Folkwang
University of the Arts


Photography

M.A. Photography Studies

Wie zu Beginn jedes Jahres schreiben wir auch 2021 die Studienplätze für unsere beiden Masterstudiengänge Photography Studies and Practice und Photography Studies and Research aus. Die Bewerbungsfristen sind der 15. März (Practice) sowie der 31. Mai 2021 (Research). Studienbeginn für den nächsten Jahrgang ist das Wintersemester 2021/2022. Ausführliche Informationen zu den Inhalten des Masterstudiums sowie zu den Einzelheiten des Zulassungsverfahren an der Folkwang Universität finden sich auf den hier verlinkten Seiten. Darüber hinaus stehen wir aber natürlich auch gerne für Rückfragen zu Verfügung! Wir freuen uns über Bewerbungen von allen, die eine praktisches wie eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Fotografie fasziniert!

What's next?

  • ⟶ 23. Februar bis 11. Mai 2021
  • Christopher Muller: With Ice and Lemon
  • Künstlerverein Malkasten Düsseldorf
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  • ⟶ 15. März 2021
  • Bewerbungsfrist B.A. Fotografie
  • Bewerbungsfrist M.A. Photography Studies and Practice
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  • ⟶ Frühjahr 2021 (Eröffnung so bald wie möglich!)
  • Stopover 20/21
  • Master-Ausstellung im UG des Museum Folkwang
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  • ⟶ 6. April 2021
  • Beginn der Vorlesungszeit des Sommersemesters
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  • ⟶ 7. Mai 2021
  • »Zugänge – Was soll Fototheorie leisten?«
  • Öffentlicher Workshop des M.A. Photography Studies and Research
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  • ⟶ 31. Mai 2021
  • Bewerbungsfrist M.A. Photography Studies and Research
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  • ⟶ 2. Dezember 2021
  • Eröffnung Stopover 21/22
  • Master-Ausstellung im UG des Museum Folkwang
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  • ⟶ 3. und 4. Dezember 2021
  • »Von unikal bis unlimitiert. Werte des Fotografischen«
  • Internationales Symposium des Zentrums für Fotografie Essen
  • Campus Zollverein, SANAA-Gebäude
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Zugänge – Was soll Fototheorie leisten?

Begleitend zur Ausstellung Stopover 20/21 im UG des Museum Folkwang veranstalten die Studierenden des M.A. Photography Studies and Research am 7. Mai 2021 einen öffentlichen Workshop. Im Zentrum der eintägigen Veranstaltung stehen »Zugänge«. Mit ihnen verbindet sich eine wichtige Frage: »Was soll Fototheorie leisten?«

Auf Einladung der Master-Studierenden werden zwei Keynotes gehalten werden: zum einen vom Kunst- und Medienwissenschaftler Dr. Roland Meyer, der vor Kurzem mit seiner Monografie »Operative Porträts: Eine Bildgeschichte der Identifizierbarkeit von Lavater bis Facebook« hervorgetreten ist; darüber hinaus wird er im kommenden Frühjahr seine Studie »Gesichtserkennung: Digitale Bildkulturen« veröffentlichen. Zum anderen wird die Kunsthistorikerin Vera Tönsfeldt sprechen, die seit 2019 beim Rom e.V. tätig ist. Seit Beginn dieses Jahres führt sie dort zusammen mit zwei Kolleginnen das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt DigiRom durch. Ziel dieses Projekts ist die Digitalisierung, Erschließung und kritische Erforschung von rund 2.360 historischen Bildpostkarten und 1.225 historischen Grafiken aus dem Bestand des Rom e.V.

Neben Meyer und Tönsfeldt sprechen Özlem Arslan, Judith Böttger, Isabelle Castera, Jakob Schnetz und Paul Werling. Unter der Leitfrage des von Judith Böttger und Laura Niederhoff moderierten Workshops geben sie Einblick in ihre aktuelle Forschungsarbeit. Judith Böttger wird mit den im UG ausstellenden Fotografinnen und Fotografen einen Artist Talk führen.

Die Veranstaltung wird online stattfinden. Ein detailliertes Programm und der Link zum Internet-Portal werden zeitnah veröffentlicht werden.

Gespräch mit Jeff Wall

Am Mittwoch, den 17. März 2021, sprechen Christina Végh, Direktorin der Kunsthalle Bielefeld, und Steffen Siegel, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste, mit dem kanadischen Künstler Jeff Wall. Stattfinden wird das Gespräch live auf Zoom, Jeff Wall wird aus Vancouver zugeschaltet werden. Dabei sollen zwei Fragen im Mittelpunkt stehen: Wessen Denkmal? Wer steht auf dem Sockel?

Anlass für das Gespräch ist ein spektakulärer temporärer Kunsttausch: Nach mehr als 50 Jahren hat im vergangenen Herbst der »Denker« von Auguste Rodin zum ersten Mal seinen Sockel vor der Kunsthalle Bielfeld verlassen. Gezeigt wird er derzeit in der Sonderausstellung »Rodin/Arp« in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Im Tausch sind dafür zwei ikonische Werke Walls nach Bielefeld gekommen: »The Thinker« (1986) und »The Giant« (1992). Sie sind derzeit, obwohl die Kunsthalle aus bekanntem Anlass nicht geöffnet sein kann, auch von außen im gläsernen Eingangsbereich des Hauses zu sehen.

Während in »The Thinker« die Figur auf einer Art von Sockel sitzt, ist die Figur in »The Giant« dem Werktitel entsprechend übergroß dargestellt. Aktuell ist die Frage um das Denkmal brisant. In Abhängigkeit gesellschaftlicher Umbrüche muss stets neu verhandelt werden, was auf dem Sockel steht. Inwiefern können Walls Werke als imaginierte Monumente oder »Anti-Denkmäler« gesehen werden? Hiervon soll das Gespräch Mitte März handeln.

Die Teilnahme ist kostenlos möglich. Bitte melden Sie Ihre Teilnahme an bei Matthias Albrecht, Sie erhalten dann den Link: albrecht@kunsthalle-bielefeld.de

Die Zukunft der Fotografie

Über die Fotografie wurde eigentlich immer schon im Futur nachgedacht. Das Medium ist zu lebendig und zu viel versprechend, als dass es nicht fortgesetzt Spekulationen über seine Zukunft herausfordern würde. Mit dem gerade eben erschienenen 158. Heft von »Fotogeschichte« erhält ein solches Nachdenken sogleich 34 Mal neues Futter. Ebenso viele Autorinnen und Autoren haben auf Einladung des Herausgebers der Zeitschrift, Anton Holzer, in kurzen Texten über die Zukunft der Fotografie nachgedacht – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mit dabei ist unter anderem Steffen Siegel, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. In seinem Beitrag »Globus Fotogeschichte« widmet er sich der interdisziplinären Zukunft der Fotoforschung.

In der Ankündigung des Verlags heißt es zu diesem Heft: Die Fotografie hält zum einen Ereignisse fest und verwandelt sie zugleich in Vergangenheit. Sie ist, so gesehen, ein historisches Medium par excellence. Zum anderen beflügelte sie von Anfang an Zukunfts-Fantasien. Die Fotografie werde, so prophezeiten bereits die allerersten Kommentatoren in den späten 1830er Jahren, in Zukunft Dinge sichtbar machen und enträtseln, die bislang im Verborgenen geblieben waren: die Hieroglyphen Ägyptens ebenso wie das Licht entfernter Sterne, den Schmetterlingsflügel unter dem Mikroskop ebenso wie entfernte Reiseeindrücke. Die Beiträge dieses Themenhefts loten diese Doppelgesichtigkeit des Mediums aus und fragen danach, wie die Zukunft der Fotografie aussehen könnte. Manches, vielleicht sogar vieles, wird anders kommen als wir es aus heutiger Perspektive erwarten. Nicht nur, weil die gegenwärtige globale Gesundheitskrise noch unabsehbare Folgen haben wird. Sondern auch, weil die gesellschaftlichen Systeme, die auf uns zukommen werden, neue, vielleicht radikal andere Formen des Fotografischen hervorbringen werden – möglicherweise jenseits von Digitalisierung und Internet.

KORRELATIONEN II erschienen

108 Seiten mit 104 fotografischen Arbeiten – und ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2020 in Bronze – das ist KORRELATIONEN II, ein soeben erschienenes Gemeinschaftsprojekt von vier Fotografen aus Weimar und Essen.

Das Projekt KORRELATIONEN entstand 2018 in Weimar als ein selbst publiziertes Zine der vier Fotografen und Freunde Philipp Niemeyer, Samuel Solazzo – inzwischen Student an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Practice –, Jakob Treß und Jannis Uffrecht. Im Umfang von 34 schwarz-weiß Fotografien wurde innerhalb von wechselseitigen Dialogen die Beziehung der vier Autoren zueinander hinterfragt und darüber hinaus ein Spannungsfeld innerhalb der gesamten Publikation erzeugt. Kritisch, dennoch respektvoll, wurde im Entstehungsprozess über die Wirkung einzelner Bilder oder Bildpaare diskutiert, um so ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Positionen zu erlangen und schlussendlich eine in sich stimmige Auswahl zu treffen. Aus der Ambivalenz von Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen, als auch Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, erwuchs eine kollektive Sprache.

Inzwischen ist der Nachfolger KORRELATIONEN II erschienen. Nach dem monochromen Erstling bekennen die vier Fotografen nun Farbe; und zugleich wurden Umfang, Inhalt und Auflage erhöht. Das Magazin soll an die Grundgedanken der ersten Ausgabe anknüpfen, zugleich aber keine reine Fortführung des ersten Projekts darstellen. In mitten von Krise, Lockdown und räumlicher Trennung verdichtete sich eine Arbeit, in deren Mittelpunkt zwar noch immer das Miteinander steht, sich indes jedoch von den seitenfüllenden Gegenüberstellungen des Vorgängers entfernt, um innerhalb eines verspielteren Layouts eine erkennbare Entwicklung und ein Narrativ aufzuspannen. Begleitet und eingefasst wird es durch einen Textbeitrag von Grenadine Rübler.

Das selbst publizierte Fotomagazin im Format 23 × 33 cm wurde von Leon Lukas Plum gestaltet und gesetzt, ist im Offset-Verfahren gedruckt und umfasst 108 Seiten mit insgesamt 104 fotografischen Abbildungen und erschien in einer limitierten Auflage von 500 nummerierten Exemplaren. ISBN: 978-3-00-066425-0.

Michael Paul Romstöcks »zur Linde« erschienen

Vor wenigen Monaten erst hat Michael Paul Romstöck mit seinem Projekt »zur Linde« an der Folkwang Universität der Künste den M.A. Photography Studies and Practice erfolgreich abgeschlossen. Nun ist seine fotografische Befragung zur Symbolik und Bedeutung der Linde im Kettler Verlag als Buch erschienen. Die Bildtafeln sind im Duoton-Verfahren gedruckt. Das Hardcover-Buch im Format 21 × 25 cm umfasst 144 Seiten und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich! ISBN: 978-3-86206-882-1.

In der Ankündigung des Dortmunder Verlags heißt es: Die Linde ist im deutschen Kulturraum als Ort der Gemeinschaft und Chiffre der Gerechtigkeit und Liebe verankert. Man begegnet ihr als Dorf-, Gerichts- und Friedhofslinde oder als Motiv in Kunst und Literatur. In gleicher Weise hat sich der Lindenbaum – losgelöst von Brauchtum und Folklore – in den gesellschaftlichen Alltag eingeschrieben: als Ortsbeschreibung, TV-Serie oder Mittel zur Stadtbegrünung. In seinem Buch geht der Fotograf Michael Romstöck der Bedeutung der Linde nach – vom Schauplatz vorchristlicher Versammlungen über den romantischen Blick auf die Natur bis hin zu ideologischen Vereinnahmungen. Mit der analogen Großformatkamera hat Romstöck in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren über 60 Orte in der Bundesrepublik aufgesucht, an denen sich entweder ein kulturhistorisch konnotierter Lindenbaum selbst oder ein anderer Bezug zur Symbolik der Linde auffinden lässt. Aus einer Bestandsaufnahme heraus kombiniert Romstöck verschiedene Motive, Bildtypen und Textfragmente zu einer essayistischen Erzählung: Aus welchen Gründen errichteten frühere Generationen (Natur-)Denkmäler und wie gehen wir langfristig mit ihnen um? Wie bestehen und verhalten sich diese in der heutigen, sich rasant verändernden Welt? Was können sie uns mitteilen und was verraten sie über uns?

Stopover 20/21: Anne-Christine Stroje und Özlem Arslan

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Özlem Arslan an Anne-Christine Strojes Serie »Der Geruch von Sommerregen«.

 

Where and Who

Where are you from? – A question one is being often asked when meeting someone new. Actually, it is not the original one is being asked to reveal by this question, but rather one’s identity. So, the conversation deepens, one question leads to another, and time flies without realizing it. Such conversations can set different emotions and feelings, such as unity, familiarity, and even magic.

Today, I met you and experienced all of that. You are photographs depicting natural and man-made, day and night, past and present, and most importantly, colors. Latter attracted my attention the most. I recognize the color blue, different kinds of greens, orange, and many others. The sky, the trees, the plants, the grass, the sand all reveal their true colors to me. Their honesty allows me to feel and to imagine their smell. I imagine myself being there, reliving what I believe to see.

Though, there is one color carrying itself through nearly all of you which reveals much more than any other color to me: the color blue. Blue is the color of the sky and the ocean. The color associated with stability, serenity, and wisdom. Through this color, I get to know the people returning my gaze in some of you. I find out about the value of man-made. Just like the glasses depicted in one of you. They are fragile, but yet present and significant. 

In between all of your colorfulness, there is also a part of you whose colors have faded. Looking at this part of you, in which you let the objects come forward, you unveil a glance at the past, to me. The past is a distant memory. It leaves traces within and is formative. It lets me feel nostalgic and takes me to a state of thoughtfulness.

You reveal a world to me. A world shaped by memories, people, and realities. You let me explore the roots, discover an essence and touch a soul. You give a new meaning to the expressions ›where‹ and ›who‹. So, there is nothing left to say for me other than I am pleased to meet each and every one of you!

Stopover 20/21: Amy Haghebaert und Isabelle Castera

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Isabelle Castera an Amy Haghebaerts Serie »They will be seen drifting above the clouds, all our blameless, childish hopes«.

 

Im freien Fall

Ich vernehme den Wind, atme die würzige Waldluft kurz nach dem Regen ein und höre einige Vögel am Himmel an uns vorbeiziehen. Der Blick auf den Horizont lässt mich über die Möglichkeiten unseres Daseins nachdenken. Du hast mir einmal von Magrittes Pfeife erzählt, ich glaube, ich kann dich nun besser verstehen. Ich erkenne, dass unser Leben eine Kippfigur ist. Wir verlieren den Halt. Die Wirklichkeit spaltet sich unter uns auf und wir stürzen in die dort aufklaffenden Risse hinab. Im freien Fall ziehen die Erinnerungen an uns vorüber (Søren Kierkegaard: Der Begriff der AngstStuttgart 1992, S. 72). Hier sind wir, eingeklammert zwischen der inneren Unbeweglichkeit und dem Wunsch nach Veränderung. Wird sich das Blatt noch einmal wenden oder verraten wir uns, wenn wir dabei sind, den Sinn in eine andere Richtung umzukehren? (Siehe Michel Foucault: Dies ist keine Pfeife, München 1974.) Mir ist, als würden wir selbst in feine Partikel zermahlen werden. Zeit und Raum scheinen jetzt relativ zu sein. 

Die Tür unseres Gartenhauses steht gerade weit geöffnet, sollen wir zusammen über die Schwelle gehen? Von nun an lasse ich den Würfel für uns entscheiden.

Reinhard Matz, Wolfgang Vollmer: Köln von Anfang an

Besprochen von Steffen Siegel

Jedes Jahr am 6. Januar muss ich an eine kleine Begegnung im Kölner Dom denken. Es wird fünfzehn oder noch mehr Jahre her sein, dass ich dort in eine Gruppe spanischer Touristen geriet. Sie führten, Kirchenraum hin oder her, eine ziemlich heftige Diskussion und waren sich offenbar uneinig darüber, ob in jenem goldenen Schrein vor uns nun wirklich die Reliquien der Heiligen Drei Könige liegen oder aber nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine besonders kluge Idee war, ausgerechnet mich um Aufklärung in dieser Sache zu bitten. Jedenfalls war ich überrumpelt genug, um wenig überzeugend »na das wird schon so sein« zu stammeln. Wer weiß, vielleicht denkt ja gerade heute, am Dreikönigstag, in Spanien der eine oder die andere an die gemeinsame Köln-Reise zurück?

Seit dem Jahr 1164 befinden sich die Reliquien am Rhein, und selbstverständlich gehört der prachtvolle, wenige Jahrzehnte später entstandene Schrein zu jenen Objekten, mit deren Hilfe Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer fast zweitausend Jahre Stadtgeschichte erzählen. Ihr gerade eben erschienenes Buch »Köln von Anfang an« ist bereits der vierte Band – und doch zugleich der erste. Vor allem aber ist er eine Überraschung. Denn mit den drei Teilen »Köln vor dem Krieg«, »Köln und der Krieg« sowie »Köln nach dem Krieg«, die zwischen 2012 und 2016 erschienen waren, konnte diese Reihe eigentlich als abgeschlossen gelten. Matz und Vollmer hatten die drei Bände jeweils als ein reich kommentiertes stadtgeschichtliches Fotoalbum angelegt. Für die Zeit vor dem Jahr 1880 aber, mit dem sie »Köln vor dem Krieg« einsetzen ließen, ist die fotografische Überlieferung eher überschaubar; und ohnehin kann sie nicht weiter als in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Mit dem nun publizierten Auftaktband musste also zwangsläufig das ursprünglich angelegte Editionsprinzip verlassen werden. Und doch handelt es sich bei »Köln von Anfang an« um einen Bildband, der mit ganzer Kraft die Möglichkeiten der Fotografie ausspielt. Der Grund hierfür steht zum einen auf dem Titelblatt und dann wieder auf den Seiten 387 und 388, wo sich die Bildnachweise befinden. Zwar treten mit Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer bei dieser Buchreihe zwei Autoren in Erscheinung, die als Publizisten und Kuratoren, Hochschullehrer und Kritiker arbeiten. Doch sollten sie – trotz der Vielfalt ihrer professioneller Rollen – wohl zuallererst als Fotografen angesprochen werden. »Köln von Anfang an« blättert die überreiche Stadtgeschichte anhand hunderter Quellen auf; und zu einem bemerkenswert großen Teil wurden diese Objekte von Matz und Vollmer fotografisch interpretiert. Was genau dies heißen kann, lässt sich zum Beispiel an Detailaufnahmen des Chorgestühls aus dem Kölner Dom wunderbar beobachten.

Im Medium des Fotobuchs werden Stadtgeschichten schon seit wenigstens einem Jahrhundert erzählt. Blickt man auf unsere eigene Zeit, ist wohl vor allem die Buchserie »Images of America« beispielgebend geworden. Aktuell vertreibt der Verlag Arcadia Publishing in dieser erst vor zwei Jahrzehnten gegründeten Reihe nicht weniger als 8.145 Titel! Was hier auf stets 128 Seiten als eine Art Best-of lokaler Stadt- und Zeitungsarchive geboten wird, hat allerdings wenig zu tun mit jener editorischen Sorgfalt und historiografischen Sachkenntnis, mit der Matz und Vollmer ihre vier Köln-Bücher eingerichtet haben. Neben den bestechend gut gedruckten Fotografien betrifft dies nicht zuletzt die Texte: detaillierte Bildunterschriften sowie, im Fall des nun erschienenen Bandes von Tacitus bis Johanna Schopenhauer, Auszüge aus stadtgeschichtlich interessanten Quellen. Ganz besonders lesenswert sind aber vor allem launige Miniaturen, in denen Reinhard Matz die einzelnen Epochen schlaglichtartig erzählt und dabei lakonisch kommentiert.

Wer es übrigens noch genauer, dann aber auch wirklich ausführlicher wissen will, der sollte zu jener »Geschichte der Stadt Köln« greifen, die seit 2004 im selben Verlag erscheint und nach Abschluss einmal ganze dreizehn Teile umfassen soll. Ihr dritter Band zu »Köln im Hochmittelalter« ist bereits vor vier Jahren herausgekommen; und dort ließe sich dann auch die Geschichte zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige, zu König Barbarossa und dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel ganz genau nachlesen.

Reinhard Matz, Wolfgang Vollmer: Köln von Anfang an. Leben, Kultur, Stadt bis 1880, Köln (Greven) 2020. 392 Seiten, 402 Farbabbildungen, 24 × 29 cm, Leinen mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-7743-0923-4.

»Und so etwas steht in Gelsenkirchen«

Besprochen von Steffen Siegel

Neben so vielem anderen wird 2020 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem man sich besser beeilt hat, soeben eröffnete Ausstellungen anzusehen. Andernfalls riskiert(e) man, vor verschlossenen Museumstüren zu stehen. Eine dieser vor der Zeit geschlossenen Ausstellungen ist »›Und so etwas steht in Gelsenkirchen…‹. Kulturbauten im Ruhrgebiet nach 1950«. Derzeit wäre sie eigentlich noch im Museum Folkwang zu sehen. Zehn Jahre nach Eröffnung von David Chipperfields Erweiterungsbau an der Essener Bismarckstraße wollte und will diese Ausstellung den kaum vergleichbaren Reichtum von Kulturbauten in den Blick nehmen, der sich auf dem geografisch so engen Raum des Ruhrgebiets als ein architektonisches und städtebauliches Ereignis erfahren lässt. Spreche ich aber vom Museum Folkwang an der Bismarckstraße, so beziehe ich mich unter der Hand bereits auf unsere eigene Gegenwart. Denn das Museum konnte man im Lauf von fast einhundert Jahren schon von allen Himmelsrichtungen aus betreten – Kulturbauten sind Architekturen im fortlaufenden Wandel.

Wer es genauer wissen will, sollte nach Dortmund ins Baukunstarchiv NRW fahren. Seit 2018 sitzt diese dem architekturgeschichtlichen Gedächtnis des Bundeslandes verpflichtete Institution im einstigen Museum am Ostwall (noch so ein fortlaufender Wandel). Aber auch dort sind derzeit natürlich die Türen verschlossen. Es bleibt derzeit nur ein Griff zu jenem Buch, das Hans-Ulrich Lechtreck, Wolfgang Sonne und Barbara Welzel herausgegeben haben – dessen Lektüre ist jedoch das Gegenteil einer Verlegenheitslösung. Es handelt sich um eine 400 Seiten starke Schatzkiste aus Bildern und Texten. In ihrem Zusammenspiel simulieren sie einen stöbernden Gang durchs Archiv: Es werden Archivboxen und Fotoalben geöffnet, Planschränke aufgezogen und Baupläne entrollt.

»Miniaturen« haben die Herausgeber*innen eine erste Gruppe von Texten genannt, in denen die Geschichte wichtiger Kulturbauten vorgestellt und die architektonischen Ideen diskutiert werden. Natürlich darf hier das »Musiktheater im Revier« nicht fehlen, immerhin bezieht sich der Buchtitel samt Yves-Klein-Blau auf diesen spektakulären, 1959 in Gelsenkirchen eröffneten Theaterneubau. Genauer betrachtet werden im Ganzen elf architektonische Meilensteine, darunter das Josef-Albers-Museum Quadrat in Bottrop, die Mercatorhalle in Duisburg (sie wurde vor wenigen Jahren abgerissen und durch ein CityPalais ersetzt, das genauso trist aussieht wie es heißt) oder das mit jahrzehntelanger Verspätung in den späten 1980er Jahren gebaute Aalto-Theater in Essen. Eine zweite Gruppe von Texten versammelt Essays – und diese lassen sich als eine exemplarisch am Ruhrgebiet entwickelte und brilliant zugespitzte Einführung in die Probleme von Architekturgeschichte, Bautypologie sowie Stadt- und Regionalentwicklung lesen.

Mit Blick auf verschiedene Neu- wie Umbauprojekte für Konzerthäuser im Ruhrgebiet wurde in jüngerer Zeit immer wieder kritisiert, dass die Städte des Ruhrgebiets in einen finanziell ruinösen Wettbewerb getreten sind, statt auf Kooperation und Aufgabenteilung zu setzen. Ganz falsch mag das nicht sein. Dennoch übersieht diese Kritik, welcher Reichtum in den zurückliegenden Jahrzehnten im Ruhrgebiet gerade deshalb entstanden ist – nicht allein architektonisch, sondern sehr viel mehr noch gesellschaftlich. Benannt ist damit die gar nicht so heimliche These des Buches: Wer Theater, Museen, Konzerthäuser oder Kinos baut, errichtet gesellschaftliche Mittelpunkte von dauerhaftem Wert. Zur Logik der »großen Stadt« zwischen Ruhr und Emscher gehört aber eben auch, dass es sich um eine polyzentrische Struktur handeln muss. Auf diese Weise existieren zum Beispiel im Ruhrgebiet nicht weniger als fünf Opernhäuser mit festem Ensemble (in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Dortmund und Hagen) – das sind zwei mehr als in Berlin und drei mehr als in München.

Bereits vor zehn Jahren ist unter dem wunderbaren Titel »Auf den zweiten Blick. Architektur in der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen« ein (übrigens immer noch lieferbares) Buch erschienen (Mitherausgeber war auch seinerzeit schon Werner Sonne), das ich nicht allein liebe, sondern das ich spätestens seit meinem Wechsel an die Folkwang Universität und damit mitten ins Ruhrgebiet auch wie einen Reiseführer benutzt habe. Geografisch und thematisch fokussierter im Zuschnitt, aber vergleichbar opulent in Bild- wie Kommentarteil wird »Und so etwas steht in Gelsenkirchen…« etwas ganz Ähnliches leisten können. Und darf man sich, da ja Weihnachten vor der Tür steht, sogleich eine Fortsetzung wünschen? Das Museum Küppersmühle in Duisburg, direkt um die Ecke das Landesarchiv NRW, das Gasometer in Oberhausen, das Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein in Essen, das Musikzentrum Bochum, das Theater Dortmund, der Erweiterungsbau im Osthaus Museum in Hagen, das LWL Museum für Archäologie in Herne – an bemerkenswerter Architektur wäre wirklich kein Mangel, auf den ersten wie auf den zweiten Blick.

Hans Jürgen Lechtreck, Wolfgang Sonne, Barbara Welzel (Hg.): »Und so etwas steht in Gelsenkirchen...« Kultur@Stadt_Bauten_Ruhr, Dortmund (Kettler) 2020. 400 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Klappenbroschur, 20 × 24 cm,  ISBN: 978-3-86206-835-7.

David Campany: On Photographs

Besprochen von Judith Böttger

Jede Forschungsdisziplin bildet im Lauf der Zeit ihren ganz eigenen Kanon aus. In der Literaturwissenschaft gehört Gérard Genettes »Die Erzählung« (1998) zur Pflichtlektüre, für die Fototheorie ist ein vergleichbarer Klassiker mit Sicherheit Susan Sontags »On Photography« (1977). In kritischer Absicht diskutierte Sontag in den sieben Essays dieses Buches die Fotografie als ein soziales und künstlerisches Phänomen. Dabei vergleicht sie zwar verschiedene fotografische Positionen, konkrete Bilder werden dabei jedoch eher gestreift.

Unübersehbar bezieht sich David Campany mit dem Titel seines in diesem Jahr erschienenen »On Photographs« auf Sontags Klassiker. Als Programmdirektor des International Center of Photography in New York ist Campany ein ausgewiesener Kenner der Fotografie, und erst jüngst war er Gastkurator der Biennale für aktuelle Fotografie in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. In seinem neuen Buch versucht er, durchaus im Unterschied zu Sontag, den Bogen vom einzelnen Bild hin zur Fotografie im Allgemeinen zu spannen.

Die Konzeption des Buches überzeugt durch Stringenz: 120 Fotografien, 120 Texte. Man kann jede Doppelseite als ein individuelles Diptychon lesen, oder aber man begreift »On Photographs« als einen einzigen, umfassenden Essay. Anders gesagt: Man kann sich für eine Lektüre in gut verdaulichen Häppchen entscheiden oder durch ein kontinuierliches Lesen am Stück Querverbindungen herstellen. Dabei ist die Auswahl der Fotografien und der dahinterstehenden Fotograf*innen überraschend: Neben Klassikern (zum Beispiel Eugène Atget, Lee Friedlander, Vivian Maier, Henri Cartier-Bresson) greift Campany auch auf eher unbekannte Künstler*innen zurück. Die Reihenfolge seiner Bildbesprechungen folgt dabei keiner erkennbaren zeitlichen oder räumlichen Ordnung – als Leser*in wird man auf diese Weise angeregt, selbst assoziative Brücken zu schlagen. So fällt auf, dass in vier aufeinander folgenden Fotografien die Bewegung das Leitmotiv ist. Zur Sprache kommen hier Bilder von Eadward Muybridge, Frank and Lillian Gilbreth, Étienne-Jules Marey und John Baldessari.

Die essayistischen Texte, die Campany den Fotografien zur Seite stellt, sind gespickt mit (werk-)biografischen Anekdoten, historischen Bezügen und legen den Fokus darauf, wie über Fotografien nachgedacht werden kann. Häufig gelingt es Campany sehr gut, fototheoretische Bezüge herzustellen, beispielsweise wenn er über die vermeintliche Diskrepanz zwischen Betrachtungs- und Bildzeit (S. 52) oder über Autorschaft (S. 40) nachdenkt. An einigen Stellen bedient Campany jedoch Klischees, die ins Kitschige abzugleiten drohen: »A photograph is a trace, and so is a lipstick kiss, but what is a trace, exactly? It is a presence that marks an absence, and as such its meaning can never be exact.« (S. 100)

Bild und Text weisen bei Campany über sich hinaus und stehen in einem größeren diskursiven Kontext. Es ist zwar eine große Qualität des Buches, vom Spezifischen zum Allgemeinen zu verweisen, andererseits geht dadurch aber gerade das verloren, was »On Photographs« eigentlich von »On Photography« unterscheiden sollte: die methodische Konzentration auf die einzelne Fotografie. Einige Texte sind so biografisch, dass man bis zum letzten Satz warten muss, bis überhaupt auf das spezifische Bild Bezug genommen wird. »Café, Paris« (1959) von Saul Leiter wird im dazugehörigen Text noch nicht einmal erwähnt, hat also kaum mehr als illustrativen Charakter. David Campany bietet eine niedrigschwellige Erzählung zur Fotogeschichte, sie hätte aber durchaus auch »On Photographers« heißen können.

David Campany: On Photographs, London (Thames & Hudson) 2020. 264 Seiten, Hardcover, 22,3 × 18,1 cm, ISBN: 978-0-500-54506-5.

Judith Böttger studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Svetlana Alpers: Walker Evans. Starting from Scratch

Reviewed by Paul Mellenthin

The year 2020 took off with promising news: Princeton University Press announced a new biography of Walker Evans (1903–1975) by Svetlana Alpers. As Professor Emerita of art history at the University of California, Berkeley, Alpers is well-known for her provoking work on Dutch painting. However, American photo history did not belong to her fields of expertise. Considering her past research, we would expect Alpers to tell us what is great––yes, emphatically »good« or »important«––about the pictures Evans took. In short, what makes them a work of art?

It is undoubtedly unprecedented to relate a sketchbook by Paul Cézanne to a negative strip or reckon Pieter Bruegel’s representation of Flemish peasants regarding Evans’ view of black American culture. In her characteristically idiosyncratic and associative way, Svetlana Alpers draws connections to various artistic traditions. However, more historic and strictly positive traditions are spotted as well: In 1926, Evans spent time in Paris, where he studied French nineteenth-century literature, namely Gustave Flaubert and Charles Baudelaire. A year later, after returning to New York, he discovered the work of Eugène Atget. The French photographer would become the most influential reference for Evans’s style and subject choice, his »idol.«

In her account, Alpers touches on the general problem of describing visual phenomena. And she offers a solution: arguing by analogy. For instance, by learning about Flaubert’s modern writing techniques, we are expected to understand how Evans accomplished invisibility as a photographer, how he managed to disappear and stay present all the same. His photographs characteristically develop a kind of visual imparfait: immediate, sober, and attentive to detail––or »literary, a way of telling, although not with words.« His passion for language is a recurrent theme throughout his career. Simply put, he loved to read and write.

As Alpers’ inquiry moves chronologically forward, a sense of consistency is apparent. In 1933, we join Evans, traveling to revolutionary Cuba. While staying with Ernest Hemingway, he did not take a single portrait. Instead, he watched the Cuban society from the bottom up: photographing men on the streets. When, in 1938, Evans famously published »American Photographs« with works he realized for the Farm Security Administration, or FSA, he turned his attention to the unrecognized. And again, years later, the same Evans took Polaroid photographs when riding the New York subways–– »Evans was, and is, interested in what any present time will look like as the past.« Alpers successfully deciphers this enigmatic statement making it a general formula to understand his approach. She argues that the border of past/present (and not high/low) challenged him.

The book does not tire of emphasizing the distinctiveness of what and how it has been photographed. Alpers is most convincing when she looks at Evans working as a photographer. Her account carefully pays attention to his changing equipment, and she links the printed images to his editing practice. We intimately follow his ways of developing an idea of something––Alpers refers to it as »Evans’ eye.« But is it the eye of an artist? »Perhaps,« resumes Alpers, »it is precisely the indefinability of photography––art or not art and what it is for––that gives its special grace.« Albeit this core question remains unanswered, the neatly edited catalog, comprising c. 150 plates, gives expression to what the volume achieves. It is an exercise in looking at photographs slowly, thus carefully; it is an exercise in developing an eye.

Svetlana Alpers: Walker Evans. Starting from Scratch, Princeton (Princeton University Press) 2020. 416 pages, 15 color and 170 black/white illustrations, 6.13 × 9.25 in. ISBN: 978-0-691-19587-2