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100 Beste Plakate

Viktor Lentzen und Daniel Kobert, die, wie auch in diesem Jahr, bereits 2020 das Bewerbungsplakat für unseren Masterstudiengang Photography Studies and Research entworfen haben, wird eine besondere Ehre zuteil: Von einer Fachjury wurden die beiden für ihre Gestaltung im Wettbewerb um die 100 Besten Plakate in Deutschland, Österreich und der Schweiz neben 99 anderen als Gewinner ausgezeichnet. Insgesamt waren für den Wettbewerb knapp 2.000 Plakate von 600 Einreicher*innen eingegangen. Das Plakat wird damit auf der alljährlichen Wanderausstellung der 100 Besten Plakate gezeigt werden.

Vor Kurzem haben Viktor Lentzen und Daniel Kobert ihre Abschlüsse im Bachelor Kommunikationsdesign gemacht. Wir gratulieren doppelt herzlich und freuen uns über unser Gewinner-Plakat!

Mehr Informationen zu den 100 Besten Plakaten 20 auf der offiziellen Website des Vereins.

Timm Rautert and the Lives of Photography

Timm Rautert, einer der namhaftesten deutschen Gegenwartsfotografen und Alumnus der Folkwang Universität, wird dieses Jahr nicht allein achtzig Jahre alt, sondern derzeit mit einer großen Retrospektive seines Werks im Museum Folkwang geehrt. Kuratiert wurde sie von Thomas Seelig, dem Leiter der fotografische Sammlung des Museums Folkwang. Danach wird die Ausstellung »Timm Rautert und die Leben der Fotografie« übrigens auch im Bombas Gens in Valencia zu sehen sein.

Anlässlich dieser Ausstellung ist im Steidl Verlag aus Göttingen ein Katalog erschienen, der diese vielen Leben der Fotografie auf 520 Seiten und in 332 Abbildungen entfaltet. Begleitet wird das Buch durch sechs Essays, die in verschiedene Aspekte des Werks einführen. Sie stammen von Bertram Kaschek, Nicole Mayer-Ahuja, Jürgen Müller, Gisela Parak, Steffen Siegel und Ulf Erdmann Ziegler. Außerdem hat Sophie-Charlotte Opitz eine kommentierte Biografie beigesteuert.

In the evening

Carolin Albers: Alphörner im Becken, 2020.

35 Fotostudierende aus ganz Deutschland – darunter auch Charlotte ChapiusHenk Aaron SzantoMoayad Balo und Nick Jaussi von der Folkwang Universität der Künste – zeigen derzeit, über das Essener Stadtzentrum verteilt, ihre Arbeiten. Die Pandemie zieht neue Formen des Ausstellers nach sich. Da derzeit fast alle Läden und Cafés geschlossen bleiben müssen, nutzen die Fotografinnen und Fotografen die leeren Schaufenster und zeigen so, dass die Stadt dennoch lebt. Gegenwärtig ist kulturelle Erfahrung fast vollständig auf den digitalen Raum beschränkt. Mit dem gemeinsamen Projekt »In the evening« soll sie aber in den öffentlichen Raum getragen werden – eine Begegnung mit fotografischer Kunst soll auch in Zeiten der Pandemie möglich sein!

Organisiert wurde das Projekt von Studierenden der Folkwang Universität in Zusammenarbeit mit dem Fotobus. Zum Ausdruck gebracht werden soll die andauernde Erfahrung einer kollektiven Isolation. Daher wurden die Schaufenster von zwei Cafés sowie zwei Ladengeschäften in bunte und vielfältige Ausstellungsräume verwandelt. Im Einzelne sind dies das Landschaftsplanungsbüro in der Rellinghauser Straße 114, das TFC Airlebnis Reisebüro am Rüttenscheider Platz 12, das Café Click in der Beethovenstraße 1 und das Café LIVRES in der Moltkestraße 2a. Zur Orientierung findet sich hier eine Karte. Laufen wird das Projekt so lange, bis die Cafés und Läden wieder öffnen dürfen.

Maya Graef hat am 25. Februar für die WDR Lokalzeit von diesem Projekt berichtet, am 2. März Radio Essen und am 4. März die WAZ.

Die Zukunft der Fotografie

Über die Fotografie wurde eigentlich immer schon im Futur nachgedacht. Das Medium ist zu lebendig und zu viel versprechend, als dass es nicht fortgesetzt Spekulationen über seine Zukunft herausfordern würde. Mit dem gerade eben erschienenen 158. Heft von »Fotogeschichte« erhält ein solches Nachdenken sogleich 34 Mal neues Futter. Ebenso viele Autorinnen und Autoren haben auf Einladung des Herausgebers der Zeitschrift, Anton Holzer, in kurzen Texten über die Zukunft der Fotografie nachgedacht – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mit dabei ist unter anderem Steffen Siegel, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. In seinem Beitrag »Globus Fotogeschichte« widmet er sich der interdisziplinären Zukunft der Fotoforschung.

In der Ankündigung des Verlags heißt es zu diesem Heft: Die Fotografie hält zum einen Ereignisse fest und verwandelt sie zugleich in Vergangenheit. Sie ist, so gesehen, ein historisches Medium par excellence. Zum anderen beflügelte sie von Anfang an Zukunfts-Fantasien. Die Fotografie werde, so prophezeiten bereits die allerersten Kommentatoren in den späten 1830er Jahren, in Zukunft Dinge sichtbar machen und enträtseln, die bislang im Verborgenen geblieben waren: die Hieroglyphen Ägyptens ebenso wie das Licht entfernter Sterne, den Schmetterlingsflügel unter dem Mikroskop ebenso wie entfernte Reiseeindrücke. Die Beiträge dieses Themenhefts loten diese Doppelgesichtigkeit des Mediums aus und fragen danach, wie die Zukunft der Fotografie aussehen könnte. Manches, vielleicht sogar vieles, wird anders kommen als wir es aus heutiger Perspektive erwarten. Nicht nur, weil die gegenwärtige globale Gesundheitskrise noch unabsehbare Folgen haben wird. Sondern auch, weil die gesellschaftlichen Systeme, die auf uns zukommen werden, neue, vielleicht radikal andere Formen des Fotografischen hervorbringen werden – möglicherweise jenseits von Digitalisierung und Internet.

KORRELATIONEN II erschienen

Philipp Niemeyer, Samuel Solazzo, Jakob Treß und Jannis Uffrecht: KORRELATIONEN II, 2020. Foto: Samuel Solazzo.

108 Seiten mit 104 fotografischen Arbeiten – und ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis 2020 in Bronze – das ist KORRELATIONEN II, ein soeben erschienenes Gemeinschaftsprojekt von vier Fotografen aus Weimar und Essen.

Das Projekt KORRELATIONEN entstand 2018 in Weimar als ein selbst publiziertes Zine der vier Fotografen und Freunde Philipp Niemeyer, Samuel Solazzo – inzwischen Student an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Practice –, Jakob Treß und Jannis Uffrecht. Im Umfang von 34 schwarz-weiß Fotografien wurde innerhalb von wechselseitigen Dialogen die Beziehung der vier Autoren zueinander hinterfragt und darüber hinaus ein Spannungsfeld innerhalb der gesamten Publikation erzeugt. Kritisch, dennoch respektvoll, wurde im Entstehungsprozess über die Wirkung einzelner Bilder oder Bildpaare diskutiert, um so ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Positionen zu erlangen und schlussendlich eine in sich stimmige Auswahl zu treffen. Aus der Ambivalenz von Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen, als auch Unterschiede und Meinungsverschiedenheiten, erwuchs eine kollektive Sprache.

Inzwischen ist der Nachfolger KORRELATIONEN II erschienen. Nach dem monochromen Erstling bekennen die vier Fotografen nun Farbe; und zugleich wurden Umfang, Inhalt und Auflage erhöht. Das Magazin soll an die Grundgedanken der ersten Ausgabe anknüpfen, zugleich aber keine reine Fortführung des ersten Projekts darstellen. In mitten von Krise, Lockdown und räumlicher Trennung verdichtete sich eine Arbeit, in deren Mittelpunkt zwar noch immer das Miteinander steht, sich indes jedoch von den seitenfüllenden Gegenüberstellungen des Vorgängers entfernt, um innerhalb eines verspielteren Layouts eine erkennbare Entwicklung und ein Narrativ aufzuspannen. Begleitet und eingefasst wird es durch einen Textbeitrag von Grenadine Rübler.

Das selbst publizierte Fotomagazin im Format 23 × 33 cm wurde von Leon Lukas Plum gestaltet und gesetzt, ist im Offset-Verfahren gedruckt und umfasst 108 Seiten mit insgesamt 104 fotografischen Abbildungen und erschien in einer limitierten Auflage von 500 nummerierten Exemplaren. ISBN: 978-3-00-066425-0.

Michael Paul Romstöcks »zur Linde« erschienen

Michael Paul Romstöck: zur Linde, Dortmund (Kettler Verlag) 2021.

Vor wenigen Monaten erst hat Michael Paul Romstöck mit seinem Projekt »zur Linde« an der Folkwang Universität der Künste den M.A. Photography Studies and Practice erfolgreich abgeschlossen. Nun ist seine fotografische Befragung zur Symbolik und Bedeutung der Linde im Kettler Verlag als Buch erschienen. Die Bildtafeln sind im Duoton-Verfahren gedruckt. Das Hardcover-Buch im Format 21 × 25 cm umfasst 144 Seiten und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich! ISBN: 978-3-86206-882-1.

In der Ankündigung des Dortmunder Verlags heißt es: Die Linde ist im deutschen Kulturraum als Ort der Gemeinschaft und Chiffre der Gerechtigkeit und Liebe verankert. Man begegnet ihr als Dorf-, Gerichts- und Friedhofslinde oder als Motiv in Kunst und Literatur. In gleicher Weise hat sich der Lindenbaum – losgelöst von Brauchtum und Folklore – in den gesellschaftlichen Alltag eingeschrieben: als Ortsbeschreibung, TV-Serie oder Mittel zur Stadtbegrünung. In seinem Buch geht der Fotograf Michael Romstöck der Bedeutung der Linde nach – vom Schauplatz vorchristlicher Versammlungen über den romantischen Blick auf die Natur bis hin zu ideologischen Vereinnahmungen. Mit der analogen Großformatkamera hat Romstöck in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren über 60 Orte in der Bundesrepublik aufgesucht, an denen sich entweder ein kulturhistorisch konnotierter Lindenbaum selbst oder ein anderer Bezug zur Symbolik der Linde auffinden lässt. Aus einer Bestandsaufnahme heraus kombiniert Romstöck verschiedene Motive, Bildtypen und Textfragmente zu einer essayistischen Erzählung: Aus welchen Gründen errichteten frühere Generationen (Natur-)Denkmäler und wie gehen wir langfristig mit ihnen um? Wie bestehen und verhalten sich diese in der heutigen, sich rasant verändernden Welt? Was können sie uns mitteilen und was verraten sie über uns?

Christopher Muller: With Ice and Lemon

Christopher Muller: Plastic Bottles, 2019, 41 × 56 cm, Digital C-Print / gerahmt.

Vom 23. Februar bis zum 11. Mai 2021 stellt Christopher Muller, Professor für künstlerische Fotografie, im Künstlerverein Malkasten im Düsseldorf neue Arbeiten aus. Zwar heißt die Ausstellung »With Ice and Lemon«, allerdings dürfen die Drinks aus bekanntem Anlass derzeit leider nicht vor Ort genossen werden. Eine Besichtigung ist nach telefonische Vereinbarung unter 0211.356471 möglich. Es gelten die zur Zeit üblichen Hygiene- und Abstandsregelungen und die aktuelle Corona-SchutzVerordnung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Künstlerverein Malkasten
Jacobistraße 6a
40211 Düsseldorf
info@malkasten.org
Website des Künstlervereins

Soeben erschienen: Candide No. 12

Soeben ist die 12. Ausgabe von »Candide. Zeitschrift für Architekturwissen« erschienen. Das Themenheft wurde von Axel Sowa und Ela Kaçel herausgegeben. Es enthält Texte von Roman Bezjak, Nicholas Boyarsky, Lard Buurman, Davide Deriu, Alexa Färber, Ela Kacel, Markus Lanz, Bettina Lockemann, Clare Melhuish, Birgit Schillak-Hammers, Mary N. Woods sowie – nicht zuletzt – von Elisabeth Neudörfl, Professorin für Dokumentarfotografie an der Folkwang Universität der Künste. Ihr Beitrag trägt den Titel »Photographer’s Dilemma: ›Good‹ Photography vs. ›Good‹ Planning‹. Ein Abstract zu diesem Artikel findet sich hier.

In der Ankündigung des Verlags heißt es zu dieser Nummer der Zeitschrift: Die zwölfte Ausgabe von »Candide« widmet sich dem Thema »Visual Urbanism« – ein vollkommen neues Forschungsfeld. Fotograf*innen und Wissenschaftler*innen experimentierten mit anthropologischen, kulturwissenschaftlichen, soziologischen und geografischen Methoden, für eine Reflexion über die meist unkritische Nutzung von Bildern des öffentlichen Raums. »Candide« 12 sucht Möglichkeiten, diese Ergebnisse in Architektur und Stadtplanung zu integriert. Dabei beantworten Autor*innen drängende Fragen, wie nach der Nutzbarmachung fotografischer Bilder für die Architektur und vice versa.

Stopover 20 21 – the catalog

STOPOVER, 2020. Broschüre, 12 × 27 cm, 60 Seiten, Auflage von 500 Exemplaren. Gestaltung: Mathias Fleck. Foto: Samuel Solazzo

As soon as the museums reopen, »Stopover 20 21« will finally be on display at Museum Folkwang. Finally – for the exhibition has been ready to go at the beginning of December 2020. However, the catalog offers a preview of the current work made by the students of the M.A. program Photography Studies and Practice. Texts, written by the students of the M.A. program Photography Studies and Research in personal letters to the works of art, accompany these images. In the coming weeks, we will gradually publish them on this website. Please order your personal copy of the catalog from Dorothea Frink.

In her introduction to the catalog, Judith Böttger also emphasizes the special conditions under which this current edition of our annual exhibition at Museum Folkwang was created:

The term »stopover« commonly refers to an intermediate halt of an unspecified duration. It can be planned or unexpected, it can be used to collect one’s thoughts or lose the thread, it can pass quickly or be prolonged. For the sixth time in a row, the stopover exhibition in the basement of the Museum Folkwang will allow students of the M.A. program »Photography Studies and Practice« at the Folkwang University of the Arts to examine their approach to the museum space. The exhibition does not represent the culmination of an artistic process, but rather that intermediate halt. The works and artistic positions shown are still in the making and maturing, revealing and emphasizing the processual nature of photography and the photographic oeuvre.

But 2020 is the year of lengthy and unforeseen stops. Last year, nobody could have anticipated social life, the global economy and especially the art and culture scene being compelled to take such a long breather. Making this pause artistically productive and exploring new ways of interacting with the world, turned out to be one of the major challenges of preparing this year's exhibition. It is irrevocably inscribed in the photographic works shown: access to planned motifs, materials and photographic workshops was and is limited. Additionally, desired feedback was only possible online. The question as to what "contact« means will be an indispensable part of photographic work processes in 2020. As a result, the current exhibition regards itself as a place of attempted conversation, of establishing contact, between artists and a changing world, between different forms of images, between photographs and space, and between visitors and exhibitors. All in the knowledge of the fragility of every encounter.

The conversation continues in this catalogue. The art historian W.J.T. Mitchell postulated in »What Do Pictures Want?« (2005) a certain ability of pictures to act. They can affect us, speak to us. Following this idea, students of the M.A. program »Photography Studies and Research« sought to establish personal contact with the photographs of their fellow students through short letters. They provide an insight into the initial encounters with the pictures and also the time spent in front of and with the pictures. In so doing, it is not the artists but the photographs themselves that are addressed vis-à-vis. Thus, seeing and affect, text and image, production and reflection mirror the tandem of the two master programs.

Digital Info Day for all B.A. and M.A. programs

Am 5. Februar 2021 findet zwischen 14 und 18 Uhr der nächste Informationstag für alle Studiengänge am Fachbereich Gestaltung statt – aus gegebenem Anlass dieses Mal natürlich online! Vorgestellt wird die ganze, bei uns im Quartier Nord unterrichtete Vielfalt von Disziplinen: Fotografie, Industrial Design und Kommunikationsdesign, jeweils in Bachelor- und Master-Programmen; nicht zuletzt aber auch die beiden wissenschaftlichen Master-Programme zu Theorie und Geschichte der Fotografie sowie zu Kunst- und Designwissenschaft. Das genaue Programm für den Informationstag und die Informationen zum entsprechenden Online-Portal werden wir in wenigen Tagen hier veröffentlichen.

Darüber hinaus werden zwischen 16 und 18 Uhr Termine für eine Online-Mappenberatung angeboten. Hierfür ist eine Anmeldung bei Sonja Zenker (sonja.zenker@folkwang-uni.de) erforderlich. Weitere Informationen finden Sie hier.

Die Studienplätze in den drei Studiengängen Fotografie (Bachelor of Arts), Photography Studies and Practice (Master of Arts) und Photography Studies and Research (Master of Arts) werden dieses Jahr zum 15. März 2021 (BA Fotografie und MA Photography Studies and Practice) sowie zum 31. Mai 2021 (MA Photography Studies and Research) ausgeschrieben. Das Aufnahmeverfahren wird im Frühjahr stattfinden. Studienbeginn ist das Wintersemester. Alle Informationen zu den Anforderungen in den Bewerbungsverfahren und ihrem Verlauf, zu den Prüfungsordnungen und Modulhandbüchern sowie zu den genauen Terminen finden sich hier zusammengefasst.

Fotorestaurierung in Praxis und Lehre

Sammlung Matthias Gründig.

Die vier Partnerinstitutionen des Zentrums für Fotografie Essen – Folkwang Universität der Künste, Museum Folkwang, Historisches Archiv Krupp und Stiftung Ruhr Museum – bauen ihre Zusammenarbeit im Bereich Restaurierung und Konservierung von Fotografie weiter aus. Die Stadt Essen richtet mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung am Museum Folkwang ein institutsübergreifendes Fotorestaurierungsstudio ein, das zukünftig die umfangreichen fotografischen Bestände der Partnerinstitutionen sichern und aufarbeiten sowie für die Zwecke von Wissenschaft und Lehre verfügbar machen wird. Eine Presseerklärung des Zentrums für Fotografie Essen findet sich hier.

Für die neu geschaffenen Fotorestaurierungsstellen konnten die international renommierten Expertinnen und Experten Jessica Morhard und Peter Konarzewski gewonnen werden.

Das neu eingerichtete Studio und die Besetzung der Fotorestaurierung im Museum Folkwang sind wichtige Schritte zum Erhalt und Ausbau der fotografischen Sammlungen sowie zum Ausbau des Forschungsbereichs »Fotografische Materialitäten« an der Folkwang Universität der Künste. Neben der Konservierung und Pflege der umfangreichen, klassischen analogen Bestände treten bei allen Institutionen zukünftig auch Fragen in den Mittelpunkt, die den Erhalt von digitalen Konvoluten umfassen werden. Hier setzt die Arbeit der neuen Fachabteilung als Kompetenzzentrum an, sie forscht und entwickelt zukunftsweisende Standards und stellt den Wissenstransfer zwischen Fotorestaurierung, künstlerischer Praxis sowie Theorie und Geschichte der Fotografie sicher.

Insbesondere auch für die Studierenden der Folkwang Universität sind dies hervorragende Nachrichten: Künftig wird in jedem Semester die Abteilung Fotorestaurierung mit mindestens einer Lehrveranstaltung präsent sein. Diese Verknüpfung von Praxis und Lehre stellt ein Novum an einer Hochschule im deutschsprachigen Raum dar.

Galerie 52 im Wintersemester 2020/2021

  • 6.–14.11.2020
  • »The Afternoon of the Day«
  • Sora Park
  •  
  • 20.–27.11.2020
  • »Die abstrakte Wahrheit«
  • Hao Wen
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  • 7.–11.12.2020
  • »Solid State«
  • Ruth Magers & Julius Barghop
  •  
  • 16.12.2020–8.1.2021
  • »being on concrete«
  • Jana Schulz
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  • 15.1.–22.1.2021
  • »drei Sterne Plus; Zuchtklasse 1.«
  • Inga Barnick
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  • »How to Pose the Model«
  • David Müller
  •  
  • ab 29.1.2021
  • »Baron«
  • Simon Baptist

Jonas Kamm ist für den Louis Roederer Discovery Award der Rencontres d’Arles nominiert

Jonas Kamm: DAVE, DEE & DOZY, 2020.

Jonas Kamm, der im vergangenen Jahr an der Folkwang Universität der Künste im Studiengang Fotografie seinen Bachelor of Arts erworben hat, wurde für den Louis Roederer Discovery Award nominiert. Gemeinsam mit zehn weiteren Künstlerinnen und Künstlern aus insgesamt neun Ländern steht er damit auf der Short List dieses Preises. Neben Deutschland stammen sie aus Frankreich, Georgia, Peru, Polen, der Tschechischen Republik, der Türkei, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sie alle werden im Rahmen der diesjährigen Rencontres d’Arles im Rahmen einer Gruppenausstellung gezeigt werden. In der Eröffnungswoche vom 5. bis zum 12. Juli 2021 wird neben dem mit 15.000 Euro dotierten Discovery Award auch ein mit 5.000 Euro dotierter Publikumspreis verliehen werden. Ausführlichere Informationen finden sich hier.

Inga Barnick: »parade ground, open space – [a review of Maidan]«

Inga Barnick: »parade ground, open space – [a review of Maidan]«, 2020.

Mit ihrer Arbeit »parade ground, open space – [a review of Maidan]« hat Inga Barnick erfolgreich ihr Studium im M.A. Photography Studies and Practice abgeschlossen.

Sie selbst schreibt über ihre Arbeit: Es handelt sich um eine fotografische Untersuchung des Majdan Nesaleschnosti, dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew, der in der Vergangenheit vor allem wegen der dortigen Proteste (Orange Revolution, Euromajdan) in den internationalen Medien präsent war. Der architektonische Raum des Platzes — wörtlich bedeutet »Majdan« offener freier Platz — wird im Bezug auf seine gegenwärtige Nutzung, Wahrnehmung und Gestaltung sowie historisch-politischen Ereignissen visuell verhandelt. Das Erscheinungsbild und der Name des Platzes haben sich stets in Korrespondenz zur herrschenden Ordnung gewandelt.

Der Platz ist als visuelles Erlebnis angelegt und inszeniert. Er beruht auf einem geplanten Bildeindruck und ist auf die mediale Reproduktion angewiesen. In der räumlichen Beobachtung drängt sich indes eine andere Alltagsroutine auf: eine breite, geschäftige Haupt-/Paradenstraße zerteilt den Platz. Im Mantel dekorativer Gestaltung versperren Architekturelemente die Sicht. Nicht-Orte offenbaren sich: Durchgänge, Untergrundpassagen, Café- und Fast Food-Ketten. Unausweichlich hebt sich aus dem Untergrund eine Shopping Mall empor. Ein Platz im Sinne der wörtlichen Übersetzung »Maidan — open space« ist nicht ersichtlich, vielmehr bedarf es immer den Gang durch den Untergrund um ihn zu »überqueren«. Wo ist also diese Idee von Platz, von freiem Raum?

Das Buch erschien 2020 bei On Retinae Books in Essen in einer Auflage von 35 Exemplaren. Es umfasst 100 Seiten sowie im Anhang einen Index (Anhang). Fadengeheftete Broschur (Papierwechsel glossy/natural), Softcover (Leinenpapier 300 g) im Format 29,4 × 20,4 cm.

Anja Segermann: MEMBRA DISIECTA

Anja Segermann: MEMBRA DISIECTA, 2020. Buch, 21,5 × 28 cm, 96 Seiten, Auflage von 15 nummerierten Exemplaren.

Mit ihrer Arbeit MEMBRA DISIECTA hat Anja Segermann vor Kurzem an der Folkwang Universität ihr Bachelor-Studium Fotografie erfolgreich abgeschlossen. Die Arbeit besteht aus einem 96-seitigen Fotobuch mit 49 Fotografien. Zur Idee von MEMBRA DISIECTA schreibt sie selbst:

So vielseitig wie der Umgang mit dem Medium Fotografie sein kann, so vielfältig können auch die Erscheinungsformen des Wassers wahrgenommen werden. Sechs Monate intensiver Untersuchung von Wasser und seiner Zeichenhaftigkeit liegen zurück. In MEMBRA DISIECTA (lat. »zerstreute Glieder«) werden Bilder, die zunächst einzelne Fragmente eines umfangreichen Systems von Mensch und Umwelt darstellen, zusammengetragen. Das Konvolut öffnet verschiedene Spannungsfelder und lässt eigene Wechselwirkungen entstehen: zwischen Erwartung und Sichtbarkeit, zwischen Globalität und Regionalität sowie zwischen Vergangenheit und Zukunft. Auf der Suche nach Möglichkeiten, mit Fotografie dem alltäglichen Leben neu zu begegnen, wurden landwirtschaftliche Aspekte genauso wie Wetterphänomene oder Freizeitanlagen dokumentiert. Dabei liegt der Fokus auf der Vielschichtigkeit der visuellen Wahrnehmung und dem damit einhergehenden Perspektivwechsel.

Steffen Siegel joins the editorial advisory board of »Photographies«

At the beginning of the new year, and with volume 14, Steffen Siegel will join the editorial advisory board of »Photographies«.

Since 2008, the scholarly journal has been published three times a year, both in print and online, by Taylor & Francis. »Photographies« is a leading periodical for the theory and history of photography, edited by David Bate (University of Westminster, Great Britain) and Liz Wells (Plymouth University, Great Britain). All contributions featured in »Photographies« are subject to a peer-review process.

As a newly appointed member of the advisory board, Steffen Siegel hopes to bridge current research particularly from the German-speaking countries with the journal. From 2021 onwards, each issue of »Photographies« will provide more space for contributions than was previously the case.

Michael Romstöck: »Zur Linde«

Michael Romstöck: Zur Linde, 2020. Ausstellungsansicht im Quartier Nord.

Mit einer fotografischen Befragung zur Symbolik und Bedeutung der Linde hat Michael Romstöck im November 2020 erfolgreich sein Studium im M.A. Photography Studies and Practice abgeschlossen.

Zur Idee seines Abschlussprojekts schreibt er selbst: Die Linde ist im deutschen Kulturraum als Ort der Gemeinschaft und Chiffre der Gerechtigkeit und Liebe verankert. Man begegnet ihr als Dorf-, Gerichts- und Friedhofslinde oder als Motiv in Kunst und Literatur. In gleicher Weise hat sich der Lindenbaum – losgelöst von Brauchtum und Folklore – in den gesellschaftlichen Alltag eingeschrieben: als Ortsbeschreibung, TV-Serie oder Mittel zur Stadtbegrünung.

In »Zur Linde« gehe ich der Bedeutung der Linde nach – vom Schauplatz vorchristlicher Versammlungen, über den romantischen Blick auf die Natur, bis hin zu ideologischen Vereinnahmungen. Mit der analogen Großformatkamera habe ich dabei in einem Zeitraum von eineinhalb Jahren über 60 Orte in der Bundesrepublik aufgesucht, an denen sich entweder ein kulturhistorisch konnotierter Lindenbaum selbst oder ein anderer Bezug zur Symbolik der Linde auffinden lässt.

Anhand dieser Bestandsaufnahme kombiniere ich verschiedene Motive, Bildtypen und Textfragmente zu einer essayistischen Erzählung: Aus welchen Gründen errichteten frühere Generationen (Natur-)Denkmäler und wie gehen wir langfristig mit ihnen um? Wie bestehen und verhalten sich diese in einer sich rasant verändernden Welt heute? Was können sie uns mitteilen und was verraten sie über uns?

edtalk: #FreeRenty

Am 11. Dezember 2020 veranstaltet die Studierenden-Initiative »edk – Ende der Kunstgeschichte« einen Themenabend zu »#FreeRenty – Über das koloniale Erbe der Fotografie«. Hierfür hat die Initiative Steffen Siegel als Diskussionspartner eingeladen.

Untrennbar ist die Fotogeschichte des 19. Jahrhunderts mit rassistischer Gewalt verbunden. Aktuelle Diskussionen um die frühesten bekannten Aufnahmen von Sklav*innen in den USA aus dem Besitz der Harvard University zeigen, dass diese Fragen nichts an Aktualität verloren haben. Bilder des versklavten afroamerikanischen Mannes Renty und seiner Tochter Delia werden seitens der Universität seit Jahrzehnten auf Konferenzen besprochen, mit Copyright versehen und in Publikationen abgedruckt – Tamara Lanier, eine Nachfahrin Rentys, fordert jetzt gemeinsam mit Unterstützer*innen der Kampagne »Free Renty«, dass diese nicht mehr von anderen verbreitet werden und in den Familienbesitz zurückkehren.

Hierin knüpfen sich für die Rezeption von und die Forschung zu Fotografien dringliche Fragen: Wann werden heutige Betrachter*innen zu Kompliz*innen kolonialer Gewalt? Wie kann die Wissenschaft mit Porträts umgehen, die wider den Willen der Abgebildeten aufgenommen wurden?

Die Veranstaltung wird online stattfinden. Nach Anmeldung unter endederkunstgeschichte@web.de wird ein Zoom-Link zugesendet.

Ruth Magers & Julius Barghop: Solid State

Zum Abschluss dieses Jahres eröffneten Julius Barghop und Ruth Magers – beide studieren an der Folkwang Universität der Künste im B.A. Fotografie – in der Galerie 52 ihre gemeinsame Ausstellung »Solid State«. Sie selbst schreiben zur Idee ihrer Show: Der Philosoph Marcus Steinweg schreibt in seinem Artikel »Freedom Panics«: »Jedes Denken – sei es künstlerisch, wissenschaftlich – artikuliert sich in Kontexten statt im luftleeren Raum.« Es geht also um die Frage nach der Definition des Verhältnisses zum Gegebenen; nach dem, was uns umgibt, uns umtreibt, uns beschäftigt. Jede künstlerische Praxis ist gleichsam eine Reaktion, eine Annäherung und ein Entgegenstellen dem gegenüber, was wir als Realität begreifen. Eine Realität, von der wir ausgehend, in einen gemeinsamen Dialog treten.

Solid State bezeichnet den festen Zustand der Materie. Die Atome oder Moleküle eines Stoffes nehmen feste Positionen zueinander ein und können sich nicht frei bewegen. Doch Stoffe können ihren Zustand verändern. Dabei wandelt sich allerdings nur das Aussehen, die Erscheinung des Stoffes. Der grundlegende Aufbau des Stoffes, seine chemische Zusammensetzung bleibt unverändert. So lautet auch der Titel unserer ersten gemeinsamen Ausstellung, des ersten Versuchs einer Annäherung unser beide eigentlich so verschiedenen Arbeitsweisen. Doch so unterschiedlich unser Interesse an der Fotografie auf den ersten Blick wirkt, so interessant schien uns eine gemeinsame Auseinandersetzung, die gleichsam als Suche nach einer möglichen Schnittstelle unser beider Arbeiten begriffen werden kann. Die Ausstellung zeigt neue und alte, gemeinsame und eigene Arbeiten.

Uns interessiert, was passiert, wenn verschiedene Interessen und Methoden aufeinander stoßen. Die Ausstellung ist ein Raum zum Experimentieren. Ein Raum, um sich gegenseitig zu inspirieren und die Grenzen der eigenen Arbeit auszuloten. Die Grundlage für unseren Dialog ist das Betrachten der Welt, die Lust am Schauen. Die in den Fotografien gezeigten Objekte, Formen oder Konstruktionen bleiben eben nicht fest; sie bewegen sich, verändern sich, treten in Beziehung zu einander. Wir ließen uns intuitiv durch die Arbeit am Bild leiten, ohne eine konkrete Vorstellung davon zu haben, wie das Endergebnis auszusehen hat. Nach und nach schälte sich das heraus, was wir weniger als Konzept begreifen würden, sondern vielmehr als die Beschäftigung mit dem Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Modell, zwischen analog und digital, zwischen Realität und Fiktion.

Porträt der nordrhein-westfälischen Kunsthochschulen

Vor wenigen Wochen wurde der diesjährige NRW.BANK Kunstpreis verliehen. Unter den Preisträgern ist Folkwang-Alumnus Kai Behrendt, dem in der Kategorie »Skulptur und Installation« für seine Arbeit UNTITLED (LASER ETCHINGS) die Auszeichnung zugesprochen wurde. Anlässlich der Preisverleihung wurde ein kurzer Film produziert, der alle teilnehmenden Kunsthochschulen aus Nordrhein-Westfalen vorstellt – unter ihnen die Folkwang Universität der Künste. Im Film gibt Elke Seeger, Professorin für Fotografie und Konzeption und Prorektorin unserer Hochschule, über die Idee unserer Studienprogramme Auskunft. Der von STEFAN VOBIS FILM produzierte Film ist hier abrufbar.

Criticism

Tafel XIII: Vermeintliche Grenzen und Workarounds

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Tizian Albachten und Kaspar Flesch studieren seit 2023 bzw. 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Bei dem gezeigten Bild handelt es sich um eine mit dem Tool »Generatives Füllen« in Photoshop veränderte Fotografie. Die ursprüngliche Aufnahme entstand nachts bei teilweise bewölktem Himmel. Im oberen Bildteil ist ein Objekt zu erkennen, das an eine Bombe erinnert. Direkt darunter befindet sich eine grüne Leinwand mit sechs grünen Figuren, die vom Betrachter abgewandt sind und teils zu tanzen, teils zu gehen scheinen. Darunter erstreckt sich ein schimmernd welliger Pool mit einer leuchtenden roten Linie am hinteren Ende. Zwischen Pool und Leinwand wird ein Zaun zu Artefakten, die irgendwo zwischen Autoscheiben, Rollläden und Hauswänden liegen.

Die Fotografie entstand ursprünglich in einem Basiswissen-Kurs an der Folkwang Universität der Künste. Nach Beendigung der Aufgaben wurde das Bild aus Spaß mit KI bearbeitet. Dabei wurden verschiedene Prompts ausprobiert. Als wir eine Bombe visualisieren wollten, blockierte die KI dies. Durch den Workaround »Arschbombe« gelang es jedoch, das Bombenmotiv zu erzeugen, ohne die Sicherheitsmechanismen auszulösen. Dieses Beispiel zeigt, wie leicht sich Sicherheitsvorkehrungen umgehen lassen. Durch solche Workarounds können gewaltvolle oder manipulative Bilder produziert werden, die für Desinformation, Propaganda oder Falschnachrichten missbraucht werden können.

Dies wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann die Nutzung von KI sinnvoll reguliert werden? Welche Verantwortung tragen die Entwickler solcher Tools? Und wie lässt sich Missbrauch flächendeckend verhindern, ohne die kreativen Möglichkeiten zu stark einzuschränken? Als Verbraucher und Nutzer dieser Technologien können wir diese Fragen aufwerfen und diskutieren. Es bedarf jedoch einer gesellschaftlichen und rechtlichen Debatte, um angemessene Lösungen zu finden.

 

Tafel XII: Urheberrecht im KI-Zeitalter

dreamshaper XL, Stable diffusion, Symbolbild (OC), getimg.ai – eigens trainiertes Modell

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Luis Lucyga studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Der mit einem bildgenerativen KI-Modell erstellte Bildausschnitt zeigt Wolken im Sonnenschein vor klarem, blauem Himmel. Bei genauerer Betrachtung werden aber Textüberreste in Form von Wörtern und einzelnen Buchstaben sichtbar. Die Trennung zwischen Wolke und Text ist dabei fließend: Die kryptischen Wortschnipsel schreiben sich in die Umgebung ein und werden Teil von ihr.

Diese Überreste stammen von in Bildern eingebetteten Wasserzeichen verschiedener Stockphoto-Plattformen. Zum Schutz des Urheberrechts der Bild-Autor:innen werden diese Wasserzeichen in Form von Logos und Textfragmenten auf die beworbenen Bilder gelegt. Erst mit einem Erwerb einer Lizenz weicht diese Kennzeichnung dem eigentlichen Bildmaterial. Ausgehend von den generierten Bildern lässt sich nur noch begrenzt nachvollziehen, von welchen Stockphoto-Seiten und vor allem welchen Urheberinnen das nicht lizenzierte Bildmaterial stammt. Nichtsdestotrotz ist dieser Umstand ausreichend für eine Feststellung.

Bildgenerative KI-Modelle werden mit menschengemachtem Bildmaterial in Milliardenzahl trainiert, dessen Verwendungszweck in der Regel nicht mit den Rechteinhaber:innen abgestimmt wurde. Zudem zeigen nur wenige Anbieter Transparenz im Hinblick auf ihre Datenbanken und die Herkunft des gesammelten Trainingsmaterials. Sichtbar wird dieser Missstand in diesem Fall lediglich deshalb, weil sich Wasserzeichen aufgrund ihrer repetitiven Struktur in die Generierung einschreiben. Damit geben sie gleichzeitig einen Hinweis auf eine weitaus größere, unsichtbare Masse an Bildern, deren nicht lizenzierte Verwendung nicht mehr zurückverfolgt werden kann.

In diesem Nachhall erscheinen die Wasserzeichen wie Relikte einer überholten Praxis, die auf eine aktuelle Notwendigkeit verweisen: Der Umgang mit Urheberrecht und algorithmischen Systemen muss überhaupt erst noch verhandelt werden.

 

Tafel XI: KI-Ausstellungsansicht

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Anton Siemann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Es scheint sinnlos zu sein, bei der Dokumentation von Ausstellungsexponaten im Raum auf die Hilfe KI-generierter Bilder zu setzen. Welchen Wert hätte das nie Dagewesene zur Bezeugung von Wirkung in einem tatsächlichen Raum? Das System schenkt mir ein Dokument, ohne dass ich mich hierfür anstrengen muss, bildet das ab, was es von mir beschrieben bekommt: Exponat und Raum – ohne jemals selbst das Exponat gesehen oder den Raum betreten zu haben. Es scheint, als würde die KI das Bild auf magische Weise erfinden, uns das plausibel Mögliche konstruieren. Wie ein Besucher oder eine Besucherin der Ausstellung, dessen persönliche Erfahrung uns als Bild vorgelegt wird.

Mir scheint es leicht, das Ergebnis unseres kurzen textlichen Austausches zu bewerten, da ich genau weiß, wie das echte Exponat im echten Raum aussieht. Wer das nicht weiß oder nicht die Gelegenheit hatte, vor Ort zu sein, würde dennoch von dem vorliegende Bild zumindest eine Idee bekommen, die alles andere als ungenau ist. Ungenau sind einzig Details. Das tatsächliche Motiv der Fotografie ist nach meiner spärlichen Beschreibung relativ akkurat getroffen wird, und auch der Bezug des Objektes zum Raum. Mit der Art der Aufhängung hat das Programm trotz mehrmaliger Beschreibungsversuche allerdings seine Schwierigkeiten. Die Einfachheit dreier unregelmäßig angeordneter Nägel an der Ober- und Unterseite der beigen Schachtel, die das Bild halten, sind für das Programm eine Hürde. Stattdessen wird wiederholt eine konventionelle Variante der Hängung mit vier gleichmäßig angebrachten Nägeln vorgeschlagen.

Auch der Rahmen wird weniger wie eine Schachtel generiert, sondern wie eine schwammige Oberfläche. Der Raum, den ich als Garage beschrieben habe, scheint mir aufgrund der Perspektive, die eine Nische im Hintergrund erkennen lässt, unnötig verschachtelt interpretiert und nicht auf das Wesentliche reduziert zu sein. Dennoch ist bemerkenswert, wie genau Atmosphäre und Komposition der Fotografie sowie die Beschaffenheit der Garage, die als Ausstellungsraum dient, getroffen werden. Mir ist bewusst, dass der Zweck einer Ausstellungsansicht die genaue Dokumentation der tatsächlichen Situation ist. Man könnte denken, dass die bildgebende Instanz anwesend war, wenn man bedenkt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie das Bild formt.

Ich nehme an, dass Intention, Haltung und Perspektive des oder der Fotograf:in gar nicht so genau generiert werden könnten, selbst wenn ich sie ganz genau beschreiben würde. Das Ersetzen von Ausstellungsansichten durch KI wird also, wie beeindruckend genau auch immer, niemals ein authentisches Abbild des Tatsächlichen liefern. 

Tafel X: You think you’re cooler than me?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Felix Molitor studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Die generative KI ist auch dazu in der Lage, das menschliche Gemüt zu erheitern. Generierte Inhalte, die als humoristisch rezipiert werden, sind in sozialen Medien häufig vertreten und begegnen uns im Alltag in verschiedenen Formen. Hier sehen wir die Darstellung einer Katze beziehungsweise eines Katers in einem Kühlschrank. Das Tier schaut aus dem geöffneten Eisfach hinaus direkt zur betrachtenden Person. Dabei fällt auf, dass die Proportionen und Größenverhältnisse nicht wirklich stimmig sind.

Oben und unten befindet sich der zusammenhängende Schriftzug „YOU THIN YOIR COLLER THANON ME“. Der Prompt „You think you’re cooler than me“ wurde folglich fehlerhaft abgeändert. Außerdem lässt die Darstellung eines Kühlschranks darauf schließen, dass das Wort „cooler“ als Hinweis auf ein Kühlgerät verstanden wurde.

Der humoristische Moment ist hier eher zufällig entstanden und nicht durch die Bildgenerierungssoftware intendiert. Zum aktuellen Zeitpunkt besitzt die KI nur ansatzweise die Fähigkeit, selbstständig humoristische Inhalte zu erstellen. Intention oder Bewusstsein für Komik lassen sich ihr nicht zuschreiben; humorvoll wird das Bild erst in der Rezeption. Humor kann beispielsweise durch Prompts, die absichtsvoll eine skurrile, komische Anordnung oder Situation beschreiben, durch zufällige, nicht intendierte Bildinhalte oder Fehler in der Bildgenerierung entstehen.

In unserem Beispiel wurde durch einen kurzen, wenig bildbeschreibenden Prompt viel Platz gelassen für Fehlinterpretationen, Halluzinationen und unvorhersehbare Bildentscheidungen. Die zufällig generierte Katze und der fälschlicherweise generierte Kühlschrank treten in einen nicht-logischen Bild- und Sinnzusammenhang. Der dazu übernommene, falsch geschriebene Text unterstützt die komische Anmutung des Bildes. So kann Humor entstehen – zumindest wenn man gewillt ist zu lachen. 

Tafel IX: Sprache und Träumen

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Marla Koether studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Mit der CFG (Classifier-Free Guidance)-Skala lässt sich im Generierungsprozess Einfluss darauf nehmen, in welchem Ausmaß sich die KI an die Bildbeschreibung hält. Somit kann aktiv in das eingegriffen werden, was sonst in Diffusionsmodellen ein separater Bildklassifikator übernimmt und technisch verborgen bleibt.

Einstellen lässt sich der Wert zwischen 1 und 30. Je höher, desto mehr entspricht das generierte Bild dem Prompt. Ein zu empfehlender Bereich liegt zwischen 7 und 10, da dieser in der Regel ein Gleichgewicht zwischen Abweichung und Treue zu der Eingabeaufforderung darstellt. Die Beobachtungen zeigen, dass ein zu hoher Wert ebenfalls nicht mehr der Eingabe entspricht. Zudem lässt sich feststellten, dass selbst innerhalb der empfohlenen Werte keine vollständige Kontrolle über das Bildergebnis entsteht und willkürliche Ergebnisse möglich sind.

Neues wird in der generativen KI geschaffen, doch nie ohne die schon vorhandenen Grundlagen. Zudem scheint ein Spielraum dieser technischen Parameter für die Bildgenerierung nötig zu sein, da die Bildergebnisse sonst zu extremen Darstellung führen. Dieses Abweichen lässt sich intuitiv als Kreativität und Träumen beschreiben. Ist dies eine paradoxe Beobachtung? Immerhin sind Kreativität, Lösungsfindung und Neuerschaffung dem menschlichen Wesen zugeordnet.

Die fotografische Technik wird kontinuierlich weiterentwickelt, bis sie präzise, technisch perfekte und wahrheitsgetreue Abbildungen ohne ungewollte Elemente ermöglicht. Im Gegensatz zu dieser Genauigkeit wird das »Herumspinnen« von der KI erwartet und ist explizit bei einer knappen Eingabe erwünscht. Selten wird im Prompt eine gewünschte Form konsequent bis ins letzte Detail beschrieben, die Textbeschreibung ist nur stichpunktartig. Somit wird bei der Texteingabe, meist absichtlich, ein Teil des »Denkens« der KI überlassen.

Dadurch findet eine Verlagerung von Vorstellung und Entscheidung statt: Es muss keine ausformulierte Vorstellung im Vorhinein bestehen. Mit der Erzeugung von Bildvorschlägen können diese zunächst betrachtet werden. Erst danach erfolgt die Bewertung, ob das Ergebnis passend ist. In diesem Möglichkeitsraum können dann zusätzlich durch Sprache – ungebunden an Ort, Zeit oder Gegenstand – gezielt Bildteile verändert werden. In gewisser Weise illustriert das Bild die Sprache.

Tafel VIII: Havarie oder KI?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jasper Gartmann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen ein Fahrzeug, dessen vorderer Teil durch einen plötzlichen und gewaltsamen Vorfall schwer verformt wurde. Die Karosserie ist aufgerissen, Bruchstücke liegen verstreut auf dem Boden, und die innere Konstruktion, die dem Blick gewöhnlich verborgen bleibt, tritt nun offen zutage. Das Bild vermittelt auf den ersten Eindruck die ungeschönte Sachlichkeit eines Unglücks, wie sie nur durch das unmittelbare Festhalten des Augenblicks entstehen kann.

Eine weibliche gelesene Person kniet neben dem beschädigten Rad und scheint die Ursache oder die Folgen des Ereignisses zu untersuchen. Ihre Haltung wirkt weder dramatisch noch bewusst arrangiert. Doch bei längerer Betrachtung stellen sich Zweifel ein, die den zunächst gewonnenen Eindruck der Authentizität erschüttern.

So fällt etwa die Unschärfe und eigentümliche Verformung des linken Fußes ins Auge, dessen Gestalt sich nicht klar deuten lässt. Ob dies eine Folge der Havarie ist oder vielmehr ein Hinweis auf eine andere Ursache, bleibt zunächst offen. Der Verdacht verstärkt sich jedoch beim genaueren Blick auf die Finger der Hand der Frau, deren Formen unentschlossen und schwammig erscheinen. Weitere entscheidende Hinweise liefern das rechte Hosenbein, welches ebenfalls in einer unnatürlichen Unschärfe verschwindet.

Diese Unstimmigkeiten legen nahe, dass es sich hier nicht um eine Fotografie handelt, die Ereignis bezeugt, das tatsächlich stattgefunden hat. Vielmehr deutet die Häufung typischer Fehler – unklare Übergänge, unsaubere Details, anatomische Ungenauigkeiten – darauf hin, dass wir es mit einem durch künstliche Intelligenz erzeugten Bild zu tun haben. So wird diese Tafel weniger zu einem Zeugnis eines realen Unfalls als zu einem aufschlussreichen Beispiel der neuen bildschaffenden Verfahren unserer Zeit, deren Wirklichkeitstreue sich bei näherem Hinsehen als trügerisch erweist.
 

Tafel VII: Kinderstuhl

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Hartmut Rosemann studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wer jemals versucht hat, ein im Geiste vorgestelltes Bild mithilfe von Sprache und einem KI-Modell in eine tatsächliche Darstellung zu überführen, stellt, sobald das anfängliche Gefühl von Magie verflogen ist, fest, dass Einzelheiten oft nicht so in Erscheinung treten, wie sie intendiert waren. In der sprachlichen Beschreibung werden Details ausgelassen, vielleicht bleibt die Definition des Lichts oder einer Textur ungenau, kurz: Man scheitert an der unermesslichen Detailfülle der Welt.

Ich habe versucht, diese Problematik in einem Experiment ad absurdum zu führen: Mein Ausgangspunkt sollte jetzt kein imaginiertes Bild sein, sondern eine digitale Fotografie eines Stilllebens. Diese Aufnahme ließ ich von einer künstlichen Intelligenz bis ins kleinste Detail analysieren, um daraus den Prompt für eine erneute Bildgenerierung zu gewinnen.

Das hier gezeigte Resultat vermittelt ein grundlegendes Verständnis für den Aufbau des Originalbildes: Es zeigt die gleichen oder ähnlichen Gegenstände, arrangiert sie in einem ähnlichen Verhältnis zueinander, greift die Komposition und Lichtstimmung auf und übersetzt sie in einer ähnlichen Weise. Doch es bleibt bei dieser Ähnlichkeit.

In der Fotografie wird die Realität über ein optisches System auf einen – wie in meinem Fall – digitalen Sensor projiziert und gespeichert. Modelle künstlicher Intelligenz hingegen haben anhand von Trainingsdatensätzen mit Abermillionen Bildern gelernt, wie Dinge typischerweise aussehen und generieren daraus eigene Darstellungen. Während eine Fotografie auch Details festhält, die manchmal erst bei späterer Betrachtung ins Auge fallen, bleibt die KI auf die Sprache angewiesen und diese weist, wie bereits beschrieben, Lücken auf. Die Maschine füllt diese Leerstellen mit statistischen Mustern. Wird im Prompt etwa nur ein Kinderstuhl erwähnt, ohne dessen spezifische Beschaffenheit zu bestimmen, entscheidet sich die Maschine für eine Durchschnittsdarstellung eines Kinderstuhls.

In meinem Experiment dient die Originalfotografie als Stellvertreter einer präzisen mentalen Vorstellung. Der Versuch, diese eins zu eins in das KI-Modell zu überführen, gleicht dem Vorhaben, einem anderen Menschen ein inneres Bild zu beschreiben. Das Gegenüber wird niemals exakt das gleiche Bild vor dem geistigen Auge formen. Womöglich lässt sich die generative Leistung der Maschine analog zur menschlichen Imaginationskraft begreifen.

Auch unsere mentalen Bilder sind selten bis ins letzte Detail definiert. Wir formen sie aus visuellen Erfahrungen und erlernten Konzepten. In ähnlicher Weise greift auch die KI auf ihre digital erlernte Bildwelt zurück und synthetisiert daraus Bilder nach ihrer eigenen Bildlogik.

So kann ein durch KI erzeugtes Bild als Ergebnis zweier aufeinandertreffender Imaginationssysteme verstanden werden, entstanden in einem produktiven Raum zwischen menschlicher und maschineller Vorstellungskraft.

Tafel VI: Über die Reproduzierbarkeit rechnerisch erzeugter Bilder

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Johan Schiefke studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

In dem hier vorgelegten Versuch bat der Operator das System, ein von Künstlicher Intelligenz hervorgebrachtes Original (oben links) allein unter dem Stichwort »Porträt« zu reproduzieren. Dem Resultat dieser Aufforderung wurde wiederum dieselbe Prozedur unterzogen. Dieser Vorgang wurde in einer Kette von fünfunddreißig Wiederholungen fortgesetzt.

Während es bei den ersten Resultaten noch ein geschultes Auge bedarf, um Abweichungen vom ursprünglichen Bilde zu bemerken, treten mit fortschreitender Wiederholung allmählich Erscheinungen hervor, die sich dem Beobachter nicht länger entziehen. Dies reicht von einem Rauschen im Bild über unverhältnismäßige Sättigung der Farben bis hin zur Veränderung des Bildinhalts selbst. Der Prozess lässt sich bis zur völligen Entfremdung von seiner Ursprungsgestalt fortsetzen. Womöglich wäre das Bild ohne die Vorgabe, ein »Porträt« zu kreieren, bereits in neue Gestalten zerflossen.

Mein Bestreben ist jedoch weniger darauf gerichtet, die Ursachen dieser skurrilen Eigenart im Inneren der generativen Bildgebung zu ergründen, als vielmehr, deren Bedeutung für die mögliche Zukunft dieser neuartigen Technologie in einem Gedankenexperiment zu illustrieren.

Man stelle sich vor, man entledige sich eines Tages des mühseligen Vorgangs der Fotografie endgültig und das Bild entstehe fortan allein durch rechnerische Verfahren. So würden die Bildarchive jener Systeme allmählich mit ihren eigenen Erzeugnissen durchsetzt. Resultat wäre eine Rückkopplungsschleife, durch die das System fortwährend sich selbst zum Gegenstand seiner Berechnungen machen würde, bis es im Wahn der Selbstverirrung seine eigene Grundlage untergrübe und ins Absurde fortentwickelte.

Man könne diesem Problem entgegentreten, indem man die Erzeugnisse künstlicher Intelligenz aus dem eigenen Korpus entfernte. Insofern bliebe jedoch die Frage offen, woher künftig neue Bilder zur Verarbeitung gewonnen werden sollen. Die Maschine würde zu einer bloßen Zeitkapsel der Vergangenheit werden.

Tafel V: Zweifel und Beweis

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Chaeg Kim studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Fotografien bewiesen Fakten selten direkt, sondern halfen uns vor allem dabei, schnell zu entscheiden, was vertrauenswürdig ist. In diesem Sinne waren Fotografien auch ein Mittel, um Zweifel zu beenden. Aus diesem Grund wurden Fotos als Beweise für bestimmte Situationen oder Ereignisse akzeptiert. KI-generierte Bilder können diese Funktion jedoch leicht unterspülen.

Sie sind in der Lage, eine „Verifizierung“ in Online-Räumen durchzuführen, in denen keine persönlichen Begegnungen stattfinden. Beispiele hierfür sind Fotos, auf denen ein Klebezettel mit einem geschriebenen Datum gehalten wird, oder Bilder, die spezifischen Anweisungen wie bestimmten Posen oder Handgesten folgen. Wo Fotografien als Beweise zur Unterstützung von Urteilen verwendet werden, können Probleme auftreten.

So können beispielsweise in Dating-Apps wie Tinder natürlich generierte Profilfotos für Betrugszwecke genutzt werden, ohne offensichtlich verdächtig zu erscheinen. Ähnliche Formen der Täuschung sind auf Zweitmarkt-Plattformen wie Kleinanzeigen möglich. Darüber hinaus können KI-generierte Bilder dazu verwendet werden, akademische Zeugnisse zu fälschen, Nachweise für Krankmeldungen am Arbeitsplatz zu manipulieren, Familienmitglieder zu beruhigen, Bilder von beschädigten Waren bei Versicherungen einzureichen, die Zustellung von Paketen zu bestätigen, Falschparken zu melden oder Bilder von Luxusartikeln oder Reisen in sozialen Medien zu posten.

Nahezu jede Situation, in der Fotografien geholfen haben, ein Urteil zu bilden, ist davon betroffen – zum Beispiel mein Bild, das mich an einem sehr bekannten Ort zeigt, an dem ich weder an jenem Tag war noch bisher überhaupt jemals.

 

Tafel IV: Warum sind diese Gesichter nass?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Isabella Rintsch studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

»Wie Hammer ist das?« oder »Ja, ich bin ein #ChatGPT-Opfer« sind Reaktionen auf einen bereits etwas veralteten, sich auf ChatGPT beziehenden Internet-Trend. Mein Prompt lautete: »Erstelle ein kontrastreiches Nahaufnahmeporträt meines Gesichts mit Fokus auf die Vorderseite, in Schwarz-Weiß-Nahaufnahme, 35-mm-Objektiv, 4K HD-Qualität. Starker Ausdruck, Wassertropfen auf meinem Gesicht, schwarzer Schattenhintergrund, nur das Gesicht ist sichtbar, Seitenverhältnis 4:3.« Zusätzlich wurde die Maschine mit einem Bild oder mehreren Bildern der Person für das zu generierende Porträt gefüttert. Zu sehen sind hier vier Beispiele von den sehr vielen, die man im Internet finden kann.

Trotz der verblüffenden Ähnlichkeit zur Realität erzeugt das generierte Wassertropfen-Porträt ein unbehagliches Gefühl. Vor allem in ihrer Vielzahl treiben sie ein problematisches Verlangen nach Uniformität in der Gesellschaft hervor. Der strenge Blick, der im Schatten verschluckte Hintergrund, die gelee-artigen Tropfen und besonders die Menge der in gleicher Art generierten Porträts schafft eine Flut von unsympathisch wirkenden und unbegründet nassen Gesichtern. Diesen Porträts fehlt ganz einfach das Leben. Die bedenkenlose Abgabe eigener Daten erleichtert den Vorgang. Systematisch sind sie dem Passbild recht ähnlich, wobei das Produkt hinsichtlich seines Nutzens nicht gegensätzlicher sein könnte.

Doch gibt es für die Faszination, die dieser Trend ausübte, mit Sicherheit Gründe. Neben Langeweile und Mitteilungsbedürfnis ist es vielleicht das trügerische Gefühl, das Produkt eines professionellen Photoshootings zu erlangen, wenn dafür sonst die Mittel fehlen. Für einen kurzen Spaß und Beitrag in den sozialen Netzwerken scheint durchaus es angemessen. Allerdings sollte ein ernsthafter Nutzen dieser Bilder ausgeschlossen werden, denn besonders auf Dating-Plattformen finden diese Porträts immer mehr ihren Platz.

Es ist ja bereits fragwürdig genug, wenn Personen Teile ihres Gesichts unkenntlich machen, zum Beispiel durch eine Sonnenbrille. Wenn nun aber auf solchen Plattformen Bilder zirkulieren, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden, stellt sich erst recht die Frage, welches Bilderspiel hier eigentlich betrieben wird.

Tafel III: Slop?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Ludwig Wang studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Erinnern wir uns an das Bild des Papstes, das weniger das Oberhaupt der katholischen Kirche zeigte als die Inszenierung eines Hip-Hop-Stars: Die Bedeutung dieses Bildes entstand nicht durch den Bezug zu einem realen Anlass, sondern aus der kollektiven Bereitschaft, es als bedeutsam wahrzunehmen. Es verwies auf kein tatsächliches Ereignis und entfaltete dennoch Wirkung, die nicht im Bild selbst lag, sondern in seiner Lesbarkeit und der Übereinstimmung seiner Zeichen mit vertrauten visuellen Codes.

Das gleiche Prinzip zeigt sich in diesem generierten Bild von Che Guevara, das eine mir sehr ähnelnde Person an seine Seite setzt. Auch hier entsteht Bedeutung nicht aus einem Ereignis, sondern aus der Wiedererkennbarkeit der Zeichen: Kleidung, Pose, Körnung, historischer Gestus. Es funktioniert, weil es sich bekannt anfühlt, nicht weil es etwas beweist. Das Bild ist für eine kleine Weile amüsant, irritierend oder ansprechend, weil es eine bekannte Ikone mit einer unerwarteten Nähe verbindet. Doch diese Nähe bleibt folgenlos. Sie eröffnet keinen neuen Blick, keine Erfahrung, keine Erkenntnis. Was gezeigt wird, erschöpft sich im Erkennen der Inszenierung.

Solche Bilder sind heute unbegrenzt verfügbar, formal austauschbar und jederzeit reproduzierbar. Gerade darin liegt ihre paradoxe Schwäche. Je häufiger sie zirkulieren, desto schneller verlieren sie ihre Wirksamkeit. Ihr Reiz liegt im Effekt, in der überraschenden Kombination und im spielerischen Bruch, doch dieser Effekt nutzt sich rasch ab. Sie fordern keine Entscheidung, kein Innehalten, keine Verantwortung. Was bleibt, ist Wiederholung.

Die Müdigkeit gegenüber dem Großteil von generierten Bildern ist daher weniger eine Ablehnung der Technik als eine Reaktion auf Bedeutungsinflation. Wo alles möglich ist, wird nichts notwendig. Die Zukunft dieser Bilder entscheidet sich nicht an ihrer technischen Perfektion, sondern an der Frage, ob sie mehr sein können als plausible, kurz unterhaltende Oberflächen oder ob sie lediglich, wie das Bild mit Che, amüsieren, zirkulieren und schließlich spurlos verschwinden.

Tafel II: Fake Shibuya

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Kageaki Inoue studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen dicht gedrängte, gemischt genutzte Gebäude, riesige Werbetafeln auf Dächern und entlang der Fassaden. Hinter einer Kreuzung ragen Wolkenkratzer auf, und noch weiter dahinter zeichnet sich am Horizont schwach die Silhouette einer sanft ansteigenden Bergkette ab. Dieses Bild ist eine von einer KI generierte Ansicht von Tokyo aus der Vogelperspektive.

Man kann anhand der Form der Kreuzung zwar vermuten, dass es sich um das Zentrum von Shibuya handelt, doch jemand, der sich in Tokyo gut auskennt, würde sofort erkennen, dass es sich um eine völlig fiktive Stadt handelt. Für Shibuya gibt es zu wenige Hochhäuser, und es fehlt der nahezu direkt an die Kreuzung angrenzende Bahnhof. Auch die Schriftzeichen auf den Werbetafeln lassen sich nicht eindeutig als japanisch oder chinesisch identifizieren, vielleicht nicht einmal als korrekte Schrift. Es ist überraschend, dass keine Wahrzeichen wie der Tokyo Tower oder der Skytree zu sehen sind. Dass der Fuji nicht dargestellt wurde, ist hingegen lobenswert.

Während der Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums in den 1960er-Jahren nahm der Verkehr in Shibuya durch die Ansiedlung zahlreicher kommerzieller Einrichtungen explosionsartig zu. Um die Sicherheit von Fußgängern und Fahrzeugen zu gewährleisten, entstand 1973 das berühmte „Scramble Crossing“. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre etablierte sich das Viertel als Zentrum der Jugendkultur, und diese Kreuzung wurde zu einem symbolträchtigen Ort der Stadt.

Heute finden sich dort nicht nur Einkaufszentren, sondern auch zahlreiche Bürogebäude und kulturelle Einrichtungen, weshalb Shibuya als Knotenpunkt für Menschen aus verschiedenen Bereichen dient. Auch international ist der Bekanntheitsgrad gestiegen, und das Viertel gilt als kosmopolitischer Stadtteil. Mittlerweile ist Shibuya sogar innerhalb der KI-Welt bekannt geworden. Wenn man um ein Foto von Tokyo bittet, erzeugen sie in Sekundenschnelle solch eine seltsam anmutende, an Shibuya erinnernde Stadtlandschaft.

Tafel I: Ein Bild aus Sprache und Vorstellung

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Dorian Beck studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Mit der hier angewandten Entdeckung ist es erstmals möglich, eine Abbildung ohne den Einsatz von Licht zu erzeugen. Lediglich ein Text wird als Ausgangspunkt benötigt. Die Frage, ob in diesem Zusammenhang noch von einer Fotografie gesprochen werden kann oder ob hierfür ein neuer Begriff erforderlich ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten und wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Bereits jetzt wird jedoch deutlich, dass hier Bilder entstehen, die sich der Vorstellungskraft des Gestalters verdanken – vergleichbar mit der Malerei, die keiner zwingenden Gesetzmäßigkeit folgt. Die Abbildung ist weniger Ergebnis einer Aufzeichnung als einer Konstruktion.

Die Oberflächen der Gefäße scheinen einen feinen Glanz aufzuweisen und zeugen von einer präzisen Verarbeitung. Das könnte auf eine außergewöhnlich hohe Qualität der dargestellten Materialien hinweisen. Die Gläser spiegeln ihre Umgebung auffallend genau wider, aus der angenommenen Perspektive blickt man in eine inszenierte Studiolandschaft. Ein blau-grüner Stoff bildet, einer Rückwand gleich, den Hintergrund, was in Verbindung mit einer nur implizierten Lichtquelle dazu führt, dass das gesamte Bild von einem kühlen, bläulichen Farbton durchzogen ist.

So lädt die Abbildung die Betrachtenden dazu ein, nicht nur das Dargestellte wahrzunehmen, sondern auch über den Akt und Prozess seiner Entstehung nachzudenken. Sie regt an, indem sie weniger eine dokumentarische Wahrheit behauptet als vielmehr eine visuelle Möglichkeit eröffnet – ein Bild, das nicht aus Licht, sondern aus Sprache und Vorstellung entstanden ist.

EFEG #9 Aglaia Konrad / Carrara

In der neunten Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« sprechen Elisabeth Neudörfl und Andreas Langfeld über »Carrara« von Aglaia Konrad. Erschienen ist das Buch 2011 bei Roma Publications in Amsterdam. Die Fotografin fragmentiert mit dem »Ausschnitt-Werkzeug« Fotokamera die Marmor-Steinbrüche von Carrara und konstruiert aus den Bildern eine ungewöhnliche Seherfahrung. Das Buch enthält außerdem einen Text von Angelika Stepken. Ca. 29 cm × 21,5 cm, 136 Seiten, 119 Schwarzweiß- und 18 Farb-Fotografien (sowie die Farbfotografie auf dem Schutzumschlag).

Aglaia Konrad wurde 1960 in Salzburg geboren, 1990–1992 Studium der Fotografie an der Jan von Eyck Academie in Maastricht. Seit 2007 ist sie Professorin an der Sint-Lukas in Brüssel. Zahlreiche Auszeichnungen, 1997 Teilnehmerin der documenta X, 2003 Camera Austria Preis für zeitgenössische Fotografie, 2023 Österreichischer Staatspreis für Fotografie.
 

 

EFEG #8 Katja Stuke / Supernatural

In der achten Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« sprechen Elisabeth Neudörfl und Andreas Langfeld über zwei Bücher von Katja Stuke: »Supernatural« von 2010 und »Supernatural 2021« aus dem titelgebenden Jahr. In diesem Projekt »Supernatural« hat Katja Stuke Sportlerinnen bei den Olympischen Spielen am Fernseher beobachtet und in einem Moment großer Konzentration direkt vor ihrer sportlichen Leistung fotografiert. »Supernatural 2021« ist eine Weiterentwicklung, es ändert sich die Auswahl der Athlet:innen, der Sportarten, es ändern sich aber auch der Blick und der Umgang mit den Bildern im Heft.

Katja Stuke (*1968) lebt und arbeitet in Düsseldorf. Studium an der FH Düsseldorf. Ausgezeichnet unter anderem mit dem LUMA Rencontres Dummy Book Award at the Rencontres d’Arles 2017 und als Lauréat Regards du Grand Paris Ateliers Medicis, Centre national des arts plastiques Paris (beides mit Oliver Sieber).

 

EFEG #7 Helga Paris / Häuser und Gesichter. Fotografien 1983–85

In der siebten Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« sprechen Elisabeth Neudörfl und Andreas Langfeld über Helga Paris’ »Häuser und Gesichter. Fotografien 1983–85«. Das Buch ist zuerst 1986 erschienen und auch nicht erschienen – bevor es dann einige Jahre später in einer Neuausgabe endgültig erscheinen konnte.

Helga Paris wollte Halle an der Saale wie eine ganz fremde Stadt fotografieren. Das Buch beginnt mit Straßenansichten, es folgen Porträts, die sie hauptsächlich auf der Straße fotografiert hat. Die Ausstellung, zu der Paris dieses Buch gemacht hat, durfte 1986 nicht gezeigt werden und wurde 1990 nachgeholt.

EFEG #6 Deanna Templeton / What She Said

In der sechsten Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« besprechen Andreas Langfeld und Elisabeth Neudörfl das Fotobuch »What She Said« von Deanna Templeton. Erschienen ist es 2021 bei Mack Books in London.

Deanna Templeton fotografiert weibliche Teenager und junge Frauen und stellt diese Porträts in einen Zusammenhang mit Tagebucheinträgen und Konzertflyern aus ihrer eigenen Jugend in den 1980er Jahren.

Rein theoretisch #6 Fotografierverbot

Dortje Fink und Julia Wolf, beide studieren an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research, sprechen in der sechsten Folge ihres Podcasts »Rein theoretisch« über Fotografierverbote.

Was haben das Van Gogh Museum in Amsterdam, der Uluru in Australien, die Stadt Kyoto in Japan, aber auch die Herbertstraße in Hamburg, das Berghain in Berlin, New Yorker Gay Bars der 80er Jahre und Sicherheitsgebiete in Kriegszeiten gemeinsam? Spoiler: Sie stellen Orte dar, an denen es nicht gestattet ist zu fotografieren. 

Die Gegebenheiten, in denen sie uns begegnen, sind genauso vielseitig wie die Gründe für solche Reglements. Ob in Clubs durch das Abkleben von Handykameras, in Museen anhand von Hinweisen des Aufsichtspersonals oder an sakralen Orten nach dem unausgesprochenen Gesetz des gegenseitigen Respekts. Eines haben sie gemeinsam: Fotografie wird in all diesen Fällen als problematisch oder gar bedrohlich angesehen. Fotos, die aufgrund verschiedenster Verbote nicht existieren, lassen zudem ein spannendes Gedankenspiel zu. Welche Abbildungen werden in bestimmten Situationen antizipiert? Und welche negativen Auswirkungen könnten diese haben?

Fink & Wolf teilen in dieser Podcast-Folge ihre Gedanken zur gezielten Unterbindung privater Fotoaufnahmen und stoßen dabei an die Grenzen ihrer situationsbedingten Sinnhaftigkeit. Am Ende stellt sich die Frage ob wir aufgrund der allgegenwärtigen Kameranutzung vermehrt mit Fotoverboten konfrontiert werden sollten oder nicht.

Abrufbar ist die neue Folge, wie alle anderen auch, auf Apple Podcast und Spotify.
 

EFEG #5 Bettina Lockemann / Southward – nach Süden

In der fünften Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« sprechen Andreas Langfeld und Elisabeth Neudörfl über Bettina Lockemanns »Southward – nach Süden«, erschienen beim Fotohof Salzburg im Jahr 2021.

Bettina Lockemann ist 2017 in die Südstaaten der USA gereist. Dort trifft sie auf Gegenden und Städte, die einerseits mit vielen Hypotheken aus der Vergangenheit zu kämpfen haben, in denen sich aber auch viele Initiativen wie zum Beispiel das Rural Studio finden. Das gehört zur Auburn University, und seine Studierenden entwickeln gemeinsam mit den Menschen vor Ort Methoden zum Bau günstigen Wohnraums. Lockemann sucht viele dieser Initiativen auf, spricht mit den Beteiligten und fügt ihren Fotografien kurze Texte bei, die aus Sicht dieser Menschen die Situation beschreiben.

Bettina Lockemann wurde 1971 in Berlin geboren. Nach einer Ausbildung zur Fotografin studierte sie an der HGB in Leipzig. Promotion in Kunstgeschichte, Lehre an vielen unterschiedlichen Hochschulen im In- und Ausland, sechs Jahre lang war sie Professorin für Fotografie an der HBK Braunschweig. Bettina Lockemann hat eine sehr informative Website.

Ca. 24,5 cm × 16,5 cm, Klappenbroschur, 156 Seiten, Schwarzweiß und Farbe, 90 Fotografien.

EFEG #4 Hannah Darabi / Soleil of Persian Square

In der vierten Folge von EFEG – Einige Fotobücher, einige Gedanken – sprechen Andreas Langfeld und Elisabeth Neudörfl über »Soleil of Persian Square« von Hannah Darabi. Erschienen ist dieses Buch 2021 bei den Éditions Gwinzegal in Paris. Die EFEG-Folge ist auf diesem YouTube-Kanal abrufbar.

Der Titel von Hannah Darabis Buch bezieht sich auf das Bistro »Soleil« am »Persian Square« in Los Angeles, das auf einem ihrer Fotos zu finden ist. Stadtansichten von Los Angeles mit Hinweisen auf die dortige iranische Diaspora treffen in dem Buch auf Abbildungen von Musikkassetten, Ausschnitten aus den Gelben Seiten von Los Angeles, Stills aus Musikvideos und informellen Porträts, von denen es jeweils zwei gibt.

Hannah Darabi wurde 1981 in Teheran geboren. Nach einem Studium an der Hochschule der Schönen Künste in Teheran und an der Universität Paris VIII-Saint-Denis lebt sie heute als Künstlerin in Paris.

Einige weiterführende Hinweise: Das im Gespräch erwähnte Video der Wüstenrot-Stiftung ist hier zu finden. ● Hannah Darabi: Enghelab Street. A Revolution through Books: Iran 1979–1983, Leipzig (Spector Books) 2019. ● Das Buch von Bahman Jalali und Rana Javadi von 1979, »Days of Blood, Days of Fire«, ist 2020 als Reprint ebenfalls bei Spector Books erschienen, es enthält einen Einleger mit einem einführenden Text auch auf Englisch. Bedauerlicherweise gibt es keine Übersetzung der im Buch selbst vorkommenden Texte und Bildunterschriften. ● Inka Schube (Hg.): Bahman Jalali, Köln (König) 2011. ● Auf der Bandcamp Seite von ANYWAVE findet ihr das Tape »Soleil of Persian Square / Post California« zum streamen.

Hannah Darabi: Soleil of Persian Square, Paris (Éditions Gwinzegal) 2021. Etwa 28 cm x 22 cm, Broschur, 220 Seiten.