Muster in der Labelung der Datensätze und verborgene kulturelle Handlungsmuster und Schönheitsideale aufgedeckt.

Mit der Corona-Pandemie beschreibt der Autor eine zunehmende Nutzung von Gesichtserkennungs-Software. Ein Ende der Privatheit, insbesondere auf politischen Demonstrationen, birgt ein immenses Risiko für oppositionelle Bewegungen. Roland Meyer schließt sein Essay mit verschiedenen Gegenstrategien, die entscheidendste muss aber die nach mehr Transparenz sein. Ist man an einer bildwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema der technischen Gesichtserkennung interessiert, ist das schmale Buch von Roland Meyer ohne Einschränkung zu empfehlen. Es ist die erste konzentrierte Aufarbeitung des Themas aus bildwissenschaftlicher Perspektive. Mit seinen 70 Seiten ist es dabei gleichermaßen inhaltsreich wie kurzweilig. Es ist unbedingt eine Lektüre wert, denn, wie Meyer selbst betont, die »Zukunft der Gesichtserkennung ist mithin nicht allein eine technische, sondern vor allem eine politische Frage.«

Roland Meyer: Gesichtserkennung, Berlin (Verlag Klaus Wagenbach) 2021, Reihe »Digitale Bildkulturen«. 80 Seiten, broschiert, zahlreiche s/w-Abbildungen, 11 × 15 cm, ISBN 978-3-8031-3705-0.

Paul Werling studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Christophe Boltanski: Das Versteck

Am 14. Juli 2021 ist in Paris der französische Künstler Christian Boltanski im Alter von 76 Jahren gestorben. Mit seinem Werk hat er auf sehr eigene Weise nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit der Fotografie geprägt: indem er ihre Möglichkeiten und Grenzen auslotete und ihre An- wie Abwesenheit thematisierte. Bereits vor einigen Jahren erschien zuerst 2015 auf Französisch und schließlich 2017 in deutscher Übersetzung bei Hanser ein Buch von Boltanskis Neffen Christophe. Es handelt sich um eine autobiografische Erkundung der Familie, und natürlich spielt auch der Onkel, der gerade dabei ist, berühmt zu werden, eine wichtige Rolle. In unserer Facebook-Gruppe »Photography Studies Radar« hat Steffen Siegel diesem Buch im September 2017 eine kurze Besprechung gewidmet. Anlässlich des Todes von Christian Boltanski soll sie hier noch einmal aufgegriffen werden. Die Empfehlung ist unverändert aktuell: Die Lektüre lohnt sich sehr!

Christophe Boltanski macht sich in Frankreich seit vielen Jahren vor allem als Kriegsreporter einen Namen. Auch sein bislang meistgelesener Text, das Buch »La cache«, war in gewissem Sinn eine Reportage. Vor zwei Jahren auf Französisch erschienen, ist es nun auch in deutscher Übersetzung erhältlich. Zimmer für Zimmer tastet sich Boltanski durch seine persönlichen Erinnerungen an jenes Haus im vornehmen 7. Pariser Arrondissement, in dem seine Großeltern für ein halbes Jahrhundert lebten. Doch gerade das, was spätestens seit Roland Barthes’ »La chambre claire« zur Grundausstattung jedes Erinnerungsbuchs zu gehören scheint, bleibt Boltanski unerreichbar: Fotografien. Denn in dem von seinen Großeltern beherrschten Familienlieben spielten diese Bilder ganz ausdrücklich keine Rolle. Dem Versuch, seine Urgroßmutter zu beschreiben, schickt Boltanski die Bemerkung vorweg: »Ich weiß nicht, wie sie ausgesehen hat. Ich kann mich auf kein Familienalbum stützen, nicht ein einziges sepiafarbenes Porträt wurde liebevoll im Holzrahmen aufbewahrt. In der Rue-de-Grenelle sind Fotografien verpönt, denn sie zeigen, was nicht mehr ist. Das Wenige, was ich weiß, habe ich von meinem Vater und meinen Onkeln.« Kein Bilderverbot also, immerhin aber ein Bilderverzicht scheint in diesem großelterlichen Haus geherrscht zu haben. Das ist bemerkenswert, denn die von Boltanski angesprochenen Auskunftsgeber haben auf je sehr eigene Weise an der Fotogeschichte des späteren 20. Jahrhunderts mitgeschrieben: Der Soziologe Luc Boltanski, Vater des Autors, trat bereits ganz zu Beginn seiner Karriere als Ko-Autor zu einem von Pierre Bourdieu herausgegebenen Buch auf. Lange schon ist es ein Klassiker der Bildsoziologie: »Un art moyen. Essai sur les usages sociaux de la photographie« von 1965 (in deutscher Übersetzung: »Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie«). Und wie eigentlich sähe das künstlerische Werk von Christian Boltanski, Onkel des Autors, aus, wenn es keine Fotografie gäbe? Ist dieses berühmt gewordene Oeuvre doch gerade dem Zeigen dessen verpflichtet, »was nicht mehr ist«.

Auf dem Titel der französischen wie der deutschen Ausgabe von »La cache« steht im Übrigen die verkaufsfördernde Gattungsbezeichnung »Roman«. Das muss man nicht all zu wörtlich nehmen – ganz und gar lesenswert ist dieses bemerkenswerte Buch in jedem Fall!

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?

Screenshot von Instagram am 2. Juni 2020.

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?
Eine ambivalente Erinnerung an den #blackouttuesday auf Instagram

von Jakob Schnetz

Politische Kämpfe sind längst auch Kämpfe in digitalen Räumen. Dabei wird der Gebrauch von Bildern als Mittel, Form und Katalysator von Protest und Solidarität immer wichtiger, wie Kerstin Schankweiler in ihrem Buch »Bildproteste« (2019) zeigt. Aber auch wenn solche Proteste mit und durch Bilder stets in größere gesellschaftliche und politische Kontexte eingebunden sind, stechen manche virtuellen Ereignisse besonders hervor. Erinnern wir uns an den »#blackouttuesday« auf der Plattform Instagram: Anstelle der üblicherweise um Aufmerksamkeit ringenden Beiträge blieb das Display am 2. Juni 2020 vermeintlich leer – mindestens dann, wenn wir schwarze Bildschirme mit Leere gleichsetzen. Fast die gesamte Timeline ist ein nur von Like-Angaben und Profilbildern gerahmtes, scheinbares ›Nichts‹, eine stetig wachsende Reihe aus gänzlich schwarzen Bildern, die an diesem Tag hunderttausendfach hochgeladen werden. Die Hashtags #blackouttuesday und #blacklivesmatter kontextualisieren sie vage als solidarischen Beitrag zum Tod des 46-Jährigen Schwarzen George Floyd, der eine Woche zuvor brutal von einem weißen Polizisten und seinen Kollegen ermordet wurde.

Unweigerlich löst der schreiend-stumme Newsfeed in mir das Gefühl aus, teilnehmen zu wollen und mich in meiner weißen Privilegiertheit mit den von Rassismus betroffenen Menschen zu solidarisieren. Doch dann regt sich ein Zweifel in mir: Was bedeutet hier eigentlich Solidarität? Und wie wird sie bildlich hergestellt? Die enorme Wirkung dieses simulierten Blackouts speist sich zunächst genau daraus: Einem kollektiven Moment des ›Schweigens‹ auf einer ansonsten zumeist individualistischen Selbstdarstellungsplattform – unterbrochen nur von den nun umso absurder und greller leuchtenden personalisierten Werbeanzeigen. Im virtuellen Raum der App muss Schweigen buchstäblich sichtbar werden und damit produzierter Content sein. Ein solches ›Nichts‹ zu posten ist etwas völlig Anderes als nichts zu posten und neben dem Liken und Teilen einzige Möglichkeit, die eigene Anwesenheit und damit Solidarität zu zeigen. Die Illusion der Leere ist also keine Abwesenheit digitaler Bilder, doch im Gegensatz zu anderen virtuellen Protesten spielen für diese Aktion fotografische Zeugenschaft und gängige Bildmuster keine Rolle. Das Ausgangsmotiv zur Herstellung der schwarzen Bilder scheint hier bedeutungslos und das Rätsel darum in einer verstörenden Weise bizarr: So sehe ich auf meinem Smartphone-Display vielleicht digital errechnetes Schwarz aus der Online-Bildsuche neben unterbelichteten Handyfotos aus Besenkammern und Kleiderschränken oder von Tischplatten und (weißen?) Fingerkuppen, die die Kameralinse bedecken – und die hier alle gleichfalls Solidarität bedeuten sollen.

Jene gewaltvollen Bilder von Floyds Tötung, die den Protest hier mitunter katalysierten, werden nun verweigert und so ein möglicher Trigger für Schwarze Menschen verhindert. Paradoxerweise bieten die schwarzen Bilder aber auch den Raum, sie mit den zuvor gesehenen Gewaltdarstellungen in der Fantasie zu füllen und womöglich dadurch noch zu verstärken. Trotz unterschiedlicher Bildformate erinnert die Verbannung des Figurativen auch an Kasimir Malewitschs vieldiskutiertes Gemälde »Schwarzes Quadrat« von 1915. Im Gegensatz zu den schwarzen Bildern hier bedeutet es zunächst einmal nur sich selbst; eine damals radikale Position. Ist es im Jahr 2020 nur eine konsumierbare und zahnlose Ästhetik einstiger Avantgarde? Es lässt sich nicht leugnen, dass die schwarzen Bilder in ihrer Menge – als Timeline – wirkungsvoll sind. Der #blackouttuesday wird so zu einem flüchtigen, ikonischen Ereignis und auch zu einer klugen Metapher: Die Unsichtbarkeit bei gleichzeitiger Hyper-Sichtbarkeit Schwarzer Menschen in einer strukturell rassistischen Gesellschaft. Gleichzeitig werden einige der Bilder, wohlwollend getagt mit #blacklivesmatter, problematisch für die gleichnamige Bewegung, da sie vorübergehend den wichtigen Kommunikationskanal überlagern und so das Gegenteil ihrer Absicht erzeugen –  wer den Hashtag abonniert hat, um informiert zu bleiben, bekommt plötzlich nur noch diese schwarzen Bilder angezeigt.

Es mag an meiner Filterblase und Eigendynamiken auf sozialen Netzwerken liegen, doch von der ursprünglichen Intention der Aktion erreicht mich in meinem Feed nichts: Die Schwarzen Musik-Managerinnen Brianna Agyemang und Jamila Thomas starteten den ›Blackout‹ zwar auch zum Gedenken der von Polizisten ermordeten Schwarzen George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery, aber eben nicht ausschließlich. Genauso wichtig war ihnen die Kritik an der Ausbeutung Schwarzer Musikkultur. So wirken die oft kontextlosen schwarzen Bilder wie eine diffuse Projektionsfläche für Solidarität, in der das initiale Anliegen verloren geht. Auch irritiert mich das gegenseitige Liken der Beiträge, wirkt es abseits der Sichtbarkeit, die es verstärkt, beinahe wie ein selbstvergewisserndes gegenseitiges Schulterklopfen. Nicht ohne Grund oft als »Clicktivism« oder von der Schwarzen Autorin Latham Thomas als »Optical Allyship« kritisiert, bleibt diese Form der Unterstützung – auch wenn sie von Herzen kommt – gerade aus einer weißen Perspektive nicht betroffener Betroffenheit konsumierbar und nur an der buchstäblichen Oberfläche. Frei von Opfer und Schmerz physischer politischer Kämpfe ist es ein kurzweiliges Verbündetsein, das Betroffenen keine Arbeit abnimmt. 

Allerdings muss ich dem Ereignis auch zugestehen, gerade aufgrund seiner unauflösbaren Ambivalenz in mir nachzuhallen. Im besten Falle schafft diese unhierarchische und durchaus eindrückliche Form des Protests wichtige Aufmerksamkeit und vielleicht auch eine Bewusstseinsaktivierung – doch kann sie nur Ausgangspunkt oder Zusatz sein, will sie nicht nur eine flüchtige und, so scheint es, auch selbstberuhigende Geste bleiben.

Jakob Schnetz studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Lea Bräuer und Paul Werling

Lea Bräuer: Der fragile Raum, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Paul Werling an Lea Bräuers Serie »Der fragile Raum«.

 

Das Jahr 2020 kann auf vielerlei Art und Weise beschrieben werden, eines ist es jedoch unbestritten: das Jahr des Digitalen. In unsere physische Privatheit gedrängt nahm die digitale Vermittlung von Information mehr Raum denn je ein. Zurückgeworfen auf uns selbst sahen wir uns genötigt Umgang zu finden mit existentieller Bedrohung und dem Aufbegehren schwelender politischer Konflikte. Und da seid ihr, fotografische Produkte aus eben dieser vollends digitalen Zeit, die ihr euch jedweder Digitalität verweigert. Ihr seid Fragment einer individuellen Auseinandersetzung mit den Krisen der Welt. Obgleich oder gerade weil ihr euch so vielem verwehrt, was den letzten Monaten maßgeblich war, seid ihr ein so wichtiger Bestandteil dieser Zeit. Die Zartheit eurer Stillleben bedeutet Opposition zur allgegenwärtigen Unruhe. Übersetzt in die Installation trägt sich dieser Kontrast in Form eines wabernden Synthesizer Noise Arrangements fort. Diesem zermürbenden Krach ausgesetzt finde ich Zuflucht in der Schönheit eures Innenraums.

Die Krisenhaftigkeit der letzten Monate wird noch lange nachhallen. Digital in unsere privaten Räume vermittelt wurden sie zu Orten, an denen sich räumliche Trennung zwischen verschiedenen Lebensaspekten auflöste und sich die Information der Welt komprimierte. Ihr als künstlerische Arbeit seid Teil eines Prozesses der temporären Entsagung, um mit der inneren Unruhe umzugehen. Abgewandt von der digitalen Information zeigt ihr die Zerbrechlichkeit einer individuellen Lebenswelt. Doch euch als Weltflucht hin zur reinen Ästhetik zu verstehen, wäre unrecht. Eure zeitweise Verweigerung neuer Information ist vielmehr Ausdruck der Auseinandersetzung mit bestehender. Die Zartheit eurer Erscheinung und die Zerbrechlichkeit des Raumes stehen im Kontrast der unbändigen Gewalt der Welt. In diesem Kontrast bezeugt ihr eine Selbstfindung, die die Vereinbarung der Pole in der Fragilität des künstlerischen Prozesses findet. 

Stopover 20/21: Elena Kruglova und Özlem Arslan

Elena Kruglova: rocket sience, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Özlem Arslan an Elena Kruglovas Serie »rocket sience«.

 

Space Mission

Without knowing what awaits me, I come forward and behold what you have to offer me. At first sight, everything seems familiar; flowers wrapped in plastic, a car, and glasses. However, I cannot help but feel that there is something else that lays behind the objects my eyes reflect upon in you. You are photographs dealing with objects one encounters in everyday life. Nevertheless, there is something unconventional about those objects. The longer I look at you, the more I feel myself detaching from the physical world. Slowly but yet firmly, you lure me into another place. I can neither escape nor can I stop you. So, I let go and just let myself get carried away by you.

Like an astronaut hovering weightlessly in space, I am being drawn deeper and deeper by you till I reach a place in which everything I knew is different. As if they were erased the moment you were captured. While I am floating freely in space like an environment you have pulled me in, I am starting to search and to explore my surrounding. Some of what I find excites me and some of it scares me. I discover colors, reflections, and functions I have not seen or suspected before. You let me enter into a world where suddenly the known becomes unknown. What do I do with these new discoveries?

Abruptly, I find myself in a position comparable to the one of a scientist, trying to find logic in the chaos I am lost in. You make me doubt and you make me question. Then, eventually, you let me find meaning in my space discoveries and let me gain new insights. You offer me a new perspective. A perspective different from everything I have seen before.  

I find myself rediscovering the meaning of the known and the unknown. I come to realize that there is a fine line that stands between them which I had not or rather refused to recognize before. I witness the experience of sudden change which can be shocking on the one hand but intriguing on the other. I become aware of the dilemma of acceptance and the difficulty of adjustment. All of these insights only through the space mission I was taken to by you, the unconventional photographs of what I used to believe to be the familiar.

Shunk-Kender. Kunst durch die Kamera

»Shunk-Kender. Kunst durch die Kamera«, Ausstellungsansicht. Foto: Alexandra Ivanciu, © GfZK.

Besprochen von Annekathrin Müller

Ist Fotografie von Kunst auch Kunst? Dieses Thema steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung im Neubau der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Sie zeigt die Arbeiten des Künstlerduos Harry Shunk (1924–2006) und János Kender (1937–2009). Die minimalistische Präsentation korrespondiert mit der nüchternen Architektur des Ausstellungsraums und besteht hauptsächlich aus großen metallischen Schaukästen. Darin sind Abzüge analoger Schwarzweißfotografien montiert, deren Format an Arbeitsprints erinnert, auch einige Kontaktbögen befinden sich darunter. Das kuratorische Konzept zielt offenbar darauf ab, das Material frei von auratischer Aufladung erfahrbar zu machen. Das ist konsequent, fertigten Shunk-Kender ihre Arbeiten doch überwiegend zu Dokumentationszwecken an.

Die beiden Fotografen produzierten Bildmaterial für Galerien, Verlage und Presse sowie auch direkt im Auftrag der Künstler*innen. Dabei gewähren sie Einblicke in eine aufregende Phase der Kunst, die mit spektakulären Aktionen die Grenzen des eigenen Selbstverständnisses zu sprengen versuchte. Die Aufnahmen in der Ausstellung stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren und sind überwiegend in den großen Kunstzentren Paris und New York entstanden. Zu den Abgebildeten zählen so prominente und erfolgreiche Künstler*innen wie Andy Warhol, Yves Klein, Robert Rauschenberg, Niki de Saint Phalle oder Christo. Sie werden bei der Arbeit an ihren Werken, bei Happenings oder auf Ausstellungseröffnungen gezeigt, häufig aber auch ganz privat in ihrem persönlichen Umfeld. Es ist den Porträts durchaus anzumerken, dass Shunk-Kender selbst Teil dieser Szene waren. Mit vielen der Fotografierten waren sie gut bekannt und begleiteten sie zum Teil sehr lange.

Die Arbeiten von Shunk-Kender sind jedoch auch als eigenständige künstlerische Bildwerke interessant, denn das Duo verstand es, fotografische Qualitäten – das Erfassen von Stofflichkeit, Mimik und Gestik oder das Spiel mit Licht und Schatten – gekonnt zum Einsatz zu bringen. Nach der Schenkung eines Teilkonvolutes an das Pariser Centre Pompidou im Jahr 2014 hingen die Bilder dort zunächst als Beiwerk in den Seitengängen der Ausstellungssäle, um über Leben und Wirken der »Nouveaux Réalistes« zu berichten, erzählte Florian Ebner, Leiter der Abteilung Fotografie am Centre Pompidou, als er durch die Leipziger Ausstellung führte. Die hier besprochene Präsentation gibt nun aber Gelegenheit, gezielt über Ästhetik, Wert und Aussagekraft des Bilderschatzes nachzudenken. Ein umfangreicher Katalog des Centre Pompidou, der im Zuge der Ausstellungsvorbereitung entstanden ist, bietet hierfür ebenfalls Anknüpfungsmöglichkeiten.

Durch die Neukontextualisierung des Materials wird auch auf die vielfältigen Gebrauchsweisen von Fotografie hingewiesen. In diesem Zusammenhang kann zum Beispiel kritisch hinterfragt werden, welcher Status der zweckgebundenen Auftragsfotografie zugesprochen wird, wie mit der Rolle von Fotografie als Dokumentationsmedium umzugehen ist und was hiervon ins Museum kommt. Die Diskurse dazu sind angestoßen, die Neuaufwertung von Archivmaterialien und die Wiederentdeckung vergessener Konvolute haben eingesetzt. Neben der posthumen Würdigung Harry Shunks und János Kenders ist es insbesondere dieser Aspekt, der die Ausstellung zu einem wichtigen Beitrag macht.

Die Ausstellung wurde vom Centre Pompidou Paris konzipiert sowie produziert und ist noch bis zum 6. Juni 2021 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig zu sehen. Kuratorinnen sind Chloé Goualc’h, Julie Jones und Stéphanie Rivoire, für die Präsentation in Leipzig ist Franciska Zólyom verantwortlich.

Annekathrin Müller ist seit 2020 Studentin im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Rosa Lisa Rosenberg und Jakob Schnetz

Rosa Lisa Rosenberg: Half Asleep Not Far from Fading, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Jakob Schnetz an Rosa Lisa Rosenbergs Serie »Half Asleep Not Far from Fading«.

 

Gravitation ohne Masse


Bevor ich darum weiß, finde ich mich an einem Ort wieder, den ich bereits zu einem unbekannten Zeitpunkt kartographiert und typisiert habe. Da ist diese Reifenschaukel, ein metallisch lautloses Pendel. Ich wende den Kopf zur Seite: textiles Flimmern, Handtücher.

In euch treffe ich quasi-autarke Bewegungen an, selbstgenügsam und scheinbar enthoben von Ursächlichkeit. Allein mit einem fragilen Indiz auf poröser Spur hilft mir nur meine Spekulation. Das Triviale, womöglich Beliebige und vielleicht auch Wehmütige in der Assoziation weicht schnell einem hoffnungslosen Begehren: Gäbe es eine Gegenleistung für meine Aufmerksamkeit, die euch vermutlich ohnehin gleichgültig ist, löst ihr sie nicht mit Kausalität ein.

Es drängt mich, den Kopf zu heben, den weiteren Raum zu erfassen, welcher, so glaube ich, einmal um euch herum existierte, doch wie von einer eigenartigen Trägheit erschlichen bleibt das Sehfeld gesenkt und starr. Ich spüre Gravitation, mit dem so seltsam unbeteiligten Blick; gedämpft, wie Geräusche eines lebendigen Alltags, die man als Fiebernder durch das halb geöffnete Fenster wahrnimmt.

Eine Vorahnung sickert aus euch, eine hypnotische Schwere, die sich, wenn auch nicht ganz unbehaglich, um mich legt wie ein sperriger Mantel. Meine Erinnerungen verspinnen sich mit euren; doch eure sind erzwungen und vieldeutig, meine schwer zu ergründen. Wenn ich erwache, begleitet ihr mich noch, für einen kurzen Moment?

Stopover 20/21: Julia Tillmann und Laura Niederhoff

Julia Tillmann: Warum Wolken nicht vom Himmel fallen, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Laura Niederhoff an Julia Tillmanns Serie »Warum Wolken nicht vom Himmel fallen«.

 

Über den Verlust (1)

ZEIT

Ihr seid Fotografien, die von Verlust handeln. Davon, wie es ist, gehen zu müssen. Eure Ansichten in Schwarz-Weiß zeigen Momente des Flüchtigen, die sich in scheinbar Unscheinbarem vermitteln. Was bleibt nach dem Ende? Ein Knäuel Haare aus dem Abfluss einer Badewanne. Der zerbrochene Rahmen eines Stilllebens.

RAUM

Landschaften sind äußere Räume, die umschlagen können in Bewusstseinsräume. In Augenblicken von Traurigkeit ist es gerade die Schönheit des leeren Raumes, der die ehemals fest umrissenen Grenzen eines vergänglichen Ichs zu transzendieren vermag. Das bedeutet nicht, dass der Raum tatsächlich leer ist. Vielmehr ist er Spiegel des Ephemeren, was sich in der Oberflächentiefe von Gewässer, in der Konturlosigkeit des Himmels offenbart. Es sind solche Momente, in denen Gewissheiten von Raum und Zeit infrage gestellt werden.

ICH

Du weißt: Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Blau steht für Konzepte der Ferne und Freiheit. In der Metaphysik der Romantik bezeichnete die blaue Blume die Suche nach der Erkenntnis des Selbst, aber auch den Versuch, das Unbegreifliche des menschlichen Lebens dingfest zu machen. Dingfestigkeit aber ist in den Zyanotypien, die du betrachtest, nicht zu ermitteln. Unfassbares schon. Auf den ehemals lichtempfindlichen Papieren machst du die Umrisse geisterhafter Gestalten aus, Schatten gleich, die sich im Moment ihrer Belichtung bereits wieder aufzulösen scheinen. Du stellst dir vor, dass die Zyanotypien im gleißenden Licht des Sommers entstanden sind – eines unwirklichen Sommers, der im kalkulierten Kontrollverlust der Chemigramme eingeschrieben ist.

POESIE DER FOTOGRAFIE

Was haben Lyrik und Fotografie gemeinsam? Kann es fotografische Gedichte geben? Du sagst ja. Denn Lyrik ist bildhafte Sprache. Die Fotografie wiederum nutzt den Effekt scheinbarer Realitätstreue, um Wirklichkeit zu schaffen und Beziehungen zu stiften. (2) Motive der Lyrik, die als Repräsentation von Zuständen in der Fotografie transportiert werden, bilden eine hybride Erzählstruktur, deren disparate Zeitlichkeiten Elemente einer vielschichtigen, expressiven Realität darstellen. Einer Realität, die stets von Neuem geschaffen und die immer wieder ergründet werden muss.

 

(1) Inspiriert von Marion Poschmann: Die Kunst der Überschreitung. In: dies.: Mondbetrachtung in mondloser Nacht, Berlin 2016, S. 135ff.
(2) Heinz Schmidt: Wie Bilder sprechen. In: ders.: Theologie und Ethik in Lernprozessen, Stuttgart 2003, S. 159ff.

Stopover 20/21: Samuel Solazzo und Isabelle Castera

Samuel Solazzo: Future Remnants of What Has Been, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Isabelle Castera an Samuel Solazzos Serie »Future Remnants of What Has Been«.

 

Aus einer letzten Datenbank der Natur

(Ein autopoietisches System erzählt…)

 

Auf der Suche nach den Resten des Sichtbaren
vergewissern wir uns über die Spuren der Zeit,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.(1)

Die Gesteinsschichten murmeln in Zwischentönen,(2)
raue Oberflächen absorbieren ein Echo im Raum,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Wuchernde Fotosynthesen aus Reproduktionen
überlagern sich zu neuen Sinnzusammenhängen,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Poröse Erinnerungen an eine materielle Welt,
gesammelt in einer letzten Datenbank der Natur,(3)
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Unablässig füllen wir Lücken mit Informationen,
gießen Inhalte in die Gefäße der Gedächtnisse,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

An Bruchstellen im Asphalt öffnen sich die Poren,
ein Riss zieht die Grenzen unserer Vorstellbarkeit,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Wir sind die Entscheidung für eine Möglichkeit,
Ahnungen gehalten in einem Schwebezustand,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

 

(1) In Anlehnung an: Jean Baudrillard: Warum ist nicht alles verschwunden?, Berlin 2018.
(2) Inspiriert von: Michel Foucault: Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 1997, S. 43.
(3) Oliver Wendell Holmes: Das Stereoskop und der Stereograph. In: Wolfgang Kemp (Hg.): Theorie der Fotografie, Band 1, München 2006, S. 120.

Stopover 20/21: Silviu Guiman und Judith Böttger

Silviu Guiman: We Move Mountains, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Judith Böttger an Silviu Guimans Serie »We Move Mountains«.

 

Ihr seid wie das Gold

Ihr macht mir ein Angebot. Das Angebot, über eine Möglichkeit nachzudenken oder über eine  ganz andere. In der Möglichkeit, die sich mir eröffnet, seid ihr wie das Gold, das ihr zu zeigen behauptet.

Einige von euch lassen mich ein Stück Welt erkennen, ich kann euch verorten. Dann werde ich plötzlich wieder abgestoßen, mir fehlt die Referenz. Die physische Welt entzieht sich mir und entlässt mich in die Welt meiner Gedanken, in der ich euch eine mögliche Bedeutung zuschreibe. Denn eure Bedeutung, euer Wert ergibt sich erst in meiner Betrachtung, wenn ich euch mir aneigne. Ohne meinen Blick seid ihr nichts. Ihr seid wie das Gold.

Was ihr bedeutet, liegt nicht in euch. Euer Wert wird euch auferlegt. So sicher ihr euch meiner Bewunderung heute sein könnt, so ungewiss ist mein Beifall morgen. Denn ich werde mehr sehen, anderes sehen, vielleicht Besseres. Und dann verschiebt sich, was ihr seid und jemals sein könnt. Ihr seid wie das Gold.

Ich sehe keine Menschen, doch letztlich seid ihr von Menschen gemacht, für Menschen gemacht. Ich kann euch fragen, was ihr wollt. Doch eigentlich fragt ihr mich, was ich will. Es geht um mich. Ich bediene mich eurer und ihr bedient euch der Welt, um mir zu geben, was ich von euch erhoffe. Natur wird ausgebeutet, um den Durst des menschlichen Blicks zu stillen. Ihr seid wie das Gold.

Ich suche ein Stück Wahrheit in euch, eingebettet in kalten Stein. Ich muss sie freilegen, begegne auf dem Weg Behauptungen des Seins und Motiven, die sich meiner Erkenntnis verweigern. Was ich am Ende finden will, muss sich absetzen von all dem Staub, den ich beiseiteschiebe, muss die Arbeit wert sein. Ihr seid wie das Gold.

Stopover 20/21: Rebecca Racine Ramershoven und Jakob Schnetz

Rebecca Racine Ramershoven: How much time do you want?, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Jakob Schnetz an Rebecca Racine Ramershovens Serie »How much time do you want?«.

 

Das tastende Auge

Mit der Gewissheit des unangreifbaren Betrachters trete ich vor euch, die bewegten visuellen Parzellen.

Wo beginne ich zu sehen? Oder habe ich mich bereits entschieden, angezogen von der Eindeutigkeit der Gewalt der Schläge, die mich erhaben machen; ist es die aufreizende, geschmeidige, so bestimmte Bewegung des Fingers, die mich affiziert, das naive Grinsen, das zum Belächeln einlädt? Ohne die meisten der Filme in Gänze gesehen zu haben, kenne ich euch, die entnommenen Bilder; ich kenne diese Gesten, die Mimik, die Motive, zumindest glaube ich das. Noch fühle ich mich sicher, denn ihr seid nur Bilder, flüchtiger Code, eine Abfolge dezidierter mathematischer Befehle.

Ihr scheint Sinnlichkeit zu begehren, eine nuancierte Palette an Taktilität, und in eurem körperlosen Dasein macht ihr den Körper doppelt zum Thema. Diese Aufladung des Sinnlichen scheint durch eine digitale Körperlosigkeit noch verstärkt. Sichtbar ist die Haut, Schwarze Haut. An sie geknüpfte Gesten verheißen hier ungebremstes Gieren, kraftvolle Erotik, nahezu sadistische, affektierte Gewalt, übertrieben kindliche Komik, unterwürfiges Glück: eine Ansammlung widersprüchlicher Projektionen, die zugleich Angst und Anziehung erzeugt und sie in der vermeintlichen Evidenz von Haut fixiert (siehe Fanon, Frantz: Die erlebte Erfahrung eines Schwarzen. In: Dorothee Kimmich, Stephanie Lovarno, Franziska Bergmann (Hg.): Was ist Rassismus? Kritische Texte, Stuttgart 2016, S.129–144, hier S.136).

Wirkmächtige Stereotype, in Endlos. Die sichtbaren, körperlosen Körper sind des Menschlichen beraubt. Gefangen in der Wiederholung, lässt mich eure Endlosigkeit stocken, ich halte es kaum mehr aus. Noch bin ich voller Hoffnung, dass sich etwas ändert.

Das tut es nicht: Ich bin nervös. Ihr seid es auch.

Auch eure Sprachlosigkeit gibt mir keinen Halt, keine Ablenkung. Diese eure Stummheit wird nur von jenem eigentümlichen Knistern überlagert, das mich desorientiert. Aus rauschender Stille sprechen mich plötzlich die Stimmen von James Baldwin, Miriam Makeba, Audré Lorde und Toni Morrison direkt an, mich als Weißen - und lassen mich befremdet und zweifelnd zurück.

Kurz spüre ich eine unmittelbare Abwehrhaltung gegen Didaktik im Künstlerischen. Doch ist sie hier nicht eine Strategie der Verweigerung, die vor allem zeigt, wie sehr sie trifft? Steckt hinter der Didaktik nicht eine tiefe Müdigkeit und Wut, die mich angeht, eine schmerzvolle Leerstelle in mir?

Stopover 20/21: Xiaole Ju und Laura Niederhoff

Xiaole Ju: UTC +2 & 1 Essen NRW, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Laura Niederhoff an Xiaole Jus Serie »UTC +2 & 1 Essen NRW«.

 

Hallo,
kennen wir uns? Haben wir uns nicht schon mal getroffen? Dort drüben am Hauptbahnhof bin ich jedenfalls oft umgestiegen auf meinem Weg von Rüttenscheid nach Zollverein. Da müssen wir uns über den Weg gelaufen sein. Ja, genau da! Essen, das führst du mir wieder vor Augen, war erst Liebe auf den zweiten Blick. Daran erinnere ich mich noch genau: Graue Straßen. Grauer Himmel. Aber dann: das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein, wo das Quartier Nord der Folkwang Universität liegt. Oder die Rüttenscheider Straße, genannt Rü, mit ihren vielen Cafés, Bars und Imbissständen. In der Nähe das Folkwang Museum, die Philharmonie, das Aalto-Theater. Weiter im Süden noch liegen der Baldeneysee und die berühmte Villa Hügel.
 Aber ja, ich weiß! Das ist nicht das, was du mich sehen lassen willst. Du lenkst meinen Blick weg von den Klischees, weg von der Industrieromantik hin zum Alltag dieser Stadt. Auf die Bahnhöfe, die rot-weißen Straßenschilder und die unzähligen Kreisverkehre, die typisch sind für Essen. Und für deutsche Städte im Allgemeinen. Apropros Bahnhöfe: War es nicht Marc Augé, der in seinem Buch »Nicht-Orte« auf die flüchtige Raumkonstitution der Übermoderne verwies? »Paradoxon des Nicht-Ortes: Der Fremde, der sich in einem Land verirrt, das er nicht kennt (der ›durchreisende‹ Fremde), findet sich dort ausschließlich in der Anonymität der Autobahnen, Tankstellen, Einkaufszentren und Hotelketten wieder.« 
Manchmal habe ich mich verlaufen in der Stadt. Ich habe gehofft, dass sich unsere Wege kreuzen. Dann hätte ich dich angesprochen: Hallo, kennen wir uns?
Ortlose Grüße
Laura Niederhoff

Stopover 20/21: Florian Fäth und Paul Werling

Florian Fäth: Einheitsbrei, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Paul Werling an Florian Fäths Serie »Einheitsbrei«.

 

Mein Blick schweift durch die Innenstadt. Gleichheit und Austauschbarkeit der Fassaden füllen mein Blickfeld. Es ist eine konsumoptimierte Umwelt voller Fremdheit, Individualität kaum mehr als ein grelles Kaufversprechen ökonomischer Giganten. Ob ihr als fotografisches Kollektiv eine oder mehrere Städte abbildet, kann ich nur aufgrund eures Titels mit Sicherheit sagen. Ihr verschwimmt zu einem Wimmelbild kultureller Uniformität, das individuelle Referenz unbedeutend erscheinen lässt. Aber ist diese Uniformität letztlich nicht nur eine nachträglich konstruierte? Hebe ich meinen Blick über die Fassade des Erdgeschosses, so erkenne ich, wie viele der ursprünglichen Architekturen mit Scheinfassaden überzogen wurden. Die architektonische Einheit ist eine des Untergeschosses. Eure fotografische Verdichtung bestärkt diesen Eindruck. In dieser seriellen Punktierung führt ihr uns die kapitalistisch motivierte Einebnung ortsspezifischer Charakteristika deutlich vor Augen. Kann dies Sinnbild einer gelungenen Wiedervereinigung sein?

30 Jahre sind nun vergangen seit dem Tag der deutschen Wiedervereinigung. Die großen Reden von Einigkeit, Annäherung und Ebenbürtigkeit klingen bis heute nach. Bilder euphorischer Menschenmassen an der gefallenen Mauer und Festivitäten auf den Straßen der damals frisch geeinten Republik haben sich in unser kollektives Bildgedächtnis eingeschrieben. Heute müssen sie sich an einer Realität messen, die noch immer an den einstigen Versprechen hadert. Nach wie vor erinnern Unterschiede in Wohlstand, Ansehen, Sichtbarkeit und Repräsentation an die einstige Trennung. Doch dokumentiert ihr nicht Gegenteiliges? Ihr vermittelt ein Bild deutscher Innenstädte, die sich aufgrund ihrer Ähnlichkeit nicht verorten lasen. Ob ich eine Ladenfront aus Halle oder Darmstadt betrachte, vermag ich nicht zu sagen. Insofern sehen wir Bilder von Urbanität eines zumindest kapitalistisch vereinheitlichten Deutschlands. Eure Dokumentation dieser Angleichung entbehrt jedoch nicht der Kritik selbiger.

Die Wiedervereinigung war die Annäherung zweier ungleicher Staaten. Notwendigerweise war der Prozess geprägt von Entsagung und Kompromiss, doch als ebenbürtig kann diese Annäherung nur bedingt gelesen werden. In erster Linie waren es die neuen Bundesländer, die dem Alten entsagten und sich einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung unterordneten. In der Folge wurde ostdeutsche Kultur zusehends aberkannt und verwestlicht, die Wirtschaft in westdeutsche Hände privatisiert und die neue deutsche Einheit kompromisslos kapitalistisch geprägt. Ostdeutsche Marken verschwanden von der Bildfläche, der Einzelhandel wurde von Handelsketten überrollt und es dauerte nur wenige Jahre, bis die Innenstädte der kulturellen Uniformität angepasst waren. Der Kapitalismus ist in seiner Natur ein Prozess der Einverleibung, die Wiedervereinigung seine Bühne, eure Existenz die kritische Beglaubigung dessen.