Tafel XVI: Befreiung von der Last der Wahrheit

4.3.2026
Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jonathan Urban studiert im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.
Ein Bild, das die Künstlichkeit nicht verleugnet, sondern als integralen Bestandteil der Darstellung feiert. Es ist die Frucht einer künstlichen Intelligenz, die nicht abbildet, sondern schafft und dabei eine Ästhetik hervorbringt, die in ihrer Komplexität und ihrer Distanz zur menschlichen Hand eine eigene Form von Poesie birgt. Es reicht heute ein einziges geschriebenes Wort aus, um solche prachtvollen Formen aus dem Nichts zu rufen. Die Maschine sammelt Millionen kleiner Teile von Daten und webt daraus eine ganz neue Wirklichkeit. Wir betrachten nicht mehr nur ein Abbild der Natur, sondern das Echo von Millionen Bildern, die zuvor existierten. Ein konstruiertes Echo, das das Bild von der Last der Wahrheit befreit.