Tafel XVIII: Unvorstellbar viele Dinge und Möglichkeiten

8.3.2026

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Julius Schmidt studiert seit 2020 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Auf einem hellen Parkettboden liegt ein geschlossenes, dunkelblaues Buch. Auf dem Buch steht ein ein transparentes Glas. Quer über der Öffnung des Glases liegt ein Metall-Löffel, der über die Ränder hinausragt. Auf dem Löffel ist ein roter, kugelförmiger Gegenstand platziert, der zentral ausbalanciert ist. Vor dem Glas ebenfalls auf dem Buch liegen zwei Kronkorken, einer gelb und der andere grün. Sie bilden einen farblichen Kontrast zu den übrigen Objekten im Bild. Alltägliche Gegenstände werden ihrer Funktion enthoben und in eine fragile, temporäre Ordnung überführt, die über ihre Lage und Materialität miteinander in Beziehung treten.

Dieses Bild (Abb. 1) ist auf Basis eines Referenzbildes (Abb. 2) entstanden. Der Prompt lautete: »Gib mir eine Variation mit anderen Gegenständen«. Statt ein einzelnes Motiv zu reproduzieren, ging es darum, die bestehende Bildordnung mit KI auf die Probe zu stellen.

Die Struktur basiert auf einer ausgewählten Sammlung von Gegenständen, die immer wieder neu balanciert werden und die Limitierung dabei helfen soll, sich nicht in der Unendlichkeit von Dingen zu verirren. Es ist interessant zu sehen, für welche Materialien und Dinge das Programm sich entscheidet und wie schnell man zu verschiedenen Ergebnissen kommt. Allerdings nimmt es dem Prozess die Spannung, da die Dinge automatisch balancieren und so die Freude, dass eine Konstruktion bestehen bleibt, in den Hintergrund rückt.