Folkwang
University of the Arts


Photography

What's next?

  • ⟶ 11. März 2021 bis 27. Juni 2021
  • »Stopover 20/21«
  • Master-Ausstellung im UG des Museum Folkwang
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  • ⟶ 28. April bis 3. Juli 2021
  • Elisabeth Neudörfl: »Out in the Streets«
  • Galerie Barbara Wien, Berlin
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  • ⟶ 1. Mai bis 19. September 2021
  • »HfG Ulm: Ausstellungsfieber«
  • Ausstellung des Forschungsprojekts »Gestaltung ausstellen. Die Sichtbarkeit der HfG Ulm: Von Ulm nach Montréal«
  • Museum Ulm, HfG Archiv
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  • ⟶ 19. Juni bis 3. Juli 2021
  • »dop|pelt«
  • Ausstellung im Rahmen des f² Fotofestival in Dortmund
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  • ⟶ 30. Juni 2021
  • Anja Schürmann und Steffen Siegel zu Gast in der Gesprächsreihe »Let's talk!« des PBM.Radio
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  • ⟶ 30. Juni 2021
  • Bewerbungsfrist für den Gisèle-Freund-Preis für Theorie und Geschichte der Fotografie
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  • ⟶ 4. Juli bis 6. August 2021
  • »B/U/ILD«
  • Neuer Kunstverein Wuppertal
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  • ⟶ 11. September bis 3. Dezember 2021
  • Peter Miller: »Dear Photography«
  • C/O Berlin
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  • ⟶ 8. und 9. Oktober 2021
  • »The Material and the Virtual in Photographic Histories«
  • Virtual Symposium, jointly hosted by the Photography Network and Folkwang University of the Arts, Essen
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  • ⟶ 2. Dezember 2021
  • Eröffnung »Stopover 21/22«
  • Master-Ausstellung im UG des Museum Folkwang
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  • ⟶ 3. und 4. Dezember 2021
  • »Von unikal bis unlimitiert. Werte des Fotografischen«
  • Internationales Symposium des Zentrums für Fotografie Essen
  • Campus Zollverein, SANAA-Gebäude
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Jonas Kamm exhibits at the photo festival »Les Rencontres d'Arles«

It is with great pleasure that we announce Jonas Kamm’s participation at the renowned photo festival »Les Rencontres d'Arles«, taking place this summer from July 4 through August 29, 2021. Jonas Kamm, who was, until last year, a student of Folkwang University’s B.A. photography program, has been invited by photo curator Sonia Voss to represent our university at the Louis Roederer Discovery Award, featuring eleven international institutions and artists. Jonas’ series »The Inhabitants« from 2020 will be on display in the city center of Arles, in the Église des Frères Prêcheurs, together with works by Farah Al Qasimi, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Mariana Hahn, Ilanit Illouz, Tarrah Krajnak, Massao Mascaro, Zora J Murff, Aykan Safoğlu, Andrzej Steinbach, and Marie Tomanova.
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Jonas participates in the exhibition with two different series. First, his series »The Inhabitants«, the result of a hybrid production process, at the crossroads of architecture, sculpture, and photography. These images—two-dimensional renderings drawn from 3D virtual space—initially take shape in a space modeled by the artist with the aid of computer software. Kamm then, using virtual tools, sculpts figures based on a texture that he has previously »harvested« with the camera from his physical environment. Once the figures have been shaped, the software—simulating the tools of photography—permits the artist to choose an angle and to adjust, from a practically unlimited spectrum of possibilities, his light sources, his focus, his aperture, etc. Kamm’s figures, vaguely anthropomorphic, appear as intermediaries between the real and immaterial worlds. The reductive character, the unclassifiable nature of these images turns them into vectors of inchoate narratives, carriers of a potential meaning which has yet to be defined and which remains mysterious, opening a void that we are invited to fill.
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Furthermore, Jonas shows the first parts of a new series which is currently in progress: »Parametric Archeology«. It takes off from the purely economic goal of creating a small program that helps to generate shapes in an automated and efficient way. A freely chosen form runs through various modifiable parameters and multiplies itself in various slightly modified forms. After having been selected by the artist, the resulting output presents itself as if being arranged on an examination table. Forms and arrangement play with the concepts of the archive or the archaeological excavation, yet they merely refer to digital inputs and processes. In Jonas’ words: »This rather absurd play with something we are supposed to know, but what, in fact, escapes our understanding, is fun for me.«
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During the opening week in early July, the jury will bestow the Louis Roederer Discovery Award, which comes with an acquisition worth 15,000 euros. Furthermore, the public will vote for the Public Award which is worth 5,000 euros for an acquisition.

B/U/ILD im Neuen Kunstverein Wuppertal

B/U/ILD zeigt die Arbeiten vier junger Künstler*innen, die in ihren Fotografien sowohl das Bild als auch das Bilden verhandeln. Es werden Stoffe drapiert, Kulissen gebaut, Posen eingenommen oder Vektoren modelliert. Der unmittelbare Abschluss des dreidimensionalen Schaffensprozesses wird hier jedoch gleichzeitig zum Auslöser einer zweidimensionalen Fotografie. Die bewusste Entscheidung für das Medium als finales künstlerisches Produkt bestätigt die Künstler*innen nicht nur in ihrer Rolle als aktive Bildproduzent*innen, sondern markiert darüber hinaus auch eine Differenz, die durch den Rücktritt aus dem Raum etwas hervortreten lässt. Die Arbeiten von Jonas Kamm, Patrick Lohse, Elizaveta Podgornaia und Isabelle Wenzel erzählen auf jeweils eigene Weise vom Suchen und Finden einer geeigneten Bildform, die sich produktiv zum Dargestellten ins Verhältnis setzt. Darüber hinaus machen sie deutlich, wie leicht der Versuch einer begrifflichen Einordnung der Werke ins Wanken gerät.
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Mit Jonas Kamm, Patrick Lohse und Elizaveta Podgornaia sind nicht allein drei der vier ausstellenden Künstler*innen Alumni der Folkwang Universität der Künste. Kuratiert wurde die Ausstellung zudem von Franziska Barth, Angela Deußen und Sandra Happekotte, die alle drei Absolventinnen des M.A. Photography Studies and Research sind.
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Die Eröffnung (soft opening) ist am Sonntag, den 4. Juli von 14 bis 18 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis zum 6. August 2021 im Neuen Kunstverein Wuppertal (Hofaue 51, 42103 Wuppertal). Am Samstag, den 10. Juli sowie am Samstag, den 24. Juli finden jeweils um 15 Uhr Führungen statt.

dop|pelt

Neun Studierende des B.A. Fotografie stellen in diesem Jahr im Rahmen des f² Fotofestival in Dortmund aus. Unter dem Titel »dop|pelt« sind in der STREET//ART GALLERY Arbeiten von Simon Baptist, Hannah Braue, Ayla Buchholz, Marie Dzingel, Katharina Ley, René Omenzetter, Sora Park, Killa Schütze und Fabian Wolter zu sehen.
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Seit ihrer Erfindung übt die Fotografie einen ungebrochen großen Einfluss auf die bildliche Darstellung des Menschen aus. Der fotografierte Mensch ist aus unserer Alltagskultur nicht mehr wegzudenken. Was aber zeigt sich in diesen Bildern? Stehen sie wirklich für repräsentierte Identitäten? Oder sehen wir in ihnen eher fiktive Persönlichkeiten? Das diesjährige Festivalthema »Identität« fordert regelrecht dazu auf, diesen auf seine gültige Normen hin zu beleuchten. Ausgehend von der Frage, ob Fotografie die Komplexität des Themas widerspiegeln kann, sind die Arbeiten der Studierenden geprägt von einem experimentierfreudigen Nachdenken über fotografische Praktiken und Wirkungsweisen. Es geht nicht so sehr um die Frage, ob und wie das Medium Einblicke in Charaktere geben kann. Vielmehr soll es darum gehen, die subjektiven Anteile des realen und fiktiven Menschenbilds herauszuschälen.
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In diesem Sommer findet das f² Fotofestival vom 17. bis zum 27. Juli bereits zum dritten Mal statt. Es steht für zeitgenössische Positionen und Tendenzen der Fotografie und zeigt ausgewählte, engagierte Abbildungen aus der ganzen Welt. Das Festival ist monothematisch angelegt und bietet mit seinen Ausstellungen unterschiedliche Perspektiven und kritische Einblicke in aktuelle Themen und Fragestellungen, sodass es auch einen bildungspolitischen Auftrag erfüllt. Ergänzt durch ein Rahmenprogramm, bietet das Festival eine Plattform für neue Talente und schafft zugleich eine Verbindung zwischen Fotograf*innen, Kurator*innen, Medien und Publikum, wie sie im Alltag nicht möglich ist. Beteiligt sind zahlreiche Ausstellungshäuser, Ausbildungsstätten, Hochschulen und Verbände aus der Region Ruhrgebiet. Parallel stattfindende Vorträge, Workshops und Diskussionsveranstaltungen bieten Inspiration und Austausch.
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Zu sehen ist die Ausstellung »dop|pelt« vom 19. Juni bis zum 3. Juli 2021 in der STREET//ART GALLERY, Rheinische Straße 16 in Dortmund. Geöffnet ist die Galerie dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr.
 

Gisèle-Freund-Preis für Theorie und Geschichte der Fotografie wird zum ersten Mal ausgeschrieben

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr an der Folkwang Universität der Künste der neu geschaffene Gisèle-Freund-Preis für Theorie und Geschichte der Fotografie ausgeschrieben. Der Preis soll künftig alle zwei Jahre verliehen werden und ist an die lange Tradition der an unserer Hochschule verliehenen Folkwangpreise angelehnt. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert und wird im Herbst dieses Jahres anlässlich einer öffentlichen Festveranstaltung überreicht werden. Für die Verleihungen bis 2029 wurde das Preisgeld in großzügiger Weise privat gestiftet. Mit dem neuen Preis wird die besondere Bedeutung unterstrichen, die die wissenschaftliche Forschung im Rahmen einer Universität der Künste besitzt. Hierfür steht der Name von Gisèle Freund (1908–2000), die nicht allein eine der wichtigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts war, sondern auch die erste Wissenschaftlerin, die mit einer fotogeschichtlichen Dissertation im Jahr 1936 an der Sorbonne in Paris promoviert worden ist.
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Der Preis richtet sich an Master-Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden, die zwischen dem Juni 2019 und dem Juni 2021 an der Folkwang Universität der Künste unter erstgutachterlicher Betreuung eine Abschlussarbeit vorgelegt haben, die sich mit einem Forschungsgegenstand zu Theorie und/oder Geschichte der Fotografie befasst. Die Arbeit muss ein sehr gutes Prädikat erhalten haben. Die Bewerbung erfolgt formlos. Neben einem Anschreiben sind der Bewerbung ein vollständiges PDF der Arbeit, ein einseitiges Abstract und ein tabellarischer Lebenslauf beizugeben. Im Abstract soll insbesondere die Bedeutung der Arbeit für den wissenschaftlichen Diskurs zu Theorie und Geschichte der Fotografie herausgestellt wird.
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Ausgezeichnet werden sollen qualitativ hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die einen originellen Beitrag zur Erforschung von Theorie und/oder Geschichte der Fotografie leisten. Als besondere Kriterien kommen hierfür in Frage eine innovative Wahl des Forschungsgegenstands, Beiträge zu einer Erweiterung der methodischen Vielfalt der betreffenden Fachdisziplinen und/oder explorative Diskursformen, die die Möglichkeiten der wissenschaftlichen Darstellung erweitern helfen. Über die Vergabe wird eine sechsköpfige Jury entscheiden, der neben Mitgliedern der Folkwang Universität der Künste auch Expertinnen und Experten außerhalb der Hochschule angehören werden.
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Bitte richten Sie Ihre in einem einzigen PDF zusammengefassten vollständigen Bewerbungen bis spätestens zum 30. Juni 2021 an Petra Schmidt. Für Rückfragen steht Steffen Siegel zur Verfügung.

Fotobuch auf Sendung

Fotobücher sind längst nicht mehr nur ein begehrtes Sammelobjekt, sondern inzwischen auch ein prominenter Gegenstand der interdisziplinären Fotoforschung. So ist es gewiss kein Zufall, dass in diesem Frühjahr unmittelbar nacheinander sogleich zwei Themenhefte von wissenschaftlichen Zeitschriften erschienen sind, in denen die dort versammelten Beiträge das Fotobuch einer kritischen Prüfung unterziehen wollen. Unter dem Titel »I am shocked.« The Reception of Photobooks gaben Markus und Christoph Schaden als Gasteditoren die 35. Ausgabe des PhotoResearcher heraus. Anja Schürmann und Steffen Siegel wiederum fordern in ihrem Themenheft von Fotogeschichte zu einer systematischen Erweiterung der Fotobuchforschung. Der Titel des Heftes ist dabei Programm: Weiterblättern! Neue Perspektiven der Fotobuchfoschung.
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Auf Einladung des PhotoBookMuseum in Köln – hinter diesem Projekt stehen Markus Schaden und Frederic Lezmi – werden Anja Schürmann und Steffen Siegel am Mittwoch, den 30. Juni ab 19 Uhr gemeinsam mit Markus Schaden über Potentiale, Herausforderungen und Zukunft der Fotobuchforschung sprechen. Es wird der zweite Teil der soeben gegründeten Gesprächsreihe »Let's talk!« des PBM.Radio sein. Die Veranstaltung wird aus Köln gesendet und ist über den Youtube-Kanal des PhotoBookMuseum live sowie später auch on demand zu sehen.

Call for Papers: The Material and the Virtual in Photographic Histories

The First Symposium of the Photography Network, based in the US and an affiliated society of the College Art Association (CAA), will be held next October online and is jointly hosted by the Photography Network and Folkwang University of the Arts. The symposium is dedicated to »The Material and the Virtual in Photographic Histories«.

Over the last twenty years, the study of photography’s history has been characterized by, among other things, two major strands: a concentration on the photograph’s status as an object and a concern with the decidedly virtual quality of its images and practices. The 2019 conference »Material Immaterial: Photographs in the 21st Century« considered these two directions in photographic conservation by asking if the physical photograph still matters today as a source of teaching, learning, and scholarship when the intangibles of code now direct the production and archiving of images. Now from a methodological direction, this symposium seeks to inquire further into the longer historical implications of the distance increasingly perceived between photography’s status as an object and its life as what could be called the intangible »photographic.«

On one side of the ledger in historical studies, Elizabeth Edwards has long proposed that we consider photography’s object history, Geoffrey Batchen emphasized the haptic qualities of long-neglected vernacular photographies, the Museum of Modern Art engaged a years-long conservation and curatorial project named »Photo: Object,« while the »Silver Atlantic« initiative in Paris explores the mineral histories that the medium arose from and transformed. But at the same time, Tina Campt has asked us to listen to photography, Fred Ritchin has admonished that we study photography’s virtual lives in social media, and Ariella Azoulay proposes that we consider the larger sphere of habits, customs, and civic contracts that surround photographic activity and its images. The same division has emerged with ever-greater strength in the production and curating of images. Many photographers, for example, have returned to alternative processes or emphasized the material contexts of their work's production, while others use online virtual worlds as a source for appropriation, manipulation, and posting, or they emphasize the social practices and performances of identity that give rise to new work. Curators, too, (especially during the pandemic) grapple with presenting the physicality of photographic objects in online contexts, even as they puzzle over how to collect purely virtual works and otherwise signal the larger social contexts in which the photographic intervenes.

Given this consistent breakdown, the symposium asks where the object-based and the virtual of photography’s histories meet? How can the two strands in photo studies be brought together and harnessed to reconsider existing problems or be put to use for new investigations?

Proposals drawing on both spheres of concern could consider subjects such as:
● The social practices stimulated by the haptic engagement with photo albums,
● The networks of circulation shaped by the material limits of illustrated magazines, their papers, and their presses,
● The clipping, altering, and collecting of photography delivered through magazines, baseball cards, and posters,
● Social formations around collecting and archiving photographs in the realms of crime, journalism, and institutional memory making,
● Practices of extraction and trade generated by photography’s mineral, paper, and water demands,
● Evolutions in scientific and technical knowledge necessitated by the industrialization of photographic materials such as silver, ether, cellulose, and paper,
● Developments in clothing stimulated by the mass-circulation of glossy fashion photographs in the press,
● The relationship between perfume samples and photographic advertising in journals,
● Synchronicity in oral story-telling and the handling of snapshots by friends and family,
● Ceremony and custom in the classic vacation slide show,
● The use of internet tools to foreground and map photography’s material histories,
● Other cases that can be best understood by drawing on methodologies associated with the object-based and virtual identities of photography.

The Photography Network invites proposals for presentations that broach such a methodological melding. In so doing, we seek the most innovative and rigorous scholarship shaping the photography field and its future. We welcome proposals across disciplines and encourage a broad range of subjects that reflect a diversity of geographies. Practitioners and scholars at any stage of their career are welcome to submit their research. We also welcome international scholars but note that the conference will be in English.

The Photography Network Symposium organizers are interested in attracting a diversity of presentational styles. In addition to proposals for individual, 20-minute papers, we also seek alternative-format presentations (e.g., workshops and roundtables). To encourage variety, applicants may submit up to 2 proposals, provided that one is in an alternative format. We will also host a Pecha Kucha for new research on any topic from students, curators, academics, and practitioners. If you would like to be considered for the Pecha Kucha, please note so in your email submission. You are welcome to apply only to the Pecha Kucha. Conference sessions on networking will be organized around accepted submissions, rather than prescribed themes.


Please send until June 15, 2021: (1) a 250-word abstract, (2) a clear indication of format, and (3) a three-page resume or CV to the Photography Network Symposium organizing committee: Andrés Mario Zervigón, Caroline Riley, and Steffen Siegel at photographynetworksymposium@gmail.com. To be considered only for the Pecha Kucha, please email us a 100 word abstract and short three-page resume or CV. The symposium will be held on October 8 and 9, 2021. The schedule will be announced by August 1 and will be determined after reviewing the abstracts and finalizing the conference format.

Note: All are welcome to apply. Accepted presenters must be Photography Network members in good standing at the time of the symposium. Annual membership is $20 (student/unaffiliated), $40 (Affiliated), or $100 (Sustaining Member). Please visit the Photography Network’s website for more information on how to join. 

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?
Eine ambivalente Erinnerung an den #blackouttuesday auf Instagram
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von Jakob Schnetz
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Politische Kämpfe sind längst auch Kämpfe in digitalen Räumen. Dabei wird der Gebrauch von Bildern als Mittel, Form und Katalysator von Protest und Solidarität immer wichtiger, wie Kerstin Schankweiler in ihrem Buch »Bildproteste« (2019) zeigt. Aber auch wenn solche Proteste mit und durch Bilder stets in größere gesellschaftliche und politische Kontexte eingebunden sind, stechen manche virtuellen Ereignisse besonders hervor. Erinnern wir uns an den »#blackouttuesday« auf der Plattform Instagram: Anstelle der üblicherweise um Aufmerksamkeit ringenden Beiträge blieb das Display am 2. Juni 2020 vermeintlich leer – mindestens dann, wenn wir schwarze Bildschirme mit Leere gleichsetzen. Fast die gesamte Timeline ist ein nur von Like-Angaben und Profilbildern gerahmtes, scheinbares ›Nichts‹, eine stetig wachsende Reihe aus gänzlich schwarzen Bildern, die an diesem Tag hunderttausendfach hochgeladen werden. Die Hashtags #blackouttuesday und #blacklivesmatter kontextualisieren sie vage als solidarischen Beitrag zum Tod des 46-Jährigen Schwarzen George Floyd, der eine Woche zuvor brutal von einem weißen Polizisten und seinen Kollegen ermordet wurde.
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Unweigerlich löst der schreiend-stumme Newsfeed in mir das Gefühl aus, teilnehmen zu wollen und mich in meiner weißen Privilegiertheit mit den von Rassismus betroffenen Menschen zu solidarisieren. Doch dann regt sich ein Zweifel in mir: Was bedeutet hier eigentlich Solidarität? Und wie wird sie bildlich hergestellt? Die enorme Wirkung dieses simulierten Blackouts speist sich zunächst genau daraus: Einem kollektiven Moment des ›Schweigens‹ auf einer ansonsten zumeist individualistischen Selbstdarstellungsplattform – unterbrochen nur von den nun umso absurder und greller leuchtenden personalisierten Werbeanzeigen. Im virtuellen Raum der App muss Schweigen buchstäblich sichtbar werden und damit produzierter Content sein. Ein solches ›Nichts‹ zu posten ist etwas völlig Anderes als nichts zu posten und neben dem Liken und Teilen einzige Möglichkeit, die eigene Anwesenheit und damit Solidarität zu zeigen. Die Illusion der Leere ist also keine Abwesenheit digitaler Bilder, doch im Gegensatz zu anderen virtuellen Protesten spielen für diese Aktion fotografische Zeugenschaft und gängige Bildmuster keine Rolle. Das Ausgangsmotiv zur Herstellung der schwarzen Bilder scheint hier bedeutungslos und das Rätsel darum in einer verstörenden Weise bizarr: So sehe ich auf meinem Smartphone-Display vielleicht digital errechnetes Schwarz aus der Online-Bildsuche neben unterbelichteten Handyfotos aus Besenkammern und Kleiderschränken oder von Tischplatten und (weißen?) Fingerkuppen, die die Kameralinse bedecken – und die hier alle gleichfalls Solidarität bedeuten sollen.
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Jene gewaltvollen Bilder von Floyds Tötung, die den Protest hier mitunter katalysierten, werden nun verweigert und so ein möglicher Trigger für Schwarze Menschen verhindert. Paradoxerweise bieten die schwarzen Bilder aber auch den Raum, sie mit den zuvor gesehenen Gewaltdarstellungen in der Fantasie zu füllen und womöglich dadurch noch zu verstärken. Trotz unterschiedlicher Bildformate erinnert die Verbannung des Figurativen auch an Kasimir Malewitschs vieldiskutiertes Gemälde »Schwarzes Quadrat« von 1915. Im Gegensatz zu den schwarzen Bildern hier bedeutet es zunächst einmal nur sich selbst; eine damals radikale Position. Ist es im Jahr 2020 nur eine konsumierbare und zahnlose Ästhetik einstiger Avantgarde? Es lässt sich nicht leugnen, dass die schwarzen Bilder in ihrer Menge – als Timeline – wirkungsvoll sind. Der #blackouttuesday wird so zu einem flüchtigen, ikonischen Ereignis und auch zu einer klugen Metapher: Die Unsichtbarkeit bei gleichzeitiger Hyper-Sichtbarkeit Schwarzer Menschen in einer strukturell rassistischen Gesellschaft. Gleichzeitig werden einige der Bilder, wohlwollend getagt mit #blacklivesmatter, problematisch für die gleichnamige Bewegung, da sie vorübergehend den wichtigen Kommunikationskanal überlagern und so das Gegenteil ihrer Absicht erzeugen –  wer den Hashtag abonniert hat, um informiert zu bleiben, bekommt plötzlich nur noch diese schwarzen Bilder angezeigt.
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Es mag an meiner Filterblase und Eigendynamiken auf sozialen Netzwerken liegen, doch von der ursprünglichen Intention der Aktion erreicht mich in meinem Feed nichts: Die Schwarzen Musik-Managerinnen Brianna Agyemang und Jamila Thomas starteten den ›Blackout‹ zwar auch zum Gedenken der von Polizisten ermordeten Schwarzen George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery, aber eben nicht ausschließlich. Genauso wichtig war ihnen die Kritik an der Ausbeutung Schwarzer Musikkultur. So wirken die oft kontextlosen schwarzen Bilder wie eine diffuse Projektionsfläche für Solidarität, in der das initiale Anliegen verloren geht. Auch irritiert mich das gegenseitige Liken der Beiträge, wirkt es abseits der Sichtbarkeit, die es verstärkt, beinahe wie ein selbstvergewisserndes gegenseitiges Schulterklopfen. Nicht ohne Grund oft als »Clicktivism« oder von der Schwarzen Autorin Latham Thomas als »Optical Allyship« kritisiert, bleibt diese Form der Unterstützung – auch wenn sie von Herzen kommt – gerade aus einer weißen Perspektive nicht betroffener Betroffenheit konsumierbar und nur an der buchstäblichen Oberfläche. Frei von Opfer und Schmerz physischer politischer Kämpfe ist es ein kurzweiliges Verbündetsein, das Betroffenen keine Arbeit abnimmt. 

Allerdings muss ich dem Ereignis auch zugestehen, gerade aufgrund seiner unauflösbaren Ambivalenz in mir nachzuhallen. Im besten Falle schafft diese unhierarchische und durchaus eindrückliche Form des Protests wichtige Aufmerksamkeit und vielleicht auch eine Bewusstseinsaktivierung – doch kann sie nur Ausgangspunkt oder Zusatz sein, will sie nicht nur eine flüchtige und, so scheint es, auch selbstberuhigende Geste bleiben.
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Jakob Schnetz studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Lea Bräuer und Paul Werling

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Paul Werling an Lea Bräuers Serie »Der fragile Raum«.

 

Das Jahr 2020 kann auf vielerlei Art und Weise beschrieben werden, eines ist es jedoch unbestritten: das Jahr des Digitalen. In unsere physische Privatheit gedrängt nahm die digitale Vermittlung von Information mehr Raum denn je ein. Zurückgeworfen auf uns selbst sahen wir uns genötigt Umgang zu finden mit existentieller Bedrohung und dem Aufbegehren schwelender politischer Konflikte. Und da seid ihr, fotografische Produkte aus eben dieser vollends digitalen Zeit, die ihr euch jedweder Digitalität verweigert. Ihr seid Fragment einer individuellen Auseinandersetzung mit den Krisen der Welt. Obgleich oder gerade weil ihr euch so vielem verwehrt, was den letzten Monaten maßgeblich war, seid ihr ein so wichtiger Bestandteil dieser Zeit. Die Zartheit eurer Stillleben bedeutet Opposition zur allgegenwärtigen Unruhe. Übersetzt in die Installation trägt sich dieser Kontrast in Form eines wabernden Synthesizer Noise Arrangements fort. Diesem zermürbenden Krach ausgesetzt finde ich Zuflucht in der Schönheit eures Innenraums.

Die Krisenhaftigkeit der letzten Monate wird noch lange nachhallen. Digital in unsere privaten Räume vermittelt wurden sie zu Orten, an denen sich räumliche Trennung zwischen verschiedenen Lebensaspekten auflöste und sich die Information der Welt komprimierte. Ihr als künstlerische Arbeit seid Teil eines Prozesses der temporären Entsagung, um mit der inneren Unruhe umzugehen. Abgewandt von der digitalen Information zeigt ihr die Zerbrechlichkeit einer individuellen Lebenswelt. Doch euch als Weltflucht hin zur reinen Ästhetik zu verstehen, wäre unrecht. Eure zeitweise Verweigerung neuer Information ist vielmehr Ausdruck der Auseinandersetzung mit bestehender. Die Zartheit eurer Erscheinung und die Zerbrechlichkeit des Raumes stehen im Kontrast der unbändigen Gewalt der Welt. In diesem Kontrast bezeugt ihr eine Selbstfindung, die die Vereinbarung der Pole in der Fragilität des künstlerischen Prozesses findet.

Stopover 20/21: Elena Kruglova und Özlem Arslan

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Özlem Arslan an Elena Kruglovas Serie »rocket sience«.

 

Space Mission

Without knowing what awaits me, I come forward and behold what you have to offer me. At first sight, everything seems familiar; flowers wrapped in plastic, a car, and glasses. However, I cannot help but feel that there is something else that lays behind the objects my eyes reflect upon in you. You are photographs dealing with objects one encounters in everyday life. Nevertheless, there is something unconventional about those objects. The longer I look at you, the more I feel myself detaching from the physical world. Slowly but yet firmly, you lure me into another place. I can neither escape nor can I stop you. So, I let go and just let myself get carried away by you.

Like an astronaut hovering weightlessly in space, I am being drawn deeper and deeper by you till I reach a place in which everything I knew is different. As if they were erased the moment you were captured. While I am floating freely in space like an environment you have pulled me in, I am starting to search and to explore my surrounding. Some of what I find excites me and some of it scares me. I discover colors, reflections, and functions I have not seen or suspected before. You let me enter into a world where suddenly the known becomes unknown. What do I do with these new discoveries?

Abruptly, I find myself in a position comparable to the one of a scientist, trying to find logic in the chaos I am lost in. You make me doubt and you make me question. Then, eventually, you let me find meaning in my space discoveries and let me gain new insights. You offer me a new perspective. A perspective different from everything I have seen before.  

I find myself rediscovering the meaning of the known and the unknown. I come to realize that there is a fine line that stands between them which I had not or rather refused to recognize before. I witness the experience of sudden change which can be shocking on the one hand but intriguing on the other. I become aware of the dilemma of acceptance and the difficulty of adjustment. All of these insights only through the space mission I was taken to by you, the unconventional photographs of what I used to believe to be the familiar.

Shunk-Kender. Kunst durch die Kamera

Besprochen von Annekathrin Müller
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Ist Fotografie von Kunst auch Kunst? Dieses Thema steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung im Neubau der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Sie zeigt die Arbeiten des Künstlerduos Harry Shunk (1924–2006) und János Kender (1937–2009). Die minimalistische Präsentation korrespondiert mit der nüchternen Architektur des Ausstellungsraums und besteht hauptsächlich aus großen metallischen Schaukästen. Darin sind Abzüge analoger Schwarzweißfotografien montiert, deren Format an Arbeitsprints erinnert, auch einige Kontaktbögen befinden sich darunter. Das kuratorische Konzept zielt offenbar darauf ab, das Material frei von auratischer Aufladung erfahrbar zu machen. Das ist konsequent, fertigten Shunk-Kender ihre Arbeiten doch überwiegend zu Dokumentationszwecken an.
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Die beiden Fotografen produzierten Bildmaterial für Galerien, Verlage und Presse sowie auch direkt im Auftrag der Künstler*innen. Dabei gewähren sie Einblicke in eine aufregende Phase der Kunst, die mit spektakulären Aktionen die Grenzen des eigenen Selbstverständnisses zu sprengen versuchte. Die Aufnahmen in der Ausstellung stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren und sind überwiegend in den großen Kunstzentren Paris und New York entstanden. Zu den Abgebildeten zählen so prominente und erfolgreiche Künstler*innen wie Andy Warhol, Yves Klein, Robert Rauschenberg, Niki de Saint Phalle oder Christo. Sie werden bei der Arbeit an ihren Werken, bei Happenings oder auf Ausstellungseröffnungen gezeigt, häufig aber auch ganz privat in ihrem persönlichen Umfeld. Es ist den Porträts durchaus anzumerken, dass Shunk-Kender selbst Teil dieser Szene waren. Mit vielen der Fotografierten waren sie gut bekannt und begleiteten sie zum Teil sehr lange.
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Die Arbeiten von Shunk-Kender sind jedoch auch als eigenständige künstlerische Bildwerke interessant, denn das Duo verstand es, fotografische Qualitäten – das Erfassen von Stofflichkeit, Mimik und Gestik oder das Spiel mit Licht und Schatten – gekonnt zum Einsatz zu bringen. Nach der Schenkung eines Teilkonvolutes an das Pariser Centre Pompidou im Jahr 2014 hingen die Bilder dort zunächst als Beiwerk in den Seitengängen der Ausstellungssäle, um über Leben und Wirken der »Nouveaux Réalistes« zu berichten, erzählte Florian Ebner, Leiter der Abteilung Fotografie am Centre Pompidou, als er durch die Leipziger Ausstellung führte. Die hier besprochene Präsentation gibt nun aber Gelegenheit, gezielt über Ästhetik, Wert und Aussagekraft des Bilderschatzes nachzudenken. Ein umfangreicher Katalog des Centre Pompidou, der im Zuge der Ausstellungsvorbereitung entstanden ist, bietet hierfür ebenfalls Anknüpfungsmöglichkeiten.
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Durch die Neukontextualisierung des Materials wird auch auf die vielfältigen Gebrauchsweisen von Fotografie hingewiesen. In diesem Zusammenhang kann zum Beispiel kritisch hinterfragt werden, welcher Status der zweckgebundenen Auftragsfotografie zugesprochen wird, wie mit der Rolle von Fotografie als Dokumentationsmedium umzugehen ist und was hiervon ins Museum kommt. Die Diskurse dazu sind angestoßen, die Neuaufwertung von Archivmaterialien und die Wiederentdeckung vergessener Konvolute haben eingesetzt. Neben der posthumen Würdigung Harry Shunks und János Kenders ist es insbesondere dieser Aspekt, der die Ausstellung zu einem wichtigen Beitrag macht.
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Die Ausstellung wurde vom Centre Pompidou Paris konzipiert sowie produziert und ist noch bis zum 6. Juni 2021 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig zu sehen. Kuratorinnen sind Chloé Goualc’h, Julie Jones und Stéphanie Rivoire, für die Präsentation in Leipzig ist Franciska Zólyom verantwortlich.
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Annekathrin Müller ist seit 2020 Studentin im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Rosa Lisa Rosenberg und Jakob Schnetz

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Jakob Schnetz an Rosa Lisa Rosenbergs Serie »Half Asleep Not Far from Fading«.

 

Gravitation ohne Masse


Bevor ich darum weiß, finde ich mich an einem Ort wieder, den ich bereits zu einem unbekannten Zeitpunkt kartographiert und typisiert habe. Da ist diese Reifenschaukel, ein metallisch lautloses Pendel. Ich wende den Kopf zur Seite: textiles Flimmern, Handtücher.

In euch treffe ich quasi-autarke Bewegungen an, selbstgenügsam und scheinbar enthoben von Ursächlichkeit. Allein mit einem fragilen Indiz auf poröser Spur hilft mir nur meine Spekulation. Das Triviale, womöglich Beliebige und vielleicht auch Wehmütige in der Assoziation weicht schnell einem hoffnungslosen Begehren: Gäbe es eine Gegenleistung für meine Aufmerksamkeit, die euch vermutlich ohnehin gleichgültig ist, löst ihr sie nicht mit Kausalität ein.

Es drängt mich, den Kopf zu heben, den weiteren Raum zu erfassen, welcher, so glaube ich, einmal um euch herum existierte, doch wie von einer eigenartigen Trägheit erschlichen bleibt das Sehfeld gesenkt und starr. Ich spüre Gravitation, mit dem so seltsam unbeteiligten Blick; gedämpft, wie Geräusche eines lebendigen Alltags, die man als Fiebernder durch das halb geöffnete Fenster wahrnimmt.

Eine Vorahnung sickert aus euch, eine hypnotische Schwere, die sich, wenn auch nicht ganz unbehaglich, um mich legt wie ein sperriger Mantel. Meine Erinnerungen verspinnen sich mit euren; doch eure sind erzwungen und vieldeutig, meine schwer zu ergründen. Wenn ich erwache, begleitet ihr mich noch, für einen kurzen Moment?

Stopover 20/21: Julia Tillmann und Laura Niederhoff

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Laura Niederhoff an Julia Tillmanns Serie »Warum Wolken nicht vom Himmel fallen«.

Über den Verlust (1)

ZEIT

Ihr seid Fotografien, die von Verlust handeln. Davon, wie es ist, gehen zu müssen. Eure Ansichten in Schwarz-Weiß zeigen Momente des Flüchtigen, die sich in scheinbar Unscheinbarem vermitteln. Was bleibt nach dem Ende? Ein Knäuel Haare aus dem Abfluss einer Badewanne. Der zerbrochene Rahmen eines Stilllebens.

RAUM

Landschaften sind äußere Räume, die umschlagen können in Bewusstseinsräume. In Augenblicken von Traurigkeit ist es gerade die Schönheit des leeren Raumes, der die ehemals fest umrissenen Grenzen eines vergänglichen Ichs zu transzendieren vermag. Das bedeutet nicht, dass der Raum tatsächlich leer ist. Vielmehr ist er Spiegel des Ephemeren, was sich in der Oberflächentiefe von Gewässer, in der Konturlosigkeit des Himmels offenbart. Es sind solche Momente, in denen Gewissheiten von Raum und Zeit infrage gestellt werden.

ICH

Du weißt: Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Blau steht für Konzepte der Ferne und Freiheit. In der Metaphysik der Romantik bezeichnete die blaue Blume die Suche nach der Erkenntnis des Selbst, aber auch den Versuch, das Unbegreifliche des menschlichen Lebens dingfest zu machen. Dingfestigkeit aber ist in den Zyanotypien, die du betrachtest, nicht zu ermitteln. Unfassbares schon. Auf den ehemals lichtempfindlichen Papieren machst du die Umrisse geisterhafter Gestalten aus, Schatten gleich, die sich im Moment ihrer Belichtung bereits wieder aufzulösen scheinen. Du stellst dir vor, dass die Zyanotypien im gleißenden Licht des Sommers entstanden sind – eines unwirklichen Sommers, der im kalkulierten Kontrollverlust der Chemigramme eingeschrieben ist.

POESIE DER FOTOGRAFIE

Was haben Lyrik und Fotografie gemeinsam? Kann es fotografische Gedichte geben? Du sagst ja. Denn Lyrik ist bildhafte Sprache. Die Fotografie wiederum nutzt den Effekt scheinbarer Realitätstreue, um Wirklichkeit zu schaffen und Beziehungen zu stiften. (2) Motive der Lyrik, die als Repräsentation von Zuständen in der Fotografie transportiert werden, bilden eine hybride Erzählstruktur, deren disparate Zeitlichkeiten Elemente einer vielschichtigen, expressiven Realität darstellen. Einer Realität, die stets von Neuem geschaffen und die immer wieder ergründet werden muss.

 

(1) Inspiriert von Marion Poschmann: Die Kunst der Überschreitung. In: dies.: Mondbetrachtung in mondloser Nacht, Berlin 2016, S. 135ff.
(2) Heinz Schmidt: Wie Bilder sprechen. In: ders.: Theologie und Ethik in Lernprozessen, Stuttgart 2003, S. 159ff.