Folkwang Photo Talk mit Johanna Spanke

18.6.2026

Wir freuen uns sehr, am Donnerstag, den 18. Juni 2026 für den nächsten Folkwang Photo Talk unsere Hamburger Kollegin Johanna Spanke zu begrüßen! Sie wird sprechen über:

Fotografinnen als Wandgestalterinnen: Feministische Perspektiven auf die Geschichte des »photomural«

Lange Zeit spielte das fotografische Wandbild, das sogenannte »photomural«, in der Fotografieforschung nur eine untergeordnete Rolle. Wichtige Studien der letzten Jahre haben begonnen, diese Lücke zu schließen. Die bedeutenden Beiträge, die Frauen im Hinblick auf die Entwicklung des Mediums in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geleistet haben, wurden jedoch weiterhin marginalisiert. Doch weibliche Akteurinnen spielten eine zentrale Rolle: als Ideen- und Auftraggeberinnen in einer Zeit, in der sich das Medium als »photographic wallpaper« in den USA erst zu entwickeln begann, sowie als Fotografinnen, die an einer künstlerischen Nobilitierung des „photomural“ entscheidend mitwirkten.

Stärker als auf dem Gebiet der Wandmalerei konnten sich Frauen mit fotografischen Großformaten einen sichtbaren Platz im öffentlichen Raum erstreiten. So gelang es etwa der US-amerikanischen Fotografin Margaret Bourke-White in den 1930er Jahren, als das »photomural« in den USA zum Inbegriff nationaler Kunst erklärt wurde, sich als Protagonistin in diesem neuen Bereich der Wandgestaltung zu etablieren. Sie erhielt den Auftrag, die Eingangsrotunde der NBC-Studios im Rockefeller Center mit den damals größten »photomurals“ zu gestalten, die als dauerhafte Wanddekoration überliefert sind. Fast 20 Jahre später, auf der anderen Seite der Grenze, griff auch die mexikanische Fotografin Lola Álvarez Bravo das Medium »photomural« auf und betrat damit ein Feld, das in Mexiko noch immer vom Muralismus dominiert wurde – jener staatlich geförderten, von Männern angeführten Wandmalereibewegung, die maßgeblich zur Gründung einer nationalen Identität nach der mexikanischen Revolution beigetragen hatte.

Der Vortrag betrachtet die Genese des »photomural« durch die Linse einer spezifisch feministisch orientierten Fotohistoriografie. Er spannt dabei einen Bogen von den kommerziellen Anfängen des Mediums als Fototapete im weiblich konnotierten privaten Raum bis hin zu den monumentalen Auftragsarbeiten im öffentlichen Raum, die zwischen den 1930er und 1950er Jahren von Fotografinnen realisiert wurden. Gefragt wird ebenso nach den Handlungsräumen und Strategien dieser Akteurinnen, die ihre Wandarbeiten dezidiert als künstlerische Positionierungen verstanden sehen wollten, wie auch nach der geschlechtlichen Codierung von Technik, motivischen Themen- und fotografischen Tätigkeitsfeldern.

Dr. Johanna Spanke ist als PostDoc wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Ihr Buch Photomurals. Fotografische Wandbilder in transnationalen Aushandlungsprozessen zwischen Mexiko und den USA, das auf ihrer Dissertation basiert, wurde in der Kategorie »Textband Fototheorie« mit der Goldmedaille 2024/2025 des Deutschen Fotobuchpreises ausgezeichnet. Eine englischsprachige Übersetzung ist derzeit in Vorbereitung. Im ERC Projekt »Advanced Grant Horizon 2020: Visual Scepticism. Towards an Aesthetic of Doubt« von Prof. Dr. Margit Kern an der Universität Hamburg forscht Johanna Spanke derzeit zu zeitgenössischen Denkmalinterventionen. Insbesondere nimmt sie dabei aus einer transnationalen Perspektive das »Schwierige Erbe« des Christoph Kolumbus in den Blick.

Wie stets sind alle Interessierten innerhalb wie außerhalb der Folkwang Universität der Künste herzlich eingeladen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

18.6.2026, 18 Uhr, Folkwang Universität der Künste, Quartier Nord, Raum 2.13.