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Peter Miller im C/O Berlin

Peter Miller: The Letter, 2008.

Als Kind wollte Peter Miller Zauberer werden. Heute ist der in Deutschland lebende US-Amerikaner ein international beachteter Künstler – und seit 2018 Professor für Fotografie und zeitbasierte Medien an der Folkwang Universität der Künste. In seinem Werk (und vielleicht auch in seiner Lehre?) ist seine Liebe für Magie immer noch zu erkennen ist. Zwar arbeitet er vorwiegend mit Film und Fotografie, doch stellt er auch Installationen und Skulpturen her, nimmt Interventionen im Raum vor und schließt an die Performancekunst der 1970er Jahre an. Trotz der materiellen und formalen Vielfalt thematisieren Millers Arbeiten ein inhaltlich abgestecktes Feld: sie erforschen die Geschichte der technischen Medien und kreisen um ihre grundlegenden Elemente wie Chemie und Licht, Publikum und Flicker-Effekt, Optik und Perspektive. Im klassischen Sinn filmt und fotografiert Miller jedoch wenig. Stattdessen minimiert er die übliche technische Anordnung, etwa, indem er auf Kamera, Objektiv oder Linse verzichtet.

Für die Fachgruppe Fotografie ist es eine große Freude, alle Freundinnen und Freunde künstlerischer Magie auf die erste institutionelle Werkschau von Peter Miller hinzuweisen. Zu sehen ist sie vom 11. September bis zum 3. Dezember im C/O Berlin. Zu sehen sind zentrale Arbeiten aus den letzten fünfzehn Jahren von Peters Schaffens, aber auch zahlreiche neu für die Ausstellung entstandene Werke. Zwei eigens für C/O Berlin entwickelte partizipative Interventionen laden Besucher*innen dazu ein in der Ausstellung zu fotografieren, entweder mit einer besonderen Kamera oder in einer besonderen Umgebung. Ausgehend von Millers fotografischem Werk stellt die Ausstellung darüber hinaus Verbindungen zu den filmischen und performativen Aspekten seines Œuvres her.

Die zweite Ausgabe von »Fotostadt Essen« ist erschienen

Nach der ersten Ausgabe des Magazins »Fotostadt Essen«, das Anfang September erschienen ist, folgt nun das zweite Heft. Es erscheint zunächst als digitale Ausgabe und kann hier vollständig durchgeblättert werden. Außerdem wird es am 27. November der Süddeutschen Zeitung in einer Druckfassung beliegen.

Wie bereits beim ersten Heft ist diese zweite Ausgabe das Ergebnis einer gemeinschaftlichen Produktion des Zentrums für Fotografie Essen – einem Zusammschluss der Folkwang Universität der Künste, des Historischen Archivs Krupp, des Museum Folkwang und des Ruhr Museums. Auch dieses Mal umfasst das Magazin 76 reich illustrierte Seiten. 

Mit Nachdruck treten die Beiträge der zweite Ausgabe dafür ein, die von der Bundesregierung angestoßene Initiative zur Gründung eines Bundesinstituts für Fotografie nun zeitnah zu verwirklichen. Die konzeptuellen und planerischen Vorbereitungen sind weit fortgeschritten, auf dem UNESCO-Welterbe Campus Zeche Zollverein steht der hierfür nötige Baugrund zur Verfügung, und die direkte Nachbarschaft zu den Institutionen des Zentrums für Fotografie Essen sichert einen ebenso differenzierten wie engen professionellen Zusammenhang für diese neue Einrichtung.

In einem für die zweite Ausgabe des Magazins »Fotostadt Essen« geführten Exklusivinterview unterstreicht Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Kultus- und Wissenschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, dass dieses Bundesland und hier insbesondere die Stadt Essen ein hervorragender Standort für das Bundesinstitut sein wird. »Bisher fehlt in Deutschland«, so die Ministerin, »eine zentrale Einrichtung, die der besonderen Rolle der Fotografie Rechnung trägt, sie sammelt, restauriert, erforscht, der Öffentlichkeit zugänglich macht und zukunftsfähig aufstellt. Deshalb braucht es ein Bundesinstitut für Fotografie!«

Vier Alumni der Folkwang Universität der Künste – Inga Barnick, Bahram Shabani, Killa Schütze und Michael Romstöck – haben sich dem durch einen Bauzaun gesicherten Grundstück auf Zollverein in ganz eigener Weise genähert. In großformatigen, auf halbtransparentem Mesh-Gewebe gedruckten Bildern hüllen sie das Gelände fotografisch ein und markieren auf einem etwa 350 Meter langen, immer wieder für Durchblicke unterbrochenen Fries einen Baugrund, auf dem bald schon das Bundesinstitut errichtet werden könnte.

Auf eben diesem Gelände und in der direkten Nachbarschaft hat auch der Berliner Künstler Paul Hutchinson fotografiert. Seine Bilder sind zu einem Portfolio zusammengefasst, das eigens für die zweite Ausgabe des Magazins entstanden ist und unter dem Titel »Von der Kunst, loszulassen« auf poetische Weise den Welterbe-Campus interpretiert.

Nicht zuletzt aber geben insgesamt 28 Akteurinnen und Akteure aus dem Feld des Fotografischen ihre ganz persönliche Antwort auf die Frage, warum ein Bundesinstitut für Fotografie wichtig ist. Die Antworten stammen von Künstlerinnen und Künstlern wie Jürgen Klauke, Dörte Eißfeldt, Ute Mahler, Beate Gütschow, Viktoria Binschtok und Sven Johne, von Kuratorinnen und Kuratoren wie Ulrich Pohlmann, Inka Schube, Christina Leber, Stephan Erfurt, Stefan Gronert und Esther Ruelfs, von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wie Bernd Stiegler, Katharina Sykora, Hubert Locher, Costanza Caraffa und Wolfgang Ullrich sowie von Restauratorinnen und Restauratoren wie Marjen Schmidt und Martin Jürgens. Im Ganzen fügen sich diese Auskünfte zu einem Panorama, das eindrucksvoll unterstreicht, dass es höchste Zeit ist für die Gründung eines Bundesinstituts für Fotografie!

Videoart at Midnight

 

Peter Miller, professor for photography and time-based media at Folkwang University of the Arts, invites us to stay up late. On Friday, November 19th, after midnight and at Babylon Berlin, one of the city’s most beautiful cinemas, will show a selcetion of his cinematic work from the past fifteen years. This special night is part 117 of the cinema’s »Videoart at Midnight« series, accompanying his retrospective »Dear Photography«, currently on display at C/O Berlin.

In his work, Peter Miller traces the history and nature of the technical media. His films examine cinema as a phenomenon and address its constituent, irreducible elements: lens, light, film, audience, projection. Peter Millers cinematic works include 16 and 35mm films as well as videos. Inspired by the Conditional and Expanded Cinema of the 1970s, they explore physical phenomena such as gravity, investigate the flicker effect of cinema, and ask what we experience when the projector is turned inside out.

In cooperation with C/O Berlin, and the admission is free.

Adéọlá Ọlágúnjú gewinnt NRW.BANK.Kunstpreis 2021

Adéọlá Ọlágúnjú: Born Throw Way, 2021. © Adéọlá Ọlágúnjú

Mit ihrer Arbeit »Born Throw Way!« ist Adéọlá Ọlágúnjú in der Kategorie »Foto und Medienkunst« mit dem NRW.BANK.Kunstpreis 2021 ausgezeichnet worden. Damit geht zum dritten Mal in Folge einer der mit 7.500 Euro dotierten Preise an eine*n Absolvent*in der Fachgruppe Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Die Auswahl trafen eine Jury aus Fachexpert*innen sowie die Besucher*innen der virtuellen Ausstellung aus insgesamt 24 nominierten Werken in vier Sparten.

Adéọlá Ọlágúnjú hat im vergangenen Sommersemester erfolgreich ihren Master im Studiengang Photography Studies and Practice abgeschlossen. Ihre Abschlussarbeit »Born Throw Way!« ist eine Multimedia-Installation mit Video, Fotografie, Ton und auf Stoff gedruckten Illustrationen. Dieses Projekt erforscht die Gemeinschaft der lose organisierten Straßenbanden in Lagos, Nigeria, die als »Area Boys« bekannt sind.

Unter der Schirmherrschaft der nordrhein-westfälischen Ministerin für Kultur und Wissenschaft Isabel Pfeiffer-Poensgen zeichnete die NRW.BANK Werke von Studierenden und Absolvent*innen der staatlichen Kunsthochschulen in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr bereits zum fünften Mal aus. Mit dabei sind neben der Folkwang Universität der Künste die Kunstakademien Düsseldorf und Münster sowie die Kunsthochschule für Medien Köln. Die Bekanntgabe des Juryentscheids erfolgte im Rahmen einer digitalen Preisverleihung am 17. November.

Vera Knippschild wird wissenschaftliche Mitarbeiterin

Das Türschild für Raum 2.33 ist bereits installiert: Seit dem 15. November 2021 ist Vera Knippschild wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Theorie und Geschichte der Fotografie und verstärkt auf diese Weise das gesamte Team der Fachgruppe Fotografie. Sie wird künftig gemeinsam mit Matthias Gründig und Steffen Siegel die wissenschaftliche Lehre und Forschung zur Fotografie vertreten.

Nach einem Bachelor-Studium der Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar wechselte Vera Knippschild 2018 an die Folkwang Universität der Künste nach Essen und studierte hier im M.A. Photography Studies and Research. Unter anderem nahm sie dabei am Projekt Wolfgang Schulz und die Fotoszene um 1980 teil, das als ein Seminar in Essen und Konstanz begann und schließlich als Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg 2019 sowie im Museum für Fotografie in Berlin im Jahr 2020 zu sehen war. Zwischen 2019 und 2021 war Vera Knippschild außerdem als kuratorische Assistentin in der Abteilung Fotografie am Kunstpalast Düsseldorf tätig.

In ihrer eigenen Forschung und Lehre wird sie künftig einen medientheoretischen Schwerpunkt setzen – nicht zuletzt mit einem Dissertationsprojekt, das »Fotografischen Formaten« gewidmet sein wird.

Die Fachgruppe Fotografie begrüßt ihre neue wissenschaftliche Mitarbeiterin sehr herzlich und freut sich auf die kommende gemeinsame Zusammenarbeit!

Im Krankenhaus: Ludwig Kuffer, Andreas Langfeld, Elisabeth Neudörfl

Ludwig Kuffer: Neurolounge, Klinik für Neurochirurgie, Alfried Krupp Krankenhaus, Essen-Rüttenscheid, 2017.

Keine Sorge! Die Fotografin und die beiden Fotografen sind wohlauf. Eigentlich müsste es heißen: »Im Museum: Ludwig Kuffer, Andreas Langfeld, Elisabeth Neudörfl«. Denn dort, im Museum Folkwang, zeigen Ludwig Kuffer, Andreas Langfeld und Elisabeth Neudörfl in ihrer gemeinsamen Ausstellung »Im Krankenhaus« Fotografien, die im Essener Alfried Krupp Krankenhaus entstanden sind.

Ihre Ausstellung besitzt eine doppelte Vorgeschichte: 1993 erschien der von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach­-Stiftung herausgegebene Fotobildband »Im Krankenhaus. Der Mensch zwischen Technik und Zuwendung«. Es war das letzte von Otl Aicher gestaltete Buch, die Fotografien von Timm Rautert galten als wegweisend. Noch einmal 25 Jahre später lud die Stiftung erneut Künstlerinnen und Künstler ein, im Alfried Krupp Krankenhaus zu fotografieren. Die dabei entstandenen Fotografien von Ludwig Kuffer, Andreas Langfeld und Elisabeth Neudörfl zeigen eine hochtechnisierte und streng funktionale Arbeitswelt, in deren Mittelpunkt nach wie vor der Dienst von Menschen an Menschen steht. Diese Bilder erschienen, begleitet von umfangreichen Essays, im Jahr 2018 in einem Buch, das mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet worden ist.

Die Ausstellung im Museum Folkwang konzentriert sich nun auf die Fotografien von Kuffer, Langfeld und Neudörfl. Dabei treten ihre Werke in einen themenbezogenen Dialog mit historischen und zeitgenössischen Aufnahmen aus den Beständen der Fotografischen Sammlung. Interieurs, Portraits und Architekturaufnahmen treffen auf künstlerische wie dokumentarische Fotografien. Sie übermitteln Aspekte, die das soziale und medizinisch-technische Gefüge »Krankenhaus« aus verschiedenen Perspektiven umkreisen und ermöglichen dabei auch den Blick auf andere, funktionale Infrastrukturen.

Museum Folkwang Essen, 30. Juli bis 7. November 2021.

Peter Gorschlüter zum Honorarprofessor ernannt

Zum Wintersemester dieses Jahres ist Peter Gorschlüter an der Folkwang Universität der Künste zum Honoarprofessor für Kunst und Öffentlichkeit ernannt worden. Peter Gorschlüter ist seit 2018 Dirketor des Museum Folkwang und hat seither durch eine Vielzahl weit beachteter Sonderausstellungen, nicht zuletzt aber durch eine vollkommen neue Sammlungspräsentation bewiesen, dass er das renommierte Essener Museum neu aufstellen will. Im Jahr 2019 erhielt das Museum Folkwang mit dem Titel »Museum des Jahres« hierfür eine besondere Anerkennung.

In seiner am 2. November im SANAA-Gebäude gehaltenen Antrittsvorlesung blickte Gorschlüter auf jüngere kuratorische Initiativen zurück, die er in Liverpool und Frankfurt (seinen früheren beruflichen Stationen) sowie zuletzt in Essen umgesetzt hat. Ihr gleichbleibender Fokus war und ist die Partizipation einer größeren Öffentlichkeit. In einem Ausblick berichtete Gorschlüter von einem groß angelegten kuratorischen Projekt, das im Jahr 2022 in der Essener Nordstadt stattfinden wird.

Als Honorarprofessor wird Peter Gorschlüter künftig die Studierenden aller Studiengänge des Fachbereichs Gestaltung unterrichten und hierbei eine weitere wertvolle Brücke zwischen Museum und Universität schlagen, die beide dem Namen Folkwang verpflichtet sind.

Gisela Bullacher: circum.ringsum

Gisela Bullacher: Knickfolgen, 2021.

In diesem Herbst stellt Gisela Bullacher, Professorin für Fotografie, in der Freien Akademie der Künste in Hamburg jüngste Arbeiten aus und lädt unter dem Titel »circum.ringsum« zu einem genauen Blick auf ihre Bilder ein. Denn ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand und seiner Wahrnehmung, sowohl als Artefakt wie auch in der Verschränkung mit dem Menschen.

Ausgehend von der Tatsache, dass die Fotografie eines Gegenstandes einer anderen Intention folgt als der Gegenstand selbst und unser Verhältnis zu ihm sich durch unseren Blick auf ihn verändert, wird mit diesen Arbeiten die Eigenleistung der Bilder (und Dinge) betont und zur Anschauung gebracht. Im Ausstellungsraum entwickeln die Bilder durch konstellative Anordnungen und Reihungen ein Beziehungsgeflecht, mit dem sie sich im besonderen Maße zum konkreten Raum positionieren und dessen architektonische Merkmale formal wie inhaltlich aufgreifen. Natürliche Formen werden konstruierten Formen gegenübergestellt und zeigen Geometrie als elementare Lebensformen unserer Umwelt. Fotografie dient hier als Werkzeug und Instrument zugleich, die das Aufzeigen und Nachdenken über das, was uns umgibt, erfahrbar machen will.

Die Ausstellung wird am 16. September 2021 in der Freien Akademie der Künste in Hamburg, Klosterwall 23, eröffnet. Zu diesem Anlass spricht neben Monique Schwitter, der Präsidentin der Akademie, außerdem Elke Bippus von der Zürcher Hochschule der Künste. Geöffnet ist die Ausstellung bis zum 31. Oktober 2021, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.
 

The Material and the Virtual in Photographic Histories

The First Symposium of the Photography Network will be held virtually from October 7 through 9, 2021, jointly hosted by the Photography Network and Folkwang University of the Arts, Essen.

Over the last twenty years, the study of photography’s history has been characterized by, among other things, two opposing strands: a concentration on the photograph’s status as an object and a concern with the decidedly virtual quality of its images and practices. The 2019 FAIC conference »Material Immaterial: Photographs in the 21st Century« considered these two directions in photographic conservation, asking if the physical photograph still matters today as a source of teaching, learning, and scholarship when the intangibles of code now direct the production and archiving of images. Now, from a methodological direction, this Photography Network symposium seeks to inquire further into the historical implications of the increasing distance between photography’s status as an object and its life as what could be called the intangible »photographic.«

On one side of the ledger in historical studies, Elizabeth Edwards has long proposed that we consider photography’s object history; Geoffrey Batchen has emphasized the haptic quality of long-neglected vernacular forms of photography; the Museum of Modern Art in New York engaged a years-long conservation and curatorial project named »Object: Photo«; and the »Silver Atlantic« initiative in Paris explores the mineral histories of the medium. But at the same time, Tina Campt has asked us to »listen« to photography; Fred Ritchin has urged us to study photography’s virtual lives in social media; and Ariella Azoulay proposes that we consider the larger sphere of habits, customs, and civil contracts that surround photographic activity and its images. The same division emerges with ever-greater strength in the production and curating of images. Many photographers, for example, have returned to obsolescent processes or emphasized the material contexts of their work's production, while others use online virtual worlds as a source for appropriation and manipulation as well as a destination for display and distribution; or emphasize the social practices and performances of identity that have given rise to new work. Curators, too (especially during the pandemic), have grappled with acknowledging the physicality of photographic objects in online contexts even as they puzzle over how to collect purely virtual works and otherwise signal the larger social contexts in which photography intervenes.

Given this consistent cleavage, the symposium asks; Where do the object-based and the virtual meet in photography’s histories? How can these two strands in photo studies be brought together and harnessed to reconsider existing problems or launch new investigations?

You can find here a detailed schedule with six panels and two roundtables.

Matthias Pfaller erhält den Gisèle-Freund-Preis für Theorie und Geschichte der Fotografie

Foto: Jürgen Heppeler

Matthias Pfaller wird für seine im zurückliegenden Sommersemester erfolgreich verteidigte Dissertation »The Paradigm of the Nation as a Provocation to the Historiography of Photography. Chile 1860–1960« mit dem Gisèle-Freund-Preis für Theorie und Geschichte der Fotografie ausgezeichnet. Dieser mit 2.000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum ersten Mal verliehen und wurde durch eine Stiftung von Prof. Ute Eskildsen und Prof. Timm Rautert ermöglicht.

In seiner Dissertation erörtert Matthias Pfaller die Möglichkeit einer am Paradigma der Nation orientierten Geschichtsschreibung der Fotografie und widmet am Beispiel Chiles dieser historiografischen Idee eine kritische Lektüre. Das gerade in jüngerer Zeit wieder verstärkte Interesse an einem solchen Modell der Fotogeschichte wird in der Dissertation auf seine grundlegenden Probleme hin untersucht und  anhand von Fallstudien zur chilenischen Fotogeschichte diskutiert.

Die Jury möchte mit der Vergabe des Preises an Matthias Pfaller die hohe Originalität des in seiner Dissertation verfolgten Ansatzes würdigen, die sich nicht allein in einer umsichtigen methodologischen Auseinandersetzung abzeichnet, sondern auch in einer Vielzahl von fotohistorischen Funden, die sich einer profunden Quellenarbeit, nicht zuletzt vor Ort in Chile, verdanken. Darüber hinaus schließt sich die Jury einem Urteil an, das der Zweitbetreuer der Arbeit, Prof. Dr. Andrés Mario Zervigón von der Rutgers University in New Jersey, in seinem Gutachten formulierte: Die Arbeit ist in einem exzellenten Englisch verfasst.

Unterstützt wurden die Forschungen von Matthias Pfaller unter anderem durch ein Jahresstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Seit dem Frühjahr dieses Jahres ist Matthias Pfaller Stipendiat des von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung geförderten Programms »Museumskuratoren für Fotografie«.

Der Preis schließt an die lange Tradition der an unserer Hochschule verliehenen Folkwangpreise an und wird gemeinsam mit ihnen im Rahmen einer Festveranstaltung am Ende dieses Jahres öffentlich überreicht werden. Mitglieder der Jury waren in diesem Jahr Dr. Ulrich Blank, Prof. Ute Eskildsen, Prof. Dr. Julika Griem, Prof. Dr. Markus Rautzenberg, Prof. Elke Seeger und Prof. Dr. Steffen Siegel.

Der Preis richtet sich an Master-Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden, die an der Folkwang Universität der Künste unter erstgutachterlicher Betreuung eine Abschlussarbeit vorgelegt haben, die sich mit einem Forschungsgegenstand zu Theorie und/oder Geschichte der Fotografie befasst. Ausgezeichnet werden sollen qualitativ hervorragende wissenschaftliche Arbeiten, die einen originellen Beitrag zur Erforschung von Theorie und/oder Geschichte der Fotografie leisten. Im Jahr 2023 wird er das nächste Mal ausgeschrieben werden.

Folkwang Finale 20/21

Nach einem erzwungenen Jahr Pause findet in diesem Herbst endlich wieder am Ende des Sommersemesters das große Finale des akademischen Jahrs statt – und es heißt auch gerade so: »Folkwang Finale«. Alle Absolven:tinnen, die im Lauf der letzten Semester am Fachbereich Gestaltung ihren B.A.- oder M.A.-Abschluss erfolgreich absolviert haben, stellen gemeinsam im SANAA-Gebäude auf dem Campus Zollverein aus und geben durch die Präsentation ihrer Arbeiten einen Einblick in die aktuellen Fragen von Fotografie, Industrial Design und Kommunikationsdesign.

Traditionell stellt die Fachgruppe Fotografie in der großen Halle des SANAA-Gebäudes im ersten Obergeschoss die Arbeiten ihrer Absolvent:innen aus. Mit dabei sind dieses Mal insgesamt 22 Bachelor- und 13 Master-Studierende: Julius Barghop, Hannah Braue, Claudius Dorner, Marie Dzingel, Hendrik Hinkelmann, Lisi Högler, Max Hytrek, Julia Jaksch, Raphael Janzer, Jonas Kamm, Eleni Kritikos, Nils Limberg, Patrick Lohse, Ruth Magers, Luzie Marquardt, Ya Ning, Robert Reugels, Virginia Sammeck, Leif-Erik Schmitt, Killa Schütze, Yashar Shirdelaghjehmasshad und Anja Segermann für die B.A. Fotografie. Inga Barnick, Niklas Baumberger, Kai Behrendt, Pauli Beutel, Tim Dechent, Eric Greven, Patrick Möckesch, Adeola Olagunju, Frederik Pajunk, Daniela Risch, Michael-Paul Romstöck, Franziska Schrödinger und Bahram Shabani Kolour für den M.A. Photography Studies and Practice.

Mit ihren Arbeiten spiegeln sie die ganze Breite von Strategien, die gegenwärtig leitend sind und nicht zuletzt zukünftig für die künstlerische Fotografie bedeutsam werden: als gerahmtes oder projiziertes Bild an der Wand, als Installation im Raum oder als Buch. Dabei verfolgen sie ebenso dokumentarische Interessen wie sie auf künstlerischem Weg die Möglichkeiten der Computer Generated Imagery ausloten.

Zu sehen ist die Ausstellung vom 24. September bis 3. Oktober 2021, täglich von 12 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Zur Ausstellung erscheint auch dieses Jahr wieder eine Zeitung, die alle ausgestellten Arbeiten vorstellt und außerdem Abstracts aller Masterarbeiten enthält, die in den beiden wissenschaftlichen M.A.-Studiengängen Kunst- und Designwissenschaft und M.A. Photography Studies and Research entstanden sind – im Master für Theorie und Geschichte der Fotografie haben mit Franziska Barth, Judith Böttger, Isabelle Castera, Angela Deußen, Sandra Happekotte, Vera Knippschild, Marie-Luise Meyer, Laura Niederhoff und Tania Luz Olivares Achach insgesamt neun Studentinnen ihr Studfium erfolgreich abgeschlossen.

Stellenausschreibung Theorie und Geschichte der Fotografie

Am Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste ist zum 15. September dieses Jahres die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin oder eines wissenschaftlichen Mitarbeiters (m/w/d) ausgeschrieben worden. Gesucht wird eine Forscherin oder ein Forscher, die oder der ein Promotionsvorhaben an der Folkwang Universität der Künste im wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsgebiet Theorie und Geschichte der Fotografie realisieren möchte. Mit der Stelle verbindet sich eine Beteiligung an der akademischen Lehre im Umfang von 2 SWS sowie der akademischen Selbstverwaltung. Erwartet wird die Mitarbeit in der Forschung, die Betreuung von Publikationen, Organisationstätigkeiten im Bereich der Professur für Theorie und Geschichte der Fotografie, die Bereitschaft zur eigenständigen Einwerbung von Drittmitteln sowie zur Unterstützung von anderen Drittmittelanträgen und die Weiterqualifikation mittels eines eigenständigen Forschungsprojekts, das zum Erwerb des Dr. phil. führt.

Bewerber*innen sollen erfolgreich ein Hochschulstudium (Master oder Magister) der geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fächer abgeschlossen haben, die eine hohe Nähe zur Theorie und Geschichte der Fotografie besitzen und gegenüber der fotografischen sowie gestalterischen Praxis aufgeschlossen sein. Erwünscht sind einschlägige Erfahrungen in der wissenschaftlichen Organisationstätigkeit, der Betreuung von Publikationen und/oder des Kuratierens. Erwartet werden ein sehr gutes Selbstmanagement und Teamfähigkeit sowie sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift.

Die Vergütung erfolgt – je nach vorliegenden Voraussetzungen – bis Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Die Besetzung erfolgt in Teilzeit mit 50% der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit und zunächst befristet für 3 Jahre. Eine Verlängerung wird angestrebt.

Die Folkwang Universität der Künste strebt eine Erhöhung des Anteils an Frauen an, in den Bereichen in denen sie unterrepräsentiert sind und fordert deshalb einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Die Bewerbungen von Menschen mit Behinderung bzw. diesen Gleichgestellten im Sinne des § 2 SGB IX sind erwünscht, sie werden bei entsprechender Eignung bevorzugt eingestellt. Die Folkwang Universität der Künste versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert Maßnahmen zur besseren Vereinbarung von Arbeit und Leben.

Bitte richten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einer einzigen PDF-Datei (ohne Bewerbungsfoto) bis zum 15. September 2021 an den Kanzler der Folkwang Universität der Künste und nutzen Sie hierzu ausschließlich das untere Online-Bewerbungsportal der Hochschule. Ein bis zu fünfseitiges Exposé (zzgl. Literaturnachweise) für ein mögliches Forschungsprojekt ist zusammen mit den Bewerbungsunterlagen einzureichen. Das Vorstellungsverfahren findet voraussichtlich in der 40. oder 41. Kalenderwoche statt.

Den verbindlichen Ausschreibungstext sowie eine Weiterleitung zum Bewerbungsportal finden Sie hier.

Bei inhaltlichen Fragen zur ausgeschriebenen Stelle wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Steffen Siegel. Bei allgemeinen personalrechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Maria Morgenstern. Bei Fragen zur Gleichstellung der Geschlechter wenden Sie sich bitte an die zentrale Gleichstellungsbeauftragte.

Die erste Ausgabe von »Fotostadt Essen« ist erschienen

Am 4. September ist als Beilage der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« ein 76-seitiges Magazin zur Fotostadt Essen. Publiziert wird es vom Zentrum für Fotografie Essen, einem Zusammenschluss der Folkwang Universität der Künste, dem Historischen Archiv Krupp, dem Museum Folkwang und des Ruhr Museums. Es kann hier auch digital durchgeblättert werden.

Das Magazin gibt einen Einblick in die gemeinsame Arbeit dieser vier Partnerinstitutionen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Fotografie in ihrer ganzen Vielfalt ernst zu nehmen; und nicht zuletzt zeigt es, warum es eine gute und richtige Entscheidung ist, das Bundesinstitut für Fotografie auf dem Welterbe-Campus Zollverein anzusiedeln. Sowohl eine hochrangige Expertenkommission als auch das von der Bundesregierung beauftragte Team von Partnerschaft Deutschland haben Zollverein als den besten Standort empfohlen. An der Folkwang Universität werden wir direkte Nachbarn dieser herausragenden neuen Institution sein!

Das Titelbild des Magazins stammt von David Müller, Student im B.A. Fotografie, und erinnert mit seiner Anspielung an Nicéphore Niépce an die Anfänge des Mediums vor zweihundert Jahren. Eine Luftbildaufnahme (im Heft auf der Doppelseite 6/7) von Silviu Guiman, Student im M.A. Photography Studies and Practice, weist wiederum in die Zukunft: Es zeigt jenes Baufeld auf Zollverein, auf dem das Bundesinstitut errichtet werden wird.

In insgesamt zwanzig Text- und Bildbeiträgen entfaltet diese erste Ausgabe des Magazins ein Bild von der »Fotostadt Essen«. Unter dem Titel »Bilder von morgen« gibt Elke Seeger einen Einblick in die Arbeit der Fachgruppe Fotografie und ihrer drei künstlerischen und wissenschaftlichen Studiengänge. Steffen Siegel nimmt Nicéphore Niépces und David Müllers »Blick aus dem Fenster« zum Anlass, die deutschlandweit einzigartigen Studienangebote zur wissenschaftlichen Spezialisierung in Theorie und Geschichte der Fotografie auf Master- und Promotionsebene vorzustellen.

In der Sendung »Kultur heute« des Deutschlandfunk hat Steffen Siegel am 4. September 2021 mit Jörg Biesler über die Hintergründe gesprochen und zum aktuellen Stand der Diskussion um das Bundesinstitut für Fotografie Auskunft gegeben.

Jonas Kamm exhibits at the photo festival »Les Rencontres d'Arles«

Jonas Kamm, »The Inhabitants«, installation view from the 52nd Rencontres d'Arles, July–September 2021.

It is with great pleasure that we announce Jonas Kamm’s participation at the renowned photo festival »Les Rencontres d'Arles«, taking place this summer from July 4 through August 29, 2021. Jonas Kamm, who was, until last year, a student of Folkwang University’s B.A. photography program, has been invited by photo curator Sonia Voss to represent our university at the Louis Roederer Discovery Award, featuring eleven international institutions and artists. Jonas’ series »The Inhabitants« from 2020 will be on display in the city center of Arles, in the Église des Frères Prêcheurs, together with works by Farah Al Qasimi, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Mariana Hahn, Ilanit Illouz, Tarrah Krajnak, Massao Mascaro, Zora J Murff, Aykan Safoğlu, Andrzej Steinbach, and Marie Tomanova.

Jonas participates in the exhibition with two different series. First, his series »The Inhabitants«, the result of a hybrid production process, at the crossroads of architecture, sculpture, and photography. These images—two-dimensional renderings drawn from 3D virtual space—initially take shape in a space modeled by the artist with the aid of computer software. Kamm then, using virtual tools, sculpts figures based on a texture that he has previously »harvested« with the camera from his physical environment. Once the figures have been shaped, the software—simulating the tools of photography—permits the artist to choose an angle and to adjust, from a practically unlimited spectrum of possibilities, his light sources, his focus, his aperture, etc. Kamm’s figures, vaguely anthropomorphic, appear as intermediaries between the real and immaterial worlds. The reductive character, the unclassifiable nature of these images turns them into vectors of inchoate narratives, carriers of a potential meaning which has yet to be defined and which remains mysterious, opening a void that we are invited to fill.

Furthermore, Jonas shows the first parts of a new series which is currently in progress: »Parametric Archeology«. It takes off from the purely economic goal of creating a small program that helps to generate shapes in an automated and efficient way. A freely chosen form runs through various modifiable parameters and multiplies itself in various slightly modified forms. After having been selected by the artist, the resulting output presents itself as if being arranged on an examination table. Forms and arrangement play with the concepts of the archive or the archaeological excavation, yet they merely refer to digital inputs and processes. In Jonas’ words: »This rather absurd play with something we are supposed to know, but what, in fact, escapes our understanding, is fun for me.«

During the opening week in early July, the jury will bestow the Louis Roederer Discovery Award, which comes with an acquisition worth 15,000 euros. Furthermore, the public will vote for the Public Award which is worth 5,000 euros for an acquisition.

B/U/ILD im Neuen Kunstverein Wuppertal

Patrick Lohse: Cool Down Pink, 2018. Aus der Serie: Modus: 3 × 4, C-Print kaschiert auf Plexiglas.

B/U/ILD zeigt die Arbeiten vier junger Künstler*innen, die in ihren Fotografien sowohl das Bild als auch das Bilden verhandeln. Es werden Stoffe drapiert, Kulissen gebaut, Posen eingenommen oder Vektoren modelliert. Der unmittelbare Abschluss des dreidimensionalen Schaffensprozesses wird hier jedoch gleichzeitig zum Auslöser einer zweidimensionalen Fotografie. Die bewusste Entscheidung für das Medium als finales künstlerisches Produkt bestätigt die Künstler*innen nicht nur in ihrer Rolle als aktive Bildproduzent*innen, sondern markiert darüber hinaus auch eine Differenz, die durch den Rücktritt aus dem Raum etwas hervortreten lässt. Die Arbeiten von Jonas Kamm, Patrick Lohse, Elizaveta Podgornaia und Isabelle Wenzel erzählen auf jeweils eigene Weise vom Suchen und Finden einer geeigneten Bildform, die sich produktiv zum Dargestellten ins Verhältnis setzt. Darüber hinaus machen sie deutlich, wie leicht der Versuch einer begrifflichen Einordnung der Werke ins Wanken gerät.

Mit Jonas Kamm, Patrick Lohse und Elizaveta Podgornaia sind nicht allein drei der vier ausstellenden Künstler*innen Alumni der Folkwang Universität der Künste. Kuratiert wurde die Ausstellung zudem von Franziska Barth, Angela Deußen und Sandra Happekotte, die alle drei Absolventinnen des M.A. Photography Studies and Research sind.

Die Eröffnung (soft opening) ist am Sonntag, den 4. Juli von 14 bis 18 Uhr. Zu sehen ist die Ausstellung dann bis zum 6. August 2021 im Neuen Kunstverein Wuppertal (Hofaue 51, 42103 Wuppertal). Am Samstag, den 10. Juli sowie am Samstag, den 24. Juli finden jeweils um 15 Uhr Führungen statt.

Matthias Pfaller zum Dr. phil. promoviert

Ganz ohne Frage besitzt das Territorium des chilenischen Staates einen der interessantesten geografischen Umrisse: Die Nord-Süd-Ausdehnung Chiles beträgt 4.200 Kilometer, von Westen nach Osten jedoch durchschnittlich kaum mehr als 200. Wie jedoch steht es – nun im übertragenen Sinn – mit den inneren Umrissen Chiles, und hier speziell der Fotogeschichte? Nach welchen Parametern sollte sie geschrieben werden? Mehr noch: Ist es am Beginn des 21. Jahrhunderts und in einer sich immer stärker globalisierenden Welt überhaupt zeitgemäß, die Fotogeschichte zu speziell einer Nation zu schreiben? Diese Fragen hat Matthias Pfaller, seit 2018 Doktorand im Fach Theorie und Geschichte der Fotografie, in seiner Dissertation »The Paradigm of the Nation as a Provocation to the Historiography of Photography. Chile 1860–1960« aufgeworfen.
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Der Titel zeigt es bereits an: Ziel der Arbeit ist es gerade nicht, der inzwischen reichen Zahl an nationalen Fotogeschichten eine weitere, nun zu Chile, an die Seite zu stellen. Demgegenüber tritt Pfaller in seiner Dissertation einen Schritt zurück und stellt grundlegende methodologische Fragen. Anhand von vier leitenden Kategorien – Territory, Time, The Other, The Foreign – diskutiert er die Möglichkeiten, Probleme und Risiken eines solchen Paradigmas. Zur Sprache kommen hierbei nicht zuletzt die vielfältigen Probleme einer globalen Verflechtungsgeschichte.
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Betreuer und schließlich Gutachter der Dissertation waren Steffen Siegel und Andrés Mario Zervigón, Professor für Theorie und Geschichte der Fotografie an der Rutgers University, The State University of New Jersey, in New Brunswick. Mit Professor Zervigón betreute nicht allein ein international ausgewiesener Experte für Fotogeschichte die Arbeit, sondern auch der Autor des Buches »Photography and Germany«, das 2017 bei Reaktion Books in London erschienen ist. Am heutigen Nachmittag hat Matthias Pfaller seine Arbeit an der Folkwang Universität erfolgreich verteidigt und wurde zum Doktor der Philosophie promoviert. Er hat vor, seine auf Englisch verfasste Dissertation zeitnah in einem US-amerikanischen Verlag zu publizieren. Außerdem wird er bereits seit diesem Frühjahr im Stipendienprogramm »Museumskuratoren für Fotografie« der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für die Dauer von zwei Jahren gefördert.
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Zunächst aber gilt: ¡Felicidades, doctor Pfaller!

»1839« erhält Auszeichnung bei den Rencontres d'Arles

Das im Pariser Verlag Macula erschienene Buch »1839. Daguerre, Talbot et la publication de la photographie«, herausgegeben von Steffen Siegel, wurde bei den 52. Rencontres de la photographie, die gegenwärtig im südfranzösischen Arles stattfinden, durch die Jury mit einer »Mention spéciale« ausgezeichnet. Wie jedes Jahr wurden die »Prix du livre« in drei verschiedenen Kategorien ausgeschrieben: »Photo-Texte«, »Livre Historique« und »Livre d’Auteur«. Für die drei Shortlists wurden 636 eingesandten Werken insgesamt 48 Bücher ausgewählt.

Gewinner in der Kategorie der historischen Bücher ist der bei Aperture in New York erschienene Band »To Make Their Own Way in the World. The Enduring Legacy of the Zealy Daguerreotypes«. Das mit dem zweiten Preris, der »Mention spéciale«, ausgezeichnete Buch von Steffen Siegel führt auf mehr als 650 Seiten die wichtigsten Text- und Bildquellen zusammen, die sich mit der Publikation der frühesten fotografischen Verfahren im Jahr 1839 verbinden. Durch einen ausführlichen Kommentar des Herausgebers werden diese Quellen für die heutige Forschung erschlossen.

Master-Studierende versteigern ihre Werke zugunsten des gemeinnützigen Vereins »förderturm«

Rebecca Racine Ramershoven: The Illusion of A.C., 2017.

Bis zur vergangenen Woche haben die Studierenden des M.A. Photography Studies and Practice ihre Werke in der Jahresausstellung Stopover im Museum Folkwang gezeigt. Nur kamen ausgewählte Arbeiten im Auktionshaus an der Ruhr unter den Hammer. Im Rahmen einer Charity-Aktion wollten insgedamt elf Studierende helfen, das Anliegen von »förderturm – Ideen für Essener Kinder e.V.« zu unterstützen. Der gemeinnützige Verein wurde im Jahr 2001 mit dem Ziel gegründet, Essener Kinder und Jugendliche  mit sozial schwachem Hintergrund zu unterstützen und zu fördern.

An der Initiative beteiligten sich Lea Bräuer, Florian Fäth, Silviu Guiman, Amy Haghebaert, Xiaole Ju, Elena Kruglova, Rebecca Racine Ramershoven, Rosa Lisa Rosenberg, Samuel Solazzo, Anne-Christin Stroje und Julia Tillmann. Insgesamt wurden bei der Versteigerung am 1. Juli 2021 5.790 Euro erlöst. Es wurde kein Aufgeld berechnet. Abzüglich der Produktionskosten kommt die Hälfte des Erlöses dem »förderturm« zugute.

Elisabeth Neudörfls Buch »Out in the Streets« ist erschienen

Bereits seit Ende April ist in der Galerie Barbara Wien in Berlin Elisabeth Neudörfls Ausstellung »Out in the Streets« zu sehen. Gerade eben wurde sie nicht allein bis zum 22. August verlängert, vielmehr ist nun auch das begleitende Fotobuch im Verlag Hatje Cantz in Berlin erschienen. Mit seinen insgesamt 136 farbige Abbildungen öffnet es den Blick auf die gesamte, im Frühjahr 2020 in Hongkong entstandene Serie. Gestaltet wurde des Buch von Nicola Reiter.

In der Verlagsankündigung heißt es zur Idee des Buches: Hongkong im Jahr 2020: Das ist medizinischer, wirtschaftlicher und vor allem auch politischer Ausnahmezustand – alles zugleich. Die Vielschichtigkeit dieser Krise lässt sich kaum in Worte fassen. Aber dafür in Bilder. Elisabeth Neudörfl hat sich auf den Weg in die lebhafte Metropole gemacht, um die Situation vor Ort fotografisch festzuhalten. Sie traf auf eine Stadt, die tief geprägt war von Protesten und ihrem Kampf um Demokratie, der Unnachgiebigkeit der Macht und dem Aufziehen der Covid-19-Pandemie. Neudörfls Bilder entstanden unter anderem auf den Demonstrationsrouten und an den Universitäten. Und überall blickt man auf eine Dystopie: geschlossene Läden, Straßen ohne Verkehr, menschenleere Metrostationen. Allein die Graffiti spiegeln die Auseinandersetzungen und die Veränderungen in der Stadt. Mit diesen Aufnahmen vermag man sich selbst ein Bild der Katastrophe zu machen.

Zum Beginn des Wintersemesters soll das Buch an der Folkwang Universität in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt werden.

Criticism

Plate XX: A Proposal or The Pencil of our Nature

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Lennart Pimpl studiert seit 2021 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

To the reader is presented a fine specimen of the new art of image generation by artificial intelligence. With the prospects of continuing practice invested in its genesis, this here—by now arguably adolescent—process of image-making, born from the desire to replicate those, even to us, most fascinating secrets of the neural world, will—by time and collective effort—succeed in convincing us with the same enchanting virtue with which the photographic art hath held us captivated for almost two centuries now, of the realness and authenticity of its products.

The prompters of these computed surfaces, aided by the properties of the 14th element, will no longer remind us of poikilotherms, servants to the sun, but will strike us as architects constructing from our very subconscious itself. This technique shifts back into a space where its relation to the world is, like all ages before the invention of the fixed photograph by the likes of Niépce, Daguerre, Mrs Atkins, and the well-known Mr Talbot, not directly indexical.

In this respect the hasty reader might cavil that this change is not particularly significant. And he would be right. Yet much to the surprise of this ordinary spectator, after sufficient consideration he would find that, however charming its products may appear, their existence alone will force us to examine anew the assertions the process declares and intensify our ongoing discussions about the forces at play between the image and our perception.

So please let me have your attention and follow me for the remainder of this brief and humble contribution. Where does the world end and where does our imagination begin? In our heads everything we perceive is assembled to the world we know. Every image unhorsed by our classification of its realness has an equivalent projection delineated in our mind. To us this is its meaning.

What if we could project our innermost thoughts, ideas, memories, and even feelings, by learning a detailed language, outwards again onto an image surface and reference the world and our entanglement with it, rid of the boundaries of space, time, and the obvious habitual logics of yesterday’s images.

Tafel XIX: Korrektur als Schöpfung

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Janis Hoellger studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Beim Entfernen-Werkzeug in Lightroom handelt es sich nicht um ein Modell zur freien Generierung, sondern um konzeptuell beschränktes Inpainting. Motive werden erkannt und die markierten Lücken mit typischen Strukturen, die statistisch am sinnvollsten erscheinen, ersetzt. Dabei bezieht sich das Modell unter anderem auf Farben, Licht und die Perspektive der Szene.

Statt dem sonst stark beschränkten und geleiteten Füllen lautet der Auftrag, bei einem vollständig ausgewählten beliebigen Bild, hier: »Erzeuge ein Bild, ohne Bedingungen«. Das gezeigte Bild ist das Ergebnis eines vollständigen Eingriffes.

Wird der gesamte Bildraum zur Leere erklärt, verliert die KI jeden Bezug und arbeitet ausschließlich innerhalb ihres latenten Raumes. Das Modell bezieht sich auf Anhaltspunkte, die in den Trainingsdaten überrepräsentiert sind: Pflanzen, Landschaften, organische Strukturen. Das Bild zeigt nicht die Welt, sondern den visuellen Durchschnitt, aus dem diese KI gelernt hat zu sehen. Generiert ist nicht die Vorstellung eines Ortes, sondern ein statistisch wahrscheinlicher Zustand von Natur, einem Thema, das mit am häufigsten in den Daten vorkommt. Statt lediglich zu entfernen, tritt etwas vermeintlich Neues hervor, der Akt der Korrektur wird zu einem Akt der Schöpfung.

Tafel XVIII: Unvorstellbar viele Dinge und Möglichkeiten

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Julius Schmidt studiert seit 2020 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Auf einem hellen Parkettboden liegt ein geschlossenes, dunkelblaues Buch. Auf dem Buch steht ein ein transparentes Glas. Quer über der Öffnung des Glases liegt ein Metall-Löffel, der über die Ränder hinausragt. Auf dem Löffel ist ein roter, kugelförmiger Gegenstand platziert, der zentral ausbalanciert ist. Vor dem Glas ebenfalls auf dem Buch liegen zwei Kronkorken, einer gelb und der andere grün. Sie bilden einen farblichen Kontrast zu den übrigen Objekten im Bild. Alltägliche Gegenstände werden ihrer Funktion enthoben und in eine fragile, temporäre Ordnung überführt, die über ihre Lage und Materialität miteinander in Beziehung treten.

Dieses Bild (Abb. 1) ist auf Basis eines Referenzbildes (Abb. 2) entstanden. Der Prompt lautete: »Gib mir eine Variation mit anderen Gegenständen«. Statt ein einzelnes Motiv zu reproduzieren, ging es darum, die bestehende Bildordnung mit KI auf die Probe zu stellen.

Die Struktur basiert auf einer ausgewählten Sammlung von Gegenständen, die immer wieder neu balanciert werden und die Limitierung dabei helfen soll, sich nicht in der Unendlichkeit von Dingen zu verirren. Es ist interessant zu sehen, für welche Materialien und Dinge das Programm sich entscheidet und wie schnell man zu verschiedenen Ergebnissen kommt. Allerdings nimmt es dem Prozess die Spannung, da die Dinge automatisch balancieren und so die Freude, dass eine Konstruktion bestehen bleibt, in den Hintergrund rückt.

 

 

Tafel XVII: Junger Mann in Oxford

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Urs Meyer studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Die KI-generierte Darstellung eines jungen Mannes wirkt real. Elegant gekleidet steht er vor einer hellen Hausfassade in Oxford. Seine Haltung drückt Entschlossenheit und Stolz aus. Doch bei genauerem Hinsehen irritiert das Bild; und es wirft viele Fragen auf.

Gibt es diese Symbole wirklich? Was genau wird hier eigentlich gezeigt? Entstand dieses KI-generierte Bild tatsächlich absichtsfrei als bloße Imitation der Realität? Sehen wir nur, was die KI aus gespeicherten Daten und statistischen Mustern zusammensetzt: Mittelwerte, Stereotype und Verzerrungen? Oder handelt es sich um eine KI-Halluzination, die etwas genuin Neues hervorbringt? Oder liegt ein Prompt vor, der mit einer bestimmten Absicht verfasst wurde? Und lässt sich dieser Prompt, ähnlich einer Kameraposition, dem Kontext einer fotografischen Aufnahme oder der Kenntnis anderer Arbeiten eines Fotografen, rekonstruieren oder erahnen?

KI-generierte Bilder bleiben uns diese Antwort fundamental schuldig – gerade dann, wenn sie realistisch wirken. Der Prozess der Bildgenerierung entzieht sich dem Verstehen und jeder vollständigen Kontrolle. Er verschließt sich Rückschlüssen auf die Intention ebenso wie auf die verwendeten Bildelemente und die Symbolik. Auch die im Training eingeflossenen Bewertungen, Vorurteile und Verzerrungen bleiben verborgen. Weder über die Absicht der Erzeugung noch über die Herkunft der dargestellten Bildelemente lassen sich verlässliche Aussagen treffen.

Was kann ein solch generiertes Bild überhaupt aussagen? Eine Evidenz, die aus den Eigenschaften des abgebildeten Objekts hervortritt, oder ein materieller Bezug zu einer tatsächlichen Situation fehlt ihm. Eine eigentliche Aussagekraft über reale Gegebenheiten – etwas, das »so gewesen ist« – kommt einem solchen Bild nicht zu. Dennoch fügt es sich nahtlos in unsere Zeit mit ihrem Credo »perception is reality« und wird massiv beeinflussen, was wir als real zu verstehen vermögen.

 

Tafel XVI: Befreiung von der Last der Wahrheit

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jonathan Urban studiert im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Ein Bild, das die Künstlichkeit nicht verleugnet, sondern als integralen Bestandteil der Darstellung feiert. Es ist die Frucht einer künstlichen Intelligenz, die nicht abbildet, sondern schafft und dabei eine Ästhetik hervorbringt, die in ihrer Komplexität und ihrer Distanz zur menschlichen Hand eine eigene Form von Poesie birgt. Es reicht heute ein einziges geschriebenes Wort aus, um solche prachtvollen Formen aus dem Nichts zu rufen. Die Maschine sammelt Millionen kleiner Teile von Daten und webt daraus eine ganz neue Wirklichkeit. Wir betrachten nicht mehr nur ein Abbild der Natur, sondern das Echo von Millionen Bildern, die zuvor existierten. Ein konstruiertes Echo, das das Bild von der Last der Wahrheit befreit.

Tafel XV: Ein Stillleben als Selbstporträt

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Kimberly Jüschke studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Auf den ersten Blick handelt es sich um ein künstlerisches Stillleben mit Gegenständen aus dem Bereich der Medizin, Fotografie, Alltag und Lebensmittel. Auf den zweiten Blick kommt es einem aber komisch vor. Die hier versammelten Elemente sind sonderbar: eine unscharfe Flasche, eine scharfe Kamera und fokussierte Blumen auf einer ähnlichen Hintergrundebene, erkennbare Buchtitel, aber eine unleserliche Beschriftung der Apothekenfläschchen, ein vermeintlich altes Blutdruckmessgerät mit einem falsch ausgezeichneten und nicht eindeutig lesbaren Uhrzifferblatt, dessen Schläuche aus dem Nichts erscheinen und mit der Umgebung verschmelzen, zwei überdimensionierte Augen, wobei eines in der Luft zu schweben scheint und ebenfalls in die umliegenden Gegenstände ausläuft, Pillen in der Größe von Walnüssen, wovon sich eine gerade zu klonen scheint.

Der menschenartige-technische Kopf sticht durch seine blaue Farbigkeit im Vergleich zu den anderen Objekten heraus. Der blaue Kopf ist hier die Selbstdarstellung der KI, die ich um eine Selbstverwirklichung im Bild gebeten hatte. Genauere Anweisungen, außer die der Abbildung eines Stilllebens mit Elementen der Medizin und Fotografie, habe ich hingegen nicht vor. Die Platzierung der Gegenstände und die spezifische Auswahl wurde von der KI generiert. Die Bildproduktion war einfach. Ein paar Zeilen in ChatGPT eingeben und eventuell noch Anweisungen addieren mit der Hoffnung, dass diese wie gewollt umgesetzt werden. Das Ergebnis war innerhalb kürzester Zeit fertig – viel schneller also als das Aussuchen, Besorgen, Anordnen, Aufbauen einer Kamera, die Anpassung der Licht- und Kameraeinstellungen, das Fotografieren und möglicherweise auch noch das Bearbeiten der Fotografie selbst.

Auf der Basis einer KI-Generierung zeigt das Bild jedoch nicht einen vergangenen Moment, sondern ein Muster aus anderen Aufnahmen, mit denen die KI trainiert und nun kombiniert in diesem Bildnis präsent wurden. Die Intentionen des Aufbaus der verwendetet Bilder und deren Aussagekraft bleibt verborgen und somit auch die des generierten Bildes. Solche Abbildungsqualität erkennt man auf den zweiten Blick. Der erste erkennt in ihm eine vertraute ästhetische Ordnung.

 

Tafel XIV: Der Auslöser

Pluto: KI-Augen

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Lou Hackl studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist der Beitrag.

Wenn wir darüber spekulieren, ob das Generieren von Bildern zur Fotografie gehört, scheint die Autor*innenschaft an das Verfassen der Prompts gebunden zu sein. Dies ist der Teil des Prozesses, in dem Künstler:innen die Richtung angeben. Darüber hinaus eröffnen sich Möglichkeiten, weitere fotografische Momente in den Arbeitsprozess einzubauen; nicht mit dem Ziel, Objekte oder die Realität abzubilden, sondern zur Aneignung eines unwahrscheinlichen Moments, und damit hypothetisch einer mehrschichtigen Autor:innenschaft.

In seiner Arbeit »KI-Augen« findet der Künstler Pluto einen Weg, den Auslöser zurück in den Prozess zu integrieren. Er wählt gezielt den Moment, in dem er den generativen Algorithmus unterbricht. Seine Entscheidungskraft im Prozess bekommt zur inhaltlichen Ebene eine zeitliche Komponente. Innerhalb des Systems entsteht eine neue Form des Eingriffs und der Kontrolle. Mir scheint, als würde hierdurch die Autor:innenschaft gestärkt. Vor allem kehrt aber die essenzielle, haptische und suchende Erfahrung des Auslösens zurück in den Prozess.

Vilém Flusser vergleicht die Geste des Fotografierens mit altsteinzeitlichem Jagdverhalten, was sich mit dem Fotoapparat ins Dickicht der Kulturobjekte überträgt. Im Moment des Auslösens kulminiert diese Jagd des Unwahrscheinlichen und wird zu Bildmaterial. Pluto erkennt im Prozess die Möglichkeiten des Apparats und überträgt diese Jagd durch die bewusste Unterbrechung des Prozesses auf bildgenerative KI. Er »löst aus«, bevor der Algorithmus sein vorgesehenes Ergebnis in seiner stochastisch bereits vorbestimmten Berechnung erreicht. Es entsteht eine Spannung zwischen Maschine und menschlicher Intervention, zwischen Zufall und bewusster Entscheidung, die eine gewisse Macht in sich hält. Diese Macht ähnelt der Macht, die wir mit einem Fotoapparat und dem Finger auf dem Auslöser innehaben.

Es ist ein Spielfeld, in dem Pluto das Unvorhersehbare fixiert, so wie Fotograf:innen auf ein entscheidendes Motiv lauern. Die Maschine produziert unendliche, im Rahmen der Nutzer:innenoberfläche unvorhersehbare Möglichkeiten, aber eine menschliche Hand entscheidet, welcher Zwischenstand in diesem Prozess eingefroren wird – eine Überraschung, vielleicht in diesem Rahmen »unwahrscheinlicher« als alle Endprodukte, die der Algorithmus von selbst hervorgebracht hätte.

 

 

Tafel XIII: Vermeintliche Grenzen und Workarounds

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Tizian Albachten und Kaspar Flesch studieren seit 2023 bzw. 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Bei dem gezeigten Bild handelt es sich um eine mit dem Tool »Generatives Füllen« in Photoshop veränderte Fotografie. Die ursprüngliche Aufnahme entstand nachts bei teilweise bewölktem Himmel. Im oberen Bildteil ist ein Objekt zu erkennen, das an eine Bombe erinnert. Direkt darunter befindet sich eine grüne Leinwand mit sechs grünen Figuren, die vom Betrachter abgewandt sind und teils zu tanzen, teils zu gehen scheinen. Darunter erstreckt sich ein schimmernd welliger Pool mit einer leuchtenden roten Linie am hinteren Ende. Zwischen Pool und Leinwand wird ein Zaun zu Artefakten, die irgendwo zwischen Autoscheiben, Rollläden und Hauswänden liegen.

Die Fotografie entstand ursprünglich in einem Basiswissen-Kurs an der Folkwang Universität der Künste. Nach Beendigung der Aufgaben wurde das Bild aus Spaß mit KI bearbeitet. Dabei wurden verschiedene Prompts ausprobiert. Als wir eine Bombe visualisieren wollten, blockierte die KI dies. Durch den Workaround »Arschbombe« gelang es jedoch, das Bombenmotiv zu erzeugen, ohne die Sicherheitsmechanismen auszulösen. Dieses Beispiel zeigt, wie leicht sich Sicherheitsvorkehrungen umgehen lassen. Durch solche Workarounds können gewaltvolle oder manipulative Bilder produziert werden, die für Desinformation, Propaganda oder Falschnachrichten missbraucht werden können.

Dies wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann die Nutzung von KI sinnvoll reguliert werden? Welche Verantwortung tragen die Entwickler solcher Tools? Und wie lässt sich Missbrauch flächendeckend verhindern, ohne die kreativen Möglichkeiten zu stark einzuschränken? Als Verbraucher und Nutzer dieser Technologien können wir diese Fragen aufwerfen und diskutieren. Es bedarf jedoch einer gesellschaftlichen und rechtlichen Debatte, um angemessene Lösungen zu finden.

 

Tafel XII: Urheberrecht im KI-Zeitalter

dreamshaper XL, Stable diffusion, Symbolbild (OC), getimg.ai – eigens trainiertes Modell

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Luis Lucyga studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Der mit einem bildgenerativen KI-Modell erstellte Bildausschnitt zeigt Wolken im Sonnenschein vor klarem, blauem Himmel. Bei genauerer Betrachtung werden aber Textüberreste in Form von Wörtern und einzelnen Buchstaben sichtbar. Die Trennung zwischen Wolke und Text ist dabei fließend: Die kryptischen Wortschnipsel schreiben sich in die Umgebung ein und werden Teil von ihr.

Diese Überreste stammen von in Bildern eingebetteten Wasserzeichen verschiedener Stockphoto-Plattformen. Zum Schutz des Urheberrechts der Bild-Autor:innen werden diese Wasserzeichen in Form von Logos und Textfragmenten auf die beworbenen Bilder gelegt. Erst mit einem Erwerb einer Lizenz weicht diese Kennzeichnung dem eigentlichen Bildmaterial. Ausgehend von den generierten Bildern lässt sich nur noch begrenzt nachvollziehen, von welchen Stockphoto-Seiten und vor allem welchen Urheberinnen das nicht lizenzierte Bildmaterial stammt. Nichtsdestotrotz ist dieser Umstand ausreichend für eine Feststellung.

Bildgenerative KI-Modelle werden mit menschengemachtem Bildmaterial in Milliardenzahl trainiert, dessen Verwendungszweck in der Regel nicht mit den Rechteinhaber:innen abgestimmt wurde. Zudem zeigen nur wenige Anbieter Transparenz im Hinblick auf ihre Datenbanken und die Herkunft des gesammelten Trainingsmaterials. Sichtbar wird dieser Missstand in diesem Fall lediglich deshalb, weil sich Wasserzeichen aufgrund ihrer repetitiven Struktur in die Generierung einschreiben. Damit geben sie gleichzeitig einen Hinweis auf eine weitaus größere, unsichtbare Masse an Bildern, deren nicht lizenzierte Verwendung nicht mehr zurückverfolgt werden kann.

In diesem Nachhall erscheinen die Wasserzeichen wie Relikte einer überholten Praxis, die auf eine aktuelle Notwendigkeit verweisen: Der Umgang mit Urheberrecht und algorithmischen Systemen muss überhaupt erst noch verhandelt werden.

 

Tafel XI: KI-Ausstellungsansicht

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Anton Siemann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Es scheint sinnlos zu sein, bei der Dokumentation von Ausstellungsexponaten im Raum auf die Hilfe KI-generierter Bilder zu setzen. Welchen Wert hätte das nie Dagewesene zur Bezeugung von Wirkung in einem tatsächlichen Raum? Das System schenkt mir ein Dokument, ohne dass ich mich hierfür anstrengen muss, bildet das ab, was es von mir beschrieben bekommt: Exponat und Raum – ohne jemals selbst das Exponat gesehen oder den Raum betreten zu haben. Es scheint, als würde die KI das Bild auf magische Weise erfinden, uns das plausibel Mögliche konstruieren. Wie ein Besucher oder eine Besucherin der Ausstellung, dessen persönliche Erfahrung uns als Bild vorgelegt wird.

Mir scheint es leicht, das Ergebnis unseres kurzen textlichen Austausches zu bewerten, da ich genau weiß, wie das echte Exponat im echten Raum aussieht. Wer das nicht weiß oder nicht die Gelegenheit hatte, vor Ort zu sein, würde dennoch von dem vorliegende Bild zumindest eine Idee bekommen, die alles andere als ungenau ist. Ungenau sind einzig Details. Das tatsächliche Motiv der Fotografie ist nach meiner spärlichen Beschreibung relativ akkurat getroffen wird, und auch der Bezug des Objektes zum Raum. Mit der Art der Aufhängung hat das Programm trotz mehrmaliger Beschreibungsversuche allerdings seine Schwierigkeiten. Die Einfachheit dreier unregelmäßig angeordneter Nägel an der Ober- und Unterseite der beigen Schachtel, die das Bild halten, sind für das Programm eine Hürde. Stattdessen wird wiederholt eine konventionelle Variante der Hängung mit vier gleichmäßig angebrachten Nägeln vorgeschlagen.

Auch der Rahmen wird weniger wie eine Schachtel generiert, sondern wie eine schwammige Oberfläche. Der Raum, den ich als Garage beschrieben habe, scheint mir aufgrund der Perspektive, die eine Nische im Hintergrund erkennen lässt, unnötig verschachtelt interpretiert und nicht auf das Wesentliche reduziert zu sein. Dennoch ist bemerkenswert, wie genau Atmosphäre und Komposition der Fotografie sowie die Beschaffenheit der Garage, die als Ausstellungsraum dient, getroffen werden. Mir ist bewusst, dass der Zweck einer Ausstellungsansicht die genaue Dokumentation der tatsächlichen Situation ist. Man könnte denken, dass die bildgebende Instanz anwesend war, wenn man bedenkt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie das Bild formt.

Ich nehme an, dass Intention, Haltung und Perspektive des oder der Fotograf:in gar nicht so genau generiert werden könnten, selbst wenn ich sie ganz genau beschreiben würde. Das Ersetzen von Ausstellungsansichten durch KI wird also, wie beeindruckend genau auch immer, niemals ein authentisches Abbild des Tatsächlichen liefern. 

Tafel X: You think you’re cooler than me?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Felix Molitor studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Die generative KI ist auch dazu in der Lage, das menschliche Gemüt zu erheitern. Generierte Inhalte, die als humoristisch rezipiert werden, sind in sozialen Medien häufig vertreten und begegnen uns im Alltag in verschiedenen Formen. Hier sehen wir die Darstellung einer Katze beziehungsweise eines Katers in einem Kühlschrank. Das Tier schaut aus dem geöffneten Eisfach hinaus direkt zur betrachtenden Person. Dabei fällt auf, dass die Proportionen und Größenverhältnisse nicht wirklich stimmig sind.

Oben und unten befindet sich der zusammenhängende Schriftzug „YOU THIN YOIR COLLER THANON ME“. Der Prompt „You think you’re cooler than me“ wurde folglich fehlerhaft abgeändert. Außerdem lässt die Darstellung eines Kühlschranks darauf schließen, dass das Wort „cooler“ als Hinweis auf ein Kühlgerät verstanden wurde.

Der humoristische Moment ist hier eher zufällig entstanden und nicht durch die Bildgenerierungssoftware intendiert. Zum aktuellen Zeitpunkt besitzt die KI nur ansatzweise die Fähigkeit, selbstständig humoristische Inhalte zu erstellen. Intention oder Bewusstsein für Komik lassen sich ihr nicht zuschreiben; humorvoll wird das Bild erst in der Rezeption. Humor kann beispielsweise durch Prompts, die absichtsvoll eine skurrile, komische Anordnung oder Situation beschreiben, durch zufällige, nicht intendierte Bildinhalte oder Fehler in der Bildgenerierung entstehen.

In unserem Beispiel wurde durch einen kurzen, wenig bildbeschreibenden Prompt viel Platz gelassen für Fehlinterpretationen, Halluzinationen und unvorhersehbare Bildentscheidungen. Die zufällig generierte Katze und der fälschlicherweise generierte Kühlschrank treten in einen nicht-logischen Bild- und Sinnzusammenhang. Der dazu übernommene, falsch geschriebene Text unterstützt die komische Anmutung des Bildes. So kann Humor entstehen – zumindest wenn man gewillt ist zu lachen. 

Tafel IX: Sprache und Träumen

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Marla Koether studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Mit der CFG (Classifier-Free Guidance)-Skala lässt sich im Generierungsprozess Einfluss darauf nehmen, in welchem Ausmaß sich die KI an die Bildbeschreibung hält. Somit kann aktiv in das eingegriffen werden, was sonst in Diffusionsmodellen ein separater Bildklassifikator übernimmt und technisch verborgen bleibt.

Einstellen lässt sich der Wert zwischen 1 und 30. Je höher, desto mehr entspricht das generierte Bild dem Prompt. Ein zu empfehlender Bereich liegt zwischen 7 und 10, da dieser in der Regel ein Gleichgewicht zwischen Abweichung und Treue zu der Eingabeaufforderung darstellt. Die Beobachtungen zeigen, dass ein zu hoher Wert ebenfalls nicht mehr der Eingabe entspricht. Zudem lässt sich feststellten, dass selbst innerhalb der empfohlenen Werte keine vollständige Kontrolle über das Bildergebnis entsteht und willkürliche Ergebnisse möglich sind.

Neues wird in der generativen KI geschaffen, doch nie ohne die schon vorhandenen Grundlagen. Zudem scheint ein Spielraum dieser technischen Parameter für die Bildgenerierung nötig zu sein, da die Bildergebnisse sonst zu extremen Darstellung führen. Dieses Abweichen lässt sich intuitiv als Kreativität und Träumen beschreiben. Ist dies eine paradoxe Beobachtung? Immerhin sind Kreativität, Lösungsfindung und Neuerschaffung dem menschlichen Wesen zugeordnet.

Die fotografische Technik wird kontinuierlich weiterentwickelt, bis sie präzise, technisch perfekte und wahrheitsgetreue Abbildungen ohne ungewollte Elemente ermöglicht. Im Gegensatz zu dieser Genauigkeit wird das »Herumspinnen« von der KI erwartet und ist explizit bei einer knappen Eingabe erwünscht. Selten wird im Prompt eine gewünschte Form konsequent bis ins letzte Detail beschrieben, die Textbeschreibung ist nur stichpunktartig. Somit wird bei der Texteingabe, meist absichtlich, ein Teil des »Denkens« der KI überlassen.

Dadurch findet eine Verlagerung von Vorstellung und Entscheidung statt: Es muss keine ausformulierte Vorstellung im Vorhinein bestehen. Mit der Erzeugung von Bildvorschlägen können diese zunächst betrachtet werden. Erst danach erfolgt die Bewertung, ob das Ergebnis passend ist. In diesem Möglichkeitsraum können dann zusätzlich durch Sprache – ungebunden an Ort, Zeit oder Gegenstand – gezielt Bildteile verändert werden. In gewisser Weise illustriert das Bild die Sprache.

Tafel VIII: Havarie oder KI?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jasper Gartmann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen ein Fahrzeug, dessen vorderer Teil durch einen plötzlichen und gewaltsamen Vorfall schwer verformt wurde. Die Karosserie ist aufgerissen, Bruchstücke liegen verstreut auf dem Boden, und die innere Konstruktion, die dem Blick gewöhnlich verborgen bleibt, tritt nun offen zutage. Das Bild vermittelt auf den ersten Eindruck die ungeschönte Sachlichkeit eines Unglücks, wie sie nur durch das unmittelbare Festhalten des Augenblicks entstehen kann.

Eine weibliche gelesene Person kniet neben dem beschädigten Rad und scheint die Ursache oder die Folgen des Ereignisses zu untersuchen. Ihre Haltung wirkt weder dramatisch noch bewusst arrangiert. Doch bei längerer Betrachtung stellen sich Zweifel ein, die den zunächst gewonnenen Eindruck der Authentizität erschüttern.

So fällt etwa die Unschärfe und eigentümliche Verformung des linken Fußes ins Auge, dessen Gestalt sich nicht klar deuten lässt. Ob dies eine Folge der Havarie ist oder vielmehr ein Hinweis auf eine andere Ursache, bleibt zunächst offen. Der Verdacht verstärkt sich jedoch beim genaueren Blick auf die Finger der Hand der Frau, deren Formen unentschlossen und schwammig erscheinen. Weitere entscheidende Hinweise liefern das rechte Hosenbein, welches ebenfalls in einer unnatürlichen Unschärfe verschwindet.

Diese Unstimmigkeiten legen nahe, dass es sich hier nicht um eine Fotografie handelt, die Ereignis bezeugt, das tatsächlich stattgefunden hat. Vielmehr deutet die Häufung typischer Fehler – unklare Übergänge, unsaubere Details, anatomische Ungenauigkeiten – darauf hin, dass wir es mit einem durch künstliche Intelligenz erzeugten Bild zu tun haben. So wird diese Tafel weniger zu einem Zeugnis eines realen Unfalls als zu einem aufschlussreichen Beispiel der neuen bildschaffenden Verfahren unserer Zeit, deren Wirklichkeitstreue sich bei näherem Hinsehen als trügerisch erweist.
 

Tafel VII: Kinderstuhl

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Hartmut Rosemann studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wer jemals versucht hat, ein im Geiste vorgestelltes Bild mithilfe von Sprache und einem KI-Modell in eine tatsächliche Darstellung zu überführen, stellt, sobald das anfängliche Gefühl von Magie verflogen ist, fest, dass Einzelheiten oft nicht so in Erscheinung treten, wie sie intendiert waren. In der sprachlichen Beschreibung werden Details ausgelassen, vielleicht bleibt die Definition des Lichts oder einer Textur ungenau, kurz: Man scheitert an der unermesslichen Detailfülle der Welt.

Ich habe versucht, diese Problematik in einem Experiment ad absurdum zu führen: Mein Ausgangspunkt sollte jetzt kein imaginiertes Bild sein, sondern eine digitale Fotografie eines Stilllebens. Diese Aufnahme ließ ich von einer künstlichen Intelligenz bis ins kleinste Detail analysieren, um daraus den Prompt für eine erneute Bildgenerierung zu gewinnen.

Das hier gezeigte Resultat vermittelt ein grundlegendes Verständnis für den Aufbau des Originalbildes: Es zeigt die gleichen oder ähnlichen Gegenstände, arrangiert sie in einem ähnlichen Verhältnis zueinander, greift die Komposition und Lichtstimmung auf und übersetzt sie in einer ähnlichen Weise. Doch es bleibt bei dieser Ähnlichkeit.

In der Fotografie wird die Realität über ein optisches System auf einen – wie in meinem Fall – digitalen Sensor projiziert und gespeichert. Modelle künstlicher Intelligenz hingegen haben anhand von Trainingsdatensätzen mit Abermillionen Bildern gelernt, wie Dinge typischerweise aussehen und generieren daraus eigene Darstellungen. Während eine Fotografie auch Details festhält, die manchmal erst bei späterer Betrachtung ins Auge fallen, bleibt die KI auf die Sprache angewiesen und diese weist, wie bereits beschrieben, Lücken auf. Die Maschine füllt diese Leerstellen mit statistischen Mustern. Wird im Prompt etwa nur ein Kinderstuhl erwähnt, ohne dessen spezifische Beschaffenheit zu bestimmen, entscheidet sich die Maschine für eine Durchschnittsdarstellung eines Kinderstuhls.

In meinem Experiment dient die Originalfotografie als Stellvertreter einer präzisen mentalen Vorstellung. Der Versuch, diese eins zu eins in das KI-Modell zu überführen, gleicht dem Vorhaben, einem anderen Menschen ein inneres Bild zu beschreiben. Das Gegenüber wird niemals exakt das gleiche Bild vor dem geistigen Auge formen. Womöglich lässt sich die generative Leistung der Maschine analog zur menschlichen Imaginationskraft begreifen.

Auch unsere mentalen Bilder sind selten bis ins letzte Detail definiert. Wir formen sie aus visuellen Erfahrungen und erlernten Konzepten. In ähnlicher Weise greift auch die KI auf ihre digital erlernte Bildwelt zurück und synthetisiert daraus Bilder nach ihrer eigenen Bildlogik.

So kann ein durch KI erzeugtes Bild als Ergebnis zweier aufeinandertreffender Imaginationssysteme verstanden werden, entstanden in einem produktiven Raum zwischen menschlicher und maschineller Vorstellungskraft.

Tafel VI: Über die Reproduzierbarkeit rechnerisch erzeugter Bilder

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Johan Schiefke studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

In dem hier vorgelegten Versuch bat der Operator das System, ein von Künstlicher Intelligenz hervorgebrachtes Original (oben links) allein unter dem Stichwort »Porträt« zu reproduzieren. Dem Resultat dieser Aufforderung wurde wiederum dieselbe Prozedur unterzogen. Dieser Vorgang wurde in einer Kette von fünfunddreißig Wiederholungen fortgesetzt.

Während es bei den ersten Resultaten noch ein geschultes Auge bedarf, um Abweichungen vom ursprünglichen Bilde zu bemerken, treten mit fortschreitender Wiederholung allmählich Erscheinungen hervor, die sich dem Beobachter nicht länger entziehen. Dies reicht von einem Rauschen im Bild über unverhältnismäßige Sättigung der Farben bis hin zur Veränderung des Bildinhalts selbst. Der Prozess lässt sich bis zur völligen Entfremdung von seiner Ursprungsgestalt fortsetzen. Womöglich wäre das Bild ohne die Vorgabe, ein »Porträt« zu kreieren, bereits in neue Gestalten zerflossen.

Mein Bestreben ist jedoch weniger darauf gerichtet, die Ursachen dieser skurrilen Eigenart im Inneren der generativen Bildgebung zu ergründen, als vielmehr, deren Bedeutung für die mögliche Zukunft dieser neuartigen Technologie in einem Gedankenexperiment zu illustrieren.

Man stelle sich vor, man entledige sich eines Tages des mühseligen Vorgangs der Fotografie endgültig und das Bild entstehe fortan allein durch rechnerische Verfahren. So würden die Bildarchive jener Systeme allmählich mit ihren eigenen Erzeugnissen durchsetzt. Resultat wäre eine Rückkopplungsschleife, durch die das System fortwährend sich selbst zum Gegenstand seiner Berechnungen machen würde, bis es im Wahn der Selbstverirrung seine eigene Grundlage untergrübe und ins Absurde fortentwickelte.

Man könne diesem Problem entgegentreten, indem man die Erzeugnisse künstlicher Intelligenz aus dem eigenen Korpus entfernte. Insofern bliebe jedoch die Frage offen, woher künftig neue Bilder zur Verarbeitung gewonnen werden sollen. Die Maschine würde zu einer bloßen Zeitkapsel der Vergangenheit werden.

Tafel V: Zweifel und Beweis

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Chaeg Kim studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Fotografien bewiesen Fakten selten direkt, sondern halfen uns vor allem dabei, schnell zu entscheiden, was vertrauenswürdig ist. In diesem Sinne waren Fotografien auch ein Mittel, um Zweifel zu beenden. Aus diesem Grund wurden Fotos als Beweise für bestimmte Situationen oder Ereignisse akzeptiert. KI-generierte Bilder können diese Funktion jedoch leicht unterspülen.

Sie sind in der Lage, eine „Verifizierung“ in Online-Räumen durchzuführen, in denen keine persönlichen Begegnungen stattfinden. Beispiele hierfür sind Fotos, auf denen ein Klebezettel mit einem geschriebenen Datum gehalten wird, oder Bilder, die spezifischen Anweisungen wie bestimmten Posen oder Handgesten folgen. Wo Fotografien als Beweise zur Unterstützung von Urteilen verwendet werden, können Probleme auftreten.

So können beispielsweise in Dating-Apps wie Tinder natürlich generierte Profilfotos für Betrugszwecke genutzt werden, ohne offensichtlich verdächtig zu erscheinen. Ähnliche Formen der Täuschung sind auf Zweitmarkt-Plattformen wie Kleinanzeigen möglich. Darüber hinaus können KI-generierte Bilder dazu verwendet werden, akademische Zeugnisse zu fälschen, Nachweise für Krankmeldungen am Arbeitsplatz zu manipulieren, Familienmitglieder zu beruhigen, Bilder von beschädigten Waren bei Versicherungen einzureichen, die Zustellung von Paketen zu bestätigen, Falschparken zu melden oder Bilder von Luxusartikeln oder Reisen in sozialen Medien zu posten.

Nahezu jede Situation, in der Fotografien geholfen haben, ein Urteil zu bilden, ist davon betroffen – zum Beispiel mein Bild, das mich an einem sehr bekannten Ort zeigt, an dem ich weder an jenem Tag war noch bisher überhaupt jemals.

 

Tafel IV: Warum sind diese Gesichter nass?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Isabella Rintsch studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

»Wie Hammer ist das?« oder »Ja, ich bin ein #ChatGPT-Opfer« sind Reaktionen auf einen bereits etwas veralteten, sich auf ChatGPT beziehenden Internet-Trend. Mein Prompt lautete: »Erstelle ein kontrastreiches Nahaufnahmeporträt meines Gesichts mit Fokus auf die Vorderseite, in Schwarz-Weiß-Nahaufnahme, 35-mm-Objektiv, 4K HD-Qualität. Starker Ausdruck, Wassertropfen auf meinem Gesicht, schwarzer Schattenhintergrund, nur das Gesicht ist sichtbar, Seitenverhältnis 4:3.« Zusätzlich wurde die Maschine mit einem Bild oder mehreren Bildern der Person für das zu generierende Porträt gefüttert. Zu sehen sind hier vier Beispiele von den sehr vielen, die man im Internet finden kann.

Trotz der verblüffenden Ähnlichkeit zur Realität erzeugt das generierte Wassertropfen-Porträt ein unbehagliches Gefühl. Vor allem in ihrer Vielzahl treiben sie ein problematisches Verlangen nach Uniformität in der Gesellschaft hervor. Der strenge Blick, der im Schatten verschluckte Hintergrund, die gelee-artigen Tropfen und besonders die Menge der in gleicher Art generierten Porträts schafft eine Flut von unsympathisch wirkenden und unbegründet nassen Gesichtern. Diesen Porträts fehlt ganz einfach das Leben. Die bedenkenlose Abgabe eigener Daten erleichtert den Vorgang. Systematisch sind sie dem Passbild recht ähnlich, wobei das Produkt hinsichtlich seines Nutzens nicht gegensätzlicher sein könnte.

Doch gibt es für die Faszination, die dieser Trend ausübte, mit Sicherheit Gründe. Neben Langeweile und Mitteilungsbedürfnis ist es vielleicht das trügerische Gefühl, das Produkt eines professionellen Photoshootings zu erlangen, wenn dafür sonst die Mittel fehlen. Für einen kurzen Spaß und Beitrag in den sozialen Netzwerken scheint durchaus es angemessen. Allerdings sollte ein ernsthafter Nutzen dieser Bilder ausgeschlossen werden, denn besonders auf Dating-Plattformen finden diese Porträts immer mehr ihren Platz.

Es ist ja bereits fragwürdig genug, wenn Personen Teile ihres Gesichts unkenntlich machen, zum Beispiel durch eine Sonnenbrille. Wenn nun aber auf solchen Plattformen Bilder zirkulieren, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden, stellt sich erst recht die Frage, welches Bilderspiel hier eigentlich betrieben wird.

Tafel III: Slop?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Ludwig Wang studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Erinnern wir uns an das Bild des Papstes, das weniger das Oberhaupt der katholischen Kirche zeigte als die Inszenierung eines Hip-Hop-Stars: Die Bedeutung dieses Bildes entstand nicht durch den Bezug zu einem realen Anlass, sondern aus der kollektiven Bereitschaft, es als bedeutsam wahrzunehmen. Es verwies auf kein tatsächliches Ereignis und entfaltete dennoch Wirkung, die nicht im Bild selbst lag, sondern in seiner Lesbarkeit und der Übereinstimmung seiner Zeichen mit vertrauten visuellen Codes.

Das gleiche Prinzip zeigt sich in diesem generierten Bild von Che Guevara, das eine mir sehr ähnelnde Person an seine Seite setzt. Auch hier entsteht Bedeutung nicht aus einem Ereignis, sondern aus der Wiedererkennbarkeit der Zeichen: Kleidung, Pose, Körnung, historischer Gestus. Es funktioniert, weil es sich bekannt anfühlt, nicht weil es etwas beweist. Das Bild ist für eine kleine Weile amüsant, irritierend oder ansprechend, weil es eine bekannte Ikone mit einer unerwarteten Nähe verbindet. Doch diese Nähe bleibt folgenlos. Sie eröffnet keinen neuen Blick, keine Erfahrung, keine Erkenntnis. Was gezeigt wird, erschöpft sich im Erkennen der Inszenierung.

Solche Bilder sind heute unbegrenzt verfügbar, formal austauschbar und jederzeit reproduzierbar. Gerade darin liegt ihre paradoxe Schwäche. Je häufiger sie zirkulieren, desto schneller verlieren sie ihre Wirksamkeit. Ihr Reiz liegt im Effekt, in der überraschenden Kombination und im spielerischen Bruch, doch dieser Effekt nutzt sich rasch ab. Sie fordern keine Entscheidung, kein Innehalten, keine Verantwortung. Was bleibt, ist Wiederholung.

Die Müdigkeit gegenüber dem Großteil von generierten Bildern ist daher weniger eine Ablehnung der Technik als eine Reaktion auf Bedeutungsinflation. Wo alles möglich ist, wird nichts notwendig. Die Zukunft dieser Bilder entscheidet sich nicht an ihrer technischen Perfektion, sondern an der Frage, ob sie mehr sein können als plausible, kurz unterhaltende Oberflächen oder ob sie lediglich, wie das Bild mit Che, amüsieren, zirkulieren und schließlich spurlos verschwinden.

Tafel II: Fake Shibuya

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Kageaki Inoue studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen dicht gedrängte, gemischt genutzte Gebäude, riesige Werbetafeln auf Dächern und entlang der Fassaden. Hinter einer Kreuzung ragen Wolkenkratzer auf, und noch weiter dahinter zeichnet sich am Horizont schwach die Silhouette einer sanft ansteigenden Bergkette ab. Dieses Bild ist eine von einer KI generierte Ansicht von Tokyo aus der Vogelperspektive.

Man kann anhand der Form der Kreuzung zwar vermuten, dass es sich um das Zentrum von Shibuya handelt, doch jemand, der sich in Tokyo gut auskennt, würde sofort erkennen, dass es sich um eine völlig fiktive Stadt handelt. Für Shibuya gibt es zu wenige Hochhäuser, und es fehlt der nahezu direkt an die Kreuzung angrenzende Bahnhof. Auch die Schriftzeichen auf den Werbetafeln lassen sich nicht eindeutig als japanisch oder chinesisch identifizieren, vielleicht nicht einmal als korrekte Schrift. Es ist überraschend, dass keine Wahrzeichen wie der Tokyo Tower oder der Skytree zu sehen sind. Dass der Fuji nicht dargestellt wurde, ist hingegen lobenswert.

Während der Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums in den 1960er-Jahren nahm der Verkehr in Shibuya durch die Ansiedlung zahlreicher kommerzieller Einrichtungen explosionsartig zu. Um die Sicherheit von Fußgängern und Fahrzeugen zu gewährleisten, entstand 1973 das berühmte „Scramble Crossing“. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre etablierte sich das Viertel als Zentrum der Jugendkultur, und diese Kreuzung wurde zu einem symbolträchtigen Ort der Stadt.

Heute finden sich dort nicht nur Einkaufszentren, sondern auch zahlreiche Bürogebäude und kulturelle Einrichtungen, weshalb Shibuya als Knotenpunkt für Menschen aus verschiedenen Bereichen dient. Auch international ist der Bekanntheitsgrad gestiegen, und das Viertel gilt als kosmopolitischer Stadtteil. Mittlerweile ist Shibuya sogar innerhalb der KI-Welt bekannt geworden. Wenn man um ein Foto von Tokyo bittet, erzeugen sie in Sekundenschnelle solch eine seltsam anmutende, an Shibuya erinnernde Stadtlandschaft.

Tafel I: Ein Bild aus Sprache und Vorstellung

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Dorian Beck studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Mit der hier angewandten Entdeckung ist es erstmals möglich, eine Abbildung ohne den Einsatz von Licht zu erzeugen. Lediglich ein Text wird als Ausgangspunkt benötigt. Die Frage, ob in diesem Zusammenhang noch von einer Fotografie gesprochen werden kann oder ob hierfür ein neuer Begriff erforderlich ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten und wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Bereits jetzt wird jedoch deutlich, dass hier Bilder entstehen, die sich der Vorstellungskraft des Gestalters verdanken – vergleichbar mit der Malerei, die keiner zwingenden Gesetzmäßigkeit folgt. Die Abbildung ist weniger Ergebnis einer Aufzeichnung als einer Konstruktion.

Die Oberflächen der Gefäße scheinen einen feinen Glanz aufzuweisen und zeugen von einer präzisen Verarbeitung. Das könnte auf eine außergewöhnlich hohe Qualität der dargestellten Materialien hinweisen. Die Gläser spiegeln ihre Umgebung auffallend genau wider, aus der angenommenen Perspektive blickt man in eine inszenierte Studiolandschaft. Ein blau-grüner Stoff bildet, einer Rückwand gleich, den Hintergrund, was in Verbindung mit einer nur implizierten Lichtquelle dazu führt, dass das gesamte Bild von einem kühlen, bläulichen Farbton durchzogen ist.

So lädt die Abbildung die Betrachtenden dazu ein, nicht nur das Dargestellte wahrzunehmen, sondern auch über den Akt und Prozess seiner Entstehung nachzudenken. Sie regt an, indem sie weniger eine dokumentarische Wahrheit behauptet als vielmehr eine visuelle Möglichkeit eröffnet – ein Bild, das nicht aus Licht, sondern aus Sprache und Vorstellung entstanden ist.