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Folkwang Photo Talks im Sommersemester 2026

Unsere Vortragsreihe der Folkwang Photo Talks setzen wir im Sommersemester 2026 mit diesen drei Gästen fort:

28.4.2026
Theopisti Stylianou-Lambert (Linköping/Nicosia)

18.6.2026
Johanna Spanke (Hamburg)

14.7.2026
Christian Joschke (Paris)

Der erste Vortrag wird digital stattfinden und auf Zoom übertragen werden, der zweite bei uns im Quartier Nord und der dritte hybrid. Wie stets publizieren wir hier auf unserer Website etwa einen Monat vor dem Vortrag eine ausführliche Ankündigung mit Vortragsabstract und biografischen Informationen zu unseren Gästen. Alle Interessierten innerhalb wie außerhalb der Folkwang Universität der Künste sind herzlich willkommen! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Eine vollständige Liste aller bisher ausgerichteten Talks findet sich hier. Ausgewählte Vorträge sind in der Reihe seeing by ear des Zentrums für Fotografie Essen abrufbar.

 

 

Apply now!

Are you fascinated by a visual medium that shapes our everyday lives like no other? We share this passion and look forward to receiving your application!

Applications are possible once a year for our three programs Photography (Bachelor of Arts), Photography Studies and Practice (Master of Arts), and Photography Studies and Research (Master of Arts). The process of application (mid-March for BA Photography and MA Photography Studies and Practice; end of May for Photography Studies and Research) and admission takes place during springtime. The academic year takes off in October with the beginning of the winter term.

Before applying, we recommend that you contact the members of our team for further advice on our programs and your application. We will gladly answer your questions! Visit us on our campus at Zeche Zollverein in our university building, the Quartier Nord!

Especially worthwhile is a visit during the annual study info day (mid-January), when we show our annual exhibits »Stopover« at SANAA building and »Photography Masters« at Museum Folkwang (boith starting end of January), during our open studios week (mid-July) and during the annual graduate exhibition »Finale« (end of September).

In summary form, you will find all further information about application requirements and our teaching schemes here.

n+1. Mehr als ein Bild

Sara Cwynar, Scroll 1, 2020 (Standbild), aus der Serie Marilyn, © Sara Cwynar, Image Courtesy Sara Cwynar und Cooper Cole, Toronto.

Bereits zum zweiten Mal nach 2022 haben wir die große Freude, in der Kunststiftung DZ BANK in Frankfurt am Main eine Ausstellung zu realisieren. Unter dem Titel »n+1. Mehr als ein Bild« haben Studierende des M.A. Photography Studies and Research, dem Master für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste, im Wintersemester 2025/2026 gemeinsan mit Christina Leber, der künstlerischen Leiterin der Kunststiftung, und Steffen Siegel an dieser Ausstellung gearbeitet.

Gestapelt, gereiht, geschichtet: Das Serielle erscheint in der Kunst der Gegenwart in großer Vielfalt. Die Formel »n+1« drückt eine von Kunstschaffenden immer wieder verwendete Vielzahl von Einzelteilen aus, die sie zu einem Kunstwerk zusammenfügen. Oftmals existieren diese mehrteiligen Arbeiten in verschiedenen Versionen oder es werden ihnen weitere Teile zugeordnet, so dass ihre Kombinationen je unterschiedliche Wirkungen hervorbringen können. Dabei ergibt sich ein breites Spektrum von Gestaltungsformen, wie serielle Kunstwerke fruchtbar in Beziehung treten – als ein Objekt, bestehend aus mehreren Einzelelementen, oder als Bildpaar, Serie, Zyklus, Cluster oder Archiv. Auch inhaltlich verhalten sich sequenzielle Kunstwerke zueinander. Je nachdem, welche Kombinationen die Kunstschaffenden in Beziehung setzen, ergeben sich immer wieder andere Verbindungen und Lesarten.

Gezeigt werden Werke von Heba Y. Amin, Sara Cwynar, Katarína Dubovská, Dörte Eißfeldt, Jan Paul Evers, Philipp Goldbach, David Hockney, Sven Johne, Jürgen Klauke, Peter Miller, Loredana Nemes, Barbara Proschak, Adrian Sauer, Helmut Schweizer, Roman Signer und Sophie Thun.

Die kuratorische Arbeit an dieser Ausstellung umfasste die Auswahl der Werke, ihre komzeptuelle Einrichtung in der Ausstellungshalle der Kunststiftung, die Erarbeitung des begleitenden Katalogs und die Beteiligung am Vermittlungsprogramm. Beteiligt waren hierbei Fenna Akkermann, Greta Aufermann, Jan Borreck, Franziska Derksen, Jakob Fleischer, Hugo Höfler, Alexandre Kurek, Marie Laforge, Louisa Lahr, Annabella McNair, Selma Mierl, Pablo Plum, Charlotte Anna Rathmann, Annika Reinhard, Lara Sariaydin, Felix Schmale, Hannah Schuh, Ellena Stelzer, Paula Stilke und Alexander Tirel.

Die Vernissage findet statt am Dienstag, den 24. Februar 2026 ab 19 Uhr. Hierfür ist eine Anmeldung erforderlich. Zur Eröffnung sprechen Johannes Koch, Vorstandsmitglied der DZ BANK AG, Steffen Siegel und Christina Leber sowie Franziska Derksen und Felix Schmale.

Zu sehen sein wird die Ausstellung bis zum 23. Mai 2026 in der Kunststiftung DZ BANK am Platz der Republik in Frankfurt am Main.

 

Orbit im Sommersemester 2026 – jetzt bewerben!

Bild: Larissa Zauser

Eine Nachricht an unsere Alumni: bewerbt euch jetzt und bis zum 1. April 2026 auf die nächsten Ausstellungen in unserem Offspace Orbit!

Mit der Ausstellungsreihe Orbit wurde auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein ein öffentlicher Ort etabliert, der die Zusammenarbeit zwischen Absolvent:innen und Studierenden der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste aktiv fördert. Die ehemaligen Fotografiestudent:innen setzen ihre künstlerische Position im Rahmen der Ausstellung in Dialog zu einer aktuellen studentischen Arbeit. Die Präsentation des Ergebnisses in Form einer öffentlichen Ausstellung findet im Schalthaus 2 auf dem UNESCO-Welterbe Zollverein statt. Als Rahmenprogramm ist neben der Eröffnung auch jeweils ein Artist Talk angedacht. Organisiert wird die Ausstellungsreihe von Lorenza Kaib in Zusammenarbeit mit Elke Seeger und Pluto.

Das ehemalige Schalthaus 2.0 wird seit dem Wintersemester 2024/2025 für Ausstellungen, Veranstaltungen und Treffen genutzt. Der neu entstandene Ausstellungsort liegt auf der Kunstwiese an Schacht XII. Eingebettet ist er in die Außenmauer des Zechengeländes, umgeben von alten Platanen. Neben der Wandfläche sind auch Glasfronten für die Ausstellenden bespielbar. Zusätzlich gibt es auf dem Gelände einen Frachtcontainer, der ebenfalls genutzt werden kann.

Unsere ehemaligen Studierenden erhalten für ihre Mitarbeit an der Ausstellungsreihe pauschal eine Aufwandsentschädigung von 400 Euro. Fahrtkosten sind erstattungsfähig. Materialkosten können nicht gezahlt werden. Beim Ausstellungsauf- und Abbau unterstützen studentische Hilfskräfte, die Öffnungszeiten werden auch von ihnen übernommen. Im Sommersemester sind drei Ausstellungen geplant:

Erste Ausstellung: Eröffnung 20. Mai 2026
Geöffnet: 23., 24., 30. und 31. Mai 2026, 13–17 Uhr

Zweite Ausstellung: Eröffnung 24. Juni 2026
Geöffnet: 27. und 28. Juni, 4. und 5. Juli 2026, 13–17 Uhr

Dritte Ausstellung: Eröffnung 15. Juli 2026
Geöffnet: 18., 19., 25. und 26. Juli 2026, 13–17 Uhr

Das Kleingedruckte für eure Bewerbungen:
● Erfolgreicher Abschluss an der Folkwang Universität der Künste ab dem Sommersemester 2016. Bei nachgewiesener reger Ausstellungs- und/oder Publikationstätigkeiten in den letzten zwei Jahren, darf der Abschluss auch länger zurückliegen.
● Die eingereichten Arbeiten sollten nicht älter als drei Jahre sein.

Die Bewerbung sollte enthalten: 
● einen Lebenslauf oder CV
● ein Portfolio
● ein Kurztext (max. eine DIN A4-Seite) zur Motivation und Ideen zur Raumnutzung 
● wenn vorhanden: Präferenz für einen Ausstellungszeitraum

Bitte sendet eure Bewerbungen bis spätestens 1. April 2026 an diese eMail-Adresse. Es werden ausschließlich elektronische Bewerbungen im PDF-Format (unter 10 MB) angenommen. Nach dem Auswahlverfahren können sich Fotografiestudent:innen auf die drei ausgewählten Absolvent:innen bewerben. Die Absolvent:innen werden bestmöglich in diesen Prozess eingebunden.

 

 

FAQ

Ich interessiere mich für Fotografie, bin aber unschlüssig, ob ich das auch studieren soll. Was kann mir bei meiner Entscheidung helfen?
Fotografie ist ein praktischer Studiengang, bei dem man viel fotografiert, viel über Fotografie spricht und handwerklich-technische Hürden überwindet. Manchmal gibt es Aufgaben, aber je länger du studierst, desto mehr musst du dir deine Themen und Aufgaben selbst suchen. Schau dir Magazine, Ausstellungen und Fotobücher an, um herauszufinden, was dich am meisten interessiert.

Lieber Fotografie studieren oder eher Kommunikationsdesign oder gleich Kunst?
Man kann tatsächlich auf sehr unterschiedliche Weise Fotografie studieren. Fotografie ist oft Bestandteil von anderen Studiengängen, zum Beispiel im Kommunikationsdesign oder in der Kunst. Bei uns an Folkwang studierst du immer bei mehreren Professorinnen und Professoren! An Folkwang kannst du dich ganz auf die Fotografie konzentrieren, aber auch benachbarte Bereiche belegen. Dabei steht dir der Weg in beide Richtungen offen: ein Schwerpunkt auf angewandter Fotografie oder aber eine freie, künstlerische Beschäftigung.

Ich habe bereits eine Ausbildung zur Fotografin, zum Fotografen gemacht. Lerne ich dann überhaupt noch etwas im Studium?
Super! Denn mit einer Ausbildung hast du bereits eine handwerklich-gestalterische Grundlage und hast das tägliche Brot der Fotografie kennengelernt. Das Studium ermöglicht dir aber eine intensive und vertiefende Beschäftigung mit der Fotografie: nicht nur technische, sondern auch inhaltlich. Vor allem aber geschieht all das im Team: Die Diskussion von anderen fotografischen Positionen gehört zum Kern unseres Studienprogramms. Dazu kommt die Auseinandersetzung in den wissenschaftlichen Fächern, insbesondere mit Theorie und Geschichte der Fotografie.

Lieber Kunsthochschule oder Fachhochschule?
Das Studium an Fachhochschulen ist angewandter ausgerichtet, das Studium an einer Kunsthochschule in aller Regel offener und selbstbestimmter. Im Vergleich zu anderen Kunsthochschulen besitzt Folkwang eine Besonderheit: Bei uns gibt es keine Klassen – du hast die Chance, ganz nach eigenen Interessen bei den sechs Professorinnen und Professoren der Fachgruppe Fotografie zu studieren!

Warum in Essen studieren?
Essen klingt vielleicht nicht so aufregend, aber es hat eine Menge zu bieten: Es verfügt über eine lebendige Kulturszene mit vielen Institutionen und Off-Spaces. Unser Universitätsgebäude, das Quartier Nord, befindet ich auf dem Campus Zollverein, eine UNESCO Welterbe-Stätte; und das weltweit berühmte Museum Folkwang ist unser engster Kooperationspartner! Mit der Bahn ist Essen ideal in alle Richtungen angebunden: Innerhalb kürzester Zeit erreichst du Köln und Düsseldorf, Amsterdam und Paris. Nicht zuletzt aber gibt es auch in unserer direkten Nachbarschaft aufregende Museen, Theater, Clubs und eine überraschend vielfältige Landschaft.

Wozu eigentlich eine Aufnahmeprüfung?
Um das Studium erfolgreich zu absolvieren, ist eine künstlerische Eignung notwendig – darum geht es in der Aufnahmeprüfung. Das ist aber nicht eine Charaktereigenschaft, die man eben hat oder nicht, sondern sie setzt sich zusammen aus Begabung und Übung. Wenn du dich also sehr für die Fotografie interessierst, erwarten wir, dass du viel Zeit in die Beschäftigung damit investierst. Außerdem merkst du, ob du dir ein Studium bei diesen Lehrenden vorstellen kannst.

Wie wird meine Mappe beurteilt?
Wir möchten wissen, worauf du selbst neugierig bist, was dir wichtig ist, mit welchen Themen du dich beschäftigst, wie du auf die Welt blickst, was du dort siehst und wie sich das in deinen Bildern ausdrückt. Kurz gesagt, wir beurteilen die Mappe im Hinblick auf Wahrnehmungs-, Vorstellungs- und Darstellungsvermögen.

Ich bin mir unsicher darüber, was in die Mappe gehört. Wer hilft mir?
Am besten ist es, schon im Vorfeld der Bewerbung einmal nach Essen zu kommen und mit uns über das Studium, das Bewerbungsverfahren und die Mappe zu sprechen. Termine kannst du beim Prüfungsamt des Fachbereichs vereinbaren. Vorbereitungskurse, für die du Geld bezahlen musst, sind nicht notwendig.

Braucht meine Mappe ein durchgehendes Thema?
Wie deine Mappe aussieht, hängt von deinen Interessen ab. Es gibt keine Regel, die man befolgen kann, um mit der Mappe erfolgreich zu sein. Es können starke Einzelbilder in der Mappe sein, aber wir möchten auch sehen, was passiert, wenn du ein Interesse verfolgst und dazu eine Bildstrecke entwickelst. Welche Menschen, Orte und Ereignisse sind die wichtig? Diese Bilder können auch über einen längeren Zeitraum gemacht werden. Kurze Erläuterungen oder Bildtitel können, müssen aber nicht sein.

Wie genau muss die Mappe aussehen und bis wann muss ich sie wohin schicken?
Alle Informationen zur Mappe findest du auf unserer Website unter »Jetzt bewerben«!

Wo bekomme ich weitere Informationen her?
Es gibt immer wieder Ausstellungen von Studierenden oder Absolvent*innen, auf denen du dir einen guten Eindruck davon verschaffen kannst, was in der Fotografie an Folkwang los ist. Es gibt am Fachbereich Gestaltung Mitte Juli den Rundgang mit vielen Arbeiten von Studierenden, wo du mit diesen auch leicht ins Gespräch kommen kannst. Ende September ist immer die Finale-Ausstellung im SANAA-Gebäude mit den Abschlussarbeiten. Folge uns am besten auf Instagram und schau hier auf dieser Website vorbei!

Was machen Leute, die an Folkwang studiert haben, nach ihrem Abschluss?
Es gibt keinen vorgezeichneten Weg in die Berufstätigkeit, aber viele Möglichkeiten. Oft werden die konkreten Interessen erst im Verlauf des Studiums deutlich, dann können auch während des Studiums schon Kontakte geknüpft und erste Jobs gemacht werden. Manche unserer Alumni arbeiten ganz klassisch als freischaffende Fotografinnen und Fotografen, als Künstlerinnen und Künstler, aber auch angewandt für Firmen, Institutionen, Agenturen und Magazine. Andere kombinieren Stipendien, Förderungen und Aufträge im Kulturbereich, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Einige schließen ein Master-Studium an, oft auch an Folkwang. Darüber hinaus gibt es Arbeitsmöglichkeiten in Bildredaktionen, Verlagen, Museen und natürlich bei anderen Fotografinnen und Fotografen, zum Beispiel in der Postproduktion.

 

 

Deubner-Preis für Orbit

Foto: Josephine Scheuer

Wir freuen uns sehr und gratulieren herzlich: Der Projektraum Orbit wurde mit dem Deubner-Preis 2026 ausgezeichnet!

Gestern Abend wurden in München anlässlich des 38. Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte der Deubner-Preis 2026 verliehen. »Orbit. Ausstellungsort und Raum für Vernetzung« erhielt dabei einen der beiden Projektpreise – geehrt wird eine Initiative, die auf das Gespräch zwischen ehemaligen und aktuellen Studierenden der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste setzt – und natürlich auch auf das Gespräch mit allen, die sich innerhalb wie außerhalb unserer Universität für Fotografie interessieren.

»Orbit« geht auf eine Initiative von Elke Seeger, Professorin für Fotografie und Konzeption, zurück und wird von ihr seither geleitet. Stellvertretend ausgezeichnet für das ganze Team wurden die Kuratorin von »Orbit«, Lorenza Kaib, sowie die kuratorische Assistentin Larissa Zauser.

Mehr zum Deubner-Preis erfahrt ihr hier.

Otto-Steinert-Preis für Samuel Solazzo

Herzlichen Glückwunsch an unseren Alumnus Samuel Solazzo, der von der Deutschen Gesellschaft für Photographie mit dem Otto-Steinert-Preis für Fotografie ausgezeichnet worden ist! Neben dem 1. Preis für Samuel Solazzo werden außerdem Clarita Maria (2. Preis) und Elliott Kreyenberg (3. Preis) geehrt.

In ihrer Jurysitzung bestimmte die diesjährige Jury aus einer Shortlist von zehn fotografischen Projekten für den Otto Steinert-Preis. DGPh-Förderpreis für Fotografie die drei Preisträger:innen Die Jury setzte sich zusammen aus Alexander Hagmann, Heide Häusler und Helena Melikov sowie Aliona Kardash (Preisträgerin 2023) und Katharina Täschner, Kuratorin am C/O Berlin.

Samuel Solazzo ist Alumnus unseres M.A. Photography Studies and Practice, dem Master für künstlerische Fotografie und arbeitet heute als Künstler in Berlin.

 

What's next?

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  • ⟶ 25. Februar bis 23. Mai 2026
  • n+1. Mehr als ein Bild
  • DZ Bank Kunststiftung, Frankfurt am Main
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  • ⟶ 28. April 2026
  • Theopisti Stylianou-Lambert (Linköping/Nicosia)
  • Folkwang Photo Talk
  • Online
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  • ⟶ 20. Mai 2026
  • Eröffnung Orbit
  •  
  • ⟶ 21. Mai 2026
  • Eröffnung Galerie 52
  • Helmut Schweizer: Handlungen
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  • ⟶ 18. Juni 2026
  • Johanna Spanke (Hamburg)
  • Folkwang Photo Talk
  • Quartier Nord
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  • ⟶ 24. Juni 2026
  • Eröffnung Orbit
  •  
  • ⟶ 14. Juli 2026
  • Christian Joschke (Paris)
  • Folkwang Photo Talk
  • Quartier Nord und online
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  • ⟶ 15. Juli 2026
  • Eröffnung Orbit
  •  
  • ⟶ 15. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027
  • Photography Masters
  • Museum Folkwang
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Stopover 2026

Save the date! STOPOVER – die jährliche Ausstellung und Tagung zur Fotografie an der Folkwang Universität der Künste!

Am 22. Januar 2026 eröffnen die Studierenden des M.A. Photography Studies & Practice die Stopover-Ausstellung 2026 im 1.OG des SANAA-Gebäudes. Bereits man Tag darauf, am Freitag den 23. Januar 2026, laden die Studierenden des M.A. Photography Studies & Research zur Tagung »In Perspektive gebracht – Fotografien im archivarischen Kontext« ein. Die Ausstellung läuft vom 23. Januar bis zum 8. Februar 2026.

Beteiligt sind dieses Jahr: Tabea Borchardt, Leon Düllberg, Jakob Fleischer, Marie-Lise Hofstetter, Hyungyung Jang, Marie Laforge, Melina Lehmacher, Selma Mierl, Leander Mundus, Asli Özcelik, Annika Reinhard, Hannah Schuh, Paula Stilke, Ellena Stelzer, Alexander Tirel, Larissa Zauser und Philip Zietmann.

Plakat: Melina Lehmacher und Philip Zietmann.

Third Essen Symposium for Photography

»What Will Photography Be? An Invitation to Speculate« – the 3rd Essen Symposium for Photography, held from February 4–5, 2026, aims at addressing interest in the medium’s prospective forms and uses. It is looking for speculations that critically engage with recent developments in the open and much-diversified field of visual media and try to position photography’s future role within such a realm.

How will photographic media participate in the dynamics of current technological advancements? How can photography impact and promote such developments with respect to social, artistic, scientific, and everyday practices? We are interested in ideas about photography’s future roles in social, artistic, scientific, and everyday realms. What will we mean when we say »photography«? Will we discuss specific techniques, aesthetics, or practices bound to visual images? Keeping the lessons taught by »operational images« in mind, will we leave the idea of the visual behind us? In short, what will be our point of reference when we address something as »photography«?

These are the symposium’s confirmed speakers: Bernd Behr (London), Monica Bravo (Princeton), Paul Frosh (Jerusalem), Michelle Henning (Liverpool), André Gunthert (Paris), Cringuta Irina Pelea (Bukarest), Terrence Phearse (New York), Daniel Rubinstein (London), Jens Schröter (Bonn), Therese Schuleit (Mülheim), and Helen Westgeest (Leiden).

The Essen Center for Photography’s website provides detailed information on the program and the opportunity to registrate.

As part of the symposium’s accompanying program, Krupp Historical Archive, Museum Folkwang, and Ruhr Museum will offer guided tours of their current exhibitions and provide insights into their photographic collections. Further information will be announced soon. Please keep February 3 and 6, 2026, available if you wish to take part.

On behalf of the Essen Center for Photography, the 3rd Essen Symposium for Photography organizers are Franziska Barth (Ruhr University Bochum), Vera Knippschild (Folkwang University of the Arts), Mona Leinung (Folkwang University of the Arts), Markus Rautzenberg (Folkwang University of the Arts), Anja Schürmann (KWI – Institute for Advanced Study in the Humanities), Steffen Siegel (Folkwang University of the Arts), Jakob Schnetz (Folkwang University of the Arts, KWI – Institute for Advanced Study in the Humanities), and Francisco Vogel (Folkwang University of the Arts).
 

Orbit im Wintersemester 2025/2026

Im Wintersemester 2025/2026 geht unsere neue Ausstellungsserie »Orbit« bereits in die dritte Runde – wie stets mit drei Ausstellungen, in denen sich ehemalige und aktuelle Folkwang-Studierende der Fotografie mit ihren Arbeiten begegnen. Zu sehen sind die Ausstellungen im ehemalige Schalthaus 2.0 auf dem Gelände des UNESCO-Welterbes Zollverein, Schacht XII.

26. November bis 7. Dezember 2026
Julia Jaksch gemeinsam mit Marla Koether

17. Dezember 2025 bis 11. Januar 2026
Ludwig Kuffer & Max Beck mit Dain Kim

Saskia Fischer mit Kageaki Inoue
21. Januar bis 1. Februar 2026

Geöffnet ist immer freitags von 16 bis 18 Uhr und am Wochenende von 14 bis 18 Uhr.

Die Ausstellung ist Teil des Projekts BLICKFELD ZOLLVEREIN, einer Kooperation der Folkwang Universität der Künste und der Stiftung Zollverein. Ermöglicht wird das Projekt durch die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Zollverein (GFF) und die RAG-Stiftung. Initiiert und geleitet wird die Serie von Elke Seeger, Professorin für Fotografie & Konzeption. Kuratorisch federführend erarbeitet und durchgeführt wird »Orbit« von Lorenza Kaib, sowie unterstützt durch die studentische Hilfskraft Larissa Zauser. Der Lehrauftrag von Lorenza Kaib wird durch die Förderung vom Gleichstellungsbüro der Folkwang Universität der Künste für das Jahr 2025 ermöglicht.

Galerie 52 im Wintersemester 2025/2026

Gestaltung des Plakats: Thomas Kühnen

30. Oktober 2025: Anne-Charlotte Moulard, Preview

13. November 2025: Alegria Diaz, Why in Castillo dogs don’t bark?

27. November 2025: Oliver Heise, Laura Pecoroni, In Limbo – zum Verhältnis von Fotografie und Tanz

11. Dezember 2025: Julius Schmidt, Hier und Da

8. Januar 2026: Studierende von Prof. Achim Mohné der FH Dortmund, O.K.! – But is it photography? 3D, AI, Expanded Photography

29. Januar 2026: Joanna Nencek, Opening Doors

Alle ausführlichen Informationen findet ihr wie immer auf der Website der Galerie 52.
 

Folkwang Photo Talk with Carolin Görgen

At Folkwang, we are looking forward to welcoming Carolin Görgen for this winter term’s third Folkwang Photo Talk:

Black Gold: Photography, Extraction, and the Promise of the Petroleumscape

At a moment when eco-critical scholarship interrogates how visual regimes sustain extractive economies, this talk examines the entanglements of photography and petroleum in early twentieth-century Southern California. As Los Angeles County became the center of U.S. oil production in the 1920s and 1930s, photographers such as Shigemi Uyeda and Florence Kemmler redirected their lenses from iconic western landscapes toward the emergent »petroleumscape« (Hein) of derricks, tanks, and trenches. Their images normalized oil’s presence in the built environment and turned petroleum into a readily accessible resource, both physically and visually. Situating oil photography within the fraught environmental histories of the American West, this talk integrates an expanded conception of extraction that encompasses the physical operations of drilling, the aesthetic practices that crystallized around petroleum, as well as their material repercussions.

In Southern California—epicenter of both automobility and motion-picture production—photography functioned as an oil-derived medium, reliant on petrochemical film stocks and equipment. The resulting images did more than record industrial expansion: they forged an »aesthetics of petroleum« (LeMenager) that celebrated infrastructural growth, obscured labor, and rendered fossil-fuel development seemingly organic to the landscape, even as it reshaped minority and working-class neighborhoods. The afterlives of this extractive imaginary continue to structure regional memory. Now held in institutions funded by oil wealth, these photographs make clear how fossil-fuel capital is interwoven with artistic practice. By tracing these entanglements, the talk positions oil photographs as a critical yet underexamined agent in the long extractive histories of the American West.

Carolin Görgen is Associate Professor of American Studies at Sorbonne Université and a 2025 Fulbright Visiting Scholar at the University of California, Los Angeles. A historian of photography and the American West, she is the author of The California Camera Club: Collective Visions in the Making of the American West (University of Oklahoma Press, 2025). Her research focuses on historical photo networks in the western United States and their environmental afterlives. Görgen’s research has been supported, among others, by the Terra Foundation for American Art, the Huntington Library, and the Thomas Mann House. In France, she serves on the editorial board of the journal Photographica.

Carolin Görgen’s talk will open the 21st research colloquium for the theory and history of photography, taking place at Folkwang University of the Arts in January and July of each year.

The talk will take place on January 27, 2026 at 6 pm at Folkwang’s Quartier Nord and is open to the public. Everybody inside and outside the university is cordially invited to participate!

 

Tagung zu Fotografien im archivarischen Kontext

Am 23. Januar 2026 veranstalten die Studierenden im M.A. Photography Studies and Research, der Master für Theorie und Geschichte der Fotografie, die Tagung »In Perspektive gebracht – Fotografien im archivarischen Kontext«.

Im Hinblick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fotografischer Archive werden die Studierenden ihre aktuellen Forschungsprojekte vorstellen und dabei das Archiv und seine fotografischen Materialien aus medientheoretischer, medienissenschaftlicher, historischer, sowie bildwissenschaftlicher Perspektive beleuchten. Mit Beiträgen von Jakob Fleischer, Marie Laforge, Selma Mierl, Annika Reinhard, Ellena Stelzer, Paula Stilke und Alexander Tirel.

Als besonderen Gast begrüßen werden sie die Künstlerin Pauline Hafsia M’barek. Im Rahmen des Programms »Artist Meets Archive« der Photoszene Köln setzte sich die Pauline Hafsia M’barek mit dem Agfa Werbearchiv auseinander. Die daraus entstandene Ausstellung »Entropic Records« (2025) wird im gemeinsamen Gespräch vorgestellt und näher beleuchtet. Materielle Transformationsprozesse fotografischer Objekte und Wechselwirkungen zwischen menschlichem Körper und fotografischem Archiv werden dabei diskutiert und in Zusammenhang mit den Vorträgen des Tages gebracht. Geführt wird das Gespräch von Paula Stilke und Marie Laforge.

10.00 Begrüßung
10.10 Annika Reinhard: Das »Feste« und das »Fluide« im Archiv
10.35 Selma Mierl: Die Grenzen des Archvierbaren

11.20 Paula Stilke, Marie Laforge: Gespräch mit Pauline Hafsia M’barek

14.00 Alexander Tirel: Das Archiv Marubi – von der Übernahme bis zur Rückgabe
14.25 Ellena Stelzer: Dem Unsichtbaren nachspüren: Zum Verhältnis von Tanz, Fotografie und Archiv mit Blick auf Yonne Rainers Trio A

15.10 Jakob Fleischer: Xenoplastische Evidenz. Was Fischahut mit Fotografie zu tun hat
15.35 Marie Laforge: Vorsicht, Gefahr!

16.00 Dank, Schlussworte und Führung durch die Ausstellung STOPOVER 2026

23. Januar 2026, 10 bis 16.30 Uhr, SANAA-Gebäude, 1. Obergeschoss.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich, alle Interessierten innerhalb wie außerhalb der Universität sind herzlich willkommen!

Die Tagung findet statt anlässlich des STOPOVER 2026 – gemeinsam mit der Ausstellung der Studierenden des M.A. Photography Studies and Practice. Eine Führung durch diese Ausstellung wird die Tagung beschließen.

Gestaltung der Visuals: Melina Lehmacher und Philip Zietmann.

Studieninfotag 2026

Wie sieht ein zeitgemäßes künstlerisches und gestalterisches Studium aus? Beim Studieninfotag des Fachbereichs Gestaltung gibt es die Gelegenheit, das direkt vor Ort im Quartier Nord auf dem Campus Welterbe Zollverein herauszufinden!

Am Freitag, den 23. Januar 2026, öffnet der Fachbereich ab 14 Uhr seine Türen und lädt alle Interessierten ein, alle Studiengänge des Fachbereichs näher kennenzulernen. Für die Fotografie sind das der B.A. Fotografie, der M.A. Photography Studies and Practice und der M.A. Photography Studies and Research.

Der Fachbereich Gestaltung steht für interdisziplinäres Arbeiten, das künstlerisches Experiment, Designpraxis und Forschung miteinander verbindet. Neben der Vorstellung der Studiengänge wird auch über die Einbindung der Wissenschaften in ein praxisorientiertes Studium informiert. Thematisch orientierte Führungen geben unter anderem Einblicke in die analogen und digitalen Werkstätten des Fachbereichs von der Buchbinderei über die Fotostudios bis zum Advanced Technology Lab. In den Workshops können Besucher:innen selbst aktiv werden und die inhaltliche Ausrichtung der Studiengänge praktisch erleben. Bei der Mappenberatung besteht die Möglichkeit, eigene Arbeitsproben zu zeigen und Fragen zu den Bewerbungsanforderungen zu stellen.

Für einen ungezwungenen Austausch sorgt das Format »Studierenden-Sofas«: Folkwängler:innen verschiedener Studiengänge präsentieren ihre Arbeiten und berichten aus ihrem Studienalltag. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Der Studieninfotag richtet sich an Schüler:innen, Studierende anderer Fachrichtungen und alle, die sich für ein künstlerisch-gestalterisches Studium interessieren. Eine Anmeldung ist nur für ausgewählte Programmpunkte, etwa einzelne Workshops, erforderlich. Die Teilnahme ist immer kostenfrei. Das Quartier Nord befindet sich auf dem Campus Welterbe Zollverein und ist barrierefrei zugänglich.

Detaillierte Informationen zum Programm sind hier zum Download verfügbar. Besucht außerdem die Website des Fachbereichs Gestaltung für mehr Informationen zum Studieninfotag!
 

Rudi Williams und Aden Miller zu Gast an der Folkwang Universität der Künste

Wir freuen uns darauf, am 10. Dezember 2025 ab 18 Uhr Rudi Williams und Aden Miller bei uns im Quartier Nord zu begrüßen! Alle sind herzlich eingeladen, an der Präsentation und am Talk im Grundlagenraum Fotografie (1.52)  teilzunehmen. Die Veranstaltung wird auf Englisch stattfinden. Fangen wir schon mal mit den beiden CVs an:

Rudi Williams (born in 1993) often combines and contrasts images taken at different times and in different places, exhibiting varying photographic forms, to reflect on her own history in relation to concepts such as memory, temporality, and the archive.

Aden Miller (born in 1999) makes sculptures, installations, photographs and paintings. Across these outputs, Miller's work typically leverages conventions of medium and display through processes of combination and effacement to produce contradictions and encounters with non-standard use. Miller also directs Kurzzeit, a nomadic exhibition space. He co-directed Melbourne gallery Asbestos from 2021–2024, alongside Joshua Krum and Brittany d’Argaville.

Noch bis zum 4. Januar 2026 läuft die Ausstellung »In the air we breathe« von Rudi Williams im Museum Folkwang. Ab dem 5. Dezember ist Aden Millers Ausstellung »Intelligence« im Neuen Essener Kunstverein zu sehen.

Rudi Williams und Aden Miller sind die Residents der Neue Folkwang Residence, einer Kooperation von Museum Folkwang und Neuer Essener Kunstverein, ermöglicht durch den Folkwang-Museumsverein e. V. und die Stiftung Olbricht, gefördert von Vonovia.

 

DAAD-Preis für Bokeum Lee

Foto: Julian Duprat Petrich

Wir freuen uns sehr und gratulieren herzlich unserer Master-Studentin Bokeum Lee, die aus den Händen unseres Rektors Holger Zebu Kluth den DAAD-Preis 2025 überreicht bekommen hat!

Bokeum studiert bei uns an der Folkwang Universität der Künste seit 2023 im M.A. Photography Studies and Practice. Zuvor schloss sie, ebenfalls bei uns, den B.A. Fotografie ab. Im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit während des Masterstudiums stehen Cyanotypien auf handgestrickten Stoffen. Durch den Transfer von Fotografien aus der Kindheit, von Familien sowie alltäglichen Szenen auf Textilen entstehen Installationen, die gleichzeitig abstrakt und wortwörtlich fassbar sind. Die Vergänglichkeit des Erinnerns wird für die Betrachter*innen somit visuell und haptisch spürbar gemacht.

Neben ihrer hervorragenden künstlerischen Leistung wird Bokeum Lee auch für ihr breites soziales und politisches Engagement ausgezeichnet, unter anderem für ihr Engagement im Fachbereich Gestaltung, für ihre Kommiliton:innen sowie für ihre Tätigkeit als Kuratorin. Hierbei beschäftigt sie sich vor allem mit gesellschaftlichen Fragen, Diversität in der Kunstszene und der Erfahrung von Diaspora in Deutschland.

Der mit 1.000 Euro pro Hochschule dotierte DAAD-Preis, der seit mehr als zehn Jahren vergeben wird, soll dazu beitragen, den großen Zahlen ausländischer Studierender an deutschen Hochschulen Gesichter zu geben und sie mit Geschichten zu verbinden. Damit wird deutlich, dass jede:r einzelne ausländische Studierende ein Stück von Deutschland in ihre:seine Heimat mitnimmt und etwas von sich in Deutschland lässt – eine Bereicherung für beide Seiten. Die Studierenden, die über ihre jeweilige Gasthochschule einen solchen Preis erhalten haben, stehen für ihre Kommiliton:innen aus der ganzen Welt. Sie sind künftige Partner:innen für Deutschland in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.
 

Soeben erschienen: Archival Absences

»Archival Absences: Towards an Incomplete History of Photography« heißt das Themenheft der Zeitschrift für Kunstgeschichte, das von Elizabeth Otto und Steffen Siegel herausgegeben wurde und das soeben als dritte Ausgabe der Zeitschrift des Jahrgangs 2025 erschienen ist.

Neben einer ausführlichen Einleitung der Herausgeberin und des Herausgebers enthält es insgesamt acht Beiträge, die die gesamte Breite der Fotogeschichte abdecken. Verfasst wurden sie von Max Böhner, Madison Brown, Elizabeth Otto, Malte Radtki, Blanca Serrano Ortiz de Solórzano & Juanita Solano Roa, Steffen Siegel, Francesca Strobino und Tracy Stuber.

Alle Beiträge interessieren sich für Lücken in der Überlieferung und, hieran anschließend, im Fotoarchiv. Sie fragen nach den Gründen und untersuchen die produktive Kraft solcher Leerstellen, adressieren aber auch die Probleme, die hierdurch entstehen.

Alle Beiträge des Themenhefts sind auf der Website des Verlags Open Access erhältlich. Sie gehen zurück auf einen Studienkurs, der im März 2023 von Elizabeth Otto und Steffen Siegel gemeinsam mit Tatjana Bartsch und Johannes Röll an der Bibliotheca Hertziana ausgerichtet worden ist. Der Studienkurs wurde ermöglicht durch die großzügige Förderung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung.

What has been published?

We keep you updated about the most recent publications by members of our team, Ph.D. students, and students of the Department of Photography. For more detailed information on our monographs and catalogs, please look here.

2025
● Andreas Backoefer, Claudia Jeschke, Christopher Muller (eds.): In Limbo. Zum Verhältnis von Fotografie und Tanz, München 2025. With works by Laura Pecoroni and Oliver Heise.
● Steffen Siegel: Links außen. Saskia Esken und die Männer. In: Rundbrief Fotografie 32.4 (2025), pp. 4–7.
● Steffen Siegel: In der Schwebe: Sibylle Bergemanns fotografische Denkmäler. In: Sonia Voss, Frieda von Wild, Lily von Wild (eds.): Das Denkmal, Berlin 2025, pp. 86–92. Engl.: In Suspense: Sibylle Bergemann’s Photographic Monuments. In: Sonia Voss, Frieda von Wild, Lily von Wild (eds.): The Monument, Berlin 2025, pp. 86–92. Fr.: En suspens: Les monuments photographiques de Sibylle Bergemann. In: Sonia Voss, Frieda von Wild, Lily von Wild (éds.): Le monument, Berlin 2025, pp. 86–92.
● Steffen Siegel: Wider den Zeitgeist. Dirk Alvermanns Fotobücher. In: Daria Bona, Christoph Danelzik-Brüggemann (eds.): Mensch Raum Geschichte. Die Fotografische Sammlung im Stadtmuseum Düsseldorf, Berlin 2025, pp. 230–231.
● Philipp Goldbach, Steffen Siegel: Improvised Projections, Berlin 2025.
● Elizabeth Otto, Steffen Siegel (eds.): Archival Absences. Toward an Incomplete History of Photography. Special issue of Zeitschrift für Kunstgeschichte 88.3 (2025).
● Malte Radtki: Postal Profusion and Archival Scarcity: ­Jacob Vitta’s Photographs of Mining in the Gold Coast Colony as Prints and Postcards. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 88 (2025), pp. 328–349.
● Steffen Siegel: Absent Pictures, Present Images: How Time Reshapes the Photographic Archive. In: Zeitschrift für Kunstgeschichte 88 (2025), pp. 292–309.
● Steffen Siegel: Eine fotografische Versammlung / A Photographic Gathering. In: Simon Bapist: Von oben im Tal. Archiv Franz Göttfried / From Up the Valley. Archive Franz Göttfried, Salzburg 2025, S. 169–179.
● Joanna Nencek: Menschliches Auto. Fotografie der Aktion »Car« von Vladimír Ambroz (1977). In: Rundbrief Fotografie 32.2 (2025), pp. 4–7.
● Steffen Siegel: Walter Benjamin et la naissance d’une nouvelle vision photo-historiographique. In: Photographica no. 10 (April 2025), pp. 74–91.
● Steffen Siegel: Andere Farben. Different Colors. In: Annett Jahn, Ulrike Mönnig (eds.): An den Rändern taumelt das Glück. Die späte DDR in der Fotografie, Weimar 2025, pp. 82–83.

2024
● Linus Rapp: Wohltuende Sachlichkeit. Ausstellungsgestaltung an der HfG Ulm, Leipzig 2024.
● Christopher Haaf: Von Ulm in die Welt. Ausstellungen der HfG Ulm, Leipzig 2024.
● Steffen Siegel: Fotografische Ostpakete. Das Fotobuch DDR Frauen fotografieren von Gabriele Muschter und die deutsch-deutsche Verflechtungsgeschichte. In: Fotogeschichte 44 (2024), issue 174, pp. 35–40.
● Steffen Siegel: Postalische Verflechtungsgeschichte. In: Rundbrief Fotografie 31.3/4 (2024), pp. 85–91.
● Elisabeth Neudörfl: Ansichten von K., Berlin 2024.
● Steffen Siegel: Otto Steinerts doppelte Pädagogik. Die Entstehung der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang in Essen. In: Anja Schürmann, Kathrin Yacavone (ed.): Die Fotografie und ihre Institutionen. Von der Lehrsammlung zum Bundesinstitut, Berlin 2024, pp. 38–57.
● Steffen Siegel: Unmittelbar. Immediate. In: Dörte Eißfeldt: Stehen Liegen Hängen, Berlin 2024, no pages.
● Steffen Siegel: Szenen der Fotokritik. In: Fotogeschichte 44 (2024), issue 172, pp. 45–51.
● Jakob Schnetz, Rebecca Racine Ramershoven: Vermessung des Angemessenen? Ein kritischer Experimentbericht zur fotografischen Repräsentation von Hautfarbe. In: Fotogeschichte 44 (2024), issue 172, pp. 30–37.
● Vera Knippschild: Der Mensch als Maß und Ziel. Über Fotografie, Format und Skalierung. In: Fotogeschichte 44 (2024), issue 172, pp. 22–29.
● Vermessene Bilder. Von der Fotogrammetrie zur Bildforensik. Fotogeschichte 44 (2024), issue 172, ed. by Mira Anneli Naß and Steffen Siegel.
● Steffen Siegel: Lucia Moholy’s Modern History of Photography. In: Jordan Troeller (ed.): Lucia Moholy. Exposures, Berlin 2024, pp. 122–135.
● Steffen Siegel: Burkhard Maus: L’artiste Hans-Peter Feldmann fait une manifestation à la foire Art Cologne. In: Photographica No. 8 (April 2024), pp. 0–1. Open Access
●  Jana Müller: Falscher Hase / Mock Rabbit, Berlin 2024.
● Steffen Siegel: Fotografischer Postverkehr. In: Linda Conze (ed.): Size Matters. Größe in der Fotografie, Berlin 2024, p. 67.
● Vera Knippschild: August 6, 2011 A really big thumb tack! We grabbed what we could for size comparison (6016328604).jpg. In: Linda Conze (ed.): Size Matters. Größe in der Fotografie, Berlin 2024, p. 63.

2023
● Steffen Siegel: Lucia Moholys moderne Fotogeschichte. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft 50 (2023), pp. 297–319.
● Steffen Siegel: Welche Spuren? Bildforensik der Fotogeschichte. In: Bildwelten des Wissens 19 (2023), pp. 21–33  PDF
● Paul Werling: Does this Person Exist? KI-Generierte Porträts und ihre prekäre Existenz im Digitalen Raum. In: 21. Inquiries into Art, History, and Visual Culture 4 (2023), S. 745–781  PDF
● Steffen Siegel: A Special Kind of Paper: An Emerging Value System for Photography. In: Afterimage 50.4 (2023), pp. 14–18 ☞ PDF
● Christopher Muller: easy tools, Cologne 2023.
● Steffen Siegel: Nicéphore Niépce et l’idée de »réplication photographique«. In: Histoire de l’art No. 92 (December 2023), pp. 63–74.
● Stefanie Regina Dietzel: Art. Ludwig Windstosser. In: Neue Deutsche Biographie, ed. by the Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, vol. 28, 2023, pp. 237–238.
● Steffen Siegel: Erscheinungsweisen. Versuch über Adrian Sauers bildnerisches Werk. Modes of Appearance. An Essay on Adrian Sauer’s Pictorial Work. In: Adrian Sauer: Truth Table, Leipzig 2023, pp. 209–213 ☞ PDF
● Steffen Siegel: Make-up. Manipulation und Postmanipulation in Sebastian Riemers Press Paintings. In: Sebastian Riemer: Press Paintings, Leipzig 2023. Also in: Fabienne Liptay (ed.): Postproduktion: Bildpraktiken zwischen Film und Fotografie, Marburg 2023, pp. 27–42.
● Anna Chiesorin: In die Zukunft schauen. Rendern als Kulturtechnik, Berlin 2023.
● Ramona Schacht. PICTURES AS A PROMISE (p.a.a.p.); Interview with Christiane Eisler, Stefanie Regina Dietzel, and Ramona Schacht. In: Dokumentarfotografie Förderpreise 14, ed. by Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg 2023, pp. 49–60.
● Stefanie Regina Dietzel: Exklusive Einblicke? Das Fotoalbum als Repräsentationsmedium der Industrie der DDR. In: Kuratierte Erinnerungen. Das Fotoalbum, transactions of Kommission Fotografie in der Deutsche Gesellschaft für Empirische Kulturwissenschaft, Münster 2023, pp. 200–208.
● Oliver Heise: symptom. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft No. 29 (2023), pp. 9–18 (three photographs from the series).
● Aslı Özçelik: Sıhhatler olsun, Leipzig 2023.
● Steffen Siegel: Der Gutachter des Fotografen. Über die Entstehungsbedingungen von Dirk Alvermanns Fotobüchern. In: Fotogeschichte 43 (2023), issue 168, pp. 21–30.
● Malte Radtki: Erinnere mich – zu meinen Bedingungen! Nachlassbewusstsein im privaten Fotoalbum. In: Rundbrief Fotografie 30.2 (2023), pp. 22–36.
● Francisco Vogel: Ein Museumsbesuch. Fotografie und Exponat im Austausch. In: KWI-BLOG, March 6, 2023.
● Stefanie R. Dietzel: Produzieren und Repräsentieren. Arbeiter*innen als Sujet und Zielgruppe der Industriefotografie. In: Stefanie Regina Dietzel, Carola Jüllig (ed.): Fortschritt als Versprechen. Industriefotografie im geteilten Deutschland, Berlin 2023, pp. 64–75.
● Steffen Siegel: Der Platz der Arbeit, der Ort der Bilder. In: Stefanie R. Dietzel, Carola Jüllig (ed.): Fortschritt als Versprechen: Industriefotografie im geteilten Deutschland, Berlin 2023, pp. 54–63.
● Stefanie R. Dietzel, Carola Jüllig (ed.): Fortschritt als Versprechen: Industriefotografie im geteilten Deutschland, Berlin 2023.
● Steffen Siegel: Ludwig Belitskis »15 venezianische Glasgefäße«. In: Frauke von der Haar, Lothar Schirmer (ed.): Ulrich Pohlmann. Fotografie sammeln: Dem Leiter der Sammlung Fotografie im Münchner Stadtmuseum – Eine Festschrift, München 2023, pp. 110–111.

2022
● Clara Mühle: Eine Kamera und ein Bier. »Innenansicht« aus dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR. In: Rundbrief Fotografie 29.3–4 (2022), pp. 4–7.
● »Nicht Grenzen setzen, sondern ermöglichen«. Ute Eskildsen im Gespräch mit Steffen Siegel. In: Fotogeschichte 42 (2022), issue 166, pp. 12–22.
● The Work of Critique. Abigail Solomon-Godeau in Conversation with Steffen Siegel. In: Fotogeschichte 42 (2022), issue 166, pp. 5–11.
● Fotogeschichte 42 (2022), issue 166: Schreiben über Fotografie II, ed. Steffen Siegel und Bernd Stiegler.
● Elisabeth Neudörfl: Die Autorin als Produzentin. Eine persönliche Notiz. In: Friederike Wappler, Arno Giesinger: History Matters. Konstellation Benjamin, Leipzig 2022, pp. 118–121.
● Steffen Siegel: Bausteine für eine künstlerische Theorie der Fotografie. Building Blocks for an Artistic Theory of Photography. In: Camera Austria International No. 160 (2022), pp. 9–18.
● Judith Riemer: »Beste«, »mittlere« und »schlechte Fotos«. Kurt Schwitters als fotografierender Typograf. In: Fotogeschichte 42 (2022), issue 165, pp. 16–25.
● Samuel Solazzo: Zweite Sonne. Bilder verstrahlter Gestade. In: Rundbrief Fotografie 29.2 (2022), pp. 4–7.
● Lily von Wild: Die reisende Bergemann vor 1989. In: Thomas Köhler, Katia Reich (ed.): Sibylle Bergemann. Stadt Land Hund. Fotografien 1966–2010, Berlin 2022, pp. 193–203.
● Ardelle SchneiderButterflies and Caterpillars, Dortmund 2022.
● Martina Padberg, Elke Seeger, Steffen Siegel (ed.): On Display. Der Körper der Fotografie, Essen 2022.
● Wolfram HahnBurgbergstraße, Zurich 2022.
● Jakob Schnetz: Kacheln, Mosaike, Raster. Kalkulierte Natürlichkeit in der digitalen Farbfotografie. In: Rundbrief Fotografie 29.1 (2022), pp. 7–20.
● Paul Werling: Das Aussterben anderer betrachten. Zur letzten Sichtung des Kaua’i ‘O-‘o. In: Rundbrief Fotografie 29.1 (2022), pp. 4–6.
● Christina Leber (Hg.): Passagen, Frankfurt am Main 2022.
● Michael Romstöck (Red.): FOTO – TEXT – TEXT – FOTO, Essen 2022.
● Paul Werling: Verpixeltes Korn. In: Photonews 34.5 (2022), p. 31.
● Steffen Siegel: Farbfotografie und farbige Fotografie. In: Fotogeschichte 42 (2022), issue 163, pp. 9–18.
● Matthias Gründig, Elke Seeger (Hg.): A List of Distractions, Essen 2022.
● Sophia Greiff: Zwischen Fakt und Erfahrbarkeit – Erzählen an den kreativen Rändern des Fotojournalismus. In: Elke Grittmann, Felix Koltermann (Hg.): Fotojournalismus im Umbruch. Hybrid, multimedial, prekär, Cologne 2022, pp. 405–431.
● Steffen Siegel: »Alle anderen Bilder sind echt«. Fotografische Aprilscherze in der »Berliner Illustrirten Zeitung«. In: Zeitschrift für Ideengeschichte 16.1 (2022), pp. 83–100 ☞ PDF

2021
● Matthias Gründig: Ten Dollar Faces: On Photographic Portraiture and Paper Money in the 1860s. In: History of Photography 45.1 (2021), pp. 5–19.
● History of Photography 45.1 (2021): Circulating Photographs, ed. Maria Antonella Pelizzari, Steffen Siegel.
● Hannes Wietschel: Der Cotopaxi im fotografischen Nebel: Hans Meyers Blick auf widerständige Fotografien. In: Tatjana Bartsch, Ralf Bockmann, Paul Pasieka, Johannes Röll (ed.): Faktizität und Gebrauch früher Fotografie. Factuality and Utilization of Early Photography, Wiesbaden 2021, pp. 139–149.
● Steffen Siegel: Was sich sehen lässt: Zur vergangenen Zukunft des Fotografischen. In: Tatjana Bartsch, Ralf Bockmann, Paul Pasieka, Johannes Röll (ed.): Faktizität und Gebrauch früher Fotografie. Factuality and Utilization of Early Photography, Wiesbaden 2022, pp. 31–45.
● Steffen Siegel: Ein Bild von einem Bild? Über fotowissenschaftliche Reproduktionsstile. In: Rundbrief Fotografie 28.4 (2021), pp. 7–16  PDF
● Steffen Siegel: Nicéphore Niépce and the Industry of Photographic Replication. In: The Burlington Magazine 163 (2021), No. 1425, pp. 1112–1119  ☞ PDF
● Fotostadt Essen, issue 2 (November 2021), ed Zentrum für Fotografie in Essen.
● Hannes Wietschel: Fotografien in der geographischen Bildkritik / Photos in the Context of Geographical Image Criticism. In: Gisela Parak, Elke Bauer (ed.): Die Empirik des Blicks. Bedeutungszuweisungen wissenschaftlicher Expeditionsfotografie / The Empirical Gaze. Interpretations of Scientific Expedition Photography, Halle an der Saale 2021, pp. 52–73.
● Steffen Siegel: Bilder gebrauchen. Fotografien zwischen Kunst, Theorie und Politik / Using Pictures: Photographs Between Art, Theory and Politics. In: Stefan Gronert (ed.): True Pictures? Zeitgenössische Fotografie aus Kanada und den USA / True Pictures? True Pictures? Contemporary Photography from Canada and the USA, Cologne 2021, pp. 130–136.
● Steffen Siegel: Wo anfangen? Über die vielfältigen Ursprünge der Fotografie / Where to Begin? On the Multiple Origins of Photography. In: Neue Wahrheit? Kleine Wunder! Die frühen Jahre der Fotografie / New Truth? Small Miracles! The Early Years of Photography, Cologne 2021, pp. 18–31.
● Judith Riemer: Möglichkeitsraum Fotoalbum. Gestalterische Strategien von Künstler*innen in den 1920er und 1930er Jahren. In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 161, pp. 64–67.
● Steffen Siegel: Die Perücke des Patriarchen. Private und öffentliche Blicke im Fotoalbum. In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 161, pp. 25–34.
● Fotostadt Essen, issue 1 (September 2021), ed Zentrum für Fotografie in Essen.
● Matthias Pfaller: Two Photographic Albums at the Getty and Their Relation to the Stock-Photography Market in 1860s Chile. In: Getty Research Journal No. 14 (2021), pp. 81–102.
● Michael Ponstingl: Wien-imaginaire. Straßenfotografie im 19. Jahrhundert. In: Anton Holzer, Frauke Kreutler (ed.): Augenblick! Straßenfotografie in Wien, Heidelberg 2021, pp. 74–79.
● Steffen Siegel: Über Propagandafotografie / Propaganda Photography. In: Kristina Lemke (ed.): Neu sehen. Die Fotografie der 20er und 30er Jahre / New Ways of Seeing. The Photography of the 1920s and 1930s, Bielefeld 2021, pp. 168–187, 238–241.
● Elisabeth NeudörflOut in the Streets, Berlin 2021.
● Maxie Fischer, Erdmut Wizisla: »Wir müssen imaginieren«. Ein Gespräch über Bertolt Brecht, Michael Schmidt und die Arbeit mit Archivmaterialien. In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 159, pp. 49–55.
● Steffen Siegel: Was ist kein Fotobuch? In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 159, pp. 43–48.
● Elisabeth Neudörfl: Das Foto-Fotobuch. In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 159, pp. 29–34.
● Sophia Greiff: Artefakte der Recherche. Text, Dokument und Found Footage als narrative Elemente im Fotobuch. In: Fotogeschichte 41 (2021), issue 159, pp. 21–28.
● Fotogeschichte 41 (2021), issue 159: Weiterblättern! Neue Perspektiven der Fotobuchforschung, ed. Anja Schürmann und Steffen Siegel.
● Matthias Pfaller: In Kontakt mit dem Medium. Die chilenische Krise im Livestream der Galería CIMA. In: Rundbrief Fotografie 28.2 (2021), pp. 7–15.
● Anne Breimaier, Matthias Gründig (ed.): Hollis Frampton: ADSVMVS ABSVMVS, in memory of Hollis William Frampton, Sr., 1913–1980, abest, Essen 2021.
● Steffen Siegel: Wie wird man Fotograf? Timm Rauterts Jahre an der Folkwangschule Essen. In: Timm Rautert und die Leben der Fotografie, Göttingen 2021, pp. 18–24.
● Elisabeth Neudörfl: Photographer's Dilemma: »Good« Photography vs. »Good« Architecture. In: Candide. Journal for Architectural Knowledge No. 12 (2021), pp. 173–190.
● Matthias Gründig: Das Atelier als Goldmühle. Zur Porträt-Photographie des 19. Jahrhunderts als Dispositiv. In: Eckhard Leuschner (ed.): Der Photopionier Carl Albert Dauthendey. Zur Frühzeit der Photographie in Deutschland und Russland, Petersberg 2021, pp. 39–48.
● Steffen Siegel: Der Photograph. Ursprünge eines Berufsbilds um 1840. In: Eckhard Leuschner (ed.): Der Photopionier Carl Albert Dauthendey. Zur Frühzeit der Photographie in Deutschland und Russland, Petersberg 2021, pp. 28–37.

 

Soeben erschienen: »In Limbo«

Soeben ist im epodium Verlag München das Buch »In Limbo. Zum Verhältnis von Fotografie und Tanz« erschienen. Herausgebeben wurde es von Andreas Backoefer, Claudia Jeschke und Christopher Muller. Es ist das Ergebnis der künstlerischen Kollaboration von Laura Pecoroni und Oliver Heise, beide Studierende des Masterstudiengangs Photography Studies and Practice.

Eine Fotografie rahmt einen Moment und hebt ihn aus dem Fluss von Raum und Zeit heraus. Tanz hingegen entsteht in der Abfolge von Bewegungen, in Übergängen, Relationen und Rhythmen. Tanz ist flüchtig, während Fotografie festhält. Aus dieser Spannung entwickelt sich das Projekt, das Fotografie nicht als Illustration von Tanz versteht, sondern als eigenständige Form, Bewegung sichtbar zu machen. Initiiert von LIMBO Arts im Frühjahr 2024 entstand über eineinhalb Jahre hinweg ein intensiver künstlerischer Austausch. Aus diesem Dialog entwickelte sich die Zusammenarbeit von Laura Pecoroni und Oliver Heise. Ihre Ansätze erwiesen sich als komplementär – und ließen ein Projekt entstehen, das Fotografie und Tanz neu ins Verhältnis setzt: als Spur, Fragment und Übersetzung.

Ausführliche Informationen zur Publikation finden sich hier.

 

Criticism

Christophe Boltanski: Das Versteck

Am 14. Juli 2021 ist in Paris der französische Künstler Christian Boltanski im Alter von 76 Jahren gestorben. Mit seinem Werk hat er auf sehr eigene Weise nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit der Fotografie geprägt: indem er ihre Möglichkeiten und Grenzen auslotete und ihre An- wie Abwesenheit thematisierte. Bereits vor einigen Jahren erschien zuerst 2015 auf Französisch und schließlich 2017 in deutscher Übersetzung bei Hanser ein Buch von Boltanskis Neffen Christophe. Es handelt sich um eine autobiografische Erkundung der Familie, und natürlich spielt auch der Onkel, der gerade dabei ist, berühmt zu werden, eine wichtige Rolle. In unserer Facebook-Gruppe »Photography Studies Radar« hat Steffen Siegel diesem Buch im September 2017 eine kurze Besprechung gewidmet. Anlässlich des Todes von Christian Boltanski soll sie hier noch einmal aufgegriffen werden. Die Empfehlung ist unverändert aktuell: Die Lektüre lohnt sich sehr!

Christophe Boltanski macht sich in Frankreich seit vielen Jahren vor allem als Kriegsreporter einen Namen. Auch sein bislang meistgelesener Text, das Buch »La cache«, war in gewissem Sinn eine Reportage. Vor zwei Jahren auf Französisch erschienen, ist es nun auch in deutscher Übersetzung erhältlich. Zimmer für Zimmer tastet sich Boltanski durch seine persönlichen Erinnerungen an jenes Haus im vornehmen 7. Pariser Arrondissement, in dem seine Großeltern für ein halbes Jahrhundert lebten. Doch gerade das, was spätestens seit Roland Barthes’ »La chambre claire« zur Grundausstattung jedes Erinnerungsbuchs zu gehören scheint, bleibt Boltanski unerreichbar: Fotografien. Denn in dem von seinen Großeltern beherrschten Familienlieben spielten diese Bilder ganz ausdrücklich keine Rolle. Dem Versuch, seine Urgroßmutter zu beschreiben, schickt Boltanski die Bemerkung vorweg: »Ich weiß nicht, wie sie ausgesehen hat. Ich kann mich auf kein Familienalbum stützen, nicht ein einziges sepiafarbenes Porträt wurde liebevoll im Holzrahmen aufbewahrt. In der Rue-de-Grenelle sind Fotografien verpönt, denn sie zeigen, was nicht mehr ist. Das Wenige, was ich weiß, habe ich von meinem Vater und meinen Onkeln.« Kein Bilderverbot also, immerhin aber ein Bilderverzicht scheint in diesem großelterlichen Haus geherrscht zu haben. Das ist bemerkenswert, denn die von Boltanski angesprochenen Auskunftsgeber haben auf je sehr eigene Weise an der Fotogeschichte des späteren 20. Jahrhunderts mitgeschrieben: Der Soziologe Luc Boltanski, Vater des Autors, trat bereits ganz zu Beginn seiner Karriere als Ko-Autor zu einem von Pierre Bourdieu herausgegebenen Buch auf. Lange schon ist es ein Klassiker der Bildsoziologie: »Un art moyen. Essai sur les usages sociaux de la photographie« von 1965 (in deutscher Übersetzung: »Eine illegitime Kunst. Die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie«). Und wie eigentlich sähe das künstlerische Werk von Christian Boltanski, Onkel des Autors, aus, wenn es keine Fotografie gäbe? Ist dieses berühmt gewordene Oeuvre doch gerade dem Zeigen dessen verpflichtet, »was nicht mehr ist«.

Auf dem Titel der französischen wie der deutschen Ausgabe von »La cache« steht im Übrigen die verkaufsfördernde Gattungsbezeichnung »Roman«. Das muss man nicht all zu wörtlich nehmen – ganz und gar lesenswert ist dieses bemerkenswerte Buch in jedem Fall!

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?

Screenshot von Instagram am 2. Juni 2020.

Solidarisches Schweigen als visuelle Geste?
Eine ambivalente Erinnerung an den #blackouttuesday auf Instagram

von Jakob Schnetz

Politische Kämpfe sind längst auch Kämpfe in digitalen Räumen. Dabei wird der Gebrauch von Bildern als Mittel, Form und Katalysator von Protest und Solidarität immer wichtiger, wie Kerstin Schankweiler in ihrem Buch »Bildproteste« (2019) zeigt. Aber auch wenn solche Proteste mit und durch Bilder stets in größere gesellschaftliche und politische Kontexte eingebunden sind, stechen manche virtuellen Ereignisse besonders hervor. Erinnern wir uns an den »#blackouttuesday« auf der Plattform Instagram: Anstelle der üblicherweise um Aufmerksamkeit ringenden Beiträge blieb das Display am 2. Juni 2020 vermeintlich leer – mindestens dann, wenn wir schwarze Bildschirme mit Leere gleichsetzen. Fast die gesamte Timeline ist ein nur von Like-Angaben und Profilbildern gerahmtes, scheinbares ›Nichts‹, eine stetig wachsende Reihe aus gänzlich schwarzen Bildern, die an diesem Tag hunderttausendfach hochgeladen werden. Die Hashtags #blackouttuesday und #blacklivesmatter kontextualisieren sie vage als solidarischen Beitrag zum Tod des 46-Jährigen Schwarzen George Floyd, der eine Woche zuvor brutal von einem weißen Polizisten und seinen Kollegen ermordet wurde.

Unweigerlich löst der schreiend-stumme Newsfeed in mir das Gefühl aus, teilnehmen zu wollen und mich in meiner weißen Privilegiertheit mit den von Rassismus betroffenen Menschen zu solidarisieren. Doch dann regt sich ein Zweifel in mir: Was bedeutet hier eigentlich Solidarität? Und wie wird sie bildlich hergestellt? Die enorme Wirkung dieses simulierten Blackouts speist sich zunächst genau daraus: Einem kollektiven Moment des ›Schweigens‹ auf einer ansonsten zumeist individualistischen Selbstdarstellungsplattform – unterbrochen nur von den nun umso absurder und greller leuchtenden personalisierten Werbeanzeigen. Im virtuellen Raum der App muss Schweigen buchstäblich sichtbar werden und damit produzierter Content sein. Ein solches ›Nichts‹ zu posten ist etwas völlig Anderes als nichts zu posten und neben dem Liken und Teilen einzige Möglichkeit, die eigene Anwesenheit und damit Solidarität zu zeigen. Die Illusion der Leere ist also keine Abwesenheit digitaler Bilder, doch im Gegensatz zu anderen virtuellen Protesten spielen für diese Aktion fotografische Zeugenschaft und gängige Bildmuster keine Rolle. Das Ausgangsmotiv zur Herstellung der schwarzen Bilder scheint hier bedeutungslos und das Rätsel darum in einer verstörenden Weise bizarr: So sehe ich auf meinem Smartphone-Display vielleicht digital errechnetes Schwarz aus der Online-Bildsuche neben unterbelichteten Handyfotos aus Besenkammern und Kleiderschränken oder von Tischplatten und (weißen?) Fingerkuppen, die die Kameralinse bedecken – und die hier alle gleichfalls Solidarität bedeuten sollen.

Jene gewaltvollen Bilder von Floyds Tötung, die den Protest hier mitunter katalysierten, werden nun verweigert und so ein möglicher Trigger für Schwarze Menschen verhindert. Paradoxerweise bieten die schwarzen Bilder aber auch den Raum, sie mit den zuvor gesehenen Gewaltdarstellungen in der Fantasie zu füllen und womöglich dadurch noch zu verstärken. Trotz unterschiedlicher Bildformate erinnert die Verbannung des Figurativen auch an Kasimir Malewitschs vieldiskutiertes Gemälde »Schwarzes Quadrat« von 1915. Im Gegensatz zu den schwarzen Bildern hier bedeutet es zunächst einmal nur sich selbst; eine damals radikale Position. Ist es im Jahr 2020 nur eine konsumierbare und zahnlose Ästhetik einstiger Avantgarde? Es lässt sich nicht leugnen, dass die schwarzen Bilder in ihrer Menge – als Timeline – wirkungsvoll sind. Der #blackouttuesday wird so zu einem flüchtigen, ikonischen Ereignis und auch zu einer klugen Metapher: Die Unsichtbarkeit bei gleichzeitiger Hyper-Sichtbarkeit Schwarzer Menschen in einer strukturell rassistischen Gesellschaft. Gleichzeitig werden einige der Bilder, wohlwollend getagt mit #blacklivesmatter, problematisch für die gleichnamige Bewegung, da sie vorübergehend den wichtigen Kommunikationskanal überlagern und so das Gegenteil ihrer Absicht erzeugen –  wer den Hashtag abonniert hat, um informiert zu bleiben, bekommt plötzlich nur noch diese schwarzen Bilder angezeigt.

Es mag an meiner Filterblase und Eigendynamiken auf sozialen Netzwerken liegen, doch von der ursprünglichen Intention der Aktion erreicht mich in meinem Feed nichts: Die Schwarzen Musik-Managerinnen Brianna Agyemang und Jamila Thomas starteten den ›Blackout‹ zwar auch zum Gedenken der von Polizisten ermordeten Schwarzen George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery, aber eben nicht ausschließlich. Genauso wichtig war ihnen die Kritik an der Ausbeutung Schwarzer Musikkultur. So wirken die oft kontextlosen schwarzen Bilder wie eine diffuse Projektionsfläche für Solidarität, in der das initiale Anliegen verloren geht. Auch irritiert mich das gegenseitige Liken der Beiträge, wirkt es abseits der Sichtbarkeit, die es verstärkt, beinahe wie ein selbstvergewisserndes gegenseitiges Schulterklopfen. Nicht ohne Grund oft als »Clicktivism« oder von der Schwarzen Autorin Latham Thomas als »Optical Allyship« kritisiert, bleibt diese Form der Unterstützung – auch wenn sie von Herzen kommt – gerade aus einer weißen Perspektive nicht betroffener Betroffenheit konsumierbar und nur an der buchstäblichen Oberfläche. Frei von Opfer und Schmerz physischer politischer Kämpfe ist es ein kurzweiliges Verbündetsein, das Betroffenen keine Arbeit abnimmt. 

Allerdings muss ich dem Ereignis auch zugestehen, gerade aufgrund seiner unauflösbaren Ambivalenz in mir nachzuhallen. Im besten Falle schafft diese unhierarchische und durchaus eindrückliche Form des Protests wichtige Aufmerksamkeit und vielleicht auch eine Bewusstseinsaktivierung – doch kann sie nur Ausgangspunkt oder Zusatz sein, will sie nicht nur eine flüchtige und, so scheint es, auch selbstberuhigende Geste bleiben.

Jakob Schnetz studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Lea Bräuer und Paul Werling

Lea Bräuer: Der fragile Raum, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Paul Werling an Lea Bräuers Serie »Der fragile Raum«.

 

Das Jahr 2020 kann auf vielerlei Art und Weise beschrieben werden, eines ist es jedoch unbestritten: das Jahr des Digitalen. In unsere physische Privatheit gedrängt nahm die digitale Vermittlung von Information mehr Raum denn je ein. Zurückgeworfen auf uns selbst sahen wir uns genötigt Umgang zu finden mit existentieller Bedrohung und dem Aufbegehren schwelender politischer Konflikte. Und da seid ihr, fotografische Produkte aus eben dieser vollends digitalen Zeit, die ihr euch jedweder Digitalität verweigert. Ihr seid Fragment einer individuellen Auseinandersetzung mit den Krisen der Welt. Obgleich oder gerade weil ihr euch so vielem verwehrt, was den letzten Monaten maßgeblich war, seid ihr ein so wichtiger Bestandteil dieser Zeit. Die Zartheit eurer Stillleben bedeutet Opposition zur allgegenwärtigen Unruhe. Übersetzt in die Installation trägt sich dieser Kontrast in Form eines wabernden Synthesizer Noise Arrangements fort. Diesem zermürbenden Krach ausgesetzt finde ich Zuflucht in der Schönheit eures Innenraums.

Die Krisenhaftigkeit der letzten Monate wird noch lange nachhallen. Digital in unsere privaten Räume vermittelt wurden sie zu Orten, an denen sich räumliche Trennung zwischen verschiedenen Lebensaspekten auflöste und sich die Information der Welt komprimierte. Ihr als künstlerische Arbeit seid Teil eines Prozesses der temporären Entsagung, um mit der inneren Unruhe umzugehen. Abgewandt von der digitalen Information zeigt ihr die Zerbrechlichkeit einer individuellen Lebenswelt. Doch euch als Weltflucht hin zur reinen Ästhetik zu verstehen, wäre unrecht. Eure zeitweise Verweigerung neuer Information ist vielmehr Ausdruck der Auseinandersetzung mit bestehender. Die Zartheit eurer Erscheinung und die Zerbrechlichkeit des Raumes stehen im Kontrast der unbändigen Gewalt der Welt. In diesem Kontrast bezeugt ihr eine Selbstfindung, die die Vereinbarung der Pole in der Fragilität des künstlerischen Prozesses findet.

Stopover 20/21: Elena Kruglova und Özlem Arslan

Elena Kruglova: rocket sience, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Özlem Arslan an Elena Kruglovas Serie »rocket sience«.

 

Space Mission

Without knowing what awaits me, I come forward and behold what you have to offer me. At first sight, everything seems familiar; flowers wrapped in plastic, a car, and glasses. However, I cannot help but feel that there is something else that lays behind the objects my eyes reflect upon in you. You are photographs dealing with objects one encounters in everyday life. Nevertheless, there is something unconventional about those objects. The longer I look at you, the more I feel myself detaching from the physical world. Slowly but yet firmly, you lure me into another place. I can neither escape nor can I stop you. So, I let go and just let myself get carried away by you.

Like an astronaut hovering weightlessly in space, I am being drawn deeper and deeper by you till I reach a place in which everything I knew is different. As if they were erased the moment you were captured. While I am floating freely in space like an environment you have pulled me in, I am starting to search and to explore my surrounding. Some of what I find excites me and some of it scares me. I discover colors, reflections, and functions I have not seen or suspected before. You let me enter into a world where suddenly the known becomes unknown. What do I do with these new discoveries?

Abruptly, I find myself in a position comparable to the one of a scientist, trying to find logic in the chaos I am lost in. You make me doubt and you make me question. Then, eventually, you let me find meaning in my space discoveries and let me gain new insights. You offer me a new perspective. A perspective different from everything I have seen before.  

I find myself rediscovering the meaning of the known and the unknown. I come to realize that there is a fine line that stands between them which I had not or rather refused to recognize before. I witness the experience of sudden change which can be shocking on the one hand but intriguing on the other. I become aware of the dilemma of acceptance and the difficulty of adjustment. All of these insights only through the space mission I was taken to by you, the unconventional photographs of what I used to believe to be the familiar.

Shunk-Kender. Kunst durch die Kamera

Besprochen von Annekathrin Müller

Ist Fotografie von Kunst auch Kunst? Dieses Thema steht im Zentrum der aktuellen Ausstellung im Neubau der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig. Sie zeigt die Arbeiten des Künstlerduos Harry Shunk (1924–2006) und János Kender (1937–2009). Die minimalistische Präsentation korrespondiert mit der nüchternen Architektur des Ausstellungsraums und besteht hauptsächlich aus großen metallischen Schaukästen. Darin sind Abzüge analoger Schwarzweißfotografien montiert, deren Format an Arbeitsprints erinnert, auch einige Kontaktbögen befinden sich darunter. Das kuratorische Konzept zielt offenbar darauf ab, das Material frei von auratischer Aufladung erfahrbar zu machen. Das ist konsequent, fertigten Shunk-Kender ihre Arbeiten doch überwiegend zu Dokumentationszwecken an.

Die beiden Fotografen produzierten Bildmaterial für Galerien, Verlage und Presse sowie auch direkt im Auftrag der Künstler*innen. Dabei gewähren sie Einblicke in eine aufregende Phase der Kunst, die mit spektakulären Aktionen die Grenzen des eigenen Selbstverständnisses zu sprengen versuchte. Die Aufnahmen in der Ausstellung stammen aus den 1950er bis 1970er Jahren und sind überwiegend in den großen Kunstzentren Paris und New York entstanden. Zu den Abgebildeten zählen so prominente und erfolgreiche Künstler*innen wie Andy Warhol, Yves Klein, Robert Rauschenberg, Niki de Saint Phalle oder Christo. Sie werden bei der Arbeit an ihren Werken, bei Happenings oder auf Ausstellungseröffnungen gezeigt, häufig aber auch ganz privat in ihrem persönlichen Umfeld. Es ist den Porträts durchaus anzumerken, dass Shunk-Kender selbst Teil dieser Szene waren. Mit vielen der Fotografierten waren sie gut bekannt und begleiteten sie zum Teil sehr lange.

Die Arbeiten von Shunk-Kender sind jedoch auch als eigenständige künstlerische Bildwerke interessant, denn das Duo verstand es, fotografische Qualitäten – das Erfassen von Stofflichkeit, Mimik und Gestik oder das Spiel mit Licht und Schatten – gekonnt zum Einsatz zu bringen. Nach der Schenkung eines Teilkonvolutes an das Pariser Centre Pompidou im Jahr 2014 hingen die Bilder dort zunächst als Beiwerk in den Seitengängen der Ausstellungssäle, um über Leben und Wirken der »Nouveaux Réalistes« zu berichten, erzählte Florian Ebner, Leiter der Abteilung Fotografie am Centre Pompidou, als er durch die Leipziger Ausstellung führte. Die hier besprochene Präsentation gibt nun aber Gelegenheit, gezielt über Ästhetik, Wert und Aussagekraft des Bilderschatzes nachzudenken. Ein umfangreicher Katalog des Centre Pompidou, der im Zuge der Ausstellungsvorbereitung entstanden ist, bietet hierfür ebenfalls Anknüpfungsmöglichkeiten.

Durch die Neukontextualisierung des Materials wird auch auf die vielfältigen Gebrauchsweisen von Fotografie hingewiesen. In diesem Zusammenhang kann zum Beispiel kritisch hinterfragt werden, welcher Status der zweckgebundenen Auftragsfotografie zugesprochen wird, wie mit der Rolle von Fotografie als Dokumentationsmedium umzugehen ist und was hiervon ins Museum kommt. Die Diskurse dazu sind angestoßen, die Neuaufwertung von Archivmaterialien und die Wiederentdeckung vergessener Konvolute haben eingesetzt. Neben der posthumen Würdigung Harry Shunks und János Kenders ist es insbesondere dieser Aspekt, der die Ausstellung zu einem wichtigen Beitrag macht.

Die Ausstellung wurde vom Centre Pompidou Paris konzipiert sowie produziert und ist noch bis zum 6. Juni 2021 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig zu sehen. Kuratorinnen sind Chloé Goualc’h, Julie Jones und Stéphanie Rivoire, für die Präsentation in Leipzig ist Franciska Zólyom verantwortlich.

Annekathrin Müller ist seit 2020 Studentin im M.A. Photography Studies and Research.

Stopover 20/21: Rosa Lisa Rosenberg und Jakob Schnetz

Rosa Lisa Rosenberg: Half Asleep Not Far from Fading, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Jakob Schnetz an Rosa Lisa Rosenbergs Serie »Half Asleep Not Far from Fading«.

 

Gravitation ohne Masse

Bevor ich darum weiß, finde ich mich an einem Ort wieder, den ich bereits zu einem unbekannten Zeitpunkt kartographiert und typisiert habe. Da ist diese Reifenschaukel, ein metallisch lautloses Pendel. Ich wende den Kopf zur Seite: textiles Flimmern, Handtücher.

In euch treffe ich quasi-autarke Bewegungen an, selbstgenügsam und scheinbar enthoben von Ursächlichkeit. Allein mit einem fragilen Indiz auf poröser Spur hilft mir nur meine Spekulation. Das Triviale, womöglich Beliebige und vielleicht auch Wehmütige in der Assoziation weicht schnell einem hoffnungslosen Begehren: Gäbe es eine Gegenleistung für meine Aufmerksamkeit, die euch vermutlich ohnehin gleichgültig ist, löst ihr sie nicht mit Kausalität ein.

Es drängt mich, den Kopf zu heben, den weiteren Raum zu erfassen, welcher, so glaube ich, einmal um euch herum existierte, doch wie von einer eigenartigen Trägheit erschlichen bleibt das Sehfeld gesenkt und starr. Ich spüre Gravitation, mit dem so seltsam unbeteiligten Blick; gedämpft, wie Geräusche eines lebendigen Alltags, die man als Fiebernder durch das halb geöffnete Fenster wahrnimmt.

Eine Vorahnung sickert aus euch, eine hypnotische Schwere, die sich, wenn auch nicht ganz unbehaglich, um mich legt wie ein sperriger Mantel. Meine Erinnerungen verspinnen sich mit euren; doch eure sind erzwungen und vieldeutig, meine schwer zu ergründen. Wenn ich erwache, begleitet ihr mich noch, für einen kurzen Moment?

Stopover 20/21: Julia Tillmann und Laura Niederhoff

Julia Tillmann: Warum Wolken nicht vom Himmel fallen, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Laura Niederhoff an Julia Tillmanns Serie »Warum Wolken nicht vom Himmel fallen«.

Über den Verlust (1)

ZEIT

Ihr seid Fotografien, die von Verlust handeln. Davon, wie es ist, gehen zu müssen. Eure Ansichten in Schwarz-Weiß zeigen Momente des Flüchtigen, die sich in scheinbar Unscheinbarem vermitteln. Was bleibt nach dem Ende? Ein Knäuel Haare aus dem Abfluss einer Badewanne. Der zerbrochene Rahmen eines Stilllebens.

RAUM

Landschaften sind äußere Räume, die umschlagen können in Bewusstseinsräume. In Augenblicken von Traurigkeit ist es gerade die Schönheit des leeren Raumes, der die ehemals fest umrissenen Grenzen eines vergänglichen Ichs zu transzendieren vermag. Das bedeutet nicht, dass der Raum tatsächlich leer ist. Vielmehr ist er Spiegel des Ephemeren, was sich in der Oberflächentiefe von Gewässer, in der Konturlosigkeit des Himmels offenbart. Es sind solche Momente, in denen Gewissheiten von Raum und Zeit infrage gestellt werden.

ICH

Du weißt: Blau ist die Farbe der Sehnsucht. Blau steht für Konzepte der Ferne und Freiheit. In der Metaphysik der Romantik bezeichnete die blaue Blume die Suche nach der Erkenntnis des Selbst, aber auch den Versuch, das Unbegreifliche des menschlichen Lebens dingfest zu machen. Dingfestigkeit aber ist in den Zyanotypien, die du betrachtest, nicht zu ermitteln. Unfassbares schon. Auf den ehemals lichtempfindlichen Papieren machst du die Umrisse geisterhafter Gestalten aus, Schatten gleich, die sich im Moment ihrer Belichtung bereits wieder aufzulösen scheinen. Du stellst dir vor, dass die Zyanotypien im gleißenden Licht des Sommers entstanden sind – eines unwirklichen Sommers, der im kalkulierten Kontrollverlust der Chemigramme eingeschrieben ist.

POESIE DER FOTOGRAFIE

Was haben Lyrik und Fotografie gemeinsam? Kann es fotografische Gedichte geben? Du sagst ja. Denn Lyrik ist bildhafte Sprache. Die Fotografie wiederum nutzt den Effekt scheinbarer Realitätstreue, um Wirklichkeit zu schaffen und Beziehungen zu stiften. (2) Motive der Lyrik, die als Repräsentation von Zuständen in der Fotografie transportiert werden, bilden eine hybride Erzählstruktur, deren disparate Zeitlichkeiten Elemente einer vielschichtigen, expressiven Realität darstellen. Einer Realität, die stets von Neuem geschaffen und die immer wieder ergründet werden muss.

 

(1) Inspiriert von Marion Poschmann: Die Kunst der Überschreitung. In: dies.: Mondbetrachtung in mondloser Nacht, Berlin 2016, S. 135ff.
(2) Heinz Schmidt: Wie Bilder sprechen. In: ders.: Theologie und Ethik in Lernprozessen, Stuttgart 2003, S. 159ff.

Stopover 20/21: Samuel Solazzo und Isabelle Castera

Samuel Solazzo: Future Remnants of What Has Been, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Isabelle Castera an Samuel Solazzos Serie »Future Remnants of What Has Been«.

 

Aus einer letzten Datenbank der Natur

(Ein autopoietisches System erzählt…)

 

Auf der Suche nach den Resten des Sichtbaren
vergewissern wir uns über die Spuren der Zeit,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.(1)

Die Gesteinsschichten murmeln in Zwischentönen,(2)
raue Oberflächen absorbieren ein Echo im Raum,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Wuchernde Fotosynthesen aus Reproduktionen
überlagern sich zu neuen Sinnzusammenhängen,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Poröse Erinnerungen an eine materielle Welt,
gesammelt in einer letzten Datenbank der Natur,(3)
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Unablässig füllen wir Lücken mit Informationen,
gießen Inhalte in die Gefäße der Gedächtnisse,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

An Bruchstellen im Asphalt öffnen sich die Poren,
ein Riss zieht die Grenzen unserer Vorstellbarkeit,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

Wir sind die Entscheidung für eine Möglichkeit,
Ahnungen gehalten in einem Schwebezustand,
bevor alles um uns herum verschwunden ist.

 

(1) In Anlehnung an: Jean Baudrillard: Warum ist nicht alles verschwunden?, Berlin 2018.
(2) Inspiriert von: Michel Foucault: Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 1997, S. 43.
(3) Oliver Wendell Holmes: Das Stereoskop und der Stereograph. In: Wolfgang Kemp (Hg.): Theorie der Fotografie, Band 1, München 2006, S. 120.

Stopover 20/21: Silviu Guiman und Judith Böttger

Silviu Guiman: We Move Mountains, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Judith Böttger an Silviu Guimans Serie »We Move Mountains«.

 

Ihr seid wie das Gold

Ihr macht mir ein Angebot. Das Angebot, über eine Möglichkeit nachzudenken oder über eine  ganz andere. In der Möglichkeit, die sich mir eröffnet, seid ihr wie das Gold, das ihr zu zeigen behauptet.

Einige von euch lassen mich ein Stück Welt erkennen, ich kann euch verorten. Dann werde ich plötzlich wieder abgestoßen, mir fehlt die Referenz. Die physische Welt entzieht sich mir und entlässt mich in die Welt meiner Gedanken, in der ich euch eine mögliche Bedeutung zuschreibe. Denn eure Bedeutung, euer Wert ergibt sich erst in meiner Betrachtung, wenn ich euch mir aneigne. Ohne meinen Blick seid ihr nichts. Ihr seid wie das Gold.

Was ihr bedeutet, liegt nicht in euch. Euer Wert wird euch auferlegt. So sicher ihr euch meiner Bewunderung heute sein könnt, so ungewiss ist mein Beifall morgen. Denn ich werde mehr sehen, anderes sehen, vielleicht Besseres. Und dann verschiebt sich, was ihr seid und jemals sein könnt. Ihr seid wie das Gold.

Ich sehe keine Menschen, doch letztlich seid ihr von Menschen gemacht, für Menschen gemacht. Ich kann euch fragen, was ihr wollt. Doch eigentlich fragt ihr mich, was ich will. Es geht um mich. Ich bediene mich eurer und ihr bedient euch der Welt, um mir zu geben, was ich von euch erhoffe. Natur wird ausgebeutet, um den Durst des menschlichen Blicks zu stillen. Ihr seid wie das Gold.

Ich suche ein Stück Wahrheit in euch, eingebettet in kalten Stein. Ich muss sie freilegen, begegne auf dem Weg Behauptungen des Seins und Motiven, die sich meiner Erkenntnis verweigern. Was ich am Ende finden will, muss sich absetzen von all dem Staub, den ich beiseiteschiebe, muss die Arbeit wert sein. Ihr seid wie das Gold.

Stopover 20/21: Rebecca Racine Ramershoven und Jakob Schnetz

Rebecca Racine Ramershoven: How much time do you want?, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Jakob Schnetz an Rebecca Racine Ramershovens Serie »How much time do you want?«.

 

Das tastende Auge

Mit der Gewissheit des unangreifbaren Betrachters trete ich vor euch, die bewegten visuellen Parzellen.

Wo beginne ich zu sehen? Oder habe ich mich bereits entschieden, angezogen von der Eindeutigkeit der Gewalt der Schläge, die mich erhaben machen; ist es die aufreizende, geschmeidige, so bestimmte Bewegung des Fingers, die mich affiziert, das naive Grinsen, das zum Belächeln einlädt? Ohne die meisten der Filme in Gänze gesehen zu haben, kenne ich euch, die entnommenen Bilder; ich kenne diese Gesten, die Mimik, die Motive, zumindest glaube ich das. Noch fühle ich mich sicher, denn ihr seid nur Bilder, flüchtiger Code, eine Abfolge dezidierter mathematischer Befehle.

Ihr scheint Sinnlichkeit zu begehren, eine nuancierte Palette an Taktilität, und in eurem körperlosen Dasein macht ihr den Körper doppelt zum Thema. Diese Aufladung des Sinnlichen scheint durch eine digitale Körperlosigkeit noch verstärkt. Sichtbar ist die Haut, Schwarze Haut. An sie geknüpfte Gesten verheißen hier ungebremstes Gieren, kraftvolle Erotik, nahezu sadistische, affektierte Gewalt, übertrieben kindliche Komik, unterwürfiges Glück: eine Ansammlung widersprüchlicher Projektionen, die zugleich Angst und Anziehung erzeugt und sie in der vermeintlichen Evidenz von Haut fixiert (siehe Fanon, Frantz: Die erlebte Erfahrung eines Schwarzen. In: Dorothee Kimmich, Stephanie Lovarno, Franziska Bergmann (Hg.): Was ist Rassismus? Kritische Texte, Stuttgart 2016, S.129–144, hier S.136).

Wirkmächtige Stereotype, in Endlos. Die sichtbaren, körperlosen Körper sind des Menschlichen beraubt. Gefangen in der Wiederholung, lässt mich eure Endlosigkeit stocken, ich halte es kaum mehr aus. Noch bin ich voller Hoffnung, dass sich etwas ändert.

Das tut es nicht: Ich bin nervös. Ihr seid es auch.

Auch eure Sprachlosigkeit gibt mir keinen Halt, keine Ablenkung. Diese eure Stummheit wird nur von jenem eigentümlichen Knistern überlagert, das mich desorientiert. Aus rauschender Stille sprechen mich plötzlich die Stimmen von James Baldwin, Miriam Makeba, Audré Lorde und Toni Morrison direkt an, mich als Weißen - und lassen mich befremdet und zweifelnd zurück.

Kurz spüre ich eine unmittelbare Abwehrhaltung gegen Didaktik im Künstlerischen. Doch ist sie hier nicht eine Strategie der Verweigerung, die vor allem zeigt, wie sehr sie trifft? Steckt hinter der Didaktik nicht eine tiefe Müdigkeit und Wut, die mich angeht, eine schmerzvolle Leerstelle in mir?

Stopover 20/21: Xiaole Ju und Laura Niederhoff

Xiaole Ju: UTC +2 & 1 Essen NRW, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Laura Niederhoff an Xiaole Jus Serie »UTC +2 & 1 Essen NRW«.

 

Hallo,
kennen wir uns? Haben wir uns nicht schon mal getroffen? Dort drüben am Hauptbahnhof bin ich jedenfalls oft umgestiegen auf meinem Weg von Rüttenscheid nach Zollverein. Da müssen wir uns über den Weg gelaufen sein. Ja, genau da! Essen, das führst du mir wieder vor Augen, war erst Liebe auf den zweiten Blick. Daran erinnere ich mich noch genau: Graue Straßen. Grauer Himmel. Aber dann: das UNESCO-Welterbe Zeche Zollverein, wo das Quartier Nord der Folkwang Universität liegt. Oder die Rüttenscheider Straße, genannt Rü, mit ihren vielen Cafés, Bars und Imbissständen. In der Nähe das Folkwang Museum, die Philharmonie, das Aalto-Theater. Weiter im Süden noch liegen der Baldeneysee und die berühmte Villa Hügel. Aber ja, ich weiß! Das ist nicht das, was du mich sehen lassen willst. Du lenkst meinen Blick weg von den Klischees, weg von der Industrieromantik hin zum Alltag dieser Stadt. Auf die Bahnhöfe, die rot-weißen Straßenschilder und die unzähligen Kreisverkehre, die typisch sind für Essen. Und für deutsche Städte im Allgemeinen. Apropros Bahnhöfe: War es nicht Marc Augé, der in seinem Buch »Nicht-Orte« auf die flüchtige Raumkonstitution der Übermoderne verwies? »Paradoxon des Nicht-Ortes: Der Fremde, der sich in einem Land verirrt, das er nicht kennt (der ›durchreisende‹ Fremde), findet sich dort ausschließlich in der Anonymität der Autobahnen, Tankstellen, Einkaufszentren und Hotelketten wieder.« Manchmal habe ich mich verlaufen in der Stadt. Ich habe gehofft, dass sich unsere Wege kreuzen. Dann hätte ich dich angesprochen: Hallo, kennen wir uns?
Ortlose Grüße
Laura Niederhoff

Stopover 20/21: Florian Fäth und Paul Werling

Florian Fäth: Einheitsbrei, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Paul Werling an Florian Fäths Serie »Einheitsbrei«.

 

Mein Blick schweift durch die Innenstadt. Gleichheit und Austauschbarkeit der Fassaden füllen mein Blickfeld. Es ist eine konsumoptimierte Umwelt voller Fremdheit, Individualität kaum mehr als ein grelles Kaufversprechen ökonomischer Giganten. Ob ihr als fotografisches Kollektiv eine oder mehrere Städte abbildet, kann ich nur aufgrund eures Titels mit Sicherheit sagen. Ihr verschwimmt zu einem Wimmelbild kultureller Uniformität, das individuelle Referenz unbedeutend erscheinen lässt. Aber ist diese Uniformität letztlich nicht nur eine nachträglich konstruierte? Hebe ich meinen Blick über die Fassade des Erdgeschosses, so erkenne ich, wie viele der ursprünglichen Architekturen mit Scheinfassaden überzogen wurden. Die architektonische Einheit ist eine des Untergeschosses. Eure fotografische Verdichtung bestärkt diesen Eindruck. In dieser seriellen Punktierung führt ihr uns die kapitalistisch motivierte Einebnung ortsspezifischer Charakteristika deutlich vor Augen. Kann dies Sinnbild einer gelungenen Wiedervereinigung sein?

30 Jahre sind nun vergangen seit dem Tag der deutschen Wiedervereinigung. Die großen Reden von Einigkeit, Annäherung und Ebenbürtigkeit klingen bis heute nach. Bilder euphorischer Menschenmassen an der gefallenen Mauer und Festivitäten auf den Straßen der damals frisch geeinten Republik haben sich in unser kollektives Bildgedächtnis eingeschrieben. Heute müssen sie sich an einer Realität messen, die noch immer an den einstigen Versprechen hadert. Nach wie vor erinnern Unterschiede in Wohlstand, Ansehen, Sichtbarkeit und Repräsentation an die einstige Trennung. Doch dokumentiert ihr nicht Gegenteiliges? Ihr vermittelt ein Bild deutscher Innenstädte, die sich aufgrund ihrer Ähnlichkeit nicht verorten lasen. Ob ich eine Ladenfront aus Halle oder Darmstadt betrachte, vermag ich nicht zu sagen. Insofern sehen wir Bilder von Urbanität eines zumindest kapitalistisch vereinheitlichten Deutschlands. Eure Dokumentation dieser Angleichung entbehrt jedoch nicht der Kritik selbiger.

Die Wiedervereinigung war die Annäherung zweier ungleicher Staaten. Notwendigerweise war der Prozess geprägt von Entsagung und Kompromiss, doch als ebenbürtig kann diese Annäherung nur bedingt gelesen werden. In erster Linie waren es die neuen Bundesländer, die dem Alten entsagten und sich einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung unterordneten. In der Folge wurde ostdeutsche Kultur zusehends aberkannt und verwestlicht, die Wirtschaft in westdeutsche Hände privatisiert und die neue deutsche Einheit kompromisslos kapitalistisch geprägt. Ostdeutsche Marken verschwanden von der Bildfläche, der Einzelhandel wurde von Handelsketten überrollt und es dauerte nur wenige Jahre, bis die Innenstädte der kulturellen Uniformität angepasst waren. Der Kapitalismus ist in seiner Natur ein Prozess der Einverleibung, die Wiedervereinigung seine Bühne, eure Existenz die kritische Beglaubigung dessen.  

Stopover 20/21: Anne-Christine Stroje und Özlem Arslan

Anne-Christine Stroje: Der Geruch von Sommerregen, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Özlem Arslan an Anne-Christine Strojes Serie »Der Geruch von Sommerregen«.

 

Where and Who

Where are you from? – A question one is being often asked when meeting someone new. Actually, it is not the origin one is being asked to reveal by this question, but rather one’s identity. So, the conversation deepens, one question leads to another, and time flies without realizing it. Such conversations can set different emotions and feelings, such as unity, familiarity, and even magic.

Today, I met you and experienced all of that. You are photographs depicting nature and man-made, day and night, past and present, and most importantly, colors. Latter attracted my attention the most. I recognize the color blue, different kinds of greens, orange, and many others. The sky, the trees, the plants, the grass, the sand all reveal their true colors to me. Their honesty allows me to feel and to imagine their smell. I imagine myself being there, reliving what I believe to see.

Though, there is one color carrying itself through nearly all of you which reveals much more than any other color to me: the color blue. Blue is the color of the sky and the ocean. The color associated with stability, serenity, and wisdom. Through this color, I get to know the people returning my gaze in some of you. I find out about the value of man-made. Just like the glasses depicted in one of you. They are fragile, but yet present and significant. 

In between all of your colorfulness, there is also a part of you whose colors have faded. Looking at this part of you, in which you let the objects come forward, you unveil a glance at the past, to me. The past is a distant memory. It leaves traces within and is formative. It lets me feel nostalgic and takes me to a state of thoughtfulness.

You reveal a world to me. A world shaped by memories, people, and realities. You let me explore the roots, discover an essence and touch a soul. You give a new meaning to the expressions ›where‹ and ›who‹. So, there is nothing left to say for me other than I am pleased to meet each and every one of you!

Stopover 20/21: Amy Haghebaert und Isabelle Castera

Amy Haghebaert: They will be seen drifting above the clouds, all our blameless, childish hopes, 2020.

»Stopover« – einmal jährlich stellen unter diesem programmatischen Titel die Studierenden im M.A. Photography Studies and Practice ihre aktuellen Arbeiten im UG des Museum Folkwang aus. In Form eines Zwischenstops sollen Einblicke gewährt und soll zu einer Diskussion eingeladen werden. Im Katalog finden sich neben den fotografischen Werken auch kurze Texte, die direkt an die Bilder adressiert sind. Verfasst wurden sie von den Studierenden des M.A. Photography Studies and Research. Hier schreibt Isabelle Castera an Amy Haghebaerts Serie »They will be seen drifting above the clouds, all our blameless, childish hopes«.

 

Im freien Fall

Ich vernehme den Wind, atme die würzige Waldluft kurz nach dem Regen ein und höre einige Vögel am Himmel an uns vorbeiziehen. Der Blick auf den Horizont lässt mich über die Möglichkeiten unseres Daseins nachdenken. Du hast mir einmal von Magrittes Pfeife erzählt, ich glaube, ich kann dich nun besser verstehen. Ich erkenne, dass unser Leben eine Kippfigur ist. Wir verlieren den Halt. Die Wirklichkeit spaltet sich unter uns auf und wir stürzen in die dort aufklaffenden Risse hinab. Im freien Fall ziehen die Erinnerungen an uns vorüber (Søren Kierkegaard: Der Begriff der AngstStuttgart 1992, S. 72). Hier sind wir, eingeklammert zwischen der inneren Unbeweglichkeit und dem Wunsch nach Veränderung. Wird sich das Blatt noch einmal wenden oder verraten wir uns, wenn wir dabei sind, den Sinn in eine andere Richtung umzukehren? (Siehe Michel Foucault: Dies ist keine Pfeife, München 1974.) Mir ist, als würden wir selbst in feine Partikel zermahlen werden. Zeit und Raum scheinen jetzt relativ zu sein. 

Die Tür unseres Gartenhauses steht gerade weit geöffnet, sollen wir zusammen über die Schwelle gehen? Von nun an lasse ich den Würfel für uns entscheiden.

Reinhard Matz, Wolfgang Vollmer: Köln von Anfang an

Besprochen von Steffen Siegel

Jedes Jahr am 6. Januar muss ich an eine kleine Begegnung im Kölner Dom denken. Es wird fünfzehn oder noch mehr Jahre her sein, dass ich dort in eine Gruppe spanischer Touristen geriet. Sie führten, Kirchenraum hin oder her, eine ziemlich heftige Diskussion und waren sich offenbar uneinig darüber, ob in jenem goldenen Schrein vor uns nun wirklich die Reliquien der Heiligen Drei Könige liegen oder aber nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine besonders kluge Idee war, ausgerechnet mich um Aufklärung in dieser Sache zu bitten. Jedenfalls war ich überrumpelt genug, um wenig überzeugend »na das wird schon so sein« zu stammeln. Wer weiß, vielleicht denkt ja gerade heute, am Dreikönigstag, in Spanien der eine oder die andere an die gemeinsame Köln-Reise zurück?

Seit dem Jahr 1164 befinden sich die Reliquien am Rhein, und selbstverständlich gehört der prachtvolle, wenige Jahrzehnte später entstandene Schrein zu jenen Objekten, mit deren Hilfe Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer fast zweitausend Jahre Stadtgeschichte erzählen. Ihr gerade eben erschienenes Buch »Köln von Anfang an« ist bereits der vierte Band – und doch zugleich der erste. Vor allem aber ist er eine Überraschung. Denn mit den drei Teilen »Köln vor dem Krieg«, »Köln und der Krieg« sowie »Köln nach dem Krieg«, die zwischen 2012 und 2016 erschienen waren, konnte diese Reihe eigentlich als abgeschlossen gelten. Matz und Vollmer hatten die drei Bände jeweils als ein reich kommentiertes stadtgeschichtliches Fotoalbum angelegt. Für die Zeit vor dem Jahr 1880 aber, mit dem sie »Köln vor dem Krieg« einsetzen ließen, ist die fotografische Überlieferung eher überschaubar; und ohnehin kann sie nicht weiter als in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückreichen.

Mit dem nun publizierten Auftaktband musste also zwangsläufig das ursprünglich angelegte Editionsprinzip verlassen werden. Und doch handelt es sich bei »Köln von Anfang an« um einen Bildband, der mit ganzer Kraft die Möglichkeiten der Fotografie ausspielt. Der Grund hierfür steht zum einen auf dem Titelblatt und dann wieder auf den Seiten 387 und 388, wo sich die Bildnachweise befinden. Zwar treten mit Reinhard Matz und Wolfgang Vollmer bei dieser Buchreihe zwei Autoren in Erscheinung, die als Publizisten und Kuratoren, Hochschullehrer und Kritiker arbeiten. Doch sollten sie – trotz der Vielfalt ihrer professioneller Rollen – wohl zuallererst als Fotografen angesprochen werden. »Köln von Anfang an« blättert die überreiche Stadtgeschichte anhand hunderter Quellen auf; und zu einem bemerkenswert großen Teil wurden diese Objekte von Matz und Vollmer fotografisch interpretiert. Was genau dies heißen kann, lässt sich zum Beispiel an Detailaufnahmen des Chorgestühls aus dem Kölner Dom wunderbar beobachten.

Im Medium des Fotobuchs werden Stadtgeschichten schon seit wenigstens einem Jahrhundert erzählt. Blickt man auf unsere eigene Zeit, ist wohl vor allem die Buchserie »Images of America« beispielgebend geworden. Aktuell vertreibt der Verlag Arcadia Publishing in dieser erst vor zwei Jahrzehnten gegründeten Reihe nicht weniger als 8.145 Titel! Was hier auf stets 128 Seiten als eine Art Best-of lokaler Stadt- und Zeitungsarchive geboten wird, hat allerdings wenig zu tun mit jener editorischen Sorgfalt und historiografischen Sachkenntnis, mit der Matz und Vollmer ihre vier Köln-Bücher eingerichtet haben. Neben den bestechend gut gedruckten Fotografien betrifft dies nicht zuletzt die Texte: detaillierte Bildunterschriften sowie, im Fall des nun erschienenen Bandes von Tacitus bis Johanna Schopenhauer, Auszüge aus stadtgeschichtlich interessanten Quellen. Ganz besonders lesenswert sind aber vor allem launige Miniaturen, in denen Reinhard Matz die einzelnen Epochen schlaglichtartig erzählt und dabei lakonisch kommentiert.

Wer es übrigens noch genauer, dann aber auch wirklich ausführlicher wissen will, der sollte zu jener »Geschichte der Stadt Köln« greifen, die seit 2004 im selben Verlag erscheint und nach Abschluss einmal ganze dreizehn Teile umfassen soll. Ihr dritter Band zu »Köln im Hochmittelalter« ist bereits vor vier Jahren herausgekommen; und dort ließe sich dann auch die Geschichte zu den Reliquien der Heiligen Drei Könige, zu König Barbarossa und dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel ganz genau nachlesen.

Reinhard Matz, Wolfgang Vollmer: Köln von Anfang an. Leben, Kultur, Stadt bis 1880, Köln (Greven) 2020. 392 Seiten, 402 Farbabbildungen, 24 × 29 cm, Leinen mit Schutzumschlag, ISBN: 978-3-7743-0923-4.

»Und so etwas steht in Gelsenkirchen«

Besprochen von Steffen Siegel

Neben so vielem anderen wird 2020 als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem man sich besser beeilt hat, soeben eröffnete Ausstellungen anzusehen. Andernfalls riskiert(e) man, vor verschlossenen Museumstüren zu stehen. Eine dieser vor der Zeit geschlossenen Ausstellungen ist »›Und so etwas steht in Gelsenkirchen…‹. Kulturbauten im Ruhrgebiet nach 1950«. Derzeit wäre sie eigentlich noch im Museum Folkwang zu sehen. Zehn Jahre nach Eröffnung von David Chipperfields Erweiterungsbau an der Essener Bismarckstraße wollte und will diese Ausstellung den kaum vergleichbaren Reichtum von Kulturbauten in den Blick nehmen, der sich auf dem geografisch so engen Raum des Ruhrgebiets als ein architektonisches und städtebauliches Ereignis erfahren lässt. Spreche ich aber vom Museum Folkwang an der Bismarckstraße, so beziehe ich mich unter der Hand bereits auf unsere eigene Gegenwart. Denn das Museum konnte man im Lauf von fast einhundert Jahren schon von allen Himmelsrichtungen aus betreten – Kulturbauten sind Architekturen im fortlaufenden Wandel.

Wer es genauer wissen will, sollte nach Dortmund ins Baukunstarchiv NRW fahren. Seit 2018 sitzt diese dem architekturgeschichtlichen Gedächtnis des Bundeslandes verpflichtete Institution im einstigen Museum am Ostwall (noch so ein fortlaufender Wandel). Aber auch dort sind derzeit natürlich die Türen verschlossen. Es bleibt derzeit nur ein Griff zu jenem Buch, das Hans-Ulrich Lechtreck, Wolfgang Sonne und Barbara Welzel herausgegeben haben – dessen Lektüre ist jedoch das Gegenteil einer Verlegenheitslösung. Es handelt sich um eine 400 Seiten starke Schatzkiste aus Bildern und Texten. In ihrem Zusammenspiel simulieren sie einen stöbernden Gang durchs Archiv: Es werden Archivboxen und Fotoalben geöffnet, Planschränke aufgezogen und Baupläne entrollt.

»Miniaturen« haben die Herausgeber*innen eine erste Gruppe von Texten genannt, in denen die Geschichte wichtiger Kulturbauten vorgestellt und die architektonischen Ideen diskutiert werden. Natürlich darf hier das »Musiktheater im Revier« nicht fehlen, immerhin bezieht sich der Buchtitel samt Yves-Klein-Blau auf diesen spektakulären, 1959 in Gelsenkirchen eröffneten Theaterneubau. Genauer betrachtet werden im Ganzen elf architektonische Meilensteine, darunter das Josef-Albers-Museum Quadrat in Bottrop, die Mercatorhalle in Duisburg (sie wurde vor wenigen Jahren abgerissen und durch ein CityPalais ersetzt, das genauso trist aussieht wie es heißt) oder das mit jahrzehntelanger Verspätung in den späten 1980er Jahren gebaute Aalto-Theater in Essen. Eine zweite Gruppe von Texten versammelt Essays – und diese lassen sich als eine exemplarisch am Ruhrgebiet entwickelte und brilliant zugespitzte Einführung in die Probleme von Architekturgeschichte, Bautypologie sowie Stadt- und Regionalentwicklung lesen.

Mit Blick auf verschiedene Neu- wie Umbauprojekte für Konzerthäuser im Ruhrgebiet wurde in jüngerer Zeit immer wieder kritisiert, dass die Städte des Ruhrgebiets in einen finanziell ruinösen Wettbewerb getreten sind, statt auf Kooperation und Aufgabenteilung zu setzen. Ganz falsch mag das nicht sein. Dennoch übersieht diese Kritik, welcher Reichtum in den zurückliegenden Jahrzehnten im Ruhrgebiet gerade deshalb entstanden ist – nicht allein architektonisch, sondern sehr viel mehr noch gesellschaftlich. Benannt ist damit die gar nicht so heimliche These des Buches: Wer Theater, Museen, Konzerthäuser oder Kinos baut, errichtet gesellschaftliche Mittelpunkte von dauerhaftem Wert. Zur Logik der »großen Stadt« zwischen Ruhr und Emscher gehört aber eben auch, dass es sich um eine polyzentrische Struktur handeln muss. Auf diese Weise existieren zum Beispiel im Ruhrgebiet nicht weniger als fünf Opernhäuser mit festem Ensemble (in Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Dortmund und Hagen) – das sind zwei mehr als in Berlin und drei mehr als in München.

Bereits vor zehn Jahren ist unter dem wunderbaren Titel »Auf den zweiten Blick. Architektur in der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen« ein (übrigens immer noch lieferbares) Buch erschienen (Mitherausgeber war auch seinerzeit schon Werner Sonne), das ich nicht allein liebe, sondern das ich spätestens seit meinem Wechsel an die Folkwang Universität und damit mitten ins Ruhrgebiet auch wie einen Reiseführer benutzt habe. Geografisch und thematisch fokussierter im Zuschnitt, aber vergleichbar opulent in Bild- wie Kommentarteil wird »Und so etwas steht in Gelsenkirchen…« etwas ganz Ähnliches leisten können. Und darf man sich, da ja Weihnachten vor der Tür steht, sogleich eine Fortsetzung wünschen? Das Museum Küppersmühle in Duisburg, direkt um die Ecke das Landesarchiv NRW, das Gasometer in Oberhausen, das Ruhr Museum auf der Zeche Zollverein in Essen, das Musikzentrum Bochum, das Theater Dortmund, der Erweiterungsbau im Osthaus Museum in Hagen, das LWL Museum für Archäologie in Herne – an bemerkenswerter Architektur wäre wirklich kein Mangel, auf den ersten wie auf den zweiten Blick.

Hans Jürgen Lechtreck, Wolfgang Sonne, Barbara Welzel (Hg.): »Und so etwas steht in Gelsenkirchen...« Kultur@Stadt_Bauten_Ruhr, Dortmund (Kettler) 2020. 400 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Klappenbroschur, 20 × 24 cm,  ISBN: 978-3-86206-835-7.

David Campany: On Photographs

Besprochen von Judith Böttger

Jede Forschungsdisziplin bildet im Lauf der Zeit ihren ganz eigenen Kanon aus. In der Literaturwissenschaft gehört Gérard Genettes »Die Erzählung« (1998) zur Pflichtlektüre, für die Fototheorie ist ein vergleichbarer Klassiker mit Sicherheit Susan Sontags »On Photography« (1977). In kritischer Absicht diskutierte Sontag in den sieben Essays dieses Buches die Fotografie als ein soziales und künstlerisches Phänomen. Dabei vergleicht sie zwar verschiedene fotografische Positionen, konkrete Bilder werden dabei jedoch eher gestreift.

Unübersehbar bezieht sich David Campany mit dem Titel seines in diesem Jahr erschienenen »On Photographs« auf Sontags Klassiker. Als Programmdirektor des International Center of Photography in New York ist Campany ein ausgewiesener Kenner der Fotografie, und erst jüngst war er Gastkurator der Biennale für aktuelle Fotografie in Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. In seinem neuen Buch versucht er, durchaus im Unterschied zu Sontag, den Bogen vom einzelnen Bild hin zur Fotografie im Allgemeinen zu spannen.

Die Konzeption des Buches überzeugt durch Stringenz: 120 Fotografien, 120 Texte. Man kann jede Doppelseite als ein individuelles Diptychon lesen, oder aber man begreift »On Photographs« als einen einzigen, umfassenden Essay. Anders gesagt: Man kann sich für eine Lektüre in gut verdaulichen Häppchen entscheiden oder durch ein kontinuierliches Lesen am Stück Querverbindungen herstellen. Dabei ist die Auswahl der Fotografien und der dahinterstehenden Fotograf*innen überraschend: Neben Klassikern (zum Beispiel Eugène Atget, Lee Friedlander, Vivian Maier, Henri Cartier-Bresson) greift Campany auch auf eher unbekannte Künstler*innen zurück. Die Reihenfolge seiner Bildbesprechungen folgt dabei keiner erkennbaren zeitlichen oder räumlichen Ordnung – als Leser*in wird man auf diese Weise angeregt, selbst assoziative Brücken zu schlagen. So fällt auf, dass in vier aufeinander folgenden Fotografien die Bewegung das Leitmotiv ist. Zur Sprache kommen hier Bilder von Eadward Muybridge, Frank and Lillian Gilbreth, Étienne-Jules Marey und John Baldessari.

Die essayistischen Texte, die Campany den Fotografien zur Seite stellt, sind gespickt mit (werk-)biografischen Anekdoten, historischen Bezügen und legen den Fokus darauf, wie über Fotografien nachgedacht werden kann. Häufig gelingt es Campany sehr gut, fototheoretische Bezüge herzustellen, beispielsweise wenn er über die vermeintliche Diskrepanz zwischen Betrachtungs- und Bildzeit (S. 52) oder über Autorschaft (S. 40) nachdenkt. An einigen Stellen bedient Campany jedoch Klischees, die ins Kitschige abzugleiten drohen: »A photograph is a trace, and so is a lipstick kiss, but what is a trace, exactly? It is a presence that marks an absence, and as such its meaning can never be exact.« (S. 100)

Bild und Text weisen bei Campany über sich hinaus und stehen in einem größeren diskursiven Kontext. Es ist zwar eine große Qualität des Buches, vom Spezifischen zum Allgemeinen zu verweisen, andererseits geht dadurch aber gerade das verloren, was »On Photographs« eigentlich von »On Photography« unterscheiden sollte: die methodische Konzentration auf die einzelne Fotografie. Einige Texte sind so biografisch, dass man bis zum letzten Satz warten muss, bis überhaupt auf das spezifische Bild Bezug genommen wird. »Café, Paris« (1959) von Saul Leiter wird im dazugehörigen Text noch nicht einmal erwähnt, hat also kaum mehr als illustrativen Charakter. David Campany bietet eine niedrigschwellige Erzählung zur Fotogeschichte, sie hätte aber durchaus auch »On Photographers« heißen können.

David Campany: On Photographs, London (Thames & Hudson) 2020. 264 Seiten, Hardcover, 22,3 × 18,1 cm, ISBN: 978-0-500-54506-5.

Judith Böttger studiert seit 2019 an der Folkwang Universität der Künste im M.A. Photography Studies and Research.

Svetlana Alpers: Walker Evans. Starting from Scratch

Reviewed by Paul Mellenthin

The year 2020 took off with promising news: Princeton University Press announced a new biography of Walker Evans (1903–1975) by Svetlana Alpers. As Professor Emerita of art history at the University of California, Berkeley, Alpers is well-known for her provoking work on Dutch painting. However, American photo history did not belong to her fields of expertise. Considering her past research, we would expect Alpers to tell us what is great––yes, emphatically »good« or »important«––about the pictures Evans took. In short, what makes them a work of art?

It is undoubtedly unprecedented to relate a sketchbook by Paul Cézanne to a negative strip or reckon Pieter Bruegel’s representation of Flemish peasants regarding Evans’ view of black American culture. In her characteristically idiosyncratic and associative way, Svetlana Alpers draws connections to various artistic traditions. However, more historic and strictly positive traditions are spotted as well: In 1926, Evans spent time in Paris, where he studied French nineteenth-century literature, namely Gustave Flaubert and Charles Baudelaire. A year later, after returning to New York, he discovered the work of Eugène Atget. The French photographer would become the most influential reference for Evans’s style and subject choice, his »idol.«

In her account, Alpers touches on the general problem of describing visual phenomena. And she offers a solution: arguing by analogy. For instance, by learning about Flaubert’s modern writing techniques, we are expected to understand how Evans accomplished invisibility as a photographer, how he managed to disappear and stay present all the same. His photographs characteristically develop a kind of visual imparfait: immediate, sober, and attentive to detail––or »literary, a way of telling, although not with words.« His passion for language is a recurrent theme throughout his career. Simply put, he loved to read and write.

As Alpers’ inquiry moves chronologically forward, a sense of consistency is apparent. In 1933, we join Evans, traveling to revolutionary Cuba. While staying with Ernest Hemingway, he did not take a single portrait. Instead, he watched the Cuban society from the bottom up: photographing men on the streets. When, in 1938, Evans famously published »American Photographs« with works he realized for the Farm Security Administration, or FSA, he turned his attention to the unrecognized. And again, years later, the same Evans took Polaroid photographs when riding the New York subways–– »Evans was, and is, interested in what any present time will look like as the past.« Alpers successfully deciphers this enigmatic statement making it a general formula to understand his approach. She argues that the border of past/present (and not high/low) challenged him.

The book does not tire of emphasizing the distinctiveness of what and how it has been photographed. Alpers is most convincing when she looks at Evans working as a photographer. Her account carefully pays attention to his changing equipment, and she links the printed images to his editing practice. We intimately follow his ways of developing an idea of something––Alpers refers to it as »Evans’ eye.« But is it the eye of an artist? »Perhaps,« resumes Alpers, »it is precisely the indefinability of photography––art or not art and what it is for––that gives its special grace.« Albeit this core question remains unanswered, the neatly edited catalog, comprising c. 150 plates, gives expression to what the volume achieves. It is an exercise in looking at photographs slowly, thus carefully; it is an exercise in developing an eye.

Svetlana Alpers: Walker Evans. Starting from Scratch, Princeton (Princeton University Press) 2020. 416 pages, 15 color and 170 black/white illustrations, 6.13 × 9.25 in. ISBN: 978-0-691-19587-2

Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen

Besprochen von Steffen Siegel

Martin Heidegger hat einmal eine Vorlesung über Aristoteles mit dem Satz eröffnet: »Aristoteles wurde geboren, arbeitete und starb.« Damit war alles gesagt, was es über die Biografie des antiken Philosophen zu berichten gab; allein das Werk sollte zählen. Es hat schon seinen guten Grund, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eher selten ihre Autobiografie schreiben. Sieht man einmal von endlosen Kommissionssitzungen ab, so mag aus der Innenperspektive das Leben am Schreibtisch und im Seminarraum ereignisreich und spannend erscheinen, aus der Außenperspektive muss das nicht wirklich so sein.

Wenn aber die Ethnologin Heike Behrend ihre Autobiografie vorlegt, ist das etwas anderes. Um es vorwegzunehmen: Ihr Buch »Menschwerdung eines Affen« ist ein begeisternde Lektüre. Dabei blickt die Wissenschaftlerin auf den fast 300 Seiten nicht auf ihre äußeren Lebensumstände zurück, die spielen sogar auf fast irritierende Weise gar keine Rolle. So wird etwa ihre Berufung auf eine Professur an der Kölner Universität ganz nebenbei in einer Fußnote erwähnt. Im Zentrum dieses Buches stehen vielmehr vier Forschungsprojekte, die sie im Lauf von gut vierzig Jahren verfolgt hat und die schließlich jeweils in Büchern gemündet sind. Besichtigt werden die sich stets über viele Jahre ausdehnenden Umstände ihrer Entstehung, ihre Voraussetzungen und Probleme.

Als Ethnologin ist Heike Behrend eine Spezialistin für den Osten Afrikas. Vor allem nach Kenia und Uganda ist sie dabei immer wieder zu Forschungsaufenthalten gereist und ist dabei bemerkenswert unterschiedlichen Interessen nachgegangen. In ihren Projekten ging es um Zeitvorstellungen und Geisterglauben, um (vermeintlichen) Kannibalismus und fotografische Praktiken. Vor allem aber ging es stets um mehr als eine ethnografische Perspektive auf »die Anderen«. Behrend formuliert in ihrem Buch eine eindrucksvolle Kritik an der eigenen akademischen Disziplin und auch an sich selbst. Oder positiv gewendet: Es ist ein Plädoyer dafür, die ethnografische Forschung als eine Interaktion zwischen gleichberechtigten Partnern ernst zu nehmen. Wer als Ethnograf*in in Afrika oder anderswo forscht, muss davon ausgehen, auch selbst ein Gegenstand der Forschung zu sein. Und immer schon trifft man auf die Spuren von ganz anderen »Anderen«: von jenen Forscher*innen, die bereits zuvor anwesend waren.

Wegweisende Bücher von Christopher Pinney, Elizabeth Edwards und nicht zuletzt von Heike Behrend haben bereits vor Jahren (und inzwischen Jahrzehnten) gezeigt, wie wesentlich Fotografie und Film für die ethnografische Forschung geworden sind – und zugleich wie abgründig dieser Mediengebrauch all zu oft gewesen ist. Es ist daher keineswegs eine Übertreibung, wenn man behauptet, dass die Ethnologie für eine an dekonstruktiver Kritik interessierte Fototheorie einen paradigmatischen Fall darstellt. Behrend legt in ihrem Buch den Akzent auf begangene Fehler und Irrwege, auf Missverständnisse und das Scheitern. All dies legt Differenzen frei, die weit über das Erkenntnisinteresse der Ethnologie hinausreichen, allemal in einer Zeit, in der wir endlich damit beginnen, das »Post« im Begriff des Postkolonialismus noch einmal kritisch zu befragen.

Eine kleine Warnung zum Schluss: Wer sich in besonderer Weise für die Rolle der Fotografie interessiert, sollte keineswegs nur das vierte Kapitel lesen, in dem Behrend über die Umstände ihres 2013 erschienenen Buches »Contesting Visibility« berichtet sowie über die an verschiedenen Orten gezeigte Ausstellung »Snap me one! Studiofotografen in Afrika«. Wer hier vorblättert, dem entgeht in diesem Buch ganz Wesentliches. Behrend hatte den zyklischen Zeitvorstellungen bei den Tugen im nordwestlichen Kenia ein ganzes Buch gewidmet: »Die Zeit geht krumme Wege«. Gar nicht so anders ist es mit ihrem Interesse an Fotografie und Film: Als ein zyklisch einsetzendes Leitmotiv kehren sie in ihren Forschungen immer wieder zurück.

Heike Behrend: Menschwerdung eines Affen. Eine Autobiografie der ethnografischen Forschung, Berlin (Matthes & Seitz) 2020. 280 Seiten, Hardcover, 14,5 × 22 cm, ISBN: 978-3-95757-955-3.

21 Briefe an die Fotografie

21 lettres à la photographie, Installationsansicht im Museum Folkwang Essen. Aufnahme: Jens Nober.

Besprochen von Maxie Fischer

Seit mehr als zehn Jahren erhalten 140 Personen im deutschsprachigen Raum, die im Ausstellungs-, Redaktions- und Verlagswesen tätig sind, in losen Abständen anonym verfasste Briefe. Das Museum Folkwang in Essen gibt eine erste Antwort und zeigte die Briefe nun als fotografisches Manifest. Jeder der versandten Briefe beinhaltet ein gefalztes Blatt Papier, dessen Vorder- und Rückseite eigene oder angeeignete Fotografien zeigt, gedruckt in einem gewöhnlichen Copyshop, verschickt in einem ebenso gewöhnlichen Briefumschlag aus Recyclingpapier im DIN Lang Format. Ein blauer Stempel benennt den Absender: 21.lettres.a.la.photographie@gmx.de.

Nun wird viel über die Autor*innenschaft spekuliert, aber geht dies nicht am eigentlichen Kern der Arbeit vorbei? Müsste die Frage nicht lauten: Was sehen wir in der Fotografie, wenn die Urheberschaft unbekannt ist und jede Kontextualisierung verwehrt wird? Zurückgeworfen auf das eigentliche Werk, wird der Zustand der zeitgenössischen Fotografie augenfällig. Wir spekulieren. Die Briefe sind ein Geflecht aus Referenzen, Metaphern, Aufforderungen und Verweigerungen. Doch was sehen wir eigentlich?

Brief #3 scheint die moralischen Grundfeste von Museumspolitik zu hinterfragen. Als Aufhänger dient die 26 Jahre währende Sponsoring-Vereinbarung zwischen dem Ölkonzern BP sowie der Tate Britain und der Tate Modern, dargestellt mit einer demonstrativen Zeigegeste auf ein Meeresbild und einer 24 Stunden Waschanlage des Unternehmens. Trotz Protesten und Debatten um die Tragfähigkeit dieser Zusammenarbeit, hielt die Tate an BP fest. Erst 2016, sieben Jahre nach dem Brief, beendete BP das Sponsoring. Die Fragen um die Machtstrukturen im Kunstbetrieb, Aufmerksamkeitsökonomien und faire Verdienstmöglichkeiten reißen indes nicht ab.

Ähnlich gesellschaftspolitisch und im Zeitgeschehen verankert wirkt Brief #9. In vier Teile zerrissen, wird auf dem wieder zusammengefügten Papier der Schriftzug Madame Curie“ lesbar. Ein Verweis auf Marie Curie, die mit ihrer Forschung zu Uranverbindungen das Unsichtbare sichtbar machte und dafür den Begriff der Radioaktivität prägte. Der Brief stammt von 2011, dem Jahr der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Der Fotografie hängt ebenso das Paradigma der Sichtbarkeit an, dafür steht auch der im Brief befindliche Schnipsel Fotopapier, der erst mit dem Öffnen des Briefes belichtet wird. Doch wie hat die Fotografie auf die Unfallserie in dem Kernkraftwerk reagiert? Was hat sie sichtbar gemacht?

Das unverhüllte weibliche Geschlecht in Brief #14 erinnert gleichermaßen an Gustave Courbets Ölgemälde »Ursprung der Welt« und Man Rays fotografische Geschlechterstudien. Doch handelt es sich um ein vielfach zitiertes Motiv der Kunstgeschichte, Pornografie oder die unverstellte Betrachtung einer Vulva? Der letzte Brief wurde 2019 versandt. Er zeigt ein Shirt, auf Höhe des Herzens liegt ein Gehirn. Ein Kommentar auf die menschenverachtenden Zustände in der Textilindustrie? 

Mit der Ausstellung »21.lettres.a.la.photographie@gmx.de« machte das Museum Folkwang die Briefe erstmals öffentlich. Sie waren bisher ausschließlich an Personen adressiert, die mit Fotografie arbeiten, Kunst schaffen, Ausstellungen kuratieren, Zeitungen, Zeitschriften und Bücher füllen. Ganz im Verständnis der Mail Art stehen die Beziehung zwischen Personen und ihrem Handeln im Fokus des Werks. In diesem Sinne lassen sich diese als Mittel der Kommunikation verstehen, um einen Dialog zwischen den Empfänger*innen zu initiieren. Zumindest die Fragen in Brief #6 sollte sich jede Person stellen, die im Kunstbetrieb agiert: Wer sind Sie? Was wollen Sie? Warum sind Sie hier? Was machen Sie damit?

Gezeigt werden die Briefe als künstlerisches Manifest, fotografische Absichtserklärung und ästhetisches Programm. In diesem Zusammenhang provozieren die Briefe eine andere Sichtweise auf Anonymität, die Personen abseits der bekannten Zirkel Interaktion und Zugang zu Institutionen ermöglichen und auch die Rezeption zugunsten des Werks verschieben kann. Ganz simpel mit Nadeln an die Wand angebracht, wird die Einfachheit der postalischen Sendungen noch betont, die zwar mit unterschiedlichen Materialien arbeiten, jedoch keine Unterschiede in der Wertigkeit zwischen Papierausdruck, C-Print oder Silbergelatineabzug machen. Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit dem Absender per eMail erarbeitet. Ihr ging der Ankauf der Arbeit für die Sammlung voraus. Ob man deswegen Überlegungen zu einer institutionellen Vereinnahmung der Briefe anstellen muss, sei dahingestellt. Viel wichtiger ist die Frage, was wir in der Fotografie sehen.

Zu sehen war die Ausstellung »21.lettres.a.la.photographie@gmx.de« vom 19. Juni bis zum 8. November 2020 im Museum Folkwang Essen.