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re.21.lettres.a.la.photographie@gmx.de auf der Phototriennale Hamburg

Phototriennale Hamburg, wir kommen! Im Oktober konnte unsere aus Masterstudierenden und Mitarbeiter:innen bestehende Performancegruppe re.21.lettres.a.la.photographie@gmx.de im Museum Folkwang erstmals auf das pseudonyme Kunstprojekt 21.lettres.a.la.photographie@gmx.de reagieren − die Namensgebung ist offenbar so verwirrend, dass uns die Photonews in der jüngsten Ausgabe durcheinander gebracht hat. In Form einer Intervention zeigten wir das Bildermachen als harte, aber auch witzige Arbeit zwischen Aktenablage und Scanner, Office-Kopierer und Mail-Versand. An diesem Wochenende geht das Projekt im Programm Triennal Expanded der Phototriennale Hamburg in die nächste Runde. Kommt vorbei, wenn ihr in der Nähe seid und drückt uns die Daumen, dass es keinen Papierstau gibt!

Alle Informationen zum Abend und dem spannenden Programm finden sich auf der Website der Phototriennale.

Die »Passagen« sind eröffnet

Ausstellung »Passagen« in der Kunststiftung DZ Bank, 2022. Foto: Silviu Guiman.

Am 31. Mai haben wir in der Kunststiftung DZ Bank in Frankfurt am Main die Ausstellung »Passagen« eröffnet. Zu sehen ist sie nun bis zum 15. Oktober dieses Jahres. Anlässlich der Eröffnung sprachen Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG, Dr. Christina Leber, künstlerische Leiterin der Kunststiftung DZ Bank sowie für die Folkwang Universität der Künste Clara Mühle und Max Beck, beide Studierende im M.A. Photography Studies and Research, sowie Prof. Dr. Steffen Siegel.

Die gesamt kuratorische Arbeit an dieser Ausstellung – von der Konzeption, Einrichtung bis hin nun zur Vermittlung – basierte auf einem Kooperationsseminar zwischen der Kunststiftung und der Folkwang Universität der Künste. Unterrichtet wurde es im Wintersemester 2021/2022 gemeinsam von Christina Leber und Katrin Thomschke von der Kunststiftung und von Steffen Siegel. Insgesamt 16 Master-Studierende des wissenschaftlichen Master-Studiengangs zur Theorie und Geschichte der Fotografie haben hieran teilgenommen.

Die Ausstellung stellt die Frage nach gesellschaftlichen wie persönlichen Passagen. Anhand von künstlerischen Werken, die von insgesamt dreizehn Künstlerinnen und Künstlern stammen, sollen diese Fragen auf dem Weg einer Ausstellung aufgegriffen und vertieft werden. Die ausgestellten Werke stammen von Gwenneth Boelens, Christian Boltanski, Françoise & Daniel Cartier, Raphael Hefti, Sven Johne, Timo Kahlen, Sandra Kranich, Lilly Lulay, Beatrice Minda, Richard Mosse, Manfred Paul und Stefan Schenk.

Zur Ausstellung erscheint, wie stets in der Kunststiftung, ein Katalog, der dieses Mal von allen beteiligten Studierenden Texte enthält, die in freier Form zu den Fragen und Werken der Ausstellung Bezug nehmen. Der Katalog ist auch als PDF online verfügbar. Außerdem wird ein umfangreiches Begleitprogramm angeboten werden, das ebenfalls zu großen Teilen durch den Studierenden der Folkwang Universität getragen werden wird. Details hierzu finden sich am Ende des Katalogs.

Passagen

Gemeinsames Erarbeiten der Ausstellungshängung anhand eines Grundrisses der Ausstellungshalle, Christina Leber und Steffen Siegel mit Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars »Passagen« im Wintersemester 2021/2022 an der Folkwang Universität der Künste, Essen. Foto: Silviu Guiman

Am 31. Mai 2022 wird in der Kunststiftung DZ Bank in Frankfurt am Main die Ausstellung »Passagen« eröffnet, gemeinsam kuratiert von 13 Studierenden des M.A. Photography Studies and Research* und 3 Studierenden des M.A. Photography Studies and Practice** an der Folkwang Universität der Künste im Rahmen eines Seminars von Christina Leber und Steffen Siegel.

Die Ausstellung zeigt Werke von Gwenneth Boelens, Christian Boltanski, Françoise & Daniel Cartier, Raphael Hefti, Sven Johne, Timo Kahlen, Sandra Kranich, Lilly Lulay, Beatrice Minda, Richard Mosse, Manfred Paul und Stefan Schenk.

Zu sehen ist sie bis zum 15. Oktober dieses Jahres; und wie stets in der Kunststiftung wird sie von einem Katalogheft begleitet, das dieses Mal die Studierende der Folkwang Universität verfasst haben. Während der Laufzeit bieten sie außerdem thematische Führungen an.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogheft, das in der Kunstsammlung für die Besucher:innen kostenlos ausliegt und nach der Eröffnung der Ausstellung auch hier auf der Website als PDF-Download verfügbar sein wird.

* Özlem Arslan, Max Beck, Dortje Fink, Tabea Funke, Sarah Gramotke, Deborah Herber, Clara Mühle, Annekathrin Müller, Malte Radtki, Jakob Schnetz, Paul Werling, Lily Wild und Julia Wolf
** Silviu Guiman, Marie Lansing und Philipp Niemeyer

Photography Studies and Research

Einmal im Jahr schreiben wir unsere beiden Masterprogramme zur Künstlerischen Fotografie und zu Theorie und Geschichte der Fotografie aus. Wir freuen uns auf Bewerbungen von allen, die wie wir vom Reichtum dieses Mediums fasziniert sind, die gemeinsam mit uns über Geschichte und Gegenwart der Fotografie nachdenken und ihre Zukunft gestalten wollen.

Der Bewerbungsschluss für den M.A. Photography Studies and Practice war am 15. März 2022, für den M.A. Photography Studies and Research ist es der 31. Mai 2022. Die Mitglieder unseres Teams freuen sich über Rückfragen und geben gerne Auskunft!

Wie bereits im vergangenen Jahr lag auch dieses Mal die Gestaltung unserer beiden Plakate in den Händen von Daniel Kobert und Viktor Lentzen – ohne Frage eine gute Wahl, denn ihre Entwürfe des zurückliegenden Jahres wurden unter 2.000 Motiven mit der Auszeichnung »100 Beste Plakate« geehrt. Und auch dieses Jahr zeigt ihre Gestaltung beider Plakate an, dass wir unsere beiden Masterprogramme als ein Tandem verstehen: Kunst und Wissenschaft arbeiten eng zusammen.

Stellenausschreibung Theorie und Geschichte der Fotografie

Am Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste ist zum 1. August dieses Jahres die Stelle einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin oder eines wissenschaftlichen Mitarbeiters (m/w/d) ausgeschrieben worden. Gesucht wird eine Forscherin oder ein Forscher, die oder der ein Promotionsvorhaben an der Folkwang Universität der Künste im wissenschaftlichen Lehr- und Forschungsgebiet Theorie und Geschichte der Fotografie realisieren möchte. Mit der Stelle verbindet sich eine Beteiligung an der akademischen Lehre im Umfang von 2 SWS sowie der akademischen Selbstverwaltung. Erwartet wird die Mitarbeit in der Forschung, die Betreuung von Publikationen, Organisationstätigkeiten im Bereich der Professur für Theorie und Geschichte der Fotografie, die Bereitschaft zur eigenständigen Einwerbung von Drittmitteln sowie zur Unterstützung von anderen Drittmittelanträgen und die Weiterqualifikation mittels eines eigenständigen Forschungsprojekts, das zum Erwerb des Dr. phil. führt.

Bewerber*innen sollen erfolgreich ein Hochschulstudium (Master oder Magister) der geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fächer abgeschlossen haben, die eine hohe Nähe zur Theorie und Geschichte der Fotografie besitzen und gegenüber der fotografischen sowie gestalterischen Praxis aufgeschlossen sein. Erwünscht sind einschlägige Erfahrungen in der wissenschaftlichen Organisationstätigkeit, der Betreuung von Publikationen und/oder des Kuratierens. Erwartet werden ein sehr gutes Selbstmanagement und Teamfähigkeit sowie sehr gute Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift.

Die Vergütung erfolgt – je nach vorliegenden Voraussetzungen – bis Entgeltgruppe 13 des Tarifvertrages für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Die Besetzung erfolgt in Teilzeit mit 50% der durchschnittlichen regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit und zunächst befristet für 3 Jahre. Eine Verlängerung wird angestrebt.

Die Folkwang Universität der Künste strebt eine Erhöhung des Anteils an Frauen an, in den Bereichen in denen sie unterrepräsentiert sind und fordert deshalb einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Die Bewerbungen von Menschen mit Behinderung bzw. diesen Gleichgestellten im Sinne des § 2 SGB IX sind erwünscht, sie werden bei entsprechender Eignung bevorzugt eingestellt. Die Folkwang Universität der Künste versteht sich als familienfreundliche Hochschule und fördert Maßnahmen zur besseren Vereinbarung von Arbeit und Leben.

Bitte richten Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einer einzigen PDF-Datei (ohne Bewerbungsfoto) bis zum 29. Mai 2022 an den Rektor der Folkwang Universität der Künste und nutzen Sie hierzu ausschließlich das untere Online-Bewerbungsportal der Hochschule. Ein bis zu fünfseitiges Exposé (zzgl. Literaturnachweise) für ein mögliches Forschungsprojekt ist zusammen mit den Bewerbungsunterlagen einzureichen. Das Vorstellungsverfahren findet voraussichtlich in der Zeit vom 28.06.2022 bis 06.07.2022 statt.

Den verbindlichen Ausschreibungstext sowie eine Weiterleitung zum Bewerbungsportal finden Sie hier.

Bei inhaltlichen Fragen zur ausgeschriebenen Stelle wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Steffen Siegel. Bei allgemeinen personalrechtlichen Fragen wenden Sie sich bitte an Maria Morgenstern. Bei Fragen zur Gleichstellung der Geschlechter wenden Sie sich bitte an die zentrale Gleichstellungsbeauftragte.

Zwei Bücher, ein Book Launch

Gerade eben sind mit FOTO – TEXT – TEXT – FOTO und A LIST OF DISTRACTIONS gleich zwei Bücher auf einmal erschienen, an denen Kommiliton:innen, Alumni und Lehrende der Fotografie der Folkwang Universität der Künste mitgewirkt haben. Wir wollen diese tolle Zusammenarbeit mit euch feiern und laden alle Interessierten herzlich zu einer doppelten Buchpräsentation ein:

Am Dienstag, den 24. Mai um 18.00 Uhr im Grundlagenraum der Fotografie 1.52!

Wir freuen uns, mit euch über die Projekte, die entstandenen Bücher und das Büchermachen ins Gespräch zu kommen!
 

Nächster Folkwang Photo Talk mit Kathrin Yacavone

Nach einem gelungenen Auftakt der Folkwang Photo Talks mit Sara Dominici, der online stattfand, führen wir die Reihe nun in Präsenz fort. Wir uns außerordentlich, Kathrin Yacavone als nächsten Gast bei uns begrüßen zu dürfen! Yacavone ist Literaturwissenschaftlerin und Fotohistorikerin und aktuell International Fellow am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen. Ihren Vortrag hält sie zur Sammlungsgeschichte der Fotografie.

Der Talk findet statt am 19. Mai um 18 Uhr im Quartier Nord, Raum 2.13. Eine Anmeldung vorab ist nicht notwendig. Alle Interessierten sind herzlich willkommen!

Der nächste und letzte Vortrag für dieses Semester findet am 30. Juni mit Olga Moskatova statt, dann erneut im Quartier Nord.

 

Anjali Janssens und Simon Ringelhan sind erste Preisträger des »Ahlener Kunstsprungs«

Silke Anna Linnemann verleiht die Förderpreise an Anjali Janssens und Simon Ringelhan

»Take Over«, der Vorabend des Internationalen Museumstags unter der Regie der Folkwang Universität der Künste im Kunstmuseum Ahlen war ein voller Erfolg. Die Studierenden feierten ihre Ausstellung On Display. Der Körper der Fotografie und präsentierten sich auch mit anderen Kunstsparten, mit experimenteller Musik, mit Filmen und Dialogen. Künstlerisches Highlight war die Uraufführung eines Stücks für elektronische Harfe und Synthesizer von Kaspar Kuoppamäki & Fanny Herbst, das alle Anwesenden sichtbar in seinen Bann zog.

Ein weiterer Höhepunkt war die erste Verleihung des »Ahlener Kunstsprung«, mit dem der Förderkreis Kunstmuseum Ahlen e.V. auch in Zukunft die Arbeit von Nachwuchskünstler:innen auszeichnen möchte. Die ersten Förderpreise wurden von Silke Anna Linnemann, der Vorsitzenden des Förderkreises, an Anjali Janssens und Simon Ringelhan – beide sind Studierende im B.A. Fotografie – vergeben, die mit ihren fotografischen Arbeiten »Synthesis« und »Zwischen Erregung und Benommenheit« noch bis zum 29. Mai in »On Display« zu sehen sind.

Das Museumsteam und Ahlener Gäste genossen einen ungewöhnlichen Abend. Bis 23 Uhr war Leben im Museum, zum Abschluss legten zwei DJs auf, es durfte sogar getanzt werden!

TAKE OVER im Kunstmuseum Ahlen

Foto: Simon Ringelhan und David Müller

TAKE OVER im Kunstmuseum Ahlen anlässlich der Ausstellung On Display. Der Körper der Fotografie, mit Studierenden der Folkwang Universität der Künste Essen.

Am Samstag, den 14. Mai 2022, am Vorabend des Internationalen Museumstages, führen Studierende der Folkwang Universität der Künste Essen ab 18 Uhr durch einen spannenden Abend im Kunstmuseum Ahlen. Das Programm mit Gesprächen, Performances, Videoscreening und DJane-Set sowie der Release der Ausstellungspublikation ermöglicht einen erweiterten Blick auf die präsentierten Arbeiten der achtzehn beteiligten Studierenden und das Museum als Institution.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Es ist keine Voranmeldung notwendig, Eintritt und Programm sind kostenfrei. Weitere Informationen gibt es hier.

Peter Miller: Fuck it, Photography!

13. Mai bis 18. Juni 2022
SETAREH X

Magische drei Worte, ein Komma, ein Ausrufezeichen: »Fuck it, Photography!« heißt die aktuelle Ausstellung Peter Millers bei Setareh im Rahmen von Düsseldorf Photo+. Für die Ausstellung ist eine ganze Reihe neuer Arbeiten enstanden, die spielerisch-konzeptuell nach Möglichkeiten suchen, Fotografie immer wieder zu denken.

Die Eröffnung findet am Freitag, dem 13. Mai, von 14 bis 20 Uhr statt. Seid herzlich eingeladen!

Peter Miller ist seit 2018 unser Professor für Fotografie und zeitbasierte Medien. Sein aktuelles Bachelor-Seminar trägt den gleichen Titel wie die Ausstellung und zeigt seine Haltung zur Fotografie – eine energische, vorbehaltslose Bejahung!

Sora Park erhält den August-Sander-Preis 2022

Sora Park: Jeff (2018), aus der Serie »Bei mir, bei Dir« (2018–2021)

Wir dürfen uns mit Sora Park freuen und ihr herzlich gratulieren! Mit ihrer Serie »Bei mir, bei Dir« (2018–2021) hat Sora, die bei an der Folkwang Universität der Künste im B.A. Fotografie studiert, soeben den renommierten August-Sander-Preis für Porträtfotografie gewonnen. In feinfühligen Großformataufnahmen porträtierte die in Gimpo, Korea, geborene Fotografin Freund:innen in ihrem privatem Umfeld. Neben dem souveränen Umgang mit dem Großformat war für die Jury nicht zuletzt die Intensität der Aufnahmesituation ausschlaggebend: Nach mehreren Stunden des Gesprächs nimmt Sora nur ein einziges Bild auf.

In ihrer Begründung würdigt die Jury: »Mit psychologischem Gespür und Respekt für ihr Gegenüber ist es Sora Park gelungen, sich der Person individuell zu nähern, diese in ihrer Eigenart und momentanen Verfasstheit festzuhalten. Unabhängig, ob in sich ruhend, fragend, neugierig, leicht distanziert oder abwartend – jeder/jede erscheint in der photographierten Situation sehr präsent und vom Raum umfangen. Der bewusste und souveräne Einsatz der analogen Großbildtechnik mit 4 × 5 inch-Negativgröße (10,2 × 12,7 cm) ist dabei ein wichtiges Mittel. Längere Vorbereitungen und ein hohes Maß an Konzentration sind erforderlich, um zu einem entsprechenden Bildergebnis zu kommen.«

Der August-Sander-Preis wird seit 2018 von der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur ausgelobt und widmet sich sachlich-konzeptueller Porträtfotografie. Zur Jury gehörten diesmal Dr. Anja Bartenbach (Stifterfamilie), Gabriele Conrath-Scholl (Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur), Prof. Dr. Ursula Frohne (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), Albrecht Fuchs (Künstler, Köln) sowie Dr. Roland Augustin (Moderne Galerie/Saarlandmuseum, Saarbrücken). Sora Park wurde aus mehr als 100 Einsendungen ausgewählt, und wir sprechen unsere herzlichsten Glückwünsche aus zu dieser großen Auszeichnung!

Der Termin der Preisverleihung wird noch bekanntgegeben. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung und auf der Seite der SK Stiftung Kultur.

Sara Dominici opens the new Folkwang Photo Talks series

Starting this summer term, Folkwang University’s Department for Photography launches the Folkwang Photo Talks – a new series of presentations that aims at ongoing research in the ample field of interdisciplinary photo studies. 

It is our great pleasure that Sara Dominici will be our first speaker. Sara is a senior lecturer at the University of Westminster in London, and she will talk about her current research on practices in the darkroom: »The Recipe, the Equipment, and the Site of Making: On Learning to See Like an Amateur Photographer in the Darkroom«.

Sara’s talk takes place on April 21st, 2022, at 6 pm (Essen) or, respectively, 5 pm (London) and 12 pm (New York).

Everyone interested is very welcome, we provide an online link (Zoom) via e-mail, please register here.

P.S.: Our next guests will be Kathrin Yacavone (May 15) and Olga Moskatova (June 30).

 

Folkwang Photo Talks – save the dates!

Tim Bruns: Installationsansicht aus der Serie »Sherds«, Museum Folkwang, 2021.

»Folkwang Photo Talks« – unter diesem Titel eröffnen wir in diesem Sommersemester eine neue Vortragsreihe. Der Name ist Programm: eher Talks als Lectures, Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte statt abgeschlossene Vorhaben. Zu Wort kommen sollen Forscherinnen und Forscher, die im weiten Feld von Theorie und Geschichte der Fotografie arbeiten und genau wie wir versuchen, dieses perspektivenreiche Territorium genauer zu kartieren. Die Vorträge beginnen stets um 18 Uhr, sind öffentlich und finden entweder online oder im Quartier Nord statt.

Wir freuen uns sehr, dass wir für den Auftakt mit Sara Dominici, Kathrin Yacavone und Olga Moskativa drei international ausgewiesene Spezialistinnen gewinnen konnten, die mit einem je ganz eigenen Forschungsschwerpunkt unsere Reihe eröffnen. Für den Vortrag von Sara Dominici bitten wir um Anmeldung unter tgf(at)folkwang-uni.de, um einige Tage vor dem Vortrag die Zugangsdaten zu versenden. Für die beiden anderen Vorträge laden wir bereits jetzt herzlich ins Quartier Nord auf der Zeche Zollverein!


21. April 2022
Sara Dominici (University of Westminster, London)
The Recipe, the Equipment, and the Site of Making:
On Learning to See Like an Amateur Photographer in the Darkroom 
Online

19. Mai 2022
Kathrin Yacavone (Kulturwissenschaftliches Institut Essen)
Für eine Sammlungsgeschichte der Fotografie
Quartier Nord, 2.13

30. Juni 2022
Olga Moskatova (Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)
Smart Images. Bildplattformen als Medien der Klassifikation
Quartier Nord, 2.13

On Display. Der Körper der Fotografie

Vom Februar bis zum Mai dieses Jahres lässt sich im Kunstmuseum Ahlen die Fotografie in einem reizvollen Kontrast erleben: Zu sind zeitgleich zwei Sonderausstellungen, die sich mit dem Ursprüngen und der Gegenwart der Fotografie beschäftigen. Neben der Ausstellung »Neue Wahrheit? Kleine Wunder! Die frühen Jahre der Fotografie« zeigen insgesamt achtzehn Studierende der Folkwang Universität aus dem B.A. Fotografie und im M.A. Photography Studies and Practice Arbeiten, die sich mit materiellen Vielfalt des Fotografischen auseinandersetzen.

Um in Erscheinung treten zu können, benötigen Fotografien einen Körper – ein Medium. Das Erscheinen auf der rückseitig beleuchteten Glasscheibe des Smartphones ist nur eine der zahlreichen »Rahmungen« digitaler Bildlichkeit. Die eigens für die Ausstellung entwickelten Werke gehen visuell und haptisch, nicht zuletzt aber auch virtuell neue Wege. Als Objekte oder fluide Gebilde im Raum sowie durch die Wahl hybrider Werkformen rühren sie an den etablierten fotografischen Präsentationsformen. Stets zielt diese Vielfalt darauf ab, den Körper des Fotografischen zu befragen und herauszufordern. Die Anfänge der Fotografie, ihre Gegenwart und Zukunft sind so in einer gemeinsamen Präsentation miteinander verbunden.

An der Ausstellung beteiligen sich Eleonora Arnold, Kara Bukowski, Linda Hafeneger, Helen Hickl, Hendrik Hinkelmann, Anjali Janssens, Marie Laforge, Katharina Ley, Wiebke Meischner, Majid Moussavi, David Müller, Asli Özcelik, Simon Ringelhan, Damian Rosellen, Samuel Solazzo, Anna Traskalikov, Julian Weigandt und Larissa Zauser. Kurator*innen sind Dr. Martina Padberg, Kunstmuseum Ahlen, und Prof. Elke Seeger sowie Prof. Dr. Steffen Siegel von der Folkwang Universität der Künste.

Im Mai wird ein Katalog erscheinen, der neben einer umfangreichen Dokumentation aller ausgestellten Werke auch Texte enthalten wird, die von Studierenden der beiden M.A.-Programme Photography Studies and Practice und Photography Studies and Research verfasst worden sind.

Dialog im Zwischenraum

»DIALOG IM ZWISCHENRAUM – im Austausch mit dem Stadtteil Katernberg«
ein Fotografie-Projekt mit Studierenden der Folkwang Universität der Künste

Eröffnung am Do., 24.3. um 18 Uhr
Ausstellungsdauer von 25.3.–9.4.2022
Öffnungszeiten von Do.–Sa. von 14–18 Uhr und nach Vereinbarung

Werkstadt PACT Zollverein
Viktoriastraße 5
45327 Essen

Ausgangspunkt für das Projekt war die Frage, wie im Format einer Ausstellung mit dem Stadtteil Katernberg kommuniziert werden kann. Das fordert natürlich dazu auf, die örtlichen Gegebenheiten mit einzubeziehen. Die Studierende haben sich dieser Herausforderung gestellt und ihr Interesse am Stadtteilleben und ihre Beziehung zum Bezirk mithilfe von Fotografie, Video, Diaprojektion, Interaktion und Installation im Außenraum visualisiert.

Über das Ausstellen hinaus versucht das Projekt verschiedene Ebenen der Kommunikation miteinander zu verknüpfen. Im Rahmen von »Kurzvorträgen“ werden die einzelnen Beiträge im Bürgerzentrum Kon-Takt nochmals vorgestellt und mit der Bevölkerung diskutiert.

Mit Arbeiten von Luisa Feier, Kathleen Kayser, Simon Ringelhan, Daniel Senzek, Maksim Stamenic, Jan Sternberg, Moritz Wondrak, Jiaying Yu, Yanru Zhang, Miriam Zieglmeier.

Alle Arbeiten sind im Rahmen des Kurses »Fotografie im Experiment« und im Austausch mit Prof. Gisela Bullacher entstanden.

Special Issue von »History of Photography« ist erschienen

»Circulating Photographs« heißt ein Themenheft, das gerade eben als ein Special Issue der wissenschaftlichen Zeitschrift History of Photography erschienen ist. Herausgegeben wurde es von Maria Antonella Pelizzari (Hunter College, The City University of New York) und Steffen Siegel. Neben einer Einleitung der beiden Herausgeber:innen enthält das Heft insgesamt sieben Beiträge, die sich den Fragen der globalen Zirkulation von fotografischen Bildern widmen und dabei vor allem die Jahre zwischen 1860 und 1940 in den Blick nehmen. Sie stammen von Matthias Gründig, Anne Strachan Cross, Édouard de Saint-Ours, Julien Faure-Conorton, Max Bonhomme, Jonathan Dentler und Kate Fogle.

Am Beginn des Heftes stand der internationale Workshop »Circulating Photographs: Materials, Practices, Institutions«, der im März 2019 gemeinsam von der Bibliotheca Hertziana, Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom, und der Folkwang Universität der Künste ausgerichtet worden ist. Der Workshop fand in Rom statt und wurde dort von Antonella Pelizzari und Steffen Siegel gemeinsam mit Johannes Röll und Tatjana Bartsch von der Hertziana geleitet. Die einwöchige Veranstaltung richtete sich an internationale Doktorand:innen und Post-Doktorand:innen, die zu Fragen der Fotogeschichte forschen. Im kommenden Jahr soll diese Form der Kooperation zwischen der Bibliotheca Hertziana und der Folkwang Universität der Künste fortgesetzt werden. 

Best of Cmd+c

Im vergangenen Semester beschäftigten wir uns im Bachelor-Kurs »Cmd+c« theoretisch mit dem Kopieren als Kulturtechnik und damit mit dem Zitieren, Plagiieren, Fälschen, Appropriieren, mit den Simulakren Baudrillards ebenso wie mit digitalem Sampling. Ganz praktisch endete das Seminar in einem gemeinsamen Fotokopier-Workshop, in dem kleine DIY-Zines entstanden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine kleine Pop-up-Ausstellungswand neben dem Eingang zur Galerie 52 im zweiten Stockwerk des Quartier Nord zeigt jetzt ein Best-of der so entstandenen Hefte. Die Ausstellungswand kann jederzeit beliebig erweitert werden.

Auf theoretischer Ebene befragte das Seminar zuletzt insbesondere die Ideen von Besitz und Copyright und suchte nach alternativen, gemeinschaftlichen Formen der Teilhabe. Im Seminarraum befand sich dafür von der ersten Sitzung an ein sperriges Kopiergerät, das die Teilnehmerinnen nutzten, um Fundstücke, Fragmente, Bilder und Texte miteinander zu teilen. Über das Semester hinweg entstand so ein Fundus von mehreren hundert kopierten Blättern, die einen gemeinsamen Grundstock für die Zines bildeten. In digitaler Form kann die dadurch entstande Kopiensammlung zur freien Verwendung hier heruntergeladen werden (Größe: 700 MB).

Wer sich für die Kunst- und Mediengeschichte des Fotokopierers interessiert, dem bietet die Website des Mülheimer Museum für Fotokopie, das wir im Seminar besuchen konnten, einen ersten Einstieg. Eine eklektische Liste an Internet-Fundstücken zum Kopieren findet sich auf dem Linktree zum Seminar ebenso wie auf der Cmd+c-Youtube-Playlist.

Stopover 21/22

Einmal im Jahr – stets in den zwei Monaten um den Jahreswechsel – stellen die Studierenden der beiden Master-Programme Photography Studies and Practice sowie Photography Studies and Research in Kooperation mit dem Museum Folkwang im UG des Museums aus. »Stopover«, der wiederkehrende Titel dieser Ausstellungen, ist dabei Programm: Keine fertigen, bereits abgeschlossenen Arbeiten sollen gezeigt werden; vielmehr geht es um Einblicke in aktuelle Fragestellungen und Versuche, auf diese mit eigenen Projekten und Arbeiten zu reagieren.

Fotografische Begegnungen stehen in diesem Jahr im Zentrum von »Stopover«. Doch was sind fotografische Begegnungen? Ist es Licht, das auf empfindliches Material fällt? Zwei Menschen, die einen gemeinsamen Moment mit einer Kamera teilen? Dialoge, die durch das Nachdenken über Fotografie entstehen? Oder das Aufeinandertreffen verschiedener Positionen in einem Raum?

Um hierauf Antworten zu geben, werden in verschiedenen Formen fotografischer Annäherungen, ästhetischer Haltungen und Zeigeformen erprobt. Dabei werden Schichten von Wirklichkeiten freigelegt und zur Diskussion gestellt. Durch das Aufgreifen von Material und das Überführen in neue Kontexte werden verschiedene Perspektiven im Hinblick auf eigene Fragestellungen entwickelt. Das gemeinsame Mit- und Voneinander-Lernen beider Masterprogramme wird in den Ausstellungsraum übertragen. Erstmals sind sowohl künstlerische als auch wissenschaftliche Beiträge zu sehen. Jede der Herangehensweisen stellt einen äußerst persönlichen Zugang dar, sich mithilfe fotografischer Medien die Welt zu erschließen.

Während sich die Themen der präsentierten Positionen manchmal ganz eng aufeinander zubewegen, so streben sie an anderer Stelle in verschiedene Richtungen und öffnen Räume für Assoziationen. Alle elf Arbeiten befassen sich auf die eine oder andere Weise mit der Frage, wie Fotografie ausgestellt und zugänglich gemacht werden kann.

Eröffnet wird die Ausstellung am 2. Dezember 2021 im Museum Folkwang und ist anschließend bis zum 6. Februar 2022 zu sehen. Bei einem Besuch des Museums sind die aktuell gültigen Hygienevorschriften zu beachten.

Am 18. Dezember 2021, 22. Januar und 6. Februar 2022 finden jeweils um 15 Uhr Führungen statt. Treffpunkt ist jeweils der Besucherempfang im Foyer. 

Studieninfo-Tag 2022

Fotografie in Praxis wie Theorie besitzt an der Folkwang eine lange Geschichte – und einmal im Jahr nehmen wir neue Studierende auf, um diese Tradition in die Zukunft fortzuschreiben. Das gesamte Team der Fachgruppe Fotografie freut sich über Bewerbungen von allen, die eine künstlerische und wissenschaftliche Beschäftigung mit der Fotografie fasziniert.

Was genau sich hinter unseren drei Studiengängen zur Fotografie verbirgt, wer bei uns unterrichtet, wie die Labore, Studios, und Bibliotheken aussehen und welche Projekte wir für die nicht so ferne Zukunft planen – all das wollen wir bei unserem Studieninfo-Tag berichten. Am 21. Januar 2022 von 14 bis 18 Uhr, online. Das ausführliche Programm findet sich hier.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme!

Von unikal bis unilimitiert. Werte des Fotografischen

Am 3. und 4. Dezember 2021 richtet das Zentrum für Fotografie Essen, ein Zusammenschluss der Folkwang Universität der Künste, des Historischen Archivs Krupp, des Museum Folkwang und des Ruhr Museum, das internationale Symposium »Von unikal bis unilimitiert. Werte des Fotografischen« aus. Stattfinden wird es auf dem Campus Zollverein im Auditorium des SANAA-Gebäudes.

Längst haben sich Fotografien als ein bequemes Werkzeug alltäglicher Kommunikation etabliert. Mit ihrer Hilfe werden Informationen in Umlauf gebracht. Mit der Masse an Nachrichten geht die Menge der Bilder einher. Eingelöst wird damit ein Versprechen, das diesem Medium seit seinen Anfängen eingeschrieben ist: Fotografien sind ein Instrument der Vervielfältigung. Die mit ihnen angelegten Prozesse der Reproduktion weisen tendenziell ins Unendliche. Doch werden Fotografien beinahe ebenso lange als ein künstlerisches Objekt diskutiert, gehandelt und gesammelt. Der Wert solcher Bilder bemisst sich gerade nicht in ihrer massenhaften Verfügbarkeit und den alltäglichen Gebrauchsweisen. Wer Fotografien nach den tradierten Maßstäben der Kunstgeschichte und des Kunstmarktes bemisst, bringt Vorstellungen von Besonderheit und, im äußersten Fall, von Einmaligkeit ins Spiel. All dies sind wichtige Gründe, über den Wert des Fotografischen miteinander zu diskutieren!

Aus interdisziplinärer Sicht wird das Symposium die hiermit verbundenen Fragen in den Blick nehmen und diskutieren. In programmatischer Absicht wollen wir dabei unterschiedliche Felder der fotografischen Praxis adressieren: Kunst, Wissenschaft, Archiv, Kuratorisches, Restaurierung und nicht zuletzt den durch Galerien und Auktionshäuser vertretenen Kunstmarkt. Das Symposium ist in insgesamt fünf Panel gegliedert: Märkte, Limitierung, Sammlungen, Materialitäten und Originale. Jedes Panel wird von drei bzw. vier kurzen, thesenhaft zugespitzten Beiträgen eröffnet; im Anschluss soll Raum für eine umfassende Diskussion auf dem Podium und gemeinsam mit dem Publikum gegeben werden. Bereits am Vorabend wird das Symposium mit zwei Ausstellungen eröffnet.

Am Symposium werden mitwirken: Nora Al-Badri (Berlin), Dirk Boll (London), Manuela Fellner-Feldhaus (Essen), Stefanie Grebe (Essen), Teresa Gruber (Winterthur), Lucia Halder (Köln), Simone Klein (Köln), Peter Konarzewski (Essen), Anouk Kruithof (Brüssel), Mirco Melone (Basel), Priska Pasquer (Köln), Markus Rautzenberg (Essen), Thomas Schmutz (Basel), Inka Schube (Hannover), Elke Seeger (Essen), Thomas Seelig (Essen), Steffen Siegel (Essen), Batia Suter (Amsterdam) und Salvatore Vitale (Zürich).

Das vollständige Programm ist hier abrufbar.

Erbeten ist eine Anmeldung bis zum 28.11.2021 unter: zentrumfuerfotografie@folkwang-uni.de

Die Teilnahme ist kostenfrei. Änderungen sind Corona-bedingt jederzeit möglich. Voraussetzung für den Einlass sind die 3G-Regeln sowie die Einhaltung der gültigen Hygienebestimmungen.

Kritik

Tafel XIX: Korrektur als Schöpfung

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Janis Hoellger studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Beim Entfernen-Werkzeug in Lightroom handelt es sich nicht um ein Modell zur freien Generierung, sondern um konzeptuell beschränktes Inpainting. Motive werden erkannt und die markierten Lücken mit typischen Strukturen, die statistisch am sinnvollsten erscheinen, ersetzt. Dabei bezieht sich das Modell unter anderem auf Farben, Licht und die Perspektive der Szene.

Statt dem sonst stark beschränkten und geleiteten Füllen lautet der Auftrag, bei einem vollständig ausgewählten beliebigen Bild, hier: »Erzeuge ein Bild, ohne Bedingungen«. Das gezeigte Bild ist das Ergebnis eines vollständigen Eingriffes.

Wird der gesamte Bildraum zur Leere erklärt, verliert die KI jeden Bezug und arbeitet ausschließlich innerhalb ihres latenten Raumes. Das Modell bezieht sich auf Anhaltspunkte, die in den Trainingsdaten überrepräsentiert sind: Pflanzen, Landschaften, organische Strukturen. Das Bild zeigt nicht die Welt, sondern den visuellen Durchschnitt, aus dem diese KI gelernt hat zu sehen. Generiert ist nicht die Vorstellung eines Ortes, sondern ein statistisch wahrscheinlicher Zustand von Natur, einem Thema, das mit am häufigsten in den Daten vorkommt. Statt lediglich zu entfernen, tritt etwas vermeintlich Neues hervor, der Akt der Korrektur wird zu einem Akt der Schöpfung.

 

Tafel XVIII: Unvorstellbar viele Dinge und Möglichkeiten

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Julius Schmidt studiert seit 2020 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Auf einem hellen Parkettboden liegt ein geschlossenes, dunkelblaues Buch. Auf dem Buch steht ein ein transparentes Glas. Quer über der Öffnung des Glases liegt ein Metall-Löffel, der über die Ränder hinausragt. Auf dem Löffel ist ein roter, kugelförmiger Gegenstand platziert, der zentral ausbalanciert ist. Vor dem Glas ebenfalls auf dem Buch liegen zwei Kronkorken, einer gelb und der andere grün. Sie bilden einen farblichen Kontrast zu den übrigen Objekten im Bild. Alltägliche Gegenstände werden ihrer Funktion enthoben und in eine fragile, temporäre Ordnung überführt, die über ihre Lage und Materialität miteinander in Beziehung treten.

Dieses Bild (Abb. 1) ist auf Basis eines Referenzbildes (Abb. 2) entstanden. Der Prompt lautete: »Gib mir eine Variation mit anderen Gegenständen«. Statt ein einzelnes Motiv zu reproduzieren, ging es darum, die bestehende Bildordnung mit KI auf die Probe zu stellen.

Die Struktur basiert auf einer ausgewählten Sammlung von Gegenständen, die immer wieder neu balanciert werden und die Limitierung dabei helfen soll, sich nicht in der Unendlichkeit von Dingen zu verirren. Es ist interessant zu sehen, für welche Materialien und Dinge das Programm sich entscheidet und wie schnell man zu verschiedenen Ergebnissen kommt. Allerdings nimmt es dem Prozess die Spannung, da die Dinge automatisch balancieren und so die Freude, dass eine Konstruktion bestehen bleibt, in den Hintergrund rückt.

 

Tafel XVII: Junger Mann in Oxford

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Urs Meyer studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Die KI-generierte Darstellung eines jungen Mannes wirkt real. Elegant gekleidet steht er vor einer hellen Hausfassade in Oxford. Seine Haltung drückt Entschlossenheit und Stolz aus. Doch bei genauerem Hinsehen irritiert das Bild; und es wirft viele Fragen auf.

Gibt es diese Symbole wirklich? Was genau wird hier eigentlich gezeigt? Entstand dieses KI-generierte Bild tatsächlich absichtsfrei als bloße Imitation der Realität? Sehen wir nur, was die KI aus gespeicherten Daten und statistischen Mustern zusammensetzt: Mittelwerte, Stereotype und Verzerrungen? Oder handelt es sich um eine KI-Halluzination, die etwas genuin Neues hervorbringt? Oder liegt ein Prompt vor, der mit einer bestimmten Absicht verfasst wurde? Und lässt sich dieser Prompt, ähnlich einer Kameraposition, dem Kontext einer fotografischen Aufnahme oder der Kenntnis anderer Arbeiten eines Fotografen, rekonstruieren oder erahnen?

KI-generierte Bilder bleiben uns diese Antwort fundamental schuldig – gerade dann, wenn sie realistisch wirken. Der Prozess der Bildgenerierung entzieht sich dem Verstehen und jeder vollständigen Kontrolle. Er verschließt sich Rückschlüssen auf die Intention ebenso wie auf die verwendeten Bildelemente und die Symbolik. Auch die im Training eingeflossenen Bewertungen, Vorurteile und Verzerrungen bleiben verborgen. Weder über die Absicht der Erzeugung noch über die Herkunft der dargestellten Bildelemente lassen sich verlässliche Aussagen treffen.

Was kann ein solch generiertes Bild überhaupt aussagen? Eine Evidenz, die aus den Eigenschaften des abgebildeten Objekts hervortritt, oder ein materieller Bezug zu einer tatsächlichen Situation fehlt ihm. Eine eigentliche Aussagekraft über reale Gegebenheiten – etwas, das »so gewesen ist« – kommt einem solchen Bild nicht zu. Dennoch fügt es sich nahtlos in unsere Zeit mit ihrem Credo »perception is reality« und wird massiv beeinflussen, was wir als real zu verstehen vermögen.

 

 

Tafel XVI: Befreiung von der Last der Wahrheit

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jonathan Urban studiert im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Ein Bild, das die Künstlichkeit nicht verleugnet, sondern als integralen Bestandteil der Darstellung feiert. Es ist die Frucht einer künstlichen Intelligenz, die nicht abbildet, sondern schafft und dabei eine Ästhetik hervorbringt, die in ihrer Komplexität und ihrer Distanz zur menschlichen Hand eine eigene Form von Poesie birgt. Es reicht heute ein einziges geschriebenes Wort aus, um solche prachtvollen Formen aus dem Nichts zu rufen. Die Maschine sammelt Millionen kleiner Teile von Daten und webt daraus eine ganz neue Wirklichkeit. Wir betrachten nicht mehr nur ein Abbild der Natur, sondern das Echo von Millionen Bildern, die zuvor existierten. Ein konstruiertes Echo, das das Bild von der Last der Wahrheit befreit.

 

Tafel XV: Ein Stillleben als Selbstporträt

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Kimberly Jüschke studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Auf den ersten Blick handelt es sich um ein künstlerisches Stillleben mit Gegenständen aus dem Bereich der Medizin, Fotografie, Alltag und Lebensmittel. Auf den zweiten Blick kommt es einem aber komisch vor. Die hier versammelten Elemente sind sonderbar: eine unscharfe Flasche, eine scharfe Kamera und fokussierte Blumen auf einer ähnlichen Hintergrundebene, erkennbare Buchtitel, aber eine unleserliche Beschriftung der Apothekenfläschchen, ein vermeintlich altes Blutdruckmessgerät mit einem falsch ausgezeichneten und nicht eindeutig lesbaren Uhrzifferblatt, dessen Schläuche aus dem Nichts erscheinen und mit der Umgebung verschmelzen, zwei überdimensionierte Augen, wobei eines in der Luft zu schweben scheint und ebenfalls in die umliegenden Gegenstände ausläuft, Pillen in der Größe von Walnüssen, wovon sich eine gerade zu klonen scheint.

Der menschenartige-technische Kopf sticht durch seine blaue Farbigkeit im Vergleich zu den anderen Objekten heraus. Der blaue Kopf ist hier die Selbstdarstellung der KI, die ich um eine Selbstverwirklichung im Bild gebeten hatte. Genauere Anweisungen, außer die der Abbildung eines Stilllebens mit Elementen der Medizin und Fotografie, habe ich hingegen nicht vor. Die Platzierung der Gegenstände und die spezifische Auswahl wurde von der KI generiert. Die Bildproduktion war einfach. Ein paar Zeilen in ChatGPT eingeben und eventuell noch Anweisungen addieren mit der Hoffnung, dass diese wie gewollt umgesetzt werden. Das Ergebnis war innerhalb kürzester Zeit fertig – viel schneller also als das Aussuchen, Besorgen, Anordnen, Aufbauen einer Kamera, die Anpassung der Licht- und Kameraeinstellungen, das Fotografieren und möglicherweise auch noch das Bearbeiten der Fotografie selbst.

Auf der Basis einer KI-Generierung zeigt das Bild jedoch nicht einen vergangenen Moment, sondern ein Muster aus anderen Aufnahmen, mit denen die KI trainiert und nun kombiniert in diesem Bildnis präsent wurden. Die Intentionen des Aufbaus der verwendetet Bilder und deren Aussagekraft bleibt verborgen und somit auch die des generierten Bildes. Solche Abbildungsqualität erkennt man auf den zweiten Blick. Der erste erkennt in ihm eine vertraute ästhetische Ordnung.

 

 

Tafel XIV: Der Auslöser

Pluto: KI-Augen

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Lou Hackl studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist der Beitrag.

Wenn wir darüber spekulieren, ob das Generieren von Bildern zur Fotografie gehört, scheint die Autor*innenschaft an das Verfassen der Prompts gebunden zu sein. Dies ist der Teil des Prozesses, in dem Künstler:innen die Richtung angeben. Darüber hinaus eröffnen sich Möglichkeiten, weitere fotografische Momente in den Arbeitsprozess einzubauen; nicht mit dem Ziel, Objekte oder die Realität abzubilden, sondern zur Aneignung eines unwahrscheinlichen Moments, und damit hypothetisch einer mehrschichtigen Autor:innenschaft.

In seiner Arbeit »KI-Augen« findet der Künstler Pluto einen Weg, den Auslöser zurück in den Prozess zu integrieren. Er wählt gezielt den Moment, in dem er den generativen Algorithmus unterbricht. Seine Entscheidungskraft im Prozess bekommt zur inhaltlichen Ebene eine zeitliche Komponente. Innerhalb des Systems entsteht eine neue Form des Eingriffs und der Kontrolle. Mir scheint, als würde hierdurch die Autor:innenschaft gestärkt. Vor allem kehrt aber die essenzielle, haptische und suchende Erfahrung des Auslösens zurück in den Prozess.

Vilém Flusser vergleicht die Geste des Fotografierens mit altsteinzeitlichem Jagdverhalten, was sich mit dem Fotoapparat ins Dickicht der Kulturobjekte überträgt. Im Moment des Auslösens kulminiert diese Jagd des Unwahrscheinlichen und wird zu Bildmaterial. Pluto erkennt im Prozess die Möglichkeiten des Apparats und überträgt diese Jagd durch die bewusste Unterbrechung des Prozesses auf bildgenerative KI. Er »löst aus«, bevor der Algorithmus sein vorgesehenes Ergebnis in seiner stochastisch bereits vorbestimmten Berechnung erreicht. Es entsteht eine Spannung zwischen Maschine und menschlicher Intervention, zwischen Zufall und bewusster Entscheidung, die eine gewisse Macht in sich hält. Diese Macht ähnelt der Macht, die wir mit einem Fotoapparat und dem Finger auf dem Auslöser innehaben.

Es ist ein Spielfeld, in dem Pluto das Unvorhersehbare fixiert, so wie Fotograf:innen auf ein entscheidendes Motiv lauern. Die Maschine produziert unendliche, im Rahmen der Nutzer:innenoberfläche unvorhersehbare Möglichkeiten, aber eine menschliche Hand entscheidet, welcher Zwischenstand in diesem Prozess eingefroren wird – eine Überraschung, vielleicht in diesem Rahmen »unwahrscheinlicher« als alle Endprodukte, die der Algorithmus von selbst hervorgebracht hätte.

 

Tafel XIII: Vermeintliche Grenzen und Workarounds

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Tizian Albachten und Kaspar Flesch studieren seit 2023 bzw. 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Bei dem gezeigten Bild handelt es sich um eine mit dem Tool »Generatives Füllen« in Photoshop veränderte Fotografie. Die ursprüngliche Aufnahme entstand nachts bei teilweise bewölktem Himmel. Im oberen Bildteil ist ein Objekt zu erkennen, das an eine Bombe erinnert. Direkt darunter befindet sich eine grüne Leinwand mit sechs grünen Figuren, die vom Betrachter abgewandt sind und teils zu tanzen, teils zu gehen scheinen. Darunter erstreckt sich ein schimmernd welliger Pool mit einer leuchtenden roten Linie am hinteren Ende. Zwischen Pool und Leinwand wird ein Zaun zu Artefakten, die irgendwo zwischen Autoscheiben, Rollläden und Hauswänden liegen.

Die Fotografie entstand ursprünglich in einem Basiswissen-Kurs an der Folkwang Universität der Künste. Nach Beendigung der Aufgaben wurde das Bild aus Spaß mit KI bearbeitet. Dabei wurden verschiedene Prompts ausprobiert. Als wir eine Bombe visualisieren wollten, blockierte die KI dies. Durch den Workaround »Arschbombe« gelang es jedoch, das Bombenmotiv zu erzeugen, ohne die Sicherheitsmechanismen auszulösen. Dieses Beispiel zeigt, wie leicht sich Sicherheitsvorkehrungen umgehen lassen. Durch solche Workarounds können gewaltvolle oder manipulative Bilder produziert werden, die für Desinformation, Propaganda oder Falschnachrichten missbraucht werden können.

Dies wirft grundlegende Fragen auf: Wie kann die Nutzung von KI sinnvoll reguliert werden? Welche Verantwortung tragen die Entwickler solcher Tools? Und wie lässt sich Missbrauch flächendeckend verhindern, ohne die kreativen Möglichkeiten zu stark einzuschränken? Als Verbraucher und Nutzer dieser Technologien können wir diese Fragen aufwerfen und diskutieren. Es bedarf jedoch einer gesellschaftlichen und rechtlichen Debatte, um angemessene Lösungen zu finden.

 

Tafel XII: Urheberrecht im KI-Zeitalter

dreamshaper XL, Stable diffusion, Symbolbild (OC), getimg.ai – eigens trainiertes Modell

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Luis Lucyga studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Der mit einem bildgenerativen KI-Modell erstellte Bildausschnitt zeigt Wolken im Sonnenschein vor klarem, blauem Himmel. Bei genauerer Betrachtung werden aber Textüberreste in Form von Wörtern und einzelnen Buchstaben sichtbar. Die Trennung zwischen Wolke und Text ist dabei fließend: Die kryptischen Wortschnipsel schreiben sich in die Umgebung ein und werden Teil von ihr.

Diese Überreste stammen von in Bildern eingebetteten Wasserzeichen verschiedener Stockphoto-Plattformen. Zum Schutz des Urheberrechts der Bild-Autor:innen werden diese Wasserzeichen in Form von Logos und Textfragmenten auf die beworbenen Bilder gelegt. Erst mit einem Erwerb einer Lizenz weicht diese Kennzeichnung dem eigentlichen Bildmaterial. Ausgehend von den generierten Bildern lässt sich nur noch begrenzt nachvollziehen, von welchen Stockphoto-Seiten und vor allem welchen Urheberinnen das nicht lizenzierte Bildmaterial stammt. Nichtsdestotrotz ist dieser Umstand ausreichend für eine Feststellung.

Bildgenerative KI-Modelle werden mit menschengemachtem Bildmaterial in Milliardenzahl trainiert, dessen Verwendungszweck in der Regel nicht mit den Rechteinhaber:innen abgestimmt wurde. Zudem zeigen nur wenige Anbieter Transparenz im Hinblick auf ihre Datenbanken und die Herkunft des gesammelten Trainingsmaterials. Sichtbar wird dieser Missstand in diesem Fall lediglich deshalb, weil sich Wasserzeichen aufgrund ihrer repetitiven Struktur in die Generierung einschreiben. Damit geben sie gleichzeitig einen Hinweis auf eine weitaus größere, unsichtbare Masse an Bildern, deren nicht lizenzierte Verwendung nicht mehr zurückverfolgt werden kann.

In diesem Nachhall erscheinen die Wasserzeichen wie Relikte einer überholten Praxis, die auf eine aktuelle Notwendigkeit verweisen: Der Umgang mit Urheberrecht und algorithmischen Systemen muss überhaupt erst noch verhandelt werden.

 

 

Tafel XI: KI-Ausstellungsansicht

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Anton Siemann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Es scheint sinnlos zu sein, bei der Dokumentation von Ausstellungsexponaten im Raum auf die Hilfe KI-generierter Bilder zu setzen. Welchen Wert hätte das nie Dagewesene zur Bezeugung von Wirkung in einem tatsächlichen Raum? Das System schenkt mir ein Dokument, ohne dass ich mich hierfür anstrengen muss, bildet das ab, was es von mir beschrieben bekommt: Exponat und Raum – ohne jemals selbst das Exponat gesehen oder den Raum betreten zu haben. Es scheint, als würde die KI das Bild auf magische Weise erfinden, uns das plausibel Mögliche konstruieren. Wie ein Besucher oder eine Besucherin der Ausstellung, dessen persönliche Erfahrung uns als Bild vorgelegt wird.

Mir scheint es leicht, das Ergebnis unseres kurzen textlichen Austausches zu bewerten, da ich genau weiß, wie das echte Exponat im echten Raum aussieht. Wer das nicht weiß oder nicht die Gelegenheit hatte, vor Ort zu sein, würde dennoch von dem vorliegende Bild zumindest eine Idee bekommen, die alles andere als ungenau ist. Ungenau sind einzig Details. Das tatsächliche Motiv der Fotografie ist nach meiner spärlichen Beschreibung relativ akkurat getroffen wird, und auch der Bezug des Objektes zum Raum. Mit der Art der Aufhängung hat das Programm trotz mehrmaliger Beschreibungsversuche allerdings seine Schwierigkeiten. Die Einfachheit dreier unregelmäßig angeordneter Nägel an der Ober- und Unterseite der beigen Schachtel, die das Bild halten, sind für das Programm eine Hürde. Stattdessen wird wiederholt eine konventionelle Variante der Hängung mit vier gleichmäßig angebrachten Nägeln vorgeschlagen.

Auch der Rahmen wird weniger wie eine Schachtel generiert, sondern wie eine schwammige Oberfläche. Der Raum, den ich als Garage beschrieben habe, scheint mir aufgrund der Perspektive, die eine Nische im Hintergrund erkennen lässt, unnötig verschachtelt interpretiert und nicht auf das Wesentliche reduziert zu sein. Dennoch ist bemerkenswert, wie genau Atmosphäre und Komposition der Fotografie sowie die Beschaffenheit der Garage, die als Ausstellungsraum dient, getroffen werden. Mir ist bewusst, dass der Zweck einer Ausstellungsansicht die genaue Dokumentation der tatsächlichen Situation ist. Man könnte denken, dass die bildgebende Instanz anwesend war, wenn man bedenkt, mit welcher Selbstverständlichkeit sie das Bild formt.

Ich nehme an, dass Intention, Haltung und Perspektive des oder der Fotograf:in gar nicht so genau generiert werden könnten, selbst wenn ich sie ganz genau beschreiben würde. Das Ersetzen von Ausstellungsansichten durch KI wird also, wie beeindruckend genau auch immer, niemals ein authentisches Abbild des Tatsächlichen liefern. 

Tafel X: You think you’re cooler than me?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Felix Molitor studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Die generative KI ist auch dazu in der Lage, das menschliche Gemüt zu erheitern. Generierte Inhalte, die als humoristisch rezipiert werden, sind in sozialen Medien häufig vertreten und begegnen uns im Alltag in verschiedenen Formen. Hier sehen wir die Darstellung einer Katze beziehungsweise eines Katers in einem Kühlschrank. Das Tier schaut aus dem geöffneten Eisfach hinaus direkt zur betrachtenden Person. Dabei fällt auf, dass die Proportionen und Größenverhältnisse nicht wirklich stimmig sind.

Oben und unten befindet sich der zusammenhängende Schriftzug „YOU THIN YOIR COLLER THANON ME“. Der Prompt „You think you’re cooler than me“ wurde folglich fehlerhaft abgeändert. Außerdem lässt die Darstellung eines Kühlschranks darauf schließen, dass das Wort „cooler“ als Hinweis auf ein Kühlgerät verstanden wurde.

Der humoristische Moment ist hier eher zufällig entstanden und nicht durch die Bildgenerierungssoftware intendiert. Zum aktuellen Zeitpunkt besitzt die KI nur ansatzweise die Fähigkeit, selbstständig humoristische Inhalte zu erstellen. Intention oder Bewusstsein für Komik lassen sich ihr nicht zuschreiben; humorvoll wird das Bild erst in der Rezeption. Humor kann beispielsweise durch Prompts, die absichtsvoll eine skurrile, komische Anordnung oder Situation beschreiben, durch zufällige, nicht intendierte Bildinhalte oder Fehler in der Bildgenerierung entstehen.

In unserem Beispiel wurde durch einen kurzen, wenig bildbeschreibenden Prompt viel Platz gelassen für Fehlinterpretationen, Halluzinationen und unvorhersehbare Bildentscheidungen. Die zufällig generierte Katze und der fälschlicherweise generierte Kühlschrank treten in einen nicht-logischen Bild- und Sinnzusammenhang. Der dazu übernommene, falsch geschriebene Text unterstützt die komische Anmutung des Bildes. So kann Humor entstehen – zumindest wenn man gewillt ist zu lachen. 

Tafel IX: Sprache und Träumen

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Marla Koether studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

Mit der CFG (Classifier-Free Guidance)-Skala lässt sich im Generierungsprozess Einfluss darauf nehmen, in welchem Ausmaß sich die KI an die Bildbeschreibung hält. Somit kann aktiv in das eingegriffen werden, was sonst in Diffusionsmodellen ein separater Bildklassifikator übernimmt und technisch verborgen bleibt.

Einstellen lässt sich der Wert zwischen 1 und 30. Je höher, desto mehr entspricht das generierte Bild dem Prompt. Ein zu empfehlender Bereich liegt zwischen 7 und 10, da dieser in der Regel ein Gleichgewicht zwischen Abweichung und Treue zu der Eingabeaufforderung darstellt. Die Beobachtungen zeigen, dass ein zu hoher Wert ebenfalls nicht mehr der Eingabe entspricht. Zudem lässt sich feststellten, dass selbst innerhalb der empfohlenen Werte keine vollständige Kontrolle über das Bildergebnis entsteht und willkürliche Ergebnisse möglich sind.

Neues wird in der generativen KI geschaffen, doch nie ohne die schon vorhandenen Grundlagen. Zudem scheint ein Spielraum dieser technischen Parameter für die Bildgenerierung nötig zu sein, da die Bildergebnisse sonst zu extremen Darstellung führen. Dieses Abweichen lässt sich intuitiv als Kreativität und Träumen beschreiben. Ist dies eine paradoxe Beobachtung? Immerhin sind Kreativität, Lösungsfindung und Neuerschaffung dem menschlichen Wesen zugeordnet.

Die fotografische Technik wird kontinuierlich weiterentwickelt, bis sie präzise, technisch perfekte und wahrheitsgetreue Abbildungen ohne ungewollte Elemente ermöglicht. Im Gegensatz zu dieser Genauigkeit wird das »Herumspinnen« von der KI erwartet und ist explizit bei einer knappen Eingabe erwünscht. Selten wird im Prompt eine gewünschte Form konsequent bis ins letzte Detail beschrieben, die Textbeschreibung ist nur stichpunktartig. Somit wird bei der Texteingabe, meist absichtlich, ein Teil des »Denkens« der KI überlassen.

Dadurch findet eine Verlagerung von Vorstellung und Entscheidung statt: Es muss keine ausformulierte Vorstellung im Vorhinein bestehen. Mit der Erzeugung von Bildvorschlägen können diese zunächst betrachtet werden. Erst danach erfolgt die Bewertung, ob das Ergebnis passend ist. In diesem Möglichkeitsraum können dann zusätzlich durch Sprache – ungebunden an Ort, Zeit oder Gegenstand – gezielt Bildteile verändert werden. In gewisser Weise illustriert das Bild die Sprache.

 

Tafel VIII: Havarie oder KI?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Jasper Gartmann studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen ein Fahrzeug, dessen vorderer Teil durch einen plötzlichen und gewaltsamen Vorfall schwer verformt wurde. Die Karosserie ist aufgerissen, Bruchstücke liegen verstreut auf dem Boden, und die innere Konstruktion, die dem Blick gewöhnlich verborgen bleibt, tritt nun offen zutage. Das Bild vermittelt auf den ersten Eindruck die ungeschönte Sachlichkeit eines Unglücks, wie sie nur durch das unmittelbare Festhalten des Augenblicks entstehen kann.

Eine weibliche gelesene Person kniet neben dem beschädigten Rad und scheint die Ursache oder die Folgen des Ereignisses zu untersuchen. Ihre Haltung wirkt weder dramatisch noch bewusst arrangiert. Doch bei längerer Betrachtung stellen sich Zweifel ein, die den zunächst gewonnenen Eindruck der Authentizität erschüttern.

So fällt etwa die Unschärfe und eigentümliche Verformung des linken Fußes ins Auge, dessen Gestalt sich nicht klar deuten lässt. Ob dies eine Folge der Havarie ist oder vielmehr ein Hinweis auf eine andere Ursache, bleibt zunächst offen. Der Verdacht verstärkt sich jedoch beim genaueren Blick auf die Finger der Hand der Frau, deren Formen unentschlossen und schwammig erscheinen. Weitere entscheidende Hinweise liefern das rechte Hosenbein, welches ebenfalls in einer unnatürlichen Unschärfe verschwindet.

Diese Unstimmigkeiten legen nahe, dass es sich hier nicht um eine Fotografie handelt, die Ereignis bezeugt, das tatsächlich stattgefunden hat. Vielmehr deutet die Häufung typischer Fehler – unklare Übergänge, unsaubere Details, anatomische Ungenauigkeiten – darauf hin, dass wir es mit einem durch künstliche Intelligenz erzeugten Bild zu tun haben. So wird diese Tafel weniger zu einem Zeugnis eines realen Unfalls als zu einem aufschlussreichen Beispiel der neuen bildschaffenden Verfahren unserer Zeit, deren Wirklichkeitstreue sich bei näherem Hinsehen als trügerisch erweist.
 

Tafel VII: Kinderstuhl

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Hartmut Rosemann studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wer jemals versucht hat, ein im Geiste vorgestelltes Bild mithilfe von Sprache und einem KI-Modell in eine tatsächliche Darstellung zu überführen, stellt, sobald das anfängliche Gefühl von Magie verflogen ist, fest, dass Einzelheiten oft nicht so in Erscheinung treten, wie sie intendiert waren. In der sprachlichen Beschreibung werden Details ausgelassen, vielleicht bleibt die Definition des Lichts oder einer Textur ungenau, kurz: Man scheitert an der unermesslichen Detailfülle der Welt.

Ich habe versucht, diese Problematik in einem Experiment ad absurdum zu führen: Mein Ausgangspunkt sollte jetzt kein imaginiertes Bild sein, sondern eine digitale Fotografie eines Stilllebens. Diese Aufnahme ließ ich von einer künstlichen Intelligenz bis ins kleinste Detail analysieren, um daraus den Prompt für eine erneute Bildgenerierung zu gewinnen.

Das hier gezeigte Resultat vermittelt ein grundlegendes Verständnis für den Aufbau des Originalbildes: Es zeigt die gleichen oder ähnlichen Gegenstände, arrangiert sie in einem ähnlichen Verhältnis zueinander, greift die Komposition und Lichtstimmung auf und übersetzt sie in einer ähnlichen Weise. Doch es bleibt bei dieser Ähnlichkeit.

In der Fotografie wird die Realität über ein optisches System auf einen – wie in meinem Fall – digitalen Sensor projiziert und gespeichert. Modelle künstlicher Intelligenz hingegen haben anhand von Trainingsdatensätzen mit Abermillionen Bildern gelernt, wie Dinge typischerweise aussehen und generieren daraus eigene Darstellungen. Während eine Fotografie auch Details festhält, die manchmal erst bei späterer Betrachtung ins Auge fallen, bleibt die KI auf die Sprache angewiesen und diese weist, wie bereits beschrieben, Lücken auf. Die Maschine füllt diese Leerstellen mit statistischen Mustern. Wird im Prompt etwa nur ein Kinderstuhl erwähnt, ohne dessen spezifische Beschaffenheit zu bestimmen, entscheidet sich die Maschine für eine Durchschnittsdarstellung eines Kinderstuhls.

In meinem Experiment dient die Originalfotografie als Stellvertreter einer präzisen mentalen Vorstellung. Der Versuch, diese eins zu eins in das KI-Modell zu überführen, gleicht dem Vorhaben, einem anderen Menschen ein inneres Bild zu beschreiben. Das Gegenüber wird niemals exakt das gleiche Bild vor dem geistigen Auge formen. Womöglich lässt sich die generative Leistung der Maschine analog zur menschlichen Imaginationskraft begreifen.

Auch unsere mentalen Bilder sind selten bis ins letzte Detail definiert. Wir formen sie aus visuellen Erfahrungen und erlernten Konzepten. In ähnlicher Weise greift auch die KI auf ihre digital erlernte Bildwelt zurück und synthetisiert daraus Bilder nach ihrer eigenen Bildlogik.

So kann ein durch KI erzeugtes Bild als Ergebnis zweier aufeinandertreffender Imaginationssysteme verstanden werden, entstanden in einem produktiven Raum zwischen menschlicher und maschineller Vorstellungskraft.

Tafel VI: Über die Reproduzierbarkeit rechnerisch erzeugter Bilder

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Johan Schiefke studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

In dem hier vorgelegten Versuch bat der Operator das System, ein von Künstlicher Intelligenz hervorgebrachtes Original (oben links) allein unter dem Stichwort »Porträt« zu reproduzieren. Dem Resultat dieser Aufforderung wurde wiederum dieselbe Prozedur unterzogen. Dieser Vorgang wurde in einer Kette von fünfunddreißig Wiederholungen fortgesetzt.

Während es bei den ersten Resultaten noch ein geschultes Auge bedarf, um Abweichungen vom ursprünglichen Bilde zu bemerken, treten mit fortschreitender Wiederholung allmählich Erscheinungen hervor, die sich dem Beobachter nicht länger entziehen. Dies reicht von einem Rauschen im Bild über unverhältnismäßige Sättigung der Farben bis hin zur Veränderung des Bildinhalts selbst. Der Prozess lässt sich bis zur völligen Entfremdung von seiner Ursprungsgestalt fortsetzen. Womöglich wäre das Bild ohne die Vorgabe, ein »Porträt« zu kreieren, bereits in neue Gestalten zerflossen.

Mein Bestreben ist jedoch weniger darauf gerichtet, die Ursachen dieser skurrilen Eigenart im Inneren der generativen Bildgebung zu ergründen, als vielmehr, deren Bedeutung für die mögliche Zukunft dieser neuartigen Technologie in einem Gedankenexperiment zu illustrieren.

Man stelle sich vor, man entledige sich eines Tages des mühseligen Vorgangs der Fotografie endgültig und das Bild entstehe fortan allein durch rechnerische Verfahren. So würden die Bildarchive jener Systeme allmählich mit ihren eigenen Erzeugnissen durchsetzt. Resultat wäre eine Rückkopplungsschleife, durch die das System fortwährend sich selbst zum Gegenstand seiner Berechnungen machen würde, bis es im Wahn der Selbstverirrung seine eigene Grundlage untergrübe und ins Absurde fortentwickelte.

Man könne diesem Problem entgegentreten, indem man die Erzeugnisse künstlicher Intelligenz aus dem eigenen Korpus entfernte. Insofern bliebe jedoch die Frage offen, woher künftig neue Bilder zur Verarbeitung gewonnen werden sollen. Die Maschine würde zu einer bloßen Zeitkapsel der Vergangenheit werden.

 

Tafel V: Zweifel und Beweis

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Chaeg Kim studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Fotografien bewiesen Fakten selten direkt, sondern halfen uns vor allem dabei, schnell zu entscheiden, was vertrauenswürdig ist. In diesem Sinne waren Fotografien auch ein Mittel, um Zweifel zu beenden. Aus diesem Grund wurden Fotos als Beweise für bestimmte Situationen oder Ereignisse akzeptiert. KI-generierte Bilder können diese Funktion jedoch leicht unterspülen.

Sie sind in der Lage, eine „Verifizierung“ in Online-Räumen durchzuführen, in denen keine persönlichen Begegnungen stattfinden. Beispiele hierfür sind Fotos, auf denen ein Klebezettel mit einem geschriebenen Datum gehalten wird, oder Bilder, die spezifischen Anweisungen wie bestimmten Posen oder Handgesten folgen. Wo Fotografien als Beweise zur Unterstützung von Urteilen verwendet werden, können Probleme auftreten.

So können beispielsweise in Dating-Apps wie Tinder natürlich generierte Profilfotos für Betrugszwecke genutzt werden, ohne offensichtlich verdächtig zu erscheinen. Ähnliche Formen der Täuschung sind auf Zweitmarkt-Plattformen wie Kleinanzeigen möglich. Darüber hinaus können KI-generierte Bilder dazu verwendet werden, akademische Zeugnisse zu fälschen, Nachweise für Krankmeldungen am Arbeitsplatz zu manipulieren, Familienmitglieder zu beruhigen, Bilder von beschädigten Waren bei Versicherungen einzureichen, die Zustellung von Paketen zu bestätigen, Falschparken zu melden oder Bilder von Luxusartikeln oder Reisen in sozialen Medien zu posten.

Nahezu jede Situation, in der Fotografien geholfen haben, ein Urteil zu bilden, ist davon betroffen – zum Beispiel mein Bild, das mich an einem sehr bekannten Ort zeigt, an dem ich weder an jenem Tag war noch bisher überhaupt jemals.

 

 

Tafel IV: Warum sind diese Gesichter nass?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Isabella Rintsch studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist ihr Beitrag.

»Wie Hammer ist das?« oder »Ja, ich bin ein #ChatGPT-Opfer« sind Reaktionen auf einen bereits etwas veralteten, sich auf ChatGPT beziehenden Internet-Trend. Mein Prompt lautete: »Erstelle ein kontrastreiches Nahaufnahmeporträt meines Gesichts mit Fokus auf die Vorderseite, in Schwarz-Weiß-Nahaufnahme, 35-mm-Objektiv, 4K HD-Qualität. Starker Ausdruck, Wassertropfen auf meinem Gesicht, schwarzer Schattenhintergrund, nur das Gesicht ist sichtbar, Seitenverhältnis 4:3.« Zusätzlich wurde die Maschine mit einem Bild oder mehreren Bildern der Person für das zu generierende Porträt gefüttert. Zu sehen sind hier vier Beispiele von den sehr vielen, die man im Internet finden kann.

Trotz der verblüffenden Ähnlichkeit zur Realität erzeugt das generierte Wassertropfen-Porträt ein unbehagliches Gefühl. Vor allem in ihrer Vielzahl treiben sie ein problematisches Verlangen nach Uniformität in der Gesellschaft hervor. Der strenge Blick, der im Schatten verschluckte Hintergrund, die gelee-artigen Tropfen und besonders die Menge der in gleicher Art generierten Porträts schafft eine Flut von unsympathisch wirkenden und unbegründet nassen Gesichtern. Diesen Porträts fehlt ganz einfach das Leben. Die bedenkenlose Abgabe eigener Daten erleichtert den Vorgang. Systematisch sind sie dem Passbild recht ähnlich, wobei das Produkt hinsichtlich seines Nutzens nicht gegensätzlicher sein könnte.

Doch gibt es für die Faszination, die dieser Trend ausübte, mit Sicherheit Gründe. Neben Langeweile und Mitteilungsbedürfnis ist es vielleicht das trügerische Gefühl, das Produkt eines professionellen Photoshootings zu erlangen, wenn dafür sonst die Mittel fehlen. Für einen kurzen Spaß und Beitrag in den sozialen Netzwerken scheint durchaus es angemessen. Allerdings sollte ein ernsthafter Nutzen dieser Bilder ausgeschlossen werden, denn besonders auf Dating-Plattformen finden diese Porträts immer mehr ihren Platz.

Es ist ja bereits fragwürdig genug, wenn Personen Teile ihres Gesichts unkenntlich machen, zum Beispiel durch eine Sonnenbrille. Wenn nun aber auf solchen Plattformen Bilder zirkulieren, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden, stellt sich erst recht die Frage, welches Bilderspiel hier eigentlich betrieben wird.

 

Tafel III: Slop?

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Ludwig Wang studiert seit 2022 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Erinnern wir uns an das Bild des Papstes, das weniger das Oberhaupt der katholischen Kirche zeigte als die Inszenierung eines Hip-Hop-Stars: Die Bedeutung dieses Bildes entstand nicht durch den Bezug zu einem realen Anlass, sondern aus der kollektiven Bereitschaft, es als bedeutsam wahrzunehmen. Es verwies auf kein tatsächliches Ereignis und entfaltete dennoch Wirkung, die nicht im Bild selbst lag, sondern in seiner Lesbarkeit und der Übereinstimmung seiner Zeichen mit vertrauten visuellen Codes.

Das gleiche Prinzip zeigt sich in diesem generierten Bild von Che Guevara, das eine mir sehr ähnelnde Person an seine Seite setzt. Auch hier entsteht Bedeutung nicht aus einem Ereignis, sondern aus der Wiedererkennbarkeit der Zeichen: Kleidung, Pose, Körnung, historischer Gestus. Es funktioniert, weil es sich bekannt anfühlt, nicht weil es etwas beweist. Das Bild ist für eine kleine Weile amüsant, irritierend oder ansprechend, weil es eine bekannte Ikone mit einer unerwarteten Nähe verbindet. Doch diese Nähe bleibt folgenlos. Sie eröffnet keinen neuen Blick, keine Erfahrung, keine Erkenntnis. Was gezeigt wird, erschöpft sich im Erkennen der Inszenierung.

Solche Bilder sind heute unbegrenzt verfügbar, formal austauschbar und jederzeit reproduzierbar. Gerade darin liegt ihre paradoxe Schwäche. Je häufiger sie zirkulieren, desto schneller verlieren sie ihre Wirksamkeit. Ihr Reiz liegt im Effekt, in der überraschenden Kombination und im spielerischen Bruch, doch dieser Effekt nutzt sich rasch ab. Sie fordern keine Entscheidung, kein Innehalten, keine Verantwortung. Was bleibt, ist Wiederholung.

Die Müdigkeit gegenüber dem Großteil von generierten Bildern ist daher weniger eine Ablehnung der Technik als eine Reaktion auf Bedeutungsinflation. Wo alles möglich ist, wird nichts notwendig. Die Zukunft dieser Bilder entscheidet sich nicht an ihrer technischen Perfektion, sondern an der Frage, ob sie mehr sein können als plausible, kurz unterhaltende Oberflächen oder ob sie lediglich, wie das Bild mit Che, amüsieren, zirkulieren und schließlich spurlos verschwinden.

 

Tafel II: Fake Shibuya

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Kageaki Inoue studiert seit 2023 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Wir sehen dicht gedrängte, gemischt genutzte Gebäude, riesige Werbetafeln auf Dächern und entlang der Fassaden. Hinter einer Kreuzung ragen Wolkenkratzer auf, und noch weiter dahinter zeichnet sich am Horizont schwach die Silhouette einer sanft ansteigenden Bergkette ab. Dieses Bild ist eine von einer KI generierte Ansicht von Tokyo aus der Vogelperspektive.

Man kann anhand der Form der Kreuzung zwar vermuten, dass es sich um das Zentrum von Shibuya handelt, doch jemand, der sich in Tokyo gut auskennt, würde sofort erkennen, dass es sich um eine völlig fiktive Stadt handelt. Für Shibuya gibt es zu wenige Hochhäuser, und es fehlt der nahezu direkt an die Kreuzung angrenzende Bahnhof. Auch die Schriftzeichen auf den Werbetafeln lassen sich nicht eindeutig als japanisch oder chinesisch identifizieren, vielleicht nicht einmal als korrekte Schrift. Es ist überraschend, dass keine Wahrzeichen wie der Tokyo Tower oder der Skytree zu sehen sind. Dass der Fuji nicht dargestellt wurde, ist hingegen lobenswert.

Während der Zeit des rasanten Wirtschaftswachstums in den 1960er-Jahren nahm der Verkehr in Shibuya durch die Ansiedlung zahlreicher kommerzieller Einrichtungen explosionsartig zu. Um die Sicherheit von Fußgängern und Fahrzeugen zu gewährleisten, entstand 1973 das berühmte „Scramble Crossing“. In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre etablierte sich das Viertel als Zentrum der Jugendkultur, und diese Kreuzung wurde zu einem symbolträchtigen Ort der Stadt.

Heute finden sich dort nicht nur Einkaufszentren, sondern auch zahlreiche Bürogebäude und kulturelle Einrichtungen, weshalb Shibuya als Knotenpunkt für Menschen aus verschiedenen Bereichen dient. Auch international ist der Bekanntheitsgrad gestiegen, und das Viertel gilt als kosmopolitischer Stadtteil. Mittlerweile ist Shibuya sogar innerhalb der KI-Welt bekannt geworden. Wenn man um ein Foto von Tokyo bittet, erzeugen sie in Sekundenschnelle solch eine seltsam anmutende, an Shibuya erinnernde Stadtlandschaft.

 

Tafel I: Ein Bild aus Sprache und Vorstellung

Täglich können wir beobachten, wie Bilder, die mithilfe Künstlicher Intelligenz generiert wurden, auch auf unseren Umgang mit der Fotografie einwirken. Von der Produktion bis zum Gebrauch wandeln sich die fotografischen Praktiken – und mit ihnen auch das Verständnis davon, was eine Fotografie zeigt und ist. Im Rahmen des Seminars »The Pencil of Nature, 1844–2026«, geleitet von Steffen Siegel, haben Studierende im B.A. Fotografie im Wintersemester 2025/2026 diese Fragen diskutiert. Ganz nach dem Vorbild von William Henry Fox Talbots berühmten Fotobuch haben sie eine eigene Tafel entworfen, die sich mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz auseinandersetzt. Dorian Beck studiert seit 2024 im B.A. Fotografie an der Folkwang Universität der Künste. Hier ist sein Beitrag.

Mit der hier angewandten Entdeckung ist es erstmals möglich, eine Abbildung ohne den Einsatz von Licht zu erzeugen. Lediglich ein Text wird als Ausgangspunkt benötigt. Die Frage, ob in diesem Zusammenhang noch von einer Fotografie gesprochen werden kann oder ob hierfür ein neuer Begriff erforderlich ist, lässt sich derzeit nicht eindeutig beantworten und wird sich erst im Laufe der Zeit herausstellen. Bereits jetzt wird jedoch deutlich, dass hier Bilder entstehen, die sich der Vorstellungskraft des Gestalters verdanken – vergleichbar mit der Malerei, die keiner zwingenden Gesetzmäßigkeit folgt. Die Abbildung ist weniger Ergebnis einer Aufzeichnung als einer Konstruktion.

Die Oberflächen der Gefäße scheinen einen feinen Glanz aufzuweisen und zeugen von einer präzisen Verarbeitung. Das könnte auf eine außergewöhnlich hohe Qualität der dargestellten Materialien hinweisen. Die Gläser spiegeln ihre Umgebung auffallend genau wider, aus der angenommenen Perspektive blickt man in eine inszenierte Studiolandschaft. Ein blau-grüner Stoff bildet, einer Rückwand gleich, den Hintergrund, was in Verbindung mit einer nur implizierten Lichtquelle dazu führt, dass das gesamte Bild von einem kühlen, bläulichen Farbton durchzogen ist.

So lädt die Abbildung die Betrachtenden dazu ein, nicht nur das Dargestellte wahrzunehmen, sondern auch über den Akt und Prozess seiner Entstehung nachzudenken. Sie regt an, indem sie weniger eine dokumentarische Wahrheit behauptet als vielmehr eine visuelle Möglichkeit eröffnet – ein Bild, das nicht aus Licht, sondern aus Sprache und Vorstellung entstanden ist.

EFEG #9 Aglaia Konrad / Carrara

In der neunten Folge von »Einige Fotobücher, einige Gedanken« sprechen Elisabeth Neudörfl und Andreas Langfeld über »Carrara« von Aglaia Konrad. Erschienen ist das Buch 2011 bei Roma Publications in Amsterdam. Die Fotografin fragmentiert mit dem »Ausschnitt-Werkzeug« Fotokamera die Marmor-Steinbrüche von Carrara und konstruiert aus den Bildern eine ungewöhnliche Seherfahrung. Das Buch enthält außerdem einen Text von Angelika Stepken. Ca. 29 cm × 21,5 cm, 136 Seiten, 119 Schwarzweiß- und 18 Farb-Fotografien (sowie die Farbfotografie auf dem Schutzumschlag).

Aglaia Konrad wurde 1960 in Salzburg geboren, 1990–1992 Studium der Fotografie an der Jan von Eyck Academie in Maastricht. Seit 2007 ist sie Professorin an der Sint-Lukas in Brüssel. Zahlreiche Auszeichnungen, 1997 Teilnehmerin der documenta X, 2003 Camera Austria Preis für zeitgenössische Fotografie, 2023 Österreichischer Staatspreis für Fotografie.